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Aufruf vs. Aufruf

Nachdem der Appell „Wir sind die Linke“ binnen weniger Tage fast 600 Unterstützer bekommen hat, werden nun Unterschriften für einen Aufruf gesammelt, der so etwas wie das innerparteiliche Gegenstück ist: „Für eine starke Linke 2013! Für Oskar Lafontaine!“ Der Text, der in der Jungen Welt der Sozialistischen Linken zugeschrieben ist, von der Strömung nach eigenen Worten aber nur dokumentiert wurde (es handele sich um eine Initiative eines SL-Mitgliedes), sieht die Chance für eine Rückkehr auf die Erfolgsspur unter anderem darin, „glaubwürdig an den Prinzipien linker Politik“ festzuhalten. Es sei unbestritten, dass derzeit „ein Mangel an Einigkeit dazu beiträgt, unser Bild in der Öffentlichkeit zu schädigen“. Nötig sei nun „ein Mindestmaß an Geschlossenheit, Zeit und Kraft, um verlorenes Vertrauen und politische Handlungsfähigkeit zurück zu gewinnen“.

Das würde in der Linkspartei wohl jeder unterschreiben. Um den Rest wird heftig gerungen. In „Für eine starke Linke 2013“ heißt es unter anderem, „das Letzte, was die Bevölkerung von uns erwartet, sind Personaldebatten“. Dass der Aufruf genau das ist, nämlich Positionierung in einer Personaldebatte, soll hier gar nicht kritisiert werden; schließlich sind es in diesen Tagen ein paar wenige Namen, welche die Komplexität der strategischen und inhaltlichen Differenzen so reduzieren, dass sie für eine politische Auseinandersetzung handhabbar werden. Die einen sind für und die anderen gegen Oskar Lafontaine.

So heißt es im Aufruf „Wir sind die Linke“, „überall, in West und Ost, haben Genossinnen und Genossen ihre Erfahrungen auf den Prüfstand gestellt, neue Ideen geboren, Kompetenz und Ansehen gewonnen. Sie haben das Zeug, Führungsaufgaben zu übernehmen – wir werden ihnen nicht gerecht, wenn wir sie ignorieren und nach einem Erlöser, einem Messias rufen“. Das versteht jeder. Ebenso wie das Gegen-Plädoyer im Aufruf aus dem SL-Umfeld: „Die Persönlichkeit, die in dieser Situation am besten in der Lage ist, die Partei schnell aus der akuten Krise zu führen und mit Ruhe und Entschlossenheit ihre erneute Stärkung zu organisieren, ist der Gründungsvorsitzende“. Der Saarländer genieße „großes Vertrauen und hat die Autorität“, die Linkspartei durch schwere Zeiten zu führen; außerdem habe er „in der Öffentlichkeit unbestritten die stärkste Wirkung“.

In dem Aufruf, der bei der SL und auszugsweise in der Jungen Welt veröffentlicht ist, wird zudem Dietmar Bartsch aufgefordert, „seine Kandidatur für den Parteivorsitz zurückzuziehen und sich solidarisch an der vor uns liegenden Arbeit zum Wohle der Partei und im Sinne der Wähler“ zu beteiligen. Auch das versteht jeder, es soll heißen: Hält der Mecklenburger an seiner Bewerbung fest, geschehe das nicht zum „Wohle der Partei und der Wähler“. Beim Forum demokratischer Sozialismus, das die Kandidatur von Bartsch unterstützt, stößt das auf wenige Beifall – noch weniger, wie darüber bisweilen im Internet diskutiert wird.

In einem Newsletter zeigen sich die Reformsozialisten enttäuscht über den Debattenstil auf Facebook. Dort war den „Truppen“ von Bartsch vorgeworfen worden, im Falle einer Wahlniederlage gegen Lafontaine „die Partei zu Kleinholz (zu) machen“; es sei „eigentlich eine Selbstverständlichkeit“, dass der Saarländer „mit 68 nicht erneut einen Bundesgeschäftsführer will der permanent gegen ihn und die Partei arbeitet bzw. schon mal eine andere Partei unter 5 Prozent geführt hat“. Das, entgegnet nun das fds, habe so gar nichts mit der von Hans-Jürgen Urban skizzierten „neuen Kultur der wechselseitigen Toleranz und der Akzeptanz der spezifischen Bewegungs- und Organisationskulturen“ als „Schlüsselressource“ einer Mosaiklinken zu tun. Im Vorfeld der bisherigen Parteitage habe man es „als fds-Bundesvorstand für selbstverständlich“ angesehen, unter anderem mit den Spitzen der Sozialistischen Linken „einen Austausch darüber vorzunehmen, wie bei aller Unterschiedlichkeit in den Positionen, unsere beiden Strömungen zu einem erfolgreichen Ergebnis des Parteitages beitragen können. Allerdings erscheine es „ausgesprochen schwer vorstellbar, wie dies im Vorfeld des Göttinger Parteitags auf einer solchen Grundlage geschehen sollte“.

Die Debatte auf Facebook wurde inzwischen offenbar gelöscht, die SL hat – wie schon gesagt – darauf hingewiesen, dass es sich nicht um einen Aufruf der Sozialistischen Linken handelt. Und am Sonntag sollen sich Berichten zufolge Lafontaine und Bartsch treffen. Vielleicht ist das Kind ja noch nicht unten im Brunnen aufgeschlagen. (vk)

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86 Kommentare zu “Aufruf vs. Aufruf”

  1. Bronstein sagt:

    Mitten in der größten Bewährungsprobe für die europäische Linke

    Es ist schon traurig und bestürzt mich, dass mitten in der gegenwärtigen und größten Bewährungsprobe für die europäische Linke seit den 70gern, Leute wie vor allem Bartsch, Wawziniak und Ramelow nichts besseres zu tun haben, als einer nach dem anderen vor die Mikrophone der bürgerlichen Medien zu treten und eine Schlacht um die Macht über die Linke beginnen.

    Schade, die Linke wird bundesweit gebraucht, aber ich denke, das wars. Wie ich schon von vielen von euch vor längerer Zeit gehört habe: “Das Ding ist eh gegen die Wand gelaufen”.

  2. steffen sagt:

    @Bronstein: schon mal darüber nachgedacht, warum es in den Alten Bundesländern keine ernst zunehmende Linke jenseits der SPD gegeben hat. Genau wegen dem was jetzt abläuft, Linksradikalismus, Abgrenzung, Ausgrenzung von allem was nicht der angeblich reinen Lehre entspricht. Geht wieder in Eure Hinterzimmer und erklärt Euch die Welt und verteufelt die Menschen, die Euch nicht verstehen. Früher hat man auch Sektirertum dazu gesagt. Auf in eine Zukunft unter 1% :-(

  3. Steffen B. sagt:

    @steffen (Harzer):
    na klar, und im Osten gibt es nur eine Partei links der SPD (was relativ ist), weil deine Vorgänger eine gesinnungsdiktatur über Jahrzehnte aufgebaut haben, die noch nachwirkt.

    du hast keine Ahnung vom Westen. so jemand gehört nicht in den pv.

  4. Bronstein sagt:

    @Steffen (Harzer)

    Drücke ich mich so unklar aus? Wo rede ich dem Linksradikalismus das Wort oder dem Rückzug in eine Sekte?

    Soziale Bewegung ist kein Hinterzimmer.

    Zur Not muss man eben bei den Piraten einen linken Flügel aufmachen.

    Und warum hat´s denn die Linke im Westen nie gebacken bekommen? Weil sie den Osten für ne Alternative hielt.

    Bartsch ist im Westen Wahlurnengift. Fehlt nur noch das der anfängt zu sächseln.

  5. Bronstein sagt:

    LAFONTAINE, MACH UNS DEN MELENCHON!

    Lafontaine ist der gesamtdeutschere Kandidat.

    Er ist auch im Osten GERADE WEGEN seines antikapitalistischen Populismus bei DER BEVÖLKERUNG seeehr beliebt! Besonders bei der älteren Anhängerschaft….

    Hihi: Gysi zu PDS-Zeiten:

    “Die Leute wählen uns nicht WEIL wir gegen die Nazis sind, sondern OBWOHL.”

    Bronstein 2012:

    “Im Osten würden die Leute Lafontaine wählen nicht OBWOHL er Lafontaine ist, sondern WEIL er diesen seinen spezifischen Antikapitalismus so gut rüber bringt!”

    –> Lafontaine geht die soziale Frage von LINKS an.

    NUR LAFONTAINE MACHT UNS DEN MELENCHON!

    Nur Lafontaine kann den Rechtspopulismus verhindern.

  6. Fliegenpilz sagt:

    Nur der Asylrecht-Abschaffer Lafontaine kann den Rechtspopulismus verhindern?

  7. mz sagt:

    @ steffen:

    Nur, um hier mal historisch was richtig zu stellen: Das ganze Sektiererwesen und die Abschottung der Linken im Westen beruht auf einer langen Tradition des Antikommunismus und der politischen Verfolgung in den alten Bundesländern. Klar, dass man diese Leute nicht von heute auf morgen daran gewöhnen kann, wieder offen in die Gesellschaft heraus zu gehen und sich jenseits von Fundamentalkritik den dortigen Realitäten zu stellen. Ein bisschen mehr Sensibiltät im Umgang mit der Westlinken ist hier schon geboten.

    Ach ja, und die ganzen Lafontaines, Ulrichs, Ernsts und Maurers, die gerade in ihrer Selbstdemontage die ganze Partei lächerlich machen, kommen allesamt nicht aus dieser Tradition. Sie waren als in SPD und DGB Organisierte eigentlich immer aktiver Teil des “keine Partei links der SPD”-Konsens in der alten BRD.

  8. Linksman sagt:

    Hallo mz,
    die gute alte PDS war bis 2005 (ohne Lafo, Maurer etc.) im Westen ja auch viiiiiiieeeeel erfolgreicher, nüch?

  9. GillaSchillo sagt:

    Die OSKAR-Linke ist aus zwei Landesparlamenten krachend hinaus geflogen.

    Hoffnungsträger sehen völlig anders aus.

    Eine neue Linke ist möglich, aber nur ohne Lafontaine!

  10. aries sagt:

    @Bronstein:

    “Der Begriff “Stalinismus” wird exklusiv auf diese Strömung angewandt. Paradoxerweise verbünden sie sich mit Kräften (“Bartschisten”), die ich als “strukturstalinistisch” also als sehr autoritär bezeichnen würde, und die überdies aus dem Poststalinismus hervorgegeangen sind.”

    Ich kann kein positives Bündnis zwischen Teilen der AKL und dem Osten sehen. Es gibt auch keine Bartschisten. Dazu ist der viel zu wenig charismatisch. Dies alles mag nur jmd von außen so erscheinen. Mit positivem Bündnis meine ich ein Bündnis, was etwas konkretes will: also z. B. eine Person XY oder einen Parteitagsbeschluss durchbringen. Sowas sehe ich nirgendwo.

    Was ich aber sehr deutlich sehe ist ein negatives Bündnis: AKL und FdS und andere mögen sich nicht sehr grün sein. Teilweise mit Recht, teilweise ohne. Sie haben aber BEIDE erlebt, was die Gewerkschafts- und EX-SPD-Bande (Ernst, Maurer, Dreibus, Lafo, Ulrich, Krämer usw.) in der Partei angerichtet haben. Und beide haben es – wie gesagt aus tw. anderer Interessenlage- komplett satt. In vielen Fällen geht es dabei nicht um primär inhaltliche Dinge, sondern die Art und Weise des Umgangs, dem tägliche Mobben, das Ausschalten, das Fertigmachen, Vorbereitungstreffen eines Teilvorstandes und dann ein paar Stunden später die Aufführung der Vorstandssitzung (täglcihe M21 Routine nebenbei) Es ist ja nicht so, dass in der PDS vorher alles Friede, Freude und Eierkuchen war. Aber seitdem die Truppe uns durch die Fusion angeblich “gerettet” hat, ist die Partei nur noch zum abgewöhnen und jetzt hat auch die Massenflucht der Mitglieder eingesetzt.

    Wie findest du es, wenn du zu Sitzungen gehst und weiss du wirst prinzipiell verarscht? Findest du dies stärkt die Linke – oder zersetzt es sie?

    Und wenn ich einmal persönlich werden darf Bronstein: ich streite mich gerne stundenlang über die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien, über das Thema Bankenverstaatlichung, höherere Steuern auf Einkommen usw. Ich hasse es nur dies mit Leuten zu tun, die dieses Thema nur vorschieben um damit ihre eigene Macht zu festigen. (Damit bist NICHT du gemeint -kenn dich ja nicht – aber das ist was man so immer wieder erlebt). Ich verachte Falschspieler, für die (austauschbare) Politik nur zu andern Zwecken dient. Deswegen habe ich auch so einen gerechten Groll auf M21, SL und die LaFo-Truppe. Die zerlegen die Partei und große Teile der Linken. Die Methoden derer sie sich bedienen sind komplett inakzeptabel.

    Deswegen – selbst wenn, was ich höchst bestreite – Lafo der Garant für einen Wahlsieg wäre, selbst dann, ist er und seine Truppe im Interesse einer Linken die den Namen noch verdient zu verhindern.

    Ich bin mit Bartsch nicht glücklich. Ich halte ihn für einen Übergangskandidaten. Schlechter als Lafos Stellvertreter K. Ernst kann er nicht sein. 5-7% mit Bartsch sind locker drin: knapp 5% kommen sicher aus dem Osten und der eine oder andere Wessi wird auch ihn, besser die Partei, wählen. Bartsch – als tendenzieller Langweiler – polarisiert wenig. Das wird der Partei erst mal helfen.

    Dann ist angesagt: die Partei zu demokratisieren. Und da gibt es auch im Osten eine Menge aufzuholen.

    Noch zwei Anmerkungen:

    1. Warum die SAV von Leuten wie Krämer so gehasst wird, (ich finde die aus ganz anderen inhaltlichen Gründen nicht gut), liegt daran dass die verbohrter als Linksruck sind. Die sind nicht sofort käuflich und vor allem sind deren Strukturen schlechter mit eigenen Leuten zu überwachen. Die Ex-SPD-Truppe war nie in der Lage die SAV zu benutzen oder zu kontrollieren.

    2. Warum M21 mit dem Gedanken des Übergangs zur AKL spielt hat m. E. mehrere Ebenen: a. gibt es absehbar weniger zu holen. b. daher muss man sich besonders verdient machen = im Auftrag die AKL neutralisieren bzw. deren Pfründe für sich abgreifen. Ein Papier dazu in Bayern gibt es ja, von wem es stammt halte ich für offensichtlich.Die Neutralisierung der AKL macht die SL und Lafo happy, dass macht M21 happy und isoliert die Reformer. Gleichzeitig kann dann der rechte Rand der Partei, also die SL, besser auf Mitte spielen.

    Man muss sich langsam anfangen zu fragen ob eine Lafo-Linke in den Bundestag sollte. Kein Fortschritt für die Menschen und ein Rückschritt für die Demokratie, selbst die bürgerliche.

  11. Linksman sagt:

    Hallo Bronstein,
    “Zur Not muss man eben bei den Piraten einen linken Flügel aufmachen”

    Gibt ja schon einige Linke bei den Piraten, wenn man an die Berliner Fraktion denkt. Oliver Höfinghoff und Gerwald Claus-Brunner sind z.B. fähige Leute, die im Vergleich zur Hauptstadt-”Linke” geradezu erfrischend wirken.
    Auch der Ansatz der Bundespartei, zum Thema Israel unterschiedliche Meinungen zuzulassen, wirkt einfach zeitgemäßer als Maulkorbhysterie.
    Wenn bei einer Wahl des Bartschomaten die Linke eine Rolle rückwärts gen Ostpartei einlegt, ist es gut, eine potenzielle Wahlalternative in der Hinterhand zu haben.

  12. GillaSchillo sagt:

    Bronstein

    Sahra tritt auch vor die Presse. Sie war auch diejenige, welche permanent Lafonaines Rückkehr ins Feld führte.
    Schon vergessen?

  13. GillaSchillo sagt:

    Wer hat versucht Maulkörbe in der Landessatzung zu verfestigen?
    Die Oskar-Linken.

  14. sfr sagt:

    @ Bornstein: War der Melenchon, den Lafontaine deiner Meinung nach (nach-)machen soll, denn nun eigentlich auf der tollen Konferenz heute in Berlin, für die er so lange angekündigt war? Oder hat man seinen Namen nur für die Mobi ge-/missbraucht?

    Beim “Bericht aus Berlin” gerade war von Melenchon jedenfalls nicht Rede. Dafür faslte der Oskar was von “radikal”, was für ihn kein Schimpfwort sei (äh, ja, okay), und “Internetpartei”, zu der zu entwickeln die Partei leider bisher etwas verschlafen habe (haha!). Natürlich haben die ganzen grau- und weißhaarigen Menschen in dem kleinen Saal, die da zu sehen waren, ihm trotzdem kräftig zugejubelt. Dehm (nicht grauhaarig) durfte dann vor der Tür noch etwas gegen Bartsch hetzen. Und Wagenknecht behauptet im Studiointerview frech, dass Bartsch-Lager würde nicht fair spielen. Und zeigt sich erstaunt darüber, dass Bartsch nach Lafos “Ankündigung” doch tatsächlich auf seiner Kandidatur beharrt, dabei würde man für ihn doch irgendeine Verwendung finden … Selbstherrlicher geht’s gar nicht.

    Und während Lafontaine, Wagenknecht & Co. ihre tolle “Konferenz” veranstaltet, stellt sich Bartsch einer Reginalkonferenz. Oksaker lässt sich da natürlich nicht blicken, sondern schickt Klaus Ernst. Kommt der sich nicht lächerlich vor?

  15. sfr sagt:

    Und bei Berlin Direkt hat Lafontaine gerade bewiesen, dass er sich auch gut selbst lächerlich machen kann:

    Es gehe zwar um die Partei, aber auch um ihn. Keine Krönung, aber er habe doch schon 14 Wahlkämpfen als Spitzenkandidat fungiert. Eiegntlich wolle er gar nicht nochmal, aber die Partei (wer denn genau?) habe ihn anderthalb Jahre gerufen. Daher würde er es machen, aber einer Abstimmung auf dem Parteitag will er sich nicht stellen. Der etwas perplexe Moderator fragt da ein paar mal nach, es bleibt aber bei dieser selbstherrlichen, absurden Position. Und das Auskungeln von Posten in Hinterzimmerunden sei nicht intransparent, sondern das mache man nun mal so.

    Und statt Melenchon wird nun gleich der französische Präsident Hollande für die Linke in Beschlag genommen. Der habe einige Forderungen der PdL abgekupfert (was der Moderator zurecht für eine steile These hält). An Hollande hat sich vor ein paar Tagen ja schon Klaus Ernst ranhängen wollen. Sehr radikal das. Sie vergessen nur: Hollande ist zu seiner Kandidatur über PS-interne Vorwahlen gekommen. Sogar einer Stichwahl mit Martine Aubry hat er sich gestellt. Zu so etwas ist Lafontaine sich aber zu fein.

  16. Muemmel Treitinger sagt:

    @Ralf
    Da ich in NRW recht wenig Einblicke hab, aber die Delegationen auf PArteitagen (und noch wichtiger auf den Strömunsgtreffen vor den Parteitagen) mitbekommen hab, hab ich die bei der Betrachtung in der Summ mit 4 zu 32 zugunsten von lafontaine taxiert (und damit eher zu seinen Gunsten) in der Gesamtbetrachtung. Münster und die umgebenden KVs sind hier eh ein spannender Fall sofern das Steinfurter Modell dort weitergefahren wird, der Vorhersagen schwierig macht – im zeifelsfall hab ich im Westen aber immer zugunsten Lafontaines gerechnet – hat ihm in der Summe aber auch keine Mehrheit bereitet.

  17. Ralf Krämer sagt:

    Da ich in diesem Thread schon angefangen hab, mach ich auch noch kurz weiter:

    1. Ich kenne niemanden in dieser Partei, den/die ich als Stalinist/in bezeichnen würde. Das gleiche gilt für Antisemit/in. Gäbe es jemanden, gehörte er/sie nicht in die Partei, der Ausschluss müsste beantragt werden, zusträndig ist die Schiedskommission. Ich finde diese Bezeichnungen haben deshalb in der innerparteilichen Auseinandersetzung nicht zu suchen und ich finde nicht akzeptabel, sie zu verwenden.

    2. Noch mal zur Frage der Geheimdienste und ihrem Wirken in der LINKEN. Ich bleibe dabei, ich vermute das gibt es. Und ich vermute sie wirken auch gezielt dafür, die LINKE zu schwächen und zu spalten. Wahrscheinlich gibt es auch V-Leute, die sich ganz konstruktiv verhalten. Das ist natürlich auch ein Skandal, aber diese stören mich erst mal weniger. Wie gesagt, es gibt keine konkrete Person, der ich das unterstellen würde.

    3. Mein zentrales Kriterium, was ich akzeptabel finde als Verhalten in der Partei, ist ob es grundsätzlich konstruktiv, auf den Aufbau und die Stärkung der Partei gerichtet ist. Da kann es dann unterschiedliche inhaltliche Positionen geben und auch unterschiedliche Auffassungen, ob bestimmte Positionen und Aktivitäten positiv oder schädlich für die Partei wirken. Das ist unvermeidlich und muss akzeptiert werden. In diesem Sinne habe ich kein grundsätzliches Problem mit fast allen Strömungen und Gruppen in der Partei. Ich finde nur und arbeite dafür, manche sollten keine Mehrheit haben. zu Beginn der WASG war ich gleichermaßen skeptisch und offen gegenüber Linksruck wie SAV. Linksruck und später erweitert M21 haben mich positiv überrascht, SAV alle Befürchtungen bestätigt. Natürlich haben beide das Ziel, sich selbst zu stärken, aber M21 verbindet das mit konstruktiver Arbeit für die Partei, SAV ist tendenziell sektiererisch und schwächt die Parteigliederungen, in denen sie arbeiten.

    4. Die Partei die ich meine und um die es dabei geht ist die neue LINKE, wie wir sie 2007 gebildet haben und mit dem Grundsatzprogramm, das wir 2011 mit 97% beschlossen haben, also eine sozialsitsiche Partei in der Tradution der Arbeiterbewegung und anderer progressiver Bewegungen, mit dem zentralen Profil der sozialen Gerechtigkeit und Vertretung der Interessen der lohnabhängigen Mehrheit/Arbeiterklasse sowie Antikriegsposition. Also notwendigerweise mit einem starken gewerkschaftlich orientierten Flügel. Wer eine solche Partei nicht will, ist m.E. in der LINKEN falsch. Wer eine solche Partei nicht will und deshalb die LINKE schädigen und spalten will, kann nicht als konstruktiv akzeptiert werden, sondern muss politisch mit demokratischen Mitteln von relevanten Funktionen in der Partei fern gehalten werden. Ich gehe bisher davon aus, dass das nur eine kleine Minderheit der Partei ist, schließlich gibt es die 97% Zustimmung zum Programm.

  18. Linksman sagt:

    Hallo Gilla Schillo,
    Sie bemühen ja gerne CDU-Anwälte, um gegen die Linke zu schießen, nüch?

  19. GillaSchillo sagt:

    @Linksmann

    wow, jetzt bemühe ich schon mehrere CDU-Anwälte!
    (wer lesen kann, ist klar im Vorteil).

    Damit es auch für Sie verständlich wird:
    Kontaktierung des CDU-Anwaltes, nachdem ein Anwalt mit linkem Parteibuch nicht bereit war mich/uns bei den vielen Unregelmäßigkeiten juristische Unterstützung zu gewähren.
    Das Parteibuch wird höher eingeschätzt als Recht und Ordnung.

  20. Ralf Henrichs sagt:

    @ Mümmel,

    also, das ist jetzt für einen Münsteraner peinlich. Aber – äh – was, bitte schön, ist das “Steinfurter Modell”?

  21. Muemmel Treitinger sagt:

    @Ralf
    Im Münsterander Land gibt es 5 KVs (Coesfeld, Borkum, Warendorf, Münster, Steinfurt) – das Gebiet hat aber in der Summe nur 4 Bundesparteitagsdelegierte (früher waren es noch einen Tick anders mit dem zusätzlichen KV KLeve), damit alle KVs repräsentiert sind gab es ein bestimmtes Rotationsverfahren zur Wahl der Bundesparteitagsdelegierten. Ich dachte es wird noch imemr so gehandhabt (dann müsste Warendorf diesmal zwei Delegierte haben – ich weiß aber nicht ob dieses Jahr das Steinfurter Modell wieder bestätigt worden ist).

  22. Mümmel Treitinger sagt:

    Bei den UNterzeichnern – stand 23:35 – des Aufrufes “Für eine starke Linke” stehen so illustre Gestalten wie Unterzeichner 367
    Erich Honecker aus Saarland, ehemaliger Parteivorsitzender.

    Wunschdenken? Phantasien? Streich?

    Auch Unterschrift 341
    “Plattform Linke Opportunisten – Zentristen aus überall,
    Nieder mit dem Bartschismus! Gegen den Parteitag in Göttingen! Für Seine Ernennung!”

    Interessant.

    So bekommt man eine Unterzeichnerliste zur eigenen Selbstanklage.

  23. Ralf Henrichs sagt:

    @ Mümmel,

    das stimmt so weit. Respekt. Dass dies unter dem Ausdruck “Steinfurter Modell” firmiert, war mit allerdings nicht bekannt. Zumal dies von unserem langjährigen, leider inzwischen verstorbenen WASG-Gründer und Vorsitzenden Joachim Hoffmann aus Münster entwickelt worden ist (um ihn hier mal zu erwähnen). Dass dies auch in Bayern bekannt ist, hätte ich nicht gedacht.

  24. MichaelH. sagt:

    @ Mümmel Treitinger
    “So bekommt man eine Unterzeichnerliste zur eigenen Selbstanklage.”

    So auch:

    169 Christian Sedlmair aus Dachau, KV Dachau, Mtgl. d. Kreisvorstandes
    Oskar rockz!

  25. Muemmel Treitinger sagt:

    @Ralf
    Ich glaub jetzt nicht, dass es so bekannt in Bayern ist, aber es ist halt bei Leuten bekannt, die sich für Wahl- und Zuteilungsverfahren in der Partei interessieren. Gerade im zuge der angestrebten Satzungsänderungen ist das ja ein interessanter Fall, da ja derzeit regionalproporze bei Wahlgängen in der Satzung noch gestattet sind, aber abgeschafft werden sollen und das Steinfurter Modell hier ein sehr komplexer Sonderfall ist.

    @Allgemein Honecker und Die Opportunistenplattform stehen immer noch als Unterzeichner drunter, aber jetzt plötzlich wesetnlich weniger sichtbar platziert im unteren Teil der Unterzeichner

    @MichaelH
    Christian ist eine reale, lebende Persönlichkeit und soviel Pluralismus hält der KV Dachau schon aus.

  26. Friedrich sagt:

    @Ralf Krämer

    Ich will hier nur äußerst kurz auf Punkt 4 Deiner Wortmeldung eingehen. Dein Bild von unserer Partei ist nicht gleich meinem; es ist mir zu eng und entspricht nach meiner Auffassung nicht der Realität des 21. Jahrhunderts. Obendrein ist das mit dem starken gewerkschaftlichen Flügel ohnehin so eine Sache, denn man kann das unsolidarische Agieren der Gewerkschaften in den letzten 20 Jahren sehr kritisch sehen – ich denke da an die vielfach sehr intensive Mitwirkung beim Plattmachen der ostdeutschen Wirtschaft. Aber das würde hier zu weit führen.
    Entscheidend ist, dass ich in einer Partei mit pluralistischem Anspruch sein möchte.
    Deiner Meinung nach bin ich in der Partei falsch – nun, das halte ich aus. Schon in meiner Akte steht, daß ich politisch ein falscher Fuffziger bin.

  27. Manipu sagt:

    Beim lesen der meisten Kommentare, wundert es mich nicht, dass DIE LINKE bei den Wählern immer mehr verliert. Die meisten Aktiven in der Partei wissen scheinbar gar nicht mehr, für was und für wen sie Politik machen, sie wollen dummschwätzen, sich wichtig machen und dem Diskussionskontrahenten eins auswischen.

    Anstatt sich darauf zu konsentrieren, den Menschen klar zu machen, dass nur mit einer starken Linkspartei sich ihre Lage verbessern lässt, versucht dieser Schwafelclub “ihren” vermeintlich richtigen Kandidaten und Ost gegen West, in Stellung zu bringen.

    Der kommende Parteitag sollte den Delegierten die letzte Chance sein, sich wieder auf die gemeinsamen Ziele zu konsentrieren und den Vorstand wählen, der inhaltlich, rhetorisch, unaufgeregt und klar diese Ziele den einfachen Bürgern als erstrebenswert und erreichbar vermitteln kann.
    Verabschiedet euch von denen, die aus Profilersucht nur Stunk machen.

  28. BakuninsBeifahrer sagt:

    Lafos Alleinvertretungsanspruch ist zutiefst undemokratisch und kontraproduktiv. Wer so stark polarisiert, bewirkt das Gegenteil von Zusammenhalt. Wird die Parteiführung nicht pluralistisch besetzt, ist das Ende der Partei in Sichtweite. Lafo sollte besser den Spitzenkandidaten machen und den Weg für Wagenknecht und Bartsch freimachen.

  29. Ex-Soze sagt:

    Es sind in der West Linken nicht Linke “Sektierer”, die keinen Kuschelkurs zur SPD wollen, sondern vor allem die Ex Solzialdemokraten, wie beispielsweise ich.
    Um in unserem Land was zu ändern, muß man die SPD wieder auf einen sozialeren Kurs zwingen und nicht die Linke zur SPD light machen. Würde die Linke als letzte verbliebene echte Oppositionspartei auch noch Richtung “Mitte” marschieren, wäre das Grund sofort auszutreten.

  30. seyinhphyin sagt:

    Es ist ja ekelhaft genug, dass unsere Medien ständig Schwachsinn erfinden, um die Opposition in diesem Land zu zerstören, aber durch einige Leute in der Linken wird es denen jetzt auch noch einfach gemacht.

    Phoenix zitiert jetzt einfach mal eben Schlagzeilen anderer Zeitungen als Beweisführung (völlig absurd), spricht vom vererbbaren SED Gen (oh Mann…) und irgend ein “Professor” (wird man ja gerade dann umso leichter, je mehr man an das System angepasst, Querdenker haben so gut wie keine Chance) nickt das Ganze schön ab.

    Unsere großen und damit systemkonformen Medien, die ALLES tun werden, damit die Linke und die Fakten, die diese ja im Bundestag immer wieder auf den Tisch knallen, untergehen, werden darüber niemals klar und neutral berichten.

    Umso wichtiger ist es daher, dass “eure” Partei es selbst macht.

    Eines aber ist klar: Wenn “ihr” nur eine weitere Blockpartei werdet, braucht man euch nicht mehr. Dann ist Deutschland endgültig verloren, denn unsere Blockparteien werden stur und ignorant gegend die Wand fahren, das beweisen sie seit vielen, vielen Jahren und immer mehr.

    Ihr seid doch die Letzten, die den Menschen die Wahrheit sagen.
    Also reißt euch zusammen oder geht unter – mitsamt Deutschland.

  31. Muemmel Treitinger sagt:

    Auch wundervoll übrigens:
    Unterzeichner 412
    Martin Müller aus Meyenburg,
    “Für den Schutz der Arbeiter- und Bauernmacht: Baut die Mauer wieder auf. Es lebe der Sozialismus.”

    oder

    Unterzeichner 240
    Horst Bohmbach aus Berlin, BV W-CH, SL
    “Dies hier ist mehr als eine indirekte Mitgliederwahl. Es ist eine Antwort auf die Machenschaften der Menschewiki, die u.a. das Erfurter Programm so umsetzen wollen, wie die CDU das Ahlener Programm, nämlich garnicht.”

    oder so richtig subtil unfreiwillig komisch

    Unterzeichner 179
    Michael von Klitzing aus Cloppenburg, Vors.DIE LINKE.KV Cloppenburg
    “Ich will jetzt den saarländer an der spitze der partei !”

    Wenn man sich die weiteren Kommentare ansieht, fällt einem bei vielen nur ein – Untertanen.

  32. Herzberg sagt:

    Hallo!
    Es ist nicht zufassen.
    Habt Ihr denn nicht aus der Geschichte gelernt???

    Nur Einigkeit in den politischen und gesellschaftlichen Frage kann den Einfluß auf die gesellschaftliche Entwicklung stärken.

    Was hier abläuft hilft nur dem politischen Gegner.

    Wegrennen, Forderungen stellen und persöhnliche Empindlichkeiten haben in der Vergangenheit immer zu Niederlagen geführt.
    Der politische Gegner lacht sich kaputt.

    Nur eine klare Analyse, eine klare Zielsetzung, und harte Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner ist vom Erfolg gekrönt.

  33. mz sagt:

    @ Ex-Soze: danke, dein Beitrag bestätigt meine These etwas. Der antikommunistische Grundkonsens scheint auch in den Köpfen einiger Leute in dieser Partei munter weiter zu leben.

    Äußerst bezeichnend auch wieder diese Vorstellung vom Wieder-links-machen der SPD als Zielsetzung der Linken. Ist die Linke jetzt eigentlich eine eigenständige Partei, der es zunächst einmal egal sein kann, was die SPD macht, weil sie mit eigenen Zielen und Inhalten punkten will oder ist sie eine Art ausgelagerter Flügel der Sozialdemokraten?

    Und selbst wenn es stimmen sollte, dass die Mehrheit in den Westverbänden sich aus Leuten mit so einer Meinung zusammensetzt – meine eigene Erfahrung würde das, nicht unbedingt, was die Mehrheit, aber was die Dominanz angeht, bestätigen – dann frage ich mich schon: warum sprechen sich nicht alle West-LVs für Diethmar Bartsch aus, ist er doch angeblich derjenige, der die “Sozialdemokratisierung” der Partei voran treiben würde. Spricht da vielleicht unbewusst die Angst vor einer echten politischen Konkurrenz zu der Partei, die man mal enttäuscht verlassen hat, in die man aber eigentlich wieder zurück will?

    Ich persönlich finde ja die Vorstellung von der Linken als SPD-Anhängsel sehr wenig attraktiv. Ich hätte eigentlich lieber gerne ein neues linkes Projekt, das die Traditionen aus Ost und West reflektiert, sich aber auch von ihnen löst. Die Ostverbände haben das bereits Anfang der 1990er hingekriegt, und auch viele aus der “Sektierer”-Richtung reflektieren ihre Vergangenheit kritisch. Aber eine aufrechte Kritik der Gewerkschaften oder der Sozialdemokratie vor Schröder kommt nicht vor. Stattdessen höre ich immer nur das sehnsüchtige Krähen nach jener Figur, die sehr viel, was an der SPD vor Schröder falsch gelaufen ist, mitzuverantworten hat, in dem Wunsch, alles wieder so werden zu lassen wie früher. Links – das bedeutet auch immer in einem emanzipatorischen Sinne nach vorne gerichtet – schaut definitiv anders aus.

  34. i.k. sagt:

    Hier ein weiterer Aufruf:

    “Junge GenossInnen für Oskar

    Wir sind der Meinung, dass eine konsequente Politik gegen Imperialismus und Kriege, gegen Sozial-, Personalabbau und Kapitalismus, für einen öko-sozialistischen Umbau, für echte Demokratie und für eine klassenlose Gesellschaft trotz aller Kritik zum gegenwärtigen Zeitpunkt am allerbesten mit Oskar Lafontaine an der Spitze unserer Partei gewährleistet wird”
    https://jungegenossinnenfueroskar.wordpress.com/

    PS: Der Hinweis von mir ist mit keinerlei Positionierung zum Aufruf verbunden.

  35. Ralf Henrichs sagt:

    Mittlerweile dichtet man Oskar alles an. Jetzt steht derjenige, der sich im Saarland für Kohlekraftwerke einsetzt, auch für den “öko-sozialistischen Umbau”.

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