Und vor zwei, drei Jahren?
Raul Zelik ist in die Linkspartei eingetreten. Was sagen andere unabhängige Linke dazu? ANNE ROTH fragt sich in einem GASTBEITRAG, wie es gelingen soll, diese Partei, in der gleich mehrere Flügel quasi mit Gewalt jede Veränderung bekämpfen, von innen zu ändern, nur weil der Vorstand gewechselt hat.
Raul Zelik tritt in die Partei DIE LINKE ein. Ich habe ziemlich gestaunt. Wegen Raul, und wegen der Partei (also dem Eintritt). Dass ausgerechnet jetzt jemand auf den Gedanken kommt, Mitglied dieser Partei zu werden, ist ja nicht direkt naheliegend nach dem, was wir in den letzten Monaten vorgeführt bekamen. Dass die Medien ihr Teil dazu beigetragen haben – geschenkt. Die gezielte Selbstzerstörung haben die beteiligten Parteimitglieder auf jeden Fall selber zu verantworten.
Dass das für die Mitglieder unerträglich war und ist, ist offensichtlich. Es ist fast unangenehm, es nochmal zu erwähnen – wer will das Offensichtliche schon noch mal rein reiben. Aber auch für die, die ihr Glück nicht in einer Partei suchen, und trotzdem dem Gedanken grundsätzlich etwas abgewinnen können, dass es diese Partei gibt und damit überhaupt eine parlamentarische Vertretung links von der SPD, war es ein Elend. (Auch wegen der Dummheit der AkteurInnen, aber nicht nur).
Freitag abend gab es also die Nachricht vom Parteieintritt, und Samstag dann die Erklärung dazu im Neuen Deutschland. Der Text hat einiges erklärt – warum Die Linke nötig ist, warum jetzt, warum so. Plausibel, schön geschrieben, den Blick angenehm auf die politische Gesamtsituation gerichtet und weg von der Nabelschau. Warum aber Raul ausgerechnet jetzt die Hoffnung hat, dass er in der Partei Sinnvolles bewirken kann, ist mir nicht viel klarer geworden. Was er schrieb, hätte ja vor zwei, drei, vier Jahren genauso gegolten. Klar, jetzt gibt es Katja Kipping. Über die habe ich mich auch gefreut – eine intelligente und politisch talentierte Frau an der Spitze einer Partei gibt’s ja nicht alle Tage. Zudem mit der Fähigkeit, beim Denken auch mal die Richtung zu wechseln.
Aber Katja Kipping samt dazugehöriger Strömung gab es auch schon vor ein paar Jahren, da hätte sie gegen mehr Unterstützung wahrscheinlich auch nichts einzuwenden gehabt – nehme ich an.
In meinem Facebook-Account habe ich mit einem Nebensatz angedeutet, dass es auf der anderen Seite eine gewisse Logik hat, dass jemand, der vor über 20 Jahren schon Sinn darin sah, der unorganisierten Berliner Linken ein bisschen Form zu geben und bei der Gründung von FelS mit dabei war, auch jetzt einen Schritt in diese Richtung geht. (Folge: Wilder Protest aus Richtung FelS). Sicher eine einigermaßen unzulässige Verkürzung von 20 Jahren persönlicher und politischer Geschichte von Raul Zelik, die ich zudem auch gar nicht besonders gut kenne. Aber vielleicht auch nicht ganz fehlinterpretiert, dass darin der Wunsch zu erkennen ist, dass mehr Organisierung hier besser wäre.
Ich kann der Idee etwas abgewinnen, dass der Karren aus dem Schlamm gezogen werden soll. Die politische Großwetterlage ist ausreichend deprimierend. Wie es aber gelingen soll, diese Linke Partei, in der gleich mehrere Flügel quasi mit Gewalt jede Veränderung bekämpfen, von innen zu ändern, nur weil der Vorstand gewechselt hat, müsste mir noch erklärt werden.
Anne Roth ist Medien- und Netzaktivistin und bloggt unter annalist.noblogs.org über Terrorismus- und Extremismus-Diskurse, über Polizeien im allgemeinen und besonderen, über Medien, Netzpolitik, Hacktivism und Feministisches (Foto: Linke)
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fürchte eher, dass es da einen Teil der Interventionistischen Linken an die (nicht gerade voller werdenden) Fleischtöpfe von DIE LINKE zieht, verknüpft mit der Fehleinschätzung, dass sich innerhalb der Partei durch graduelle Veränderungen in der Spitze neue Räume für antagonistische Linke auftun werden
@Entdinglichung
Was sind denn “antagonistische Linke”?
Laufen die in Wickelgamaschen herum oder essen im Gegensatz zu uns nichtantagonistischen Linken Kotelett mit Honig?
Naja, ‘vor 3-4 Jahren auch schon möglich …’
Sicher, aber
1. brauchen Menschen manchmal länger für Umsetzungen – siehe auch die Diskussion zu den Lenkungseffekten der FTS -> Verstetigung, Dehnung = Zeitgewinn für politische Entscheidungen, versus “Holzhammer”-Präferenzen/Axel Troost, sie PM dort)
2. War (und ist?) der Kreis um KK auch ausgesprochen abgeschottet, – LaFos Bonmot, sie führe Selbstgespräche in ihrer eigenen “Zeitung”, war ja nicht völlig von der Hand zu weisen. Außerdem waren damals auch noch mehr taube Nüsse im Umfeld/ i. d. 2. Reihe. Nagut, sie hat auch neue “Taubheiten” in ihre 1. Reihe geholt, A. Ypsilanti z. B., aber
es hat nicht ihr, allenfalls “der Bewegung” geschadet.
Die, die Bewegung, kann jetzt von ihrer Stärkung in der Partei profitieren.
Da kann mann schon mal eintreten …
Ob es mit der Linken-Partei samt Stiftungs- und Kommunalapparat und angeschlossenen Unternehmen bei der nächsten Gelegenheit mehr oder weniger zu holen gibt, kann ich noch nicht sagen. Es hat sich aber schon mancher geirrt, der dachte, ein Broterwerb als Lehrer, parlamentarischer Politiker, Mitarbeiter einer Gewerkschaft oder Partei oder Lobby erlaube unter dem Strich mehr Politik in seinem Sinne. Der Benchmark ist folgender: Selbst einen möglichst bequemen, aber hinreichenden Job so gut wie nötig machen und privat nach Kräften politisieren – die Politjobs macht sowieso irgendwer und deren Inhalt hängt mehr vom Bezahler als vom Angestellten ab.
Liebe/r Entdinglichung,
also die Fleischtöpfe waren’s nicht – obwohl ich die Frage nach dem Klientelismus immer legitim finde. Ich bin im Ausland verbeamtet und möchte keinen Job.
Best, Raul
Es ist leider zu befürchten das DIE LINKE und das FDS nicht zusammen passen. Die Wertigkeit im programatischen Sinne ist
erheblch.
Da geht auseinander was auseinander gehört. Es gibt kein Ost-West
Konflikt sondern eine Strömungs-Auseinandersetzung dei sehr
unversöhnlch ist.
Was wird erst los sein, wenn Mario Gomez Mitglied wird…
Was ist eigentlich in diesem Blog los? An einer winzigen Stelle darf man kommentieren, an allen anderen nicht?
Ist das hier zu einem bloßen Mitteilungsorgan mutiert?
Die Rede war von ein paar Tagen Pause.
Ist jemand in Urlaub?
Sind Meinungen nicht mehr erwünscht und warum?
Erst mal HALLO! ihr Lieben, nach langer Zeit des Entzugs.
@Fleischtopf Vorwurf, @Fassungslos: “Es hat sich aber schon mancher geirrt, der dachte, ein Broterwerb als Lehrer, parlamentarischer Politiker, Mitarbeiter einer Gewerkschaft oder Partei oder Lobby erlaube unter dem Strich mehr Politik in seinem Sinne.”
Kann man es den Leuten verdenken wenn sie lieber für DIE LINKE arbeiten als im callcenter oder als 1-Euro Jobber?
Das Problem ist, dass DIE LINKE ihren Parteigängern MEHR bieten muss, als nur die Erkenntnis dass wenige Glückliche bei DIE LINKE eine Parteikarriere machen.
@eckernförder: manchmal sind ein paar tage eben ein paar tage mehr. wir sind mit unserem nachdenken darüber, was aus diesem blog im allgemeinen und der kommentarfunktion im besonderen künftig wird, noch nicht am ende. wir fanden aber, die diskussion über rauls eintritt in die linkspartei sei es es wert, eine ausnahme von der pause zu machen.
Es gibt Gott sei Dank, einige Menschen die ohne Ausnahme Mitglied
unserer Partei werden möchten. Das Leben ist der Lehrmeister.
Ich freue mich einfach über jeden weiteren klugen Kopf in der PdL.
Nicht jeder ist karrieregeil, schade das inzwischen die Meinung so weitläufig ist. An der Basis wird auch immer noch spannende Politik gemacht – auch das ist Teil dieser Partei.
Also Raul – herzlich Willkommen .
Hallo Eckernförder & tos,
Noch merkwürdiger: Bei “Rote Linie Fiskalpakt” und “Frühlingsakademie” wird auf Kommentare hingewiesen, deren Text sonderbarerweise ungezeigt bleibt.
Handelt es sich da um Premiumkommentare, in deren Genuss man erst durch Opfergaben via Flattr gelangt?
@ tos
Ein Blog, noch dazu ein politisches, lebt letztendlich durch die Möglichkeit der Diskussion. Ich fand es schon seltsam, dass Ihr die Kommentarfunktion ausgerechnet auf dem “Höhepunkt” der Debatte so “leidenschaftslos” geschlossen habt. Wenn es darum geht, dass Ihr Sorgen habt, die Moderation nicht bewältigen zu können, es finden sich bestimmt Leute, die Euch gerne unterstützen.
@ Raul Zelik
Herzlich Willkommen in unserer Partei. Ich hoffe, dass Du Dir diesen Schritt gut überlegt hast, Dich mit frischen Ideen einbringst und einen langen Atem hast…
@Dirk
Über die Motive, den Blog als Diskussionsforum praktisch zu schließen, kann man leider nur spekulieren – macht hier aber bisher niemand, weil alles, was dazu gesagt werden könnte, zwar von den Moderatoren genüßlich betrachtet werden dürfte, aber keinerlei Erkenntnisgewinn einbrächte.
Also worum geht’s hier eigentlich?
Es ist an der Zeit, daß die Blog-Betreiber klar sagen, was sie wollen!
Es ist schon eine schräge Nummer, wenn allerorten die Rede davon ist, wir möchten uns doch besser nicht so viel “mit uns selbst beschäftigen”, die user hier aber keinerlei Kommentare zu Sachthemen abgegeben dürfen, aber dazu, wie sie es finden, daß ein Schriftsteller bei uns eingetreten ist.
Ist ja toll!
Gerade lese ich George Orwells Buch “Der Weg nach Wigan Pier”. Ein Zitat daraus:
“Wir sind an einen Punkt gelangt, wo es für die Linken aller Schattierungen verzweifelt notwendig ist, ihre Differenzen beizulegen und sich zusammenzuschließen. Das geschieht ja auch bereits im kleinen. Offensichtlich muß sich dann der unnachgiebige Typ von Sozialist auch mit Leuten verbünden, die nicht völlig mit ihm übereinstimmen. In der Regel will er das mit Recht nicht, weil er die überaus konkrete Gefahr sieht, daß die ganze sozialistische Bewegung zu einer Art blaßrosa Humbug verwässert wird, der noch wirkungsloser ist als die parlamentarische Labour Partei.” (1936)
Orwell ging dann als Mitglied der Independent Labour Party nach Spanien, um gegen die Faschisten zu kämpfen. Einen Internet-Blog, in dem über seinen Parteieintritt diskutiert werden durfte, gab es zum Glück noch nicht.
Mag sein, dass ich mich jetzt für einige der Lächerlichkeit preis gebe, aber ich habe Raul Zelik erstmals mit dem Eintrittsartikel im ND wahr genommen.
Es ist nun einmal so, dass es ganz unterschiedliche Lebenswelten gibt. Das ist weder gut noch schlecht, sondern schlicht Tatsache. Was mich oftmals umtreibt: Hier und anderswo schreiben viele kluge und scheinkluge und besserkluge Menschen. Sie schreiben Gutes und Schlechtes, Verständliches, Kompliziertes und Verquastes, selten Lustiges. Raul Z. mag ein interessanter Mensch sein. Ingo St. vielleicht auch. Nur um was es ihnen geht ist mir nicht ganz klar. Sie schreiben in ihren Elfenbeintürmen.
In meiner Lebenswelt, meist außerhalb akademischer und intellektueller Kreise, inzwischen auch fern ab von Parteipolitik, treffe ich vor Ort fast nie jemanden aus diesen Elfenbein- und Schreibtürmen. Der Alltag wird immer noch gerne den Alltagsmenschen überlassen. Bestenfalls. Denker und Schreiber schreiben und denken. Und dann?
Insofern bin ich eigentlich ganz dankbar für die Schließung der Kommentarfunktion, denn da war doch sehr viel Müll dabei.
Für das bisher Geleistete und irgendwie noch Kommende sei den Betreibern ausdrücklich gedankt.
Tschuldschung für die Ausnutzung dieses kleinen Kommentarfensters.
@Eckernförder
Sehr richtig!
@Orwell.. kämpfte nicht nur gegen die Faschisten, um mal zu autoritären Strukturen in der Linken und “Linken” und hier im Blog überzuleiten.
Kieckt mal “Land and Freedom” auf youtube!
@Bronstein
Ja, habe ich gekiekt, aber mein Englisch ist zu wenig entwickelt, um alles voll zu verstehen. Außerdem gibt es eine Menge spanische Passagen, ohne Untertitel. Werde mir wohl die deutschsprachige DVD besorgen müssen.
Beeindruckend vor allem sind Orwells Aufzeichnungen “Mein Katalonien”, auf denen ja auch Loachs Film basiert. Aus erster Hand erfahren wir da, wie der lange Arm des stalinistischen Geheimdienstes die “politische Linie” der Moskauer Prozesse in den Reihen der antifaschistischen Spanienkämpfer durchzusetzen suchte, leider mit “Erfolg”.
Überhaupt gilt es Orwell, der eben nicht nur 1984 verfaßte, neu zu entdecken!
@ Mario-FFM: Haben “Denker und Schreiber” denn keinen Alltag, sind sie nicht auch “Alltagsmenschen” (komische Kategorie)?
@ Eckernförder: Orwell trat aber bald wieder aus der ILP aus, weil er den dort vertretenen Pazifismus gegenüber Nazi-Deutschland nicht teilte. “Ich war eine Zeitlang Mitglied der Independent Labour Party, trat aber zu Beginn des gegenwärtigen Krieges wieder aus, weil ich glaubte, dass diese Leute Unsinn redeten und eine politische Richtung verfolgten, die Hitler seine Vorhaben nur erleichtern konnten.“ (http://www.univie.ac.at/unique/uniquecms/?p=1264)
Mal sehen, wie lange es Raul Zelik in der PdL aushält
Ja, Orwell ist gar keine so schlechte Adresse für die Anmutungen, die sich nach 5 Jahren des Versuchs, parteiintern/parteibezogen zu kommunizieren, so eingestellt haben.
Danke für diese einschlägige Erinnerung.
Un’ sonz guxu hier:
http://www.lafontaines-linke.de/2012/06/raul-zelik-mitglied-partei-neues-deutschland/comment-page-1/#comment-34750
@sfr
mmh ja… ich zitiere Orwell noch ein Stückchen weiter. Es heißt da direkt anschließend: “Gefühlsmäßig stehe ich eindeutig ‘links’, aber ich bin überzeugt, daß ein Schriftsteller nur ehrlich bleiben kann, wenn er sich von Parteietiketten fern hält.” (Orwell, George: Rache ist sauer.- Zürich: Diogenes, 1975.- S. 8)
Hat das irgendwas mit dem Eintritt von Raul Zelik zu tun? Ja und nein. Ja, weil sich für jede(n) AutorIn die Frage nach der geistigen Unabhängigkeit stellt. Orwell behauptet hier, das man im Denken überhaupt nur unabhängig außerhalb von Parteien bleiben kann. Das wäre aus Sicht des Autors lohnend zu diskutieren. Nein, weil uns der Eintritt von Raul hier als eine Art Sensation präsentiert wird, die sie nicht ist (und über die dann hier auch noch als Blog-Gnadenbrot diskutiert werden darf!) Es ist doch völlig wurst, welchen Beruf der oder die neu eintretende GenossIn ausübt! Ich freue mich über alle, die zu uns kommen, wünsche mir Bäcker, Krankenschwestern, Ruhestandsbeamte, Auszubildende wie auch Pastoren, Müllwerker, SchriftstellerInnen en masse!
@sfr Orwell
sfr, worauf willst du nun hinaus?
Orwell wurde und wird auch in Zukunft immer wieder von den unterschiedlichsten Seiten für die eigenen politischen Zwecke benutzt werden.
Den von dir verlinkten Artikel halte ich für so ein Beispiel.
Für eines wo nämlich diesmal die ANTIDEUTSCHEN versuchen Orwell für ihren Bellizismus und für ihre Diffamierung der radikalen Linken zu benutzen.
Für antideutsche Zwecke ist Orwell aber ziemlich schlecht einzuspannen. Denn in einem Essay Orwells befindet sich eine Passage in der Orwell die Angst einer “übergewichtigen Jüdin” während eines deutschen Bombenangriffs beschreibt, sie also in einem Stil zeichnet, den wir heute als üblen Stürmerstil zu recht angreifen würden. Sodann ergeht sich Orwell in Überlegungen ob nicht Juden eher zu Hysterie bei Bombenangriffen neigen, als der stoische Engländer.
In “Mein Katalonien” gibt es eine Stelle in der Orwell einen “üblen schwulen Jungen” erwähnt, der aus der Miliz der POUM in Barcelona ausgeschlossen wird. Eine ganz üble Passage, die aus heutiger Sicht sein Werk schmälert.
Orwell war eben ein Kind seiner Zeit, und die Linke war auch damals alles andere als perfekt.
Zu recht kritisierte Orwell Ghandis dämlichen Ratschlag an die deutschen Juden (der Brief an Buber) gewaltfrei zu bleiben.
Was der antideutsche Artikel allerdings weglässt ist, dass Orwell auch Ghandi wegen seines Pazifismus gegenüber der britischen Kolonialmacht angreift!
Zu Recht kritisierte Orwell die naive Haltung mancher Linker gegenüber Hitler.
Diese Haltung war aber eben nicht nur bei den Linken verbreitet sondern fand sich quer durch die politische Landschaft.
Insbesondere der von den Bahamiten als ihr Heiliger verehrte Churchill war bis 1938 ein Bewunderer Hitlers und Mussolinis – wegen ihres Antibolschewismus. Und Antisemit war Churchill obendrein!
Wie Sadam heute mutierte eben damals ein nützlicher Hitler zum bösen Hitler.
Nur, was die pazifistische Haltung der Linken aktuell angeht, ist Assad zwar ein übler Diktator, aber Syrien ist eben keine faschistische imperialistische Großmacht gegen den Linke einen Krieg aus antifaschistiischen Gründen rechtfertigen könnten, wie es Orwell gegen Hitler, Franco und Mussolini tat.
Ach so, Orwells Ablehnung der Flächenbombardierung deutscher Städte erwähnt der antideutsche Artikel natürlich auch nicht.
Orwell schlägt vor statt der Arbeiterviertel sollte die RAF besser gezielt die Villenviertel bombardieren.
Mit dieser Haltung – WÄHREND des Krieges! befand sich Orwell nicht nur in voller Übereinstimmung mit der ILP, sondern auch mit dem linken Flügel der Labour-Partei.
Man kommt immer wieder zu der Erkenntnis: die Bahamiten sind moralischer Dreck – und sie bleiben Dreck. Dreck, der allerdings von Teilen der Linken finanziell gefördert wird.
@ Bronstein: Freut mich, dass das Orwell-Zitat dich zu weiterführenden Gedanken angeregt hat (bzw. du alte wieder ausgegraben hast). Was an dem kurzen “Unique”-Artikel besonders ‘antideutsch’ sein soll, erschließt sich mir aber nicht. Ist schon blöd, dass es auf diesem Blog nicht mehr so viele Möglichkeiten gibt, die eigenen Ansichten zu so wichtigen Themen wie den “Bahamiten” abzugeben
@sfr
Wenn ich dich recht verstande hatte, nimmst du Zeliks Beitritt zum Anlaß die Anti-Kriegshaltung der Linken anzugreifen, mittels eines Artikels, der sich auf Orwell bezieht; ein Artikel antideutscher Machart: Zitate (in diesem Fall Orwells) werden aus ihrem historischen Zusammenhang gerissen, und in einen völlig anderen Kontext gestellt um daraus eine bellizistische Propaganda gegen die Linke zu konstruieren.
@sfr
“Since pacifists have more freedom of action in countries where traces of democracy survive, pacifism can act more effectively against democracy than for it. Objectively the pacifist is pro-Nazi.” G. Orwell in “No, not one” (1941) Lesetip: George Orwell “Pacifism and the War”
@mephisto: “@sfr”
Damit meint Orwell aber nicht den Pazifismus an sich sondern die Haltung der britischen linken Mittelschicht, der Intellektuellen und der KP (bis zum Juni 1941) während des Krieges gegenüber dem damaligen Faschismus.
Die ILP war auch nicht stalinistisch und pazifistisch wie der Artikel von unique behauptet, ihre Position gegen den Krieg war antimperialistisch, was etwas völlig anderes ist. Allein die Verwendung des Begriffs “radikale Linke” durch unique zeigt die Stoßrichtung des Artikels.
Diesen Begriff auf die damalige Linke in England anzuwenden ist auch völlig unsinnig, dieser Begriff gab es damals nicht.
Pazifismus und Symphatie gegenüber Stalin und gegenüber der KP war eine weitbreitete Haltung der intellektuellen britischen Mittelschicht, eben diese Haltung dieser Schicht war der Hauptangriffspunkt von Orwells Kritik, nicht irgendeine eine “radikale Linke” cf. Kapitel V (5) “England your England” und “Inside the Whale”
Das obige Zitat von Orwell wurde in Folge von 9/11 von den Bellizisten wie Hitchens und Horrowitz zur Deligitimierung der Gegner des Krieges gegen den Irak und Afghanistan und heute der Intervention in Libyen (und morgen?) benutzt.
Das ist völlig ahistorisch und intellektuell unredlich. Intellektuelle Unredlichkeit aber ist aber genau das was Orwell den britischen Intellektuellen wegen ihrer Haltung gegenüber dem Stalinismus vorwirft. cf: “The Prevention of Literature”,
Könnt ihr mich bitte aus der Orwell-Exegese rauslassen? Danke.
Mit den Zitaten vom guten Eric habe ja nicht ich hier angefangen. Ich wollte lediglich illustrieren, dass sich Schriftsteller und Freigeister wie Orwell Parteien schon mal zu-, aber schnell auch wieder abwenden. Auf die aktuelle (Anti-)Kriegshaltung der PdL wollte ich dabei gar nicht anspielen. Da weiß Raul Zelik, als Gewalt- und Terrorismusforscher (u.a.), sicher selbst, was er von zu halten hat.
@sfr:
So so, sfr, das ist ja hochinteressant, du unterscheidest also zwischen einer aktuellen (Anti-)Kriegshaltung der PdL und einer nicht aktuellen, oder sogar einer Kriegshaltung, also Pro-Kriegshaltung, oder was?
Und Raul Zelik, als Gewalt- und Terrorismusforscher (u.a.), weiß sicher selbst, was er davon zu halten hat?
Aha, also unterstellst du der Linken jetzt Gewalt und Terrorismus?
Wir sollten uns sehen! Room 101, Karl-Liebknecht -Haus…
Dir muss ja wirklich schrecklich langweilig sein, wenn du hier mit so billigen Miteln eine Konversation aufrechtzuerhalten versuchst
Aber meinetwegen: Haltungen können sich ändern, wie ja die ILP (oder meinetwegen auch die “intellektuelle britische Mittelschicht”) zeigte. Und mit Gewalt- und Terrorfragen sollte sich die PdL schon auseinandersetzen. Raul Z. kann da sicher was zu beitragen.
Krieg dem Kriege!
@sfr ach Herrjeh, du verstehst aber auch überhaupt keinen Spaß…