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Mosaik statt Mitglied

Um Bewegungs- und Wahlpartei werden zu können, sagt der Philosoph und Aktivist THOMAS SEIBERT in einem GASTBEITRAG, müsse es der Linken gelingen, über ihr bisheriges Milieu hinaus attraktiv zu werden. “Dafür sieht es seit dem Göttinger Parteitag besser aus als vorher.” Trotzdem wird Seibert absehbar kein Mitglied der Partei werden – aber weiter im Rahmen einer Mosaiklinken mit ihr kooperieren.

Ich bin kein Mitglied der LINKEN, obwohl ich der Meinung bin, dass die Gründung der Partei einer der bedeutendsten Fortschritte der gesamten Linken in der BRD war, ihre Existenz für die antikapitalistische Transformation der bestehenden Verhältnisse unverzichtbar und die Stabilisierung ihrer politischen Präsenz aktuell eine vordringliche Tagesaufgabe aller Linken ist. In mittlerer und längerer Frist wird es darum gehen, den Charakter der LINKEN als einer Bewegungs- und Wahlpartei näher zu bestimmen: wobei ich beide Bestimmungen ernst nehme und sie in ihrer ersten Bestimmung gerne auf die Autonomie und den Primat der Bewegungen verpflichten möchte – im Unterschied zu denen, die unter einer Bewegungspartei eine Formation verstehen, die die Bewegungen “führt” und deshalb ganz doll sozialistisch sein muss. Um Bewegungs- und Wahlpartei werden zu können, muss es der LINKEN gelingen, über ihr bisheriges Milieu hinaus attraktiv zu werden – vor allem dort, wo es um Angelegenheiten der so genannten Neuen Sozialen und der so genannten globalisierungskritischen Bewegungen geht. Dafür sieht es seit dem Göttinger Parteitag besser aus als vorher. Dass ich kein Mitglied der Partei bin und absehbar auch nicht sein werde, folgt aus meiner primären politischen Bindung an die außer- und antiparlamentarische, konkret an die interventionistische Linke (iL). Ich glaube, dass man verantwortlich auch dann nur eine primäre politische Bindung eingehen kann, wenn man davon überzeugt ist, dass der komplexe und in sich konfliktive Prozess antikapitalistischer Transformation die Sache einer offenen Mosaiklinken ist. Verbindlichen Zusammenarbeiten steht das nicht im Wege, im Gegenteil.

Thomas Seibert ist Philosoph und Autor, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Rosa Luxemburg-Stiftung und seit vielen Jahren politischer Aktivist

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Ein Kommentar zu “Mosaik statt Mitglied”

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