Ran an den Speck
100 Prozent Reichensteuer oberhalb von 40 000 Euro Monatseinkommen – mit dieser radikalen Forderung erzielte die Linke-Vorsitzende Katja Kipping neulich ein paar kleine Schlagzeilen und erntete die eine oder andere kritische Stimme. Kipping konnte sich dabei auf den linken französischen Präsidentschaftskandidaten Jean-Luc Mélenchon beziehen, der mit einer ganz ähnlichen Forderung im Wahlkampf für Furore gesorgt hatte. Überall, wo die Linke in Europa erfolgreich war, habe sie mit der Reichensteuer gepunktet, meint denn auch Kippings Ko-Vositzender Bernd Riexinger gegenüber der Tageszeitung – setzt aber einen anderen Akzent. Neben der in der Partei allgemein akzeptierten Millionärssteuer von fünf Prozent nennt Riexinger einen Spitzensteuersatz von „deutlich über 70 Prozent“. Er sei sicher, zitiert ihn die taz, dass es im Bundestagswahlkampf „in diese Richtung gehen wird“. Riexinger spricht publikumswirksam von einer Specksteuer – in den kommentierenden Bemerkungen der taz wird aus dem Unterschied zwischen 100 Prozent und „deutlich über 70 Prozent“ eine kleine Parteikontroverse. „Riexinger korrigiert Kipping“ heißt es da in der Hoffnung, man habe einen Miniaufreger an Land gezogen. Mal sehen, wie die Debatte weitergeht. Sinnvoll und nötig ist sie in jedem Fall, und sie könnte auch in aller Ruhe geführt werde. Wie jedoch die jüngere Geschichte der Linken zeigte, reichen manchmal geringfügige Anlässe für mittlere Eruptionen. Vielleicht aber hat die Linke erst einmal die Nase voll davon. (wh)
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