Seetüchtigkeit
Nach den Zug-Metaphern nun also Schiffs-Sprachbilder: Die neue Doppelspitze der Linken und der Vorsitzende der Bundestagsfraktion haben in einer gemeinsamen Erklärung dazu aufgerufen, die Partei für kommende Auseinandersetzung „seetüchtig“ zu machen. Göttingen habe gezeigt, „dass unser Schiff fest genug war, um schwere Stürme zu überstehen“, so Katja Kipping, Bernd Riexinger und Gregor Gysi. Nun müssten „die politischen und organisatorischen Weichenstellungen für das kommende Wahljahr“ erfolgen. „Die nächsten drei Monate entscheiden darüber“, ob die Linke wieder in die Offensive komme. In den ersten 120 Tagen nach dem Parteitag solle „eine breite Debatte“ über den weiteren Kurs geführt werden; dabei will die neue Linken-Spitze „die Gremien und Gliederungen der Partei in den Ländern einbeziehen und neue Wege ausprobieren, um die Basis“ zu beteiligen. Die Diskussion soll dann in den Entwurf eines Programms zur Bundestagswahl 2013 münden.
Es liege „viel Arbeit und eine große Verantwortung“ vor der Linken, heißt es in der Erklärung der drei. „Diese Republik braucht eine Partei, die wirtschaftliche, soziale und politische Missstände nicht nur benennt, sondern auch klare Alternativen zum Neoliberalismus formuliert.“ Das ist richtig, und es ist vor allem richtiger als die neuerliche Behauptung, dass „selbst der neue französische Präsident Hollande“ inzwischen „Kernforderungen der Linken“ aufgegriffen habe. In dieser Weise hatte sich bereits Oskar Lafontaine auf dem Parteitag in Göttingen geäußert. Kann es sein, dass sich die französischen Sozialdemokraten ihren eigenen Kopf gemacht haben? Für die Linke jedenfalls bringt die Wiederholung, alles Gute in der politischen Welt habe sie erfunden, wohl kaum Punkte – es klingt zu sehr nach „Linkshaberei“ und verbessert ganz sicher nicht die eigene „Seetüchtigkeit“. (vk)
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