Keine Tabubereiche
„Es gab schon angenehmere Momente für die Linke“, begann Klaus Ernst am Sonntagabend seine erste Bilanz des Ergebnisses der Wahlen in Schleswig-Holstein – und in dieser Frage dürfte in der Partei sogar Einigkeit herrschen: 29.868 Stimmen reichten gerade einmal für 2,2 Prozent. Erstmals ist die Linke im Westen wieder aus einem Landesparlament geflogen, und das wirft nun viele Fragen auf. Einige Antworten gab es bereits in den Stunden nach Schließung der Wahllokale, andere werden noch gefunden werden müssen.
Man habe das Wahlziel eindeutig verfehlt, sagt Ernst, das Ergebnis sei enttäuschend. Ähnlich äußerte sich Bundesgeschäftsführerin Caren Lay, die von einer „ganz bitteren Enttäuschung“ sprach. „Die permanente Selbstbeschäftigung muss enden“, forderte Lay und gab ihrer Erwartung Ausdruck, „dass alle diesen Warnschuss gehört haben“. Auch der Linkenvorsitzende hat noch am Sonntag die Konflikte in der Partei für das schlechte Abschneiden mitverantwortlich gemacht: „Wir haben uns in den letzten Monaten, eigentlich in den letzten zwei Jahren, viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt“, erklärt der Gewerkschafter – und kritisiert jene „in der Mannschaftsaufstellung“, die auf das „eigene Tor statt auf das gegnerische schießen“. Wen genau Ernst damit meint, sagt er nicht, aber es sind wohl auch solche Vorwürfe, die das Klima in der Linken auf ungemütlicher Temperatur halten.
“Wenn es danach ginge, wären die Grünen und vor allem die FDP schon längst weg”. Die Grünen, so Ernst, seien seit 1990 sieben Mal beziehungsweise die Liberalen sogar 19 Mal aus den Parlamenten geflogen. (aus der Leipziger Volkszeitung)
Der Parteichef versuchte zugleich Hoffnung für die Wahl am kommenden Sonntag zu machen: In Nordrhein-Westfalen gebe es eine andere Situation, der Landesverband dort sei „auch intern sehr gut aufgestellt“, was man durchaus so verstehen musste, dass dies für die Linken im Norden nicht gilt. Dort zeigte man sich selbstkritisch: Spitzenkandidatin Antje Jansen sagte, „wir waren nicht aggressiv genug“; in einem engagierten Wahlkampf sei es nicht ausreichend gelungen, zum Beispiel den Versprechen der SPD etwas entgegenzusetzen. Bundestagsfraktionsvize Cornelia Möhring forderte am Wahlabend, „es muss alles schnell aufgearbeitet und analysiert werden. Es darf keine Tabubereiche geben.“
Dass die Niederlage im Norden auf die Diskussionen ums Spitzenpersonal geschoben werden können, glaubt Möhring nicht. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir unsere klassischen Themen relaunchen“, wird die Bundestagsabgeordnete im Neuen Deutschland zitiert. Auch müsse man „mit Blick auf die Listenaufstellung (…) fragen, ob wirklich die Besten ins Rennen geschickt worden sind“. Dem Vernehmen nach wurden auf der Wahlparty in Kiel am Sonntag bereits Forderungen nach einer außerordentlichen Landesmitgliederversammlung laut. „Dafür werden bereits die nötigen Unterschriften gesammelt“, wird ein Genosse zitiert. Unter anderem die Kreisverbände Lübeck und Kiel würden Druck machen. Ein regulärer Parteitag ist erst für den 30. September angesetzt.
Der Freitag: Piraten ersetzen die Linke als Protestpartei – hier
Hamburger Abendblatt: Linke als Protestpartei abgelöst – hier
Nun wird man zunächst auch die Ergebnisse genauer anschauen. Überdurchschnittliche, wenn man davon in diesem Prozentbereich noch sprechen kann, schnitt die Linke unter Erwerbslosen, Arbeitern und – das könnte als Hoffnungsschimmer interpretiert werden – unter den 25- bis 34-Jährigen ab. Am Ergebnis änderte es freilich nichts. Für Benjamin Hoff und Horst Kahrs kommt die Wahlniederlage im Norden auch „nicht überraschend. Der Einzug in den Landtag gelang 2009 nur im Sog der am gleichen Tag stattfindenden Bundestagswahlen und war ein Resultat des bundespolitischen Rückenwindes für die Partei.“ Es sei zudem in der kurzen Legislaturperiode nicht gelungen, „personell und thematisch landespolitisches Profil zu entwickeln und so die Abhängigkeit von den politischen Stimmungen für die Bundespartei abzuschwächen“. Hinzu gekommen seien Probleme einer „schwachen und von (Ab-)Spaltungen bedrohten Parteistruktur“ sowie der weitgehend prekären kommunalen Verankerung.
Weiter heißt es in der Wahlnachtanalyse: „Wichtige personelle und strategische Fragen wurden frühzeitig auf die Zeit nach der Wahl in Schleswig-Holstein vertagt, prägten aber die öffentliche Berichterstattung über die Partei über Monate hinweg. Dabei gelang es wiederum nicht, die offenen Personalfragen mit inhaltlichen Positionen und Themen zu verbinden. Daher konnten die Differenzen nicht als Unterschiede in einer pluralen linken Partei wahrgenommen werden, die nach den besten Lösungen für gesellschaftliche Probleme und nach den erfolgversprechendsten strategischen Wegen für die Verbesserung der Lebenslage ihrer Anhänger_innen sucht, sondern nur als Gerangel zwischen Personen, die nicht mit einander können.“
Auch die Landessprecher der Linken in Bayern haben sich bereits zum Wahlausgang erklärt: „Bei aller Enttäuschung“, so Eva Bulling-Schröter, „das Ergebnis ist für die Linke besser als die Umfragen“. Und Xaver Merk sieht das Ergebnis „zwei Irrtümern der Wählerinnen und Wähler geschuldet. Irrtum 1 ist, mit einer sozialdemokratisch geführten Landesregierung werde es sozial gerecht zugehen in Schleswig-Holstein, und Irrtum 2 ist, dass die Piraten eine ernsthafte politische Alternative bieten – sie sind lediglich ein Auffangbecken für Protestwähler, die von der bisherigen Landespolitik enttäuscht wurden“.
Das Forum demokratischer Sozialismus hat sich am Sonntag in einem Brief an die Wahlkämpfer im Norden gewandt und sich für das Engagegemnt in einer schwierigen Lage bedankt: “Ihr habt in einer für unsere Partei schweren Situation versucht, gegen den Bundestrend ein achtbares Ergebnis zu erzielen. Das dies nicht gelungen ist, ist für uns alle bitter – so, wie wir alle in Schleswig-Holstein eine Niederlage erlitten haben. Ihr konntet nicht wettmachen, was die Probleme der Partei derzeit insgesamt ausmacht.” Das Engagement im Wahlkampf sei “nicht umsonst” gewesen. “Es ist die Basis dafür, dass unsere Partei auch wieder bessere Zeiten erleben kann.” (vk, tos)
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Das fds ist nicht bereit, seinen Teil der Verantwortung zu übernehmen und seine monatelangen taktischen Spielchen der Demontage von Gesine Lötzsch und Klaus Ernst selbstkritisch zu thematisieren.
Stattdessen wird von B-I Hoff die personenbestimmten OB und Landratswahlen in Thüringen zum Anlass genommen, weiter einen SPD-anpasserischen Kurs zu propagieren.
Dass dies bei einer Verschärfung von Klassenwidersprüchen ins völlige Desaster führen kann, wird nicht registriert wie auch der verdiente Absturz der PASOK in Griechenland von dieser Strömung völlig ausgeblendet wird.
@Roland:
Warum wundert es mich nicht, dass nun das FDS an der Niederlage in SH schuld ist. Ehrlich, mit solchen “tiefgründigen” Wahlanalysen werden wir nicht weiterkommen.
Warum feierte denn dann die LINKE in Thüringen am gleichen Abend ein sensationell gutes Wahlergebnis???
Und ich finde auch nicht, dass es darum geht, sich irgendwem anzupassen. Es geht darum, dass die LINKE nachweist, worin der Wert liegt, sie zu wählen. Offenbar ist das in Thüringen gelungen. Das schmälert nicht den Einsatz der Genoss_innen in SH aber ich finde schon, dass es sich lohnt, darüber etwas mehr nachzudenken als du es gerade tust.
Die Verhältnisse in Griechenland mit denen in Deutschland vergleichen zu wollen, geht nun wahrlich am Kern unseres Problems vorbei.
Eine Weile hieß es ´ja die Piraten klauen der Linken die Wähler. Das sieht ja in SH nun garnicht da nach aus. Es sind vor allem Abgänge zu denen zu verzeichnen die den bürg. Parlamentarismus ablehnen bzw. von ihm nichts merh erwarten. Zieht man die Nichtwähler ins Wahlergebnis ein haben die knapp 40 Prozent, die CDU 18 bzw. und die SPD 17 Prozent. Zum dem wird die SPD laut Umfragen unter der Arbeiterschaft immer noch dafür haftbar gemacht mit Hartz IV die Sozialdemokratrie verraten zu haben. Da zeigt doch das die Linke viel zu zahm agiert und zuwenig ihren antikpatalistischen Positionen offensiv prapgagiert.
Torsten:
Das liegt vor allem da dran, dass in Thüringen die LINKE als fest verankert wahrgenommen wird. Wenn man im Westen sich zu sehr anpasst ist man als kleine Partei eben überflüssig. Die Grünen haben sich als Protestpartei ihre Stammklientel erarbeitet bevor sie sich anpasserisch geben konnten. Aber selbst diese Partei hat im Westen immernoch einen revolutionären Touch.
Das Führungspersonal in SH ist nun mal FDS dominiert. Daher sind hier auch die personell Verantwortlichen zu suchen. Klar, dass an dieser Niederlagen allerdings hauptsächlich der Bundestrend die Ursache trägt. Aber auch auf Bundesebene kam das stärkste Sperrfeuer aus der FDS Ecke. Da können sich die Genossen aus SH sich direkt genau dort bedanken.
Die Piraten Legende nervt. Die Zahlen zeigen, wir konnten unsere Wähler nicht halten und sie fühlen sich auch bei keiner anderen Partei ausreichend vertreten. Wir müssen für NRW klar machen: “Wer lnke Politik will, muss LINKE wählen”
3 Jahre verfehlte Politik, 3 Jahre kein Strukturaufbau, 3 Jahre keine Impulse vom Landesvorstand und ein total chaotischer Wahlkampf. Kreisfürsten die an Selbstüberschätzung leiden und ständig versuchen den Landesverband zu schwächen. Ein Landesgeschäftsführer, der ständig im Clinch mit dem Landesvorstand und der Landtagsfraktion lag. Kommunikation nur übereinander und nicht miteinander.
Nicht die Piraten sind stark, Nein wir sind zu schwach, fehlende Selbsteinschätzung, kein Konzept. So kann man den Wähler nicht erreichen. Schaut doch nur auf das sogenannte Wahlkampfteam, dort sassen doch nur unsere altbekannten Postenmessies. Wir brauchen dringend einen Neuanfang, aber den bitte ohne unsere “Elite” und der Landesgeschäftsführer kann auch gleich gehen.
@ T. Löser
Über das “zu brave” Auftreten des fds-dominierten Landesverbandes S-H hat Genossin Jansen schon richtiges gesagt.
Dennoch hat der Landesverband selbst vergleichsweise wenig zur Wahlniederlage beigetragen.
Hauptursache waren die permanenten Intrigen des fds, die über das Liebknecht-Haus und die Medien liefen. Dem fds ging es nur darum, Gesine Lötzsch und Klaus Ernst abzuschiessen, und es war ihm das Schicksal der Partei dabei völlig egal.
Bis heute besteht beim fds keine Einsicht, im Gegenteil:
Nach der NRW-Wahl will es sich sogar als “Retter” präsentieren.
Völlig verlogene Veranstaltung.
@Roland: “die permanenten Intrigen des fds” als “Hauptursache” – jaja, so einfach kann die Welt sein.
Eine schlechte Nachricht aus der Wirtschaft, die erst nach der NRW-Wahl verkündet werden soll, sickert doch jetzt schon durch:
GM plant Kahlschlag bei Opel Rüsselsheim.
Das fds mit seiner Vogel-Strauss-Haltung (“Griechenland und D sind nicht vergleichbar”) weigert sich auch hier, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen:
Langsam aber sicher frisst sich die kapitalistische Krise in Deutschland ein.
Nur so als Hinweis: Die Landesliste in SH war nicht unbedingt die Wunschliste des dortigen Landesvorstandes. Das heißt, die konkrete SItuauion in SH ist keiner einelnen Strömung irgendwie zuzuschanzen, da alle Strömungen dort vertreten und beteiligt waren.
Der zentrale Unterschied ist wohl, dass die LINKE in Thüringen einen praktischen “Nutzwert” für ihre WählerInnen hat und in SH einen solchen eben noch nicht entwickelt hat (wie übrigens in den meisten westdeutschen LVs).
Die Bedeutung der Strömungen sind für BEIDE Wahlergebnisse eher im vernachlässigbaren Bereich.
Schuldzuweisungslegenden helfen hier nicht soviel weiter.
Wer aus dieser Wahlniederlage und den eventuell kommenden Schlappen den Schluss zieht, die Linke müsste wesentlich radikaler auftreten, ist völlig auf dem falschen Dampfer.
Die Leute wollen eine glaubwürdige Politik gegen Hartz 4, gegen die Rente mit 67, für einen Mindestlohn und für soziale Gerechtigkeit. An der Überwindung des Kapitalismus, der Einführung des Sozialismus oder Kommunismus sind hingegen kaum Wähler interessiert. Genauso wenig interessiert es die Wähler wie schrecklich imperialistisch Israel oder die USA mal wieder aufgetreten sind. Damit kann man vielleicht im Westen die 0,2% gewinnen die bisher die DKP gewählt, aber damit wird man sicher nicht auf 5% kommen.
Das ist auch mit ein Grund warum die Piraten erfolgreich sind: Wer “denen da oben” eins auswischen will aber gleichzeitig nicht auf Systemwechsel und ähnliche radikale Rhetorik steht, der kann jetzt ruhigen Gewissens die Piraten wählen.
“Wer aus dieser Wahlniederlage und den eventuell kommenden Schlappen den Schluss zieht, die Linke müsste wesentlich radikaler auftreten, ist völlig auf dem falschen Dampfer…Die Leute wollen eine glaubwürdige Politik gegen Hartz 4, gegen die Rente mit 67, für einen Mindestlohn und für soziale Gerechtigkeit.
”
Da haben sie sicher Recht das man nicht mit abstrakten Begriffen die Zustimmung gewinnt. Nur wer konsequent gegen Agenda 2010, gegen Kriegseinsätze und gegen die reaktionäere EU ist setzt faktisch auf eine Beseitigung des Kapitalismus in der BRD. Denn diese Politik umzusetzen wird einen anderen Apparat erfordern.
In Griechenland zeigt ja der Verfall der Pasok wie es hier auch bald aussehen könnte. Nur, mich würde es nicht wundern wenn in Griechenland Tsripas die Arbeiterbewegung verraten wird . Er denkt ja auch in opportunistischen Kategorien. Die KKE grenzt sich nicht umsonst von Syrizia ab.
Wer die Führungsfrage über viele Monate nicht löst, vor allem deshalb politisch nicht greifbar ist, über keinen erkennbaren Nutzwert verfügt und zudem Mitgliederbefragungen ablehnt, bekommt halt die Quittung..
Die Zahlen sprechen ja eine klare Sprache, da kann der Herr Roland hier noch so viel erzählen, die Fakten muss auch er zur Kenntnis nehmen, Im Norden hat der Bundestrend eindeutig durchgeschlagen und der ist einfach mies. Wer will schon eine Partei wählen, wo alle nur auf einen fast 70jährigen als Hoffungsträger warten. Das ist nicht zukunftsweisend. Und bringt nun mal Niederlagen mit sich. In Thüringen gab es klare Kandidatinnen mit klarem Profil. Das hat sich ausgezahlt und wurde von den WählerInnen belohnt. Glückwunsch nach Thüringen und Kopf hoch an die GenossInnen nach Schleswig-Holstein!
Stimme Blumental weitestgehend zu. Wir müssen Leuten etwas liefern, was sie im Alltag betrifft. Jenseits von unserer hochengagierten Basis und unseren treuen Verbündeten in der DKP kann hierzulande niemand was mit der Überwindung des Kapitalismus anfangen. Mit einer Reichensteuer, Mindestlöhnen und Verbot von Leiharbeit schon.
Ansonsten: die Niederlage war abzusehen. Wir konnten uns die drei Wahlkämpfe’2012 gar nicht leisten, und der Bundestrend war auch schrott. Im Gegensatz zum Abschneiden BadWü damals überhaupt nicht überraschend, also.
Dass hier gleich der Schuldige in Gestalt des politischen Opponenten in den eigenen Reihen gefunden wird, hilft uns überhaupt nicht weiter. Es ist noch lange nicht vorbei.
Ach so, es war eine übertriebene Selbstbeschäftigung – meint der Vorsitzende.
Ich rate Klaus Ernst, einmal darüber nachzudenken, ob sich die Stimmenausbeute nicht noch deutlicher gegen Null entwickelt hätte, wenn die Parteikader tatsächlich näher am Volk gewesen wären.
Mitunter ist es derzeit eher von Vorteil, das Personalangebot der PDL mit Selbstbeschäftigungstherapie im Rückraum zu belassen um Schlimmeres zu verhüten.
@Roland
“Über das “zu brave” Auftreten des fds-dominierten Landesverbandes S-H hat Genossin Jansen schon richtiges gesagt.
Dennoch hat der Landesverband selbst vergleichsweise wenig zur Wahlniederlage beigetragen.”
Hier wird schon wieder an Legenden gestrickt. Daß wir im Wahlkampf zu brav aufgetreten seien, da “fds-dominiert”, darauf kann nur jemand kommen, der die Verhältnisse hier vor Ort nicht kennt. Das ist schlicht dummes Zeug. Es gibt einzelne Akteure auch an führender Position, die dem FDS zuzurechnen sind. Das betrifft andere Strömungen aber auch. Organisiert tritt hier momentan keine Strömung auf. Möglicherweise wird sich dies aber ändern.
Gespannt bin ich darauf, von Antje zu erfahren, wo wir denn nun alle “zu brav” gewesen sind. In der Tat: nötig ist eine schonungslose Bilanz unserer politischen Arbeit der vergangenen Jahre, aber bitte selbstkritisch und mit sachlich fundierten Argumenten. Das betrifft die Arbeit der Landtagsfraktion, des Landesvorstandes, der Landesgeschäftstelle und aller Kreisverbände.
Die Landesratssitzung am 13.05. bietet dazu die erste größere Gelegenheit. Kommet zuhauf!
@ Blumental
Die SPD-anpasserische Politik des Berliner Landesverbandes hat die Piraten doch überhaupt erst groß gemacht.
Vor der Berlin Wahl liefen die unter “ferner liefen”. Erst danach begann deren westdeutscher Höhenflug, der uns noch eine gewisse Zeit zu schaffen machen wird.
(ein Teil des Kommentars wurde von der Moderation gelöscht)
Wir sollten nach der NRW-Wahl über die Ursachen diskutieren. Jetzt
schadet man den Wahlkämpfern vor Ort. Wer möchte das eigentlch
verantworten???
@ Eckernförder
Antje Jansen hat das “zu brave Auftreten” der Landtagsfraktion als Malus bennant.
Und wer aus Euerm Landesverband prominent am Dauerbeschuss von hinten gegen Gesine Lötzsch und Klaus Ernst beteiligt war, wisst Ihr selbst am besten.
p.s.
Gerade laufen die aktuellen Zahlen der Industrieproduktion in Spanien ein, die sich im freien Fall befindet.
Spanien ist der nächste Kandidat für eine starke LINKE.
“Wen genau Ernst damit meint, sagt er nicht, aber es sind wohl auch solche Vorwürfe, die das Klima in der Linken auf ungemütlicher Temperatur halten.”
Quark. Ein Bundesvorsitzender hat natürlich die Aufgabe, sowas anzusprechen. Gerade, dadurch, dass er keine Personen nennt, macht er eben nicht mit. Zumindest nicht in diesem Moment.
Aber bei LL schafft man es eben gerne, noch jede Aussage so zu drehen, wie es gerade passt, und raus kommt dann meist ein kümmerliches “Die aber auch!”
Ödeödeöde – und am Ende nochmal das fds.
Das fortwährende Gezänk ist in der Tat ein Grund für Wahlniederlagen, wenn auch nicht der einzige.
Zunächst zu nennen ist hier natürlich die perfide und vollkommen unnötige Antisemitismusdebatte der Bundestagsfraktion. Hier sind die Landesverbände gefordert, Leute, die derart parteischädigend agieren, einfach nicht mehr aufzustellen. Da DIE LINKE allerdings schon jetzt in Teilen zum Wahlverein verkommen ist, in dem Mandatsträger ihre Günstlinge und Speichellecker um sich scharen, wird das natürlich schwierig. Durch basisdemokratischere Strukturen ließe sich mittelfristig dagegen wirken. Aber natürlich fürchten viele Funktionäre dann um um ihre Macht und arbeiten dagegen. Lieber segeln sie in den Untergang und nehmen die Partei mit, denn schließlich haben sie die Weisheit mit den Löffeln gefressen, wie man an den Wahlergebnissen sieht.
@V – wir tragen hier selbstverständlich auch die stellungnahmen der anderen Strömungen nach, soweit ich das überblicke, gibt es aber bisher keine.
Nachtrag: Sahra Wagenknecht hat im SWR die Wahlschlappe der Linken im Norden unter anderem so begründet: Die Piraten “sind die Protestpartei, sie sind ein Gegenprogramm”; allerdings habe die Partei “zu den wirklich fundamentalen Fragen unserer Zeit – Eurokrise, Bankenrettung, Finanzmarktregulierung” nichts beizutragen. Die Linke hingegen wurde von den Wählern nicht mehr als Protestpartei wahrgenommen, weil sie die für die Bürger wichtigen Themen “so wenig in den Mittelpunkt gestellt haben” – sondern “immer wieder Diskussionen” geführt habe, “wo wir selber statt über unsere Inhalte, über unsere Positionen, über gerade auch die soziale Frage zu reden, dann über Personal geredet haben”. http://tinyurl.com/cnryo87
Nachtrag: Dietmar Bartsch hat sich ebenfalls zum Wahlausgang geäußert – unter anderem mit den Worten: “In der Wahlanalyse, die weit über die schmallippigen ersten Erklärungen am Wahlabend hinausgehen muss, sollten wir uns sehr wohl auch mit uns selbst befassen: Mit der politischen Ausrichtung der Partei und ihrer Führung, mit unserer Lebensnähe, Modernität und Aktionsfähigkeit.” http://tinyurl.com/ccml9l5
Es fällt schon auf , dass trotz deutlich höher Popularität des Spitzenkanditaten der SPD die tatsächlichen Ergebnisse eher bescheiden sind-offensichtlich gibt es nach den sozialen Grausamkeiten der Schröder -Ära zurecht ein nachhaltiges Misstrauen insbesondere bei der Arbeiterschaft bzw. den sozial Benachteiligten. Nun haben sich viele dieses Klientels für Wahlenthaltung anstelle für die Linken -als auch die Piraten entschieden. Man sollte sich bei den sogenannten Reformern deshalb durchaus kritischer damit auseinandersetzen -inwieweit man durch zu viel Nähe und Illusionen, was die Zusammenarbeit mit der SPD betrifft dieser berechtigten Sorge aus den vergangenen Jahren vielleicht unfreiwillig verharmlosen hilft.
Zunehmend mit Sorge betrachte ich eine zweite Tendenz, trotz z.T. radikalerer ökologischer Rhetorik der Linken wird die Kompetenz und der (Noch-)Verdienst bei der Energiewende eindeutig nur den Grünen zugeschrieben. Wenn es den Linken nicht gelingt die sozialen Auswirkungen klarer zu analysieren und konstruktive, vielleicht auch korrigierende Massnahmen z. B. bei den Verantwortungsträger der Linken in Brandenburg bzw. in den von ihnen regierten Kommunen zu initieren, laufen wir Gefahr in einen neuen verheerenden Negativtrend zu geraten. Wenn sich die Preissteigerungen weiter so fortsetzen und es möglicherweise zu Netzzusammenbrüchen kommt-alle Informationen von nicht unbedingt Lobby- Fachleute lassen ersteres und auch zweites deutlich befürchten -kann sich schnell auch ein plötzlicher Abstieg der Grünen ereignen -der die Linken auch mitreißen würde. Im Übrigen wird die pragmatische Merkel-sich immer herausmanövrieren können-wenn es schief geht-wird sie sagen- es war ja eigentlich wider meinem Willen, ich wurde ja von der Mehrheit dazu gezwungen, wenn es funktioniert -wird sie behaupten -ich habe ja alles mit bisher größter Konsequenz eingeleitet……
Wir brauchen auf diesem Gebiet unbedingt eine deutlich erkennbare Eigenständigkeit…
H A L L O !!! T R U G S C H L U S S!!!!
Wacht auf!!!! Es sind nicht die Personaldebatten die uns schaden!!!! Es ist die KULTUR und die ART UND WEISE mit der wie eine solche Debatte und viele anderen führen… Es unser Miteinander und unser Selbstbild und Frust über unsere MitgenossInnen und der Umgang damit, was uns lähmt… Es ist die Tatsache, dass unsere PolitikerInnen PolitikerInnen geworden sind… 08/15 und im BRD-Style, zu wenig selbstkrtische und reflektiv… zu selbsverliebt und überzeugt von sich…
@Bartsch “Lebensnähe, Modernität”. Sorry, wenn ich mal wieder diskriminiere, aber wenn jemand die “Ausstrahlung” eines piefigen Herrenfriseurs aus der Provinz hat… und dann diese Vergangenheit…
Und überhaupt dieses Geschwurbel …”Modernität” – wieder dieser Rückgriff auf “antideutsche” Ideologie.
Und hier noch ein Kommentar von Albrecht Müller:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=13127
Es stimmt selbstmurmelnd, dass die FDP hochgeschrieben worden ist, z.B. von einem gewissen Herrn Jörges, dem immer dann der Hut hochgeht, zieht man die Unabhängigkeit von Bertelsmann-Journalisten in Frage. Bei den TV-Sendern wurden sie präsentiert, als wären sie eine Volkspartei und nicht als der alberne Karnevalsverein, der sie ist.
Wenn mal ein FDP-Politiker es schafft mehrere gerade Sätze hintereinander am Stück zu sprechen, ist er gleich die neue Hoffnung.
Was Herr Lindner geleistet haben soll, wissen wir nicht so genau. Als Generalsekretär war für den Niedergang seiner Partei, den ich für durchaus verdient halte, entscheidend mit verantwortlich. Und dann hat er sich aus der Verantwortung gestohlen. Aber er ist ja nicht Lafontaine, also wird das von unserer gleichgeschalteten Presse gelobhudelt. Mal abgesehen davon, dass es der Job von FDP-Luschen ist, den ganzen Tag Quark zu erzählen, weswegen soll man Vertrauen in Politiker setzen, die ganz eindeutig ihre Karriere wichtiger nehmen als Inhalte? Passend dazu dann auch die Berichterstattung in den Tagesthemen zur Wahl in Griechenland” Der Sparkurs wurde abgewählt ergo wird das Abendland untergehen, die arme arme Frau Merkel, Links- wie Rechtsextrem verzeichnen drastische Zuwächse, drum werfen wir sie in einen Topf!”
@Gregor Mohlberg
Aber hallo. Wenn ich mich daran erinnere, welch Gezeter nach der Bartsch-Selbstaufstellung und seiner Aufforderung zum (in Deutschland einmaligen!) Mitgliederentscheid durch den Westen ging, muss ich mich nicht wundern. Die Stimmung war so hysterisiert, als ob dadurch die Welt untergehen würde. Wahrscheinlich hatten einige Apparatchiks karrieristische Existenzängste bekommen und haben die Basis ordentlich eingenordet. Die Junge Welt, die die Linke als ihr Privateigentum betrachtet und auf die nicht genehmen genüsslich draufhaut, war auch auf Hochtour.
Wer wählt eine Partei, die sich beim Sparpaket mürrisch-gähnend an die Stände stellt, wegen Postenfragen aber einen geradezu fanatischen Kampfgeist entwickelt? Dass sich Piraten gerade als unverbrauchte Alternative anbieten, ist Glück für die Piraten, nicht Pech für uns. Unsere Wähler laufen überallhin.
@Toni
Es wäre nicht in Deutschland einmalig gewesen. Das hat schon die SPD mitte der 90′er Jahre gemacht (das hat damals Scharping gegen Schröder gewonnen).
“Herrenfriseur aus der Provinz ” Lach Genau das passt…..Aber so ist wohl die Mentalität im ostdeutschen ländlichen Raum……
@Bronstein: Modernität ist also antideutsches Vokabular. Und wie geht’s sonst so?
@Roland: “Die SPD-anpasserische Politik des Berliner Landesverbandes hat die Piraten doch überhaupt erst groß gemacht.”
Das ist doch höchstens ein kleiner Teil der Wahrheit. Der Zuspruch für die Piraten hat wesentlich ganz andere Ursachen. Empfehle etwas Beschäftigung damit – dann würden Sie sehen, dass die Piraten Wähler von überallher abziehen, weils sie von Defiziten aller Parteien (inhaltlich und strukturell) profitieren. Oder wollen Sie allen Ernstes behaupten, die Piraten würden nur von Unmassen frustierter Linke-Anhänger gewählt?
Niemand wird bestreiten:
Die PP hatte Gelegenheit, in Berlin mit einem frischen, kreativen Ad-hoc-Wahlkampf mit großteils allgemein-linken Themen (Wasserpreise, Mieten, [geistiges] Eigentum, Freiräume) der Linken den Rang abzulaufen. Letztere fuhr einen gelangweilt-miefigen “Five-more-years”-Wahlkampf: “Wir müssen regieren, weil wir regiert haben”. Einziger Unterschied zur SED: Die Protagonisten hießen nicht mehr Erich, Erich, Günter und Egon, sondern Harald, Udo, Carola und Klaus. Da fällt es der PP nicht schwer, Neues Forum zu spielen…
@Sissy Fuß. Mir gehts ausgezeichnet! Der revolutionäre 1. Mai ist mir wie eine Badekur bekommen.
@tos
Diesen Satz aus Dietmar Bartschs Text möchte ich gerne ergänzend herausheben:
<Wenn alle in Nordrhein-Westfalen so eine gute Figur machen wie unsere Spitzenkandidatin Katharina Schwabedissen, kann der Wiedereinzug in den Düsseldorfer Landtag noch gelingen. <
An alle: könnten wir bitte die Diskussion wieder von unterhalb der Gürtellinie in die Köpfe verlegen?
@ Zbig
Das ist doch wieder ein typischer Bartsch-Satz:
Wenn das Kompliment an K. Schwabedissen sogleich verbunden wird mit einer indirekten Kritik an anderen NRW-WahlkämpferInnen, wird sich Katharina dieses Lob verbieten.
Der Mann kann einfach nicht motivieren.
@Roland: Dietmar Bartsch hat intensiv in Thüringen Wahlkampf gemacht. Das Ergebnis dürfte auch dir nicht entgangen sein. So viel dazu, dass er nicht motivieren kann.
Es wäre einfach nur gut, wenn einige endlich mal die Ralität zur Kenntnis nehmen.
@Roland
Eine indirekte Kritik könnte man herauslesen, wenn Dietmar Bartsch formuliert hätte: Wenn alle in Nordrhein-Westfalen so eine gute Figur abgäben……..
Hat er aber nicht.
Nun lese bitte niemand Kaffeesatz aus meinem Beitrag. Mir geht es darum, die Debatte zu versachlichen. Denn nach meiner Überzeugung hat der interne Ton, mit dem wir uns nach außen präsentieren, ein gerüttelt Maß Anteil am Zustand der Partei.
Diesen Satz aus Dietmar Bartschs Text möchte ich gerne ergänzend herausheben:
<Wenn alle in Nordrhein-Westfalen so eine gute Figur machen wie unsere Spitzenkandidatin Katharina Schwabedissen, kann der Wiedereinzug in den Düsseldorfer Landtag noch gelingen. <
Mein Plan nimmt Formen an
Der Ausweg heisst Schwabedissen-Lay für den Parteivorsitz… Das scheint auch Dietmar mittlerweile zu sehen…
Alles neu, alles überdenken, alte Zöpfe ab… Das unerwartete und das richtige zu gleich tun!
In eine unkluge Entscheidungsschlagt auf dem kommenden BPT zu rennen wäre selten-dämlich… Dann doch lieber gemeinsam verstehen und einen gemeinsamen Neuanfang auf neuer Basis wagen…
@Nachdenkseiten: “Erklärung: Meinungsmache!”
War ist, die drohende Niederlage im Westen ist größtenteils hausgemacht.
Wenn eine kleine Partei nur auf das Parlament fixiert ist, bleibt sie zwangsläufig auf die bürgerlichen Medien angewiesen was die Wahrnehmung durch die Bürger angeht. Wenn man dann nur noch in den Wahlkämpfen auf die Straße geht, reicht das einfach nicht aus um wahrgenommen zu werden.
Die Linke im Westen ist aus den Sozialprotesten gegen die Agenda 2010 entstanden, – sie muss wieder eine soziale Bewegung werden.
@Bronstein
“Die Linke im Westen ist aus den Sozialprotesten gegen die Agenda 2010 entstanden, – sie muss wieder eine soziale Bewegung werden.”
Und wie geht das?
Entsteht “eine soziale Bewegung” aus dem Wunsch einer Partei, die aus eben einer solchen entstanden ist, wieder eine solche zu werden? Sozial is muß?
Oder entsteht eine sozialistische Partei aus sozialen Widersprüchen?
Ich kenn’ mich nicht mehr aus…