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Vorwärts rückwärts

Vorwärts rückwärts

Das gehört einerseits nicht so richtig in ein Blog über die Linke. Andererseits geht es hier schon immer auch um jene Parteien, die zu einem „linken Lager“ gehören und Bündnispartner der Linken sind. Der sozialdemokratische Vorwärts ist insofern auch ein Gradmesser von Gemeinsamkeiten, in diesem Fall: der Unterschieden, ziemlich krassen sogar. In der aktuellen Ausgabe ist ein Comic erschienen, das den Gleichsetzungsunsinn der Extremismusministerin Kristina Schröder tatsächlich noch zu toppen weiß. Die Geschichte in Kurzform: Linker Hitzkopf mit rotem Stern an der Mütze und Hammer und Sichel im Geist propagiert mit gereckter Faust eine Politik der Tat im „sozialistischen Jugendtreff“, was ihn quasi direkt zum Auto-Abfackeln führt – im Gleichschritt mit einem sächselnden Nazis. Zurück bleibt, was sich der Vorwärts offenbar unter einem braven sozialdemokratischen Jung vorstellt. Keine Ahnung, wer das Parteiblatt noch liest, aber auf diesem Weg geht es entweder rückwärts in die extremismustheoretische Banalität von Verfassungsschutz und Schröder-Ministerium – oder weiter vorwärts in die absolute Bedeutungslosigkeit. Denn auch in der SPD stößt solcherart „Humor“ nicht gerade auf Beifall. „Euer Comic ist wie ihr es überschreibt: Das Allerletzte“, twittert Juso-Chef Sascha Vogt. Henning Tillmann fragt sich, ob Frau CDU-Schröder höchstselbst ein Praktikum beim SPD-Blatt macht. Und auch der frühere Sprecher der SPD-Linken, Björn Böhning, zeigte sich über ein „selten blödes und noch nicht mal im Ansatz lustiges Comic“ verärgert. Inzwischen gibt es sogar einen Offenen Brief an den Chefredakteur Uwe Knüpfer, der seit Herbst 2010 die Geschicke des Blattes leitet: „Der Vorwärts hat mit diesem Comic vielen tausend aktiven Jusos und Falken direkt ins Gesicht geschlagen mit diesem ‘Extremismus-egal-in-welcher-Form-ist-scheiße-Comic’. Aber das einzige was wirklich ‘extrem’ ist, ist die Dummheit, Dreistigkeit und Unverschämtheit des Vorwärts, das diesen Comic abdruckt.“ (tos)

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74 Kommentare zu “Vorwärts rückwärts”

  1. Marvin sagt:

    Ich bin Fassungslos!
    Hier wird von einer demokratischen, sich auf den Rechtstaat stützenden Partei Gewalt und Extremismus aufs übelste relativiert, in dem man sich offenkundig hinstellt und behauptet, dass bisl Autoanzünden, dass ist doch gar nichts im Vergleich zu den bösen bösen Nazis!

    Sorry das ist absoluter Bullshit! Gewalt und Extremismus ist in jeder erdenklichen Form abzulehnen und gilt erst gar nicht zu zu rechtfertigen in denen man es relativiert. Wer dies anders sieht und dann auch noch den Mund verbietet, sollte nicht den Anspruch erheben demokratisch-rechtstaatliche Werte und Meinungsfreiheit vertreten zu dürfen. Pfui Teufel!

    Das sich über ein solch profanes Comic das Maul zerrissen wird, zeigt zwei Dinge:
    Das die sich betroffenen fühlenden Personen anscheinend niemals aus dem Mikrokosmos des eigenen Tellerrandes geblickt haben und dass diese Partei anscheinend keinen Respekt vor Meinungsfreiheit hat.

    Das einzig schöne an der Sache ist, der Comic zeigt Wirkung und die betroffenen Hunde bellen so laut, dass die Außenwirkung und der entstandene Imageschaden über die Reichweite der Zeitung Vorwärts geht….

  2. Richard sagt:

    Zusammenfassend: (Politisch motivierte) Gewalt (egal gegen wen oder was) ist in Ordnung, solange es links ist?
    Eine erschreckende Parallelwelt, in der man bei dieser Ansicht lebt.

    Nebenbei zeugt es nicht unbedingt von geistiger Reife – die man ja von politisch aktiven/interessierten Erwachsenen erwarten können dürfte – wenn man in klein-kindlicher Manier hinterrücks über einen Fremden lästert und ihm allerlei Dinge unterstellt, die einem gerade so in den Sinn kommen.

    Wenn das das geistige Niveau der Linken ist, dann sollte man vielleicht eher einen Platz im Kindergarten als in irgendwelchen politischen Ämtern in Betracht ziehen. ;-)

    Guten Tag.

  3. troll sagt:

    Immer diese wieder diese Hater…

  4. JF sagt:

    Hmmm,

    nachdem hier jeder mit unheimlich vielen Fachausdrücken und Verschwörungsbrei geglänzt hat muss ich feststellen: Ambro hat recht und der Rest (einige sind auf dem richtigen Weg) ist blind oder blöd oder fühlt sich angegriffen. Ihr wisst schon: Getroffene Hunde und so….

    Naja ich werd mal noch bissl mitlesen bei eurem Gejammer und mich über den höchst lustigen Comic kaputtlachen…

    MsG.

  5. Linksman sagt:

    Nun weiß wenigstens jeder Linke, dass das Attribut “rückwärtsgewandt” aus SPD-Mündern ein sehr schönes Kompliment ist.

  6. Joerg sagt:

    @Linksman: Schöner Versuch, trifft aber nicht zu. Provokation will halt auch gelernt sein.
    @Andi: Danke!
    @Alle Anderen: Schade, dass man Satire in Deutschland offenbar immer erklären muss, wenn’s “heikel” wird.

  7. Lisa sagt:

    Der reine Witz, wo do gerade die SPD immer dabei, wenn es darum geht, Demokratie abzubauen oder die Verfassung zu brechen.
    Eigentlich wird es mal Zeit für ein Schwarzbuch der Sozialdemokratie,
    das alle Verbrechen, die Sozialdemokraten, von Noske und Ebert an, über Schmidt bis hin zu Schröder und Steinmeier, begangen haben.

    Ein paar Stichwörter: Chile, Guantanamo, Jugoslawienkrieg, Kunduz

  8. Michael (Niedworok) sagt:

    @Marvin, Richard usw.:

    Es muß furchtbar schwer fallen und wahrscheinlich auch geradezu wehtun, einmal darüber nachzudenken: Autos anzünden – das ist eine eindeutige Straftat. “Extremismus” hingegen ist derjenige Begriff, der die “Generalermächtigung” dazu liefert, linken Meinungsabweichlern hinterherzuschnüffeln, was mittlerweile sogar MdB betrifft. Das ist etwas völlig anderes als eine konkrete Straftat aufzuklären.

    Ihr benutzt den Begriff exzessiv. Wollt Ihr Eurem Intelligenz-Outburst vielleicht einfach einmal eine Definition folgen lassen? Und dann evtl. noch die Frage beantworten, wer darüber entscheidet, was Extremismus ist? Alexander Dobrindt hat darauf eine Antwort gefunden: Eigentlich ja er selbst, auch wenn es unwahrscheinlich bleiben dürfte, daß ein CSU-Wächterrat jemals die Zulässigkeit parlamentarischer Opposition prüfen dürfen wird.

    Insgesamt bin ich auch nicht geneigt, einen Comic superernst zu nehmen. David Füleki ist mir auch nicht unsympathisch und ich kenne seine Comic-Reihe nun auch nur in einem Ausschnitt. Wenn aber der Vorwärts eine Meinung publiziert, die ich durch das Interview nun einigermaßen nachvollziehen kann, die aber trotzdem eine eher undurchdacht konformistische ist, weil vermutlich gerade so ansozialisiert, wird man sich in einer Demokratie dazu wohl noch verhalten dürfen. Ich jedenfalls schmeiße nicht Beleidigungen herum, wessen Hunde bellen also?

  9. Clara sagt:

    Wenn die SPD sich über verbrannte Autos aufregt, aber Morde und schwere Körperverletzungen nicht nennenswert findet, dann läßt das doch darauf schließen das ihr Autos viel mehr am Herzen liegen wie Migranten und Punks.

    Die Untaten der RAF werden der gesamten linken Bewegung wahrscheinlich noch ewig vorgeworfen werden, auch wenn man sie damals schon total ablehnenswert und widerwärtig fand.
    Wir haben momentan kein Problem mit Linksterrorismus, aber es wäre doch wünschenswert wenn gegen beides gleich vehement vorgegangen werden würde.
    Da aber nicht Reiche und Mächtige die Opfer der NSU sind dürfen momentan z.B. Akten unter Verschluß gehalten werden, so das die Untersuchungsausschüsse ihre Arbeit nicht durchführen können.
    Diskussionen mit Inge Vitt bevor die sich nicht deutlich von jeder Art von Gewalt distanziert hat finde ich sehr fragwürdig.

    @ Frank Heinze

    Haben sie nicht letztlich noch gefordert das die syrischen Oppositionellen bewaffnet werden?
    Sie regen sich innereuropäisch schon über Sachbeschädigung auf, aber in anderen Teilen der Welt soll die Opposition mit Waffengewalt gegen ihre Regierung vorgehen?
    Sollte man sich nicht darauf einigen Gewalt grundsätzlich abzulehnen, als kleinsten gemeinsamen Nenner?

  10. Beate sagt:

    Das erinnert mich an den Kapf David gegen Goliath. Der David heißt sogar wirklich David und Goliath wird nur die Linke vertreten.

    Und mit einfachsten Mitteln, nämlich einem gut platzierten Comic-Angriff bringt der Zwerg den Riesen zu Fall. Oder bringt sich der Riese durch seine eigene Ignoranz eher selbst zu Fall?

    Wahrscheinlich jetzt schon der Polit-Comic des Jahres^^

  11. Eckernförder sagt:

    Teilweise wird hier die Theorie vertreten, wer diesen Comic Scheiße finde, fühle sich irgendwie ertappt und sei im Sinne des Zeichners gewaltbereit – eine recht dümmliche Argumentation.
    Ein “Polit-Comic des Jahres” ist das alberne Elaborat, das der Denke eines Herrn Gauck zu entspringen scheint, jedenfalls nicht.

  12. Marvin sagt:

    @Michael (Niedworok):

    Dafür muss ich weiter ausholen und möchte anmerken, dass dieses meine persönliche Meinung ist und diese nicht mit der Meinung anderer übereinstimmen muss. Auch ist wichtig zu wissen, dass ich Extremismus streng vom Radikalimus trenne. Ich werde daher beides getrennt definieren um die gesetzten Unterschiede zu verdeutlichen, bevor ich kurz erörtern werde, warum ich mich so vehement gegen Extremismus aller Art ausspreche und jegliche Differenzierung ablehne.

    Als Extremismus bezeichne ich sämtliche strafrechtlichten Handlungen die sich in ihrer (politischen) Motivation explizit gegen die grundlegenden Werte des bestehenden demokratischen Rechtsstaates richten, bzw. die darauf abzielen die demokratische Grundordnung und den inner- und außervölkischen Frieden zu erschüttern, zu zerstören, oder abzulösen.

    Als Radikalismus bezeichne ich sämtliche nicht-strafrechtliche Handlungen und Meinungen die sich in ihrer (politischen) Motivation implizit gegen grundlegende Werte des bestehenden demokratischen Rechtsstaates richten, bzw. eine grundlegende, dennoch von der Mehrheit getragende Änderung erwirken wollen, ohne die demokratische Grundordnung zu zerstören oder abzulösen, bzw. ohne außerhalb des rechtlichen Rahmens zu agieren.

    Ich glaube beide Begriffe scharf genug von einander abgegrenzt zu haben um mir die Erläuterung der Unterscheidungskriterien zu sparen.

    Prizipiell löse ich Extremismus von politischen Spektren, d.h. dass ich ihm keine explizite politische Gewichtung zu kommen lasse. Auch verzichte ich in meinem Sprachgebrauch darauf, dass Wort Extremismus genutzt wird um politische Strömungen zu brandmarken – wie es gerne von sich selbst als links und rechts der Mitte gesehenen Menschen argumentiert wird. So gibt es für mich keinen linken, oder rechten, oder gar islamischen Extremismus, sondern lediglich Extremismus als solches – dadurch entfällt auch bewusst die Möglichkeit unterschiedliche Formen des Extremismus relativieren zu können, ein häufiges politisches Mittel das ich bis auf’s tiefste ablehne. Ich empfinde es zum Beispiel als Hohn und Spott der Verbrechensopfer gegenüber, wenn diese als argumentatives Mittel herhalten müssen, eigenes gewalttätig marodierendes Verhalten rechtfertigen und relativieren zu müssen.

    Abschließend sei gesagt, dass ich ein monoaxiales politisches Spektrum in links-mitte-rechts generell als zu vereinfacht, nein sogar als schlicht überholt und für völlig Dumm erachte.
    Politische Willensbildung ist deutlich komplexer findet auf deutlich mehr Ebenen statt, als eine (historische) Einordnung zwischen Nationalismus und Kommunismus überhaupt zulassen könnte. Jeder Mensch der sich und sein Weltbild in ein solch einfaches Graustufenmodell pressen möchte, kann mir nur leid tun. Erst recht, wenn dann auch noch meint alles reflexartig verteidigen zu müssen, was auf Grund der Einfachheit seines Weltbildes (bezüglich seiner poltischen Identität) in sein ideologisches Lebens- und Glaubensdiktat fällt.

    Just my two cents
    -Marvin

  13. sfr sagt:

    @ Marvin: Wenn du einfache Graustufenmodelle ablehnst (löblich, löblich), warum plapperst du dann den Verfassungsschutz und seine inoffiziellen wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen nach? Die tolle Differenzierung zwischen Extremismus und Radikalismus, auf die du dir so viel einbildest, hat sich der VS bereits 1974 zu eigen gemacht. Bis dahin wurden beide mehr oder weniger unterschiedslos verwendet (“Radikalenerlass”!). Weil “radikal” aber in der Öffentlichkeit doch ein wenig positiv besetzt war (gerade 68 ff.), mussten die noch irgendwie akzeptablen Radikalen von den ganz bösen Extremist_innen unterschieden werden – voilà!

    Trotzdem noch eine Nachfrage zu deiner tollen Definition (selbst ausgedacht oder irgendwo abgeschrieben?): Worin besteht denn die “demokratische Grundordnung”, welche die schlimmen Extremist_innen zerstören wollen? Und wer legt fest, was dazugehört? Die Auswahl ist ja ziemlich groß: Von Leerformeln wie der “freiheitlich demokratischen Grundordnung” über das Grundgesetz (oder Teile davon?) bis hin zu substanzielleren Prinzipien wie der Gleichheit aller Menschen oder bestimmten Wirtschaftsordnungen (muss es Kapitalismus sein oder darf eine Prise Sozialismus dazu kommen, oder gar Kommunismus?) Je nachdem, wie man das beantwortet, fallen mehr oder weniger Positionen unter das Extremismus-Label. Ist schon praktisch …

  14. sfr sagt:

    @ Frank Heinze: “Es gab im Westen genug Tote durch Linksextremisten. Insbesondere Juden waren Opfer.” Kannst du das mal näher ausführen und v.a. belegen?

    Welche “Linksextremisten” im “Westen” (BRD?) haben “insbesondere Juden” getötet? Beziehst du dich auf die RAF? Gegen die kann man ja einiges vorbringen, aber wer von den hier http://de.wikipedia.org/wiki/Opfer_der_Rote_Armee_Fraktion Genannten war denn Jude bzw. Jüdin und wurde aufgrund dieser Tatsache ermordet? Dito bei der “Bewegung 2. Juni” oder den “Revolutionären Zellen/Rota Zora”. Mitglieder der RZ waren zusammen mit der PFLP an der Geiselnahme von Entebbe und der Selektion der jüdischen Passagiere beteiligt, von denen dann einige bei der Befreiungsaktion starben. Die Aussonderung der jüdischen Passagiere ist natürlich ein klarer Fall von Antisemitismus. Ebenso der geplante, glücklicherweise fehgeschlagene Bombenanschlag der “Tupamaros West-Berlin” auf das Haus der Jüdischen Gemeinde in Berlin. Wobei die Bombe dafür ja interessanterweise vom V-Mann Peter Urbach “geliefert” worden sein soll – also letzlich dem ach so anti-extremistischen Staat.

    Trotz dieser zwei Fälle (Selektion in Entebbe, Bombe im Berliner Gemeindehaus) erscheint es mir übertrieben zu sagen, diese Terrorist_innen hätten “insbesondere Juden” ermordet. Daher noch mal die Bitte um Klarstellung: Wovon redest du?

  15. rutzel sagt:

    Mit Häme sollte man sich ja, vor allen als Linker, zurückhalten. Uns passieren genug Faupaxs, das wir eigentlich nicht mit Finger auf andere zeigen sollten. Aber was die Redakteure derzeit mit ihrer alt-ehrwürdigen Wochenzeitung “vorwärts” veranstalten, ist mindestens ein paar Bemerkungen wert. Sie missbrauchen derzeit ihre Satireseite dazu, um der Ideologie des “Demokratie”ministerium von Kristina Schröder in Sachen Gleichsetzung von links und rechts (Extremismus) das Wort zu reden. Auf groteske Art (Comic) wird der linke Krawallmacher dem randalierendem Nazi gleichgestellt. da entzieht es einem richtig der Humor und mit der gewollten Aufklärung hat das gar nichts zu tun, man denkt eher an Bayernkurier oder Schlimmeres. Die Sache wird nicht besser, als der Chefredakteur mit “shitstorm” antwortet: Problem nicht verstanden. Damit brüskiert er die, die er aufklären wollte (Falken, Jusos), wie der offene Brief und die Kommentare beweisen. Armer “vorwärts”, arme SPD.

  16. Marvin sagt:

    Sorry deine Argumentation fallen in die Kategorie Bullshit.

    >warum plapperst du dann den Verfassungsschutz und seine inoffiziellen wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen nach?

    Wo ist Korrelation? Bzw. warum ist dies ein Ausschlusskriterium? Und in wiefern spreche ich (Quelle bitte) dem VS nach? Und inwiefern deckt sich meine Definition (die ja gleich sein soll mit der der VS) mit den Handlungen der VS? Das der VS seine Grenzen mehr als überschreitet, darüber müssen wir uns an dieser Stelle nicht unterhalten.

    >Weil “radikal” aber in der Öffentlichkeit doch ein wenig positiv besetzt war (gerade 68 ff.), mussten die noch irgendwie akzeptablen Radikalen von den ganz bösen Extremist_innen unterschieden werden – voilà!

    Der Unterschied ist mehr als sinnvoll, das scheint nur niemand, der sich selbst als Radikal oder Extremist als Button an die Brust pinnt, kapieren zu wollen. Es macht einen gewaltigen Unterschied ob man die Meinung vertritt die das System grundlegend (z.B. in ihrer Wirtschaftsordnung) zu verändern, oder aber Gewalt ausübt um dies zu bezwecken. Ein Mörder ist niemand der von Mord spricht, sondern jemand der Mord begeht.
    Gerade als Mensch, der auf radikale Weise, mit legitimen Mittel Änderungen am System vornehmen möchte, dient diese Differenzierung einer Entkriminalisierung. Sie dürfen ihre ganze Lebensenergie damit verschwenden, sich mit Leuten zusammen zu finden, eine Partei zu gründen, auf Stimmenfang im Volk zu gehen, sich als Regierungspartei wählen zu lassen und anschließend grundlegende Änderungen vorzunehmen. Ich bin mir sicher auch ziemlich viele Punkte zu finden, mit denen ich sofort d’Accord gehe.
    Was sie vielleicht lieber nicht machen sollten, ist ihre Lebenszeit mit Sachbeschädigung, Körperverletzung (oder schlimmeres), oder generell das Gewaltmonopol des Staates zu missachten. Das wäre zum einem ihrem Lebenslauf kaum zuträglich, zum anderen solten sie so sozial und genossenschaftlich sein und bedenken, dass solche Aktionen schnell generalisiert und pauschalisiert werden und sich dann in eben solchen Comics und mit entsprechendem Imageschaden bemerkbar machen. Denjenigen, die versuchen auf legalem Wege ihr Gewicht in die demokratische Waagschale zu werfen, würden dann vermutlich keine Steine an den Kopf, aber immerhin in den Weg geworfen werden.

    >Je nachdem, wie man das beantwortet, fallen mehr oder weniger Positionen unter das Extremismus-Label. Ist schon praktisch …

    Sie verstehen’s einfach nicht. Sie können fordern was Sie wollen, das allein macht Sie nicht zu einem Extremisten – höchstens weltfremd in den Augen anderer – aber das ist das generelle Problem mit der Meinungsfreiheit. Sie können meinetwegen auch eine Planwirtschaft fordern und dafür mit legalen Mitteln kämpfen, das macht Sie vielleicht radikal, extremistisch werden Sie allerdings erst wenn Sie meinen Ihrer Forderung Nachdruck verleihen zu müssen, in dem Sie selbsternannte Bonzenkarren anzünden, oder Banken sprengen.

  17. Frank Heinze sagt:

    @sfr,

    ob der Todesschuss nun von autochthonen West-Linken, ihren arabischen Verbündeten oder im Rahmen der Geiselbefreiungen kam,
    ist zweitrangig. Die Verantwortung liegt auf jedem Fall bei den Linksextremisten. Dankenswerterweise haben Sie zumindest einige Fälle aufgeführt. Ich möchte zB. das Olympiaattentat noch hinzufügen, dass die RAF als „antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch“ bezeichnete.

    Ebenso erinnern ich daran, dass Neonazis und westliche Linksextremisten zusammen in PLO-Lagern trainiert haben und Unterschlupf fanden.

    Im Fall “RZ” gab es (zwar ziemlich spät, erst als sie selber Opfer ihrer arabischen Verbündeten wurde) eine recht gute Erklärung:
    http://www.freilassung.de/div/texte/rz/zorn/Zorn04.htm

  18. Michael (Niedworok) sagt:

    @Marvin:

    Deine Begriffsbildung überzeugt mich zwar nicht restlos, weil ein Wort ja auch gebraucht wird, dieses hat sogar eine Funktion. Und dadurch ist schon ein gut Teil seiner Bedeutung festgelegt und kann nicht mehr arbiträr umgedeutet werden. Das Wort “Extremismus” wird zwar auch so verwendet, daß Erkenntniswert nicht vollständig abgestritten werden kann, z.B. von Heitmeyer (“Extremismus der Mitte”), im allgemeinen ist es aber ein politischer Kampfbegriff und ein exekutiver Hebel, der eben nicht dem Erkenntnisgewinn dient.

    Das zugrundeliegende Problem kann ich aber nachvollziehen. Für mich löse ich es anders: Ich gehe nicht davon aus, daß die ideologische Begründung für eine Tat immer auch schon das eigentliche Motiv ist. Ganz im Gegenteil: Menschen neigen zur Rationalisierung, Täter zum Griff in die Legitimisierungskiste. Wer linke Werte vertritt, wird Menschenwürde nicht in Frage stellen. Wer sich dennoch gerade an diesem Punkt abarbeitet, ist alles mögliche, nur nicht links. Auf einer links-rechts-Skala wandert man nicht weiter zum linken Extrem, je weniger Skrupel man gegenüber seinen Mitmenschen zeigt.

    Allerdings sind das Probleme, die sich quer durch alle politischen Lager ziehen. Jemand kann sich bei jeder Gelegenheit gegenüber seinem zu bedauernden Publikum in eisernem Wortschwall zur Mitte bekennen und trotzdem gegen fundamentale demokratische und soziale Werte verstoßen. Dies ist übrigens auch einer der Gründe für Politikverdrossenheit. Denn Handlungen demokratischer Funktionseliten sind mehr an den faktisch existierenden Optionen orientiert, als an Werten, allgemeinen Normen oder häufig genug auch dem Recht. Dafür gibt es dann schon keinen einheitlichen Begriff mehr, nur Unbehagen.

    Fazit: Vertrauen ist naiv. Skepsis ist gut. Sie sollte aber nicht Halt machen vor der Alltagssprache. Insbesondere dann nicht, wenn droht, BILD und Frau Schröder auf den Leim zu gehen.

  19. sfr sagt:

    @ Marvin: Tja, wie denn nun? Du (Sie?) schreibst: “Es macht einen gewaltigen Unterschied ob man die Meinung vertritt die das System grundlegend (z.B. in ihrer Wirtschaftsordnung) zu verändern, oder aber Gewalt ausübt um dies zu bezwecken.” Das entscheidende Kriterium soll also nun die Ausübung Gewalt sein, nicht mehr bloß das Ziel der (grundlegenden) Veränderung des Systems.

    Fair enough, aber dann musst du halt über Gewalt, Militanz etc. reden und nicht über so einen substanzlosen Kampfbegriff wie “Extremismus”. Da bin ich ganz bei Michael (Niedworok), der das nur freundlicher ausdrückt als ich.

    Oder erklär mir mal, warum das Familienministerium bspw. der Linksjugend/Solid seit 2006 Gelder vorenthält, weil der Verband angeblich “seit seiner Gründung linksextremistische Positionen vertritt” (http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,819705,00.html). Von Gewaltausübung oder auch nur der Bereitschaft dazu durch den Verband oder seiner Mitglieder ist da ausdrücklich nicht die Rede. Aber das ist dir wahrscheinlich egal, weil du deine (scheinbare) Privatdefinition von “Extremismus” hast.

    Und bitte: Ich kritisiere hier deine m.E. naive Sicht auf das eben nicht selbstverständliche Extremismusmodell (auch wenn VS, Backes, Jesse & Co. alles tun, um uns das einzureden). Das muss dich nicht überzeugen, aber deine Entgegenung wäre überzeugender, wenn du mir nicht ad hominem unterstellen würdest, ich würde dich a) “einfach nicht verstehen” und sei b) womöglich selbst ein Extremist (“Sie können meinetwegen auch eine Planwirtschaft fordern und dafür mit legalen Mitteln kämpfen, das macht Sie vielleicht radikal, extremistisch werden Sie allerdings erst wenn Sie meinen Ihrer Forderung Nachdruck verleihen zu müssen, in dem Sie selbsternannte Bonzenkarren anzünden, oder Banken sprengen.”). Das ist die übliche “Haltet den Dieb”-Abwehr der Extremismustheoretiker: Wer uns kritisiert, macht das nur, weil er/sie selbst ein_e Extremist_in ist oder mit diesen sympathisiert. Sehr bequem, um sich nicht mit der inhaltlichen Kritik auseinandersetzen zu müssen.

    Und bitte, auch wenn es dir ja scheinbar v.a. um die Ablehnung von Gewalt als politischem Mittel geht (was ich grundsätzlich absolut nachvollziehen kann, aber auch da sollte man nicht einseitig auf bestimmte Gewaltformen starren), noch mal die Frage: Was gehört für dich zur “demokratischen Grundordnung”?

    @ Frank Heinze: Dass ich die ideologische Nähe und punktuelle Zusammenarbeit der genannten westdeutschen Gruppen mit den arabischen bzw. palästinenischen Terroristen ebenfalls kritisiere, ist hoffentlich deutlich geworden. Nichtsdestotrotz ist deine Behauptung, “westliche Linksextremisten” hätten “insbesondere Juden” ermordet, sachlich falsch und nicht geeignet, der Extremismustheorie wieder auf die Beine zu helfen. Antisemit_innen müssen als Antisemit_innen kritisert werden, und nicht als “Extremisten”. Das gleich gilt für Rassist_innen, Sexist_innen oder autoritäre, gewaltversessene Idiot_innen – und zwar egal ob außerhalb oder innerhalb des Staats und seiner Insitutionen. Letztere erhalten durch die Extremismustheorie einen Blankoschein, weshalb sich diese “Theorie” da auch solcher belebtheit erfreut. Das ist nicht verwunderlich, aber eben kein Grund, es ständig nachzuplappern.

  20. Frank Heinze sagt:

    @sfr

    “punktuelle Zusammenarbeit” ist ein Euphemismus. Um nicht zu sagen, realitätsblind.

    Die Terrorstrukturen waren unauflösbar verflochten, weil die Ideologie die gleiche war. Zwar spielte der Islam damals noch keine große Rolle in diesen Strukturen, der panarabische Nationalismus und der Antisemitismus beider Seiten füllten die Lücke problemlos. Heute, nach dem Niedergang der säkularen Terroristen haben eben die religiösen Terroristen die Lücke geschlossen und bringen eben diese Versatzstücke Antikapitalismus, Antisemitismus und Nationalismus in den Umma-Sozialismus ein, der daraus resultiert.

    Eine Kritik der politischen Ökonomie der arabischen (und des persischen) Staaten findet und fand dagegen nicht statt.

  21. sfr sagt:

    Muss meine Einschätzung des Vowärts-Strips wohl korrigieren. Wenn er hier solche Grundsatzdiskussionen auslöst, ist er wohl doch zu was gut ;)

    Aber eine “Kritik der politischen Ökonomie der arabischen (und des persischen) Staaten” (warum nur dieser?) isses dann doch noch nicht. Findet die denn bei dir statt, Frank Heinze? Und brauchst du dafür die Extremismus-Brille?

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