Nachlese zur Hängepartie
Oskar Lafontaine fährt mit dem Taxi vor. Dietmar Bartsch kommt zu Fuß und muss ein Kabel übersteigen, „das wie eine rote Haltelinie im Weg liegt“. Bodo Ramelow hat keine Lust auf die Runde und Wichtigeres zu tun. Auch Gregor Gysi ist nicht da, er kümmert sich um Ostrenten und Kabarett. Im Luxemburg-Saal des Liebknecht-Hauses sitzen die Kontrahenten hier und da, Sahra Wagenknecht irgendwo an der langen Seite des Tisches in der Mitte. Was man über das Treffen der Landesvorsitzenden mit dem engeren Linken-Vorstand am Dienstag lesen kann, von dem sich viele jenes und andere dieses Ergebnis erhofft hatten, bei dem es dann aber schließlich gar keines gab:
Berichte
Neues Deutschland: Keine Bedingung, nirgends – hier
Neues Deutschland: Linke vertagt Führungsstreit – hier
Junge Welt: Kein Showdown bei der Linken – hier
Taz: Wenn zwei Züge aufeinander zu rasen – hier
Frankfurter Allgemeine: Wer hat Angst vorm roten Mann? – hier
Süddeutsche Zeitung: Patt in der ersten Runde – hier
Berliner Zeitung: Keine Entscheidung über Vorsitz – hier
Tagesspiegel: Lafontaine schließt Kampfkandidatur aus – hier
Stern.de: Klaus Ernst und die Pinkler – hier
Welt online: Diesmal ist kein Gysi da, der schlichtet – hier
dpa: Machtkampf wird zur Hängepartie – hier
Kommentare
Wolfgang Hübner, Neues Deutschland: Keine Erlösung – hier
Lis Caspari, Zeit online: Zeit, Lafontaine zu verabschieden – hier
Werner Pirker, Junge Welt: Thierses Linkspartei – hier
Stephan Hebel, FR: Da wächst nichts zusammen – hier
Daniel Schulz, Taz: Der Sonnenkönig – hier
Florian Rötzer, Telepolis: Ist Lafontaine der Messias? – hier
Peter Nowak, Telepolis: Die Linke zurück zur Ostpartei? – hier
Wortmeldungen
Klaus Ernst: “Da ist ein bisschen Durcheinander” – hier
Ältestenrat der Linkspartei – hier
Birgit Klaubert, Bundesausschuss der Linken – hier
Antikapitalistische Linke – hier
(jede Menge weitere finden sich hier und hier)
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“Wir wollen in Göttingen die Partei den Mitgliedern übergeben” – Aber wie, fragt man sich angesichts der fast 5-stündigen Marathonsitzung im KL-Haus, wo nur eins klar wurde: hier geht es vor allen um Macht und Einfluss. 2 D-Züge, die aufeinander zurasen, sind bestimmt nicht das Event, das die Partei jetzt braucht. Wie man jetzt die Kurve bekommt, ist wenigen klar, schon gar nicht den Mitgliedern, die entsetzt und enttäuscht nach Berlin blicken.
Michael Prütz
Mein bescheidener Vorschlag zur Krise der Linkspartei:
1.D.Bartsch und seine Freunde gehen jetzt mal in die SPD.Da kann man prima über alles schwadronieren und gleichzeitig schön Schwimmbäder und Jugendclubs schliessen.
2 Lafontaine und Ernst gleich mit ,gehen sofort in den verdienten Ruhestand.
3.die Partei sucht sich mal 2 Frauen für die Spitze.Und zwar solche,die einen offenen und
kommunikativen Stil pflegen,und nicht einen,der vielleicht noch ins Neandertal gepasst
hätte,aber heute noch nicht mal mehr beim Handwerksmeister Eder in Bayern
gewünscht ist.
4. ihr versucht mal 1-2 Monate die Klappe zu halten und in dieser Zeit entwickelt
Ihr 2-3poltische Ideen.Aber nicht den Mindestlohn oder weg mit hartz 4 oder so.
5.die Ortsverbände hören jetzt mal auf,pausenlos Kassierer oder Vorstände zu wählen
und die dann gewählten gleich wieder zu bekämpfen.
6.Mit den frisch erarbeiteten Ideen fangt Ihr mal an,Politik im Betrieb,im Stadtteil und
in der Gewerkschaft zu machen.
7.Die neuen Ideen vertretet Ihr,egal ob das die anderen Parteien oder der Spiegel gut
oder schlecht finden,offensiv und kommunikativ in der Öffentlichkeit.
Das wird schon
Viele Grüße
Michael Prütz (1991-2002 Mitglied in der PdS)
P.s Ihr wollt zwar keine Frauen,die wirklich was zu sagen haben,heult dafür aber
immer wieder ziemlich mädchenmäßig rum.das nervt.
Wer Demokratie will, der muss Demokratie auch leben!
Wer glaubte, dass die LINKE. am 13. Mai in NRW ihren Tiefpunkt erreicht hat, der konnte gestern fast nur noch angewidert die Berichterstattung über den Versuch verfolgen, der der geschäftsführende Parteivorstand und die Landesvorsitzenden unternahmen, einen gordischen Knoten zu zerschlagen, der nicht zu zerschlagen ist.
Die Führungsspitze war gestern also nicht in der Lage, einen gemeinsamen Vorschlag für den künftigen geschäftsführenden Parteivorstand vorzulegen. Nun sollen Regionalkonferenzen diskutieren und der Parteivorstand danach versuchen, eine Lösung zu finden.
„Nehmen wir unsere Mitglieder ernst“, frage jedenfalls ich mich. Wer glaubt denn ernsthaft, dass die Partei in den nächsten drei Wochen eine Personaldebatte führt, die sich an den inhaltlichen Angeboten von Kandidatinnen und Kandidaten orientiert. Derzeit haben wir etwa für den Parteivorsitz anderthalb Kandidaten. Ein Kandidat hat seine Kandidatur vor langem erklärt, ein anderer hat sich jetzt angeboten. Allerdings will er keine Kampfkandidatur. Kandidatinnen für den Parteivorsitz gibt er derzeit keine.
Also werden wir uns auf Regionalkonferenzen treffen, uns gegenseitig unsere Standpunkte erzählen und am Ende genauso schlau nach Hause fahren, wie wir zur Veranstaltung gefahren sind. In NRW und Schleswig-Holstein können wir dann auch gern noch mal alles zum Wahlkampf und zur Wahlstrategie sagen, was wir schon immer mal sagen wollten und im Zweifel sind wir alle super und wenn das die Menschen begreifen, dann wird alles wieder gut.
Was hat eigentlich dagegen gesprochen, den Beschluss des Parteivorstandes umzusetzen, der gefasst wurde, als die beantragte Mitgliederbefragung abgelehnt wurde. Die Regionalkonferenzen waren schon damals im Gespräch. Wir hätten die Chance gehabt, eine offene Debatte zu führen, Inhalte kennenzulernen und zu diskutieren und am Ende, jedenfalls als Delegierte, eine gute Basis gehabt, uns auf dem Bundesparteitag in Göttingen zu entscheiden.
Das setzt aber voraus, dass insbesondere diejenigen, die für sich überlegen zu kandidieren, das auch so rechtzeitig öffentlich machen, dass eine Diskussion auch seriös möglich ist. Das ist nicht passiert. Stattdessen haben wir uns eingeredet, dass eine Personaldebatte den Wahlerfolg gefährden würde. Nach den Wahlen würde mensch sich dann schon einigen. Irrtum, lässt sich dazu nun nur konstatieren.
Es ist an der Zeit, dass wir Mitglieder uns wieder mehr einmischen. Diese Partei darf nicht länger eine Partei von wenigen sein, die meinen zu wissen, was gut für uns ist und permanent versuchen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen, um welchen Preis auch immer. Demokratisch ist, wenn ich zwischen verschiedenen Angeboten wählen kann, wenn ich vorher die Chance hatte, andere in meinen Meinungsbildungsprozess einzubeziehen und mich dann zu entscheiden, im Zweifel eben unter mehreren. Das wäre ein lebendiger demokratischer Meinungsbildungsprozess.
Das setzt aber zwingend die Bereitschaft voraus, sich einem solchen Prozess zu stellen. Und es erfordert einen Parteivorstand und Landesvorsitzende, die willens sind, einen solchen Prozess zu organisieren. An beidem scheint es derzeit zu mangeln.
http://torstenloeser.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=472&action=edit&message=6&postpost=v2
Lieber Michael Prütz,
vielen Dank für Deine konstruktiven Hinweise wie die Linkspartei gerettet werden kann.
Mit Sicherheit können die Mitglieder der Linkspartei auch viel davon lernen, wie die radikale Linke gerade erfolgreich versucht, eine “Neue antikapitalistische Organisation” auf die Beine zu stellen.
Falls es nicht gelungen ist, die Linkspartei mit Hilfe Deiner Vorschläge zu retten, hat die Arbeiterklasse damit auf jeden Fall schon mal ein weiteres Organisationsangebot zur Auswahl.
Und das ist gut und nicht schlecht.
So kann gar nichts schiefgehen.
Danke nochmals.
Herzliche Grüße in alter Verbundenheit,
Dein
Andreas Hallbauer
@ Michael: bitte die Neandertaler nicht diskriminieren, ansonsten Zustimmung
Jutta Ditfurth zum Thema: http://www.fr-online.de/politik/linkspartei—traurig–was-die-linke-macht-,1472596,15418378.html
Die “Arbeiterklasse” pfeift auf deine “antikapitalistische Organisation”. Sie will konkret mehr Knete, mehr Leistungen, bessere Arbeitsbedingungen und nicht “einen langen und schwierigen Kampf, an dessen Ende die Bessere Zukunft und Eine Welt Ohne Ausbeutung steht”. Wer das nicht versteht, hat überhaupt nichts verstanden, bei Marx und sonstwo.
Ich maße mir überhaupt nict an zu wissen,was die Arbeiterklasse will oder nicht will.Mir reicht es zu wissen,was ich will.Im übrigen habe ich die Linkspartei überhaupt nicht von einem revolutionären Standpunkt aus kritisiert.,sondern in Ihrer eigenen Logik.
l@ Toni,
mit wem trinkst du eigentlich dein Bier, Toni?
“Wir(!) üben Lohnverzicht und die Griechen….”.
Das ist der Originalton Arbeiterklasse in Deutschland 2012.
@Toni
Wenn die Arbeiterklasse zu blöd ist zu begreifen, dass sie “mehr Knete, mehr Leistungen, bessere Arbeitsbedingungen” heutzutage nur noch bekommt, wenn sie sich einlässt auf “einen langen und schwierigen Kampf, an dessen Ende die Bessere Zukunft und Eine Welt Ohne Ausbeutung steht”, dann kann sie einem gestohlen bleiben.
Dann soll sie winselnd zu ihren sozialdemokratischen Muttis (und Vatis) zurück laufen, wie gerade in NRW.
Dann ist ihr nämlich nicht zu helfen.
Mit den s. g. Reformer wächst nichts zusammen. Die Unglaugwürdigkeit
ist mit den Händen zugreifen.
Eine “Hängepartie” gibt es aber nicht mehr, ja vielleicht sollte ein Computer die Linkspartei anführen.
” Das Aufkommen von Schachprogrammen führte dann in den 1990er Jahren zu einer Änderung der Schachregeln, so dass Hängepartien heute nicht mehr üblich sind.”
http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4ngepartie