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Schlagwort Archiv: DDR

Aug 24th, 2012

Die Träume der Welt

Martin Sabrow darf man einen der besten Zeithistoriker nennen, er forscht derweil über Erich Honecker, der am 25. August 100 Jahre alt geworden wäre. Nun hat Sabrow der Zeit ein Interview gegeben, das durch eine Sicht auf den Menschen und SED-Apparatschik Honecker besticht, die auf den erinnerungspolitischen Parcours hierzulande sonst eher selten anzutreffen ist. Die Welt macht daraus ganz großes Kino: „Träumte Honecker von Diktatur mit Lafontaine?“ Da werden assoziative Marken gesetzt, die einen ganz heutigen Gedanken beim Leser herausfordern sollen und weniger mit dem SED-Vorsitzenden als mit Lafontaine zu tun haben: Hat der „gefährlichste Mann Europas“, einer, der seinerzeit auch noch gegen eine übereilte Währungsunion war, womöglich geplant, die schöne Bundesrepublik an den Bösen Honecker zu verkaufen?

Aug 21st, 2012

Kipping will Elternbonus

Die Linkspartei, titelt die Welt, wolle einen „Behördentag nach DDR-Vorbild“. Das macht einen bisschen Eindruck, solchen von der schlechten Art. Dabei hat das, was Katja Kipping gegenüber dem Blatt fordert, so viel mit dem Realsozialismus zu tun wie mit der alten Bundesrepublik: Es geht um die Bevorzugung von Eltern bei der Urlaubsgewährung, um so eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erreichen

Aug 13th, 2012

Kein Glückwunsch

Vor einem Jahr hatte es noch einen Riesenrummel gegeben, heuer verzichtet die neue Spitze der Linkspartei darauf: Man habe in diesem Jahr auf einen Geburtstagsglückwunsch an Fidel Castro verzichtet, hat Linken-Chef Bernd Riexinger erklärt. "Wir haben glaube ich gerade drängendere Probleme.“ Wegen eines Grußes an Kubas langjähriger Maximo Lider waren 2011 Gesine Lötzsch und Klaus Ernst schwer in die Kritik geraten – am Ende wurde die Verantwortung beim „von Mitarbeitern bedienten Unterschriftenautomat“ gesucht. Anders die Junge Welt: Die dankte am Montag auf ihrer Titelseite „einfach mal“ dem einstigen Chef der Kubanischen KP. Vor einem Jahr hatte das Blatt noch mit einem Dank für den Mauerbau provoziert

Jun 14th, 2012

Kurth schreibt Ramelow

Am Wochenende feiern in Berlin die Linken – beim "Fest der Linken". Zwischen Hüpfburg, Lesungen und Diskussionsrunden wird an den drei Tagen in der Kulturbrauerei unter anderem auch das von Bodo Ramelow herausgegebene Buch „Made in Thüringen?“ über den Nazi-Terror der NSU und den Verfassungsschutz-Skandal vorgestellt. Ramelow erhielt nun Post vom Erfurter FDP-Bundestagsabgeordneten Patrick Kurth – in dem dieser eine Absage des Festes der Linken fordert: Am 17. Juni sei Gedenken angesagt, das Fest sei „geschmacklos“ terminiert und eine „große Provokation“. Ramelow hat auf das "dubiose Fax" des Liberalen inzwischen geantwortet

Über die Berufsverbote

Feb 25th, 2012

Über die Berufsverbote

Am Samstag kommt die Historische Kommission der Linkspartei zu ihrer 14. Tagung zusammen - im Mittelpunkt des öffentlichen Treffens in Berlin steht der Radikalenerlass von 1972. Eingeladen sind unter anderem Georg Fülberth und der Bundestagsabgeordneten Jan Korte, angefragt waren zudem der Jenenser Historiker Dominik Rigoll und Thomas Klein, der – selbst zur linken Opposition in der DDR gehörend – am eigenen Beispiel einen Blick auf die Berufsverbotspraxis im Osten werfen könnte. Das Thema Radikalenerlass ist 40 Jahre danach immer noch aktuell - die Linksfraktion hat gerade eine Anfrage zum Thema an die Bundesregierung gerichtet

Jan 5th, 2012

Im Hamsterrad

Die Brandenburger CDU, die sich schon seit langem durch eine ausgeprägte Piefigkeit und Provinzialität auszeichnet, ist im immerwährenden Kampf gegen Rot-Rot auf eine besonders bräsige Idee gekommen: In ihren Presseerklärungen bezeichnen die Christdemokraten die Potsdamer Koalition nur noch als „letzte linke Landesregierung“. Aber auch mit anderen Mitteln versucht die CDU, der „letzten linken Landesregierung“ den Garaus zu machen. Jetzt will sie Justizminister Volkmar Schöneburg als heimlichen Freund der Todesstrafe enlarven

An der Demarkationslinie

Nov 23rd, 2011

An der Demarkationslinie

Die Debatte ist natürlich auch hier im Blog schon entfacht worden: Ist die „Zwickauer Zelle“ das späte Echo einer DDR, deren Antifaschismus in Widerspruch zum Alltag stand, die demokratieferne Menschen hervorbrachte, welche dann auch noch einer radikalen kapitalistischen Transformation zum Opfer fielen? Was ist dran an den Ost-West-Deutungsangeboten, die jetzt in der Diskussion über Rechtsradikale aus dem Boden sprießen? Ein Text, der keine Antwort hat, nur die, dass er als Teil eines festgefahrenen Diskurses wohl auch zum Problem mit dazu gehört

Okt 11th, 2011

Linkes Optimismus

Die Schiedskommission der Nordost-Linken wird sich in dieser Woche mit einem Fall befassen, der die Partei auch über die Landesgrenzen hinaus bewegt hat: der Antrag auf Ausschluss von Marianne Linke. Die frühere Sozialministerin war am 13. August bei einer Schweigeminute für die Maueropfer demonstrativ sitzengeblieben, die Geschäftsführerin der Volkssolidarität Silvia Steinbach sah darin ein „zutiefst parteischädigendes Verhalten“. Linke selbst wähnt die Verantwortung allein beim Landesvorstand

Sep 16th, 2011

Debatte DDR

Zuletzt wurde oft behauptet, die Linkspartei sei wegen ihrer Debatten um Aspekte der Vergangenheit in die Krise geraten. Dabei ist es umgekehrt. Schon in der PDS war Streit über die eigene Vorgeschichte eher Ausdruck als Anlass von Richtungskonflikten. Dazu ein Text aus "Analyse & Kritik", die sich zudem mit den von der DDR selbst entworfenen Narrativen befasst, welche nur allzu gern von Linken aufgegriffen werden

Sep 6th, 2011

Faire Atmosphäre

Der Bundestag hat am Dienstag einen Bericht seines Immunitätsausschusses veröffentlicht, in dem auf 17 Seiten festgestellt wird, was seit über 20 Jahren bekannt ist: Der Linken-Abgeordnete Thomas Nord war in den achtziger Jahren als IM der Stasi tätig und er gehört zu denen, die damit offen und selbstkritisch umgegangen sind. Der Ausschuss schreibt nun, „dass der Abgeordnete Thomas Nord auf die Fragen mit großer Offenheit geantwortet und an der Anhörung außerordentlich konstruktiv mitgewirkt“ habe. Nord selbst hat sich „für die offene und faire Atmosphäre bei meiner Anhörung durch den Ausschuss“ bedankt

Aug 29th, 2011

„Am Ziel“

Aus dem Umfeld von Gregor Gysi wird berichtet, er habe sich womöglich etwas „voreilig“ festgelegt; Sevim Dagdelen dagegen wähnt sich bereits „am Ziel“: Knapp die Hälfte der Abgeordneten der Linken hat sich gegen einen Anzeigenboykott der Jungen Welt ausgesprochen. Einen entsprechenden Aufruf hätten bisher 30 der 76 Parlamentarier unterzeichnet. Der Umgang mit der Jungen Welt soll am Montag auch auf der Tagesordnung des Linken-Vorstands stehen. Gesine Lötzsch sei gegen einen Beschluss, so der Tagesspiegel. Bundesgeschäftsführerin Caren Lay dagegen „will weiter an der Praxis festhalten, dass die ,Junge Welt’ von uns keine Anzeigen erhält

Aug 13th, 2011

Etwas durchgeknallt

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering hat zu dem aus Bayern laut gewordenen Ruf nach einem Verbot der Linkspartei noch einmal alles Nötige kurz zusammengefasst: „Das ist schon ein bisschen durchgeknallt.“ Klaus Ernst hat in einer Gastkolumne für das Neue Deutschland erklärt, was man in Deutschland eigentlich verbieten müsste. Und ansonsten wird in manchen Medien im Zuge der Mauer- und DDR-Debatte ein DDR-Bild gezeichnet, in dem sich ein feiges, verbrecherisches Regime eine "Republik der Sklavenhalter" bastelt, was man heutzutage schon in den Kindergärten entlarven müsse. Die Untoten des Kalten Krieges - sie leben noch.

Nicht mit Kopf ab

Aug 12th, 2011

Nicht mit Kopf ab

Schadet die Debatte über die Bewertung des Mauerbaus der Linken? Dem Zusammenhang zwischen Wahltermin und Jahrestag wird die Partei nicht entfliehen können. Als Anlass, ihr Rechtfertigung vorzuwerfen, taugt noch der banalste Nebensatz. Und so sehr sich die Linke auch an die geschichtspolitische Decke streckt, „unmissverständliche Klarstellungen“ wiederholt, Unrecht bedauert und sich vom autoritären Sozialismusmodell distanziert - es juckt die veröffentlichte Meinung gar nicht. Das Dilemma ist kaum aufzulösen

Aug 6th, 2011

Größere Übereinstimmung

Im Nordosten geht die Mauer-Debatte weiter. Inzwischen haben sich André Brie und Helmut Holter zu Wort gemeldet, die Linke in Mecklenburg-Vorpommern schwanke „weiter zwischen Verurteilung und Rechtfertigung“, heißt es in den Zeitungen. Mit letzterem sind die Mauer-Thesen der Antikapitalistischen Linken gemeint, Zeit online schreibt vom „Aufstand der linken Fundis“. Nun liegt es einerseits auf der Hand, dass es unterschiedliche Meinungen über den 13. August 1961 gibt, sonst hätte wohl zum Landesparteitag niemand eine alternative Stellungnahme eingereicht. Andererseits muss man schon fragen, ob der Unterschied wirklich so groß ist, dass man ihn mit gewichtigen Begriffen wir „Verurteilung und Rechtfertigung“ beschreiben kann

Damals richtig

Aug 3rd, 2011

Damals richtig

Jahrestage sind Umfragezeiten, weshalb man jetzt hier und da lesen kann, was die Deutschen vom Mauerbau halten. Das Leipziger Institut für Marktforschung will dagegen für die Super Illu herausgefunden haben, dass zumindest eine Mehrheit der Ostdeutschen die Errichtung des Sperrwerks rückblickend als falsch ansieht. In der Berliner Zeitung heißt es dagegen, 50 Jahre später seien „noch immer viele Berliner der Ansicht, dass die Teilung der Stadt damals richtig war. Vor allem Anhänger der Linken stimmten der Stabilisierungs-These mehr oder weniger zu

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