Westerwelle sieht Rot

Am Mittwoch mühte sich Guido Westerwelle als Außenminister, Fragen der Opposition zu seinem Konzept „Globalisierung gestalten – Partnerschaften ausbauen – Verantwortung teilen“ zu beantworten. Unter dieser Überschrift ist eine Strategie formuliert, mit dem die deutsche Außen-, Rohstoff und Handelspolitik stärker auf neue globale Player wie die BRIC-Staaten und Länder wie die Türkei, Vietnam, Indonesien, Kolumbien und Ägypten auszurichten. Zwischen Menschenrechtsnormativen auf der einen, der alten, transatlantisch und europäisch gefärbten Bindung deutscher Politik an „den Westen“ sowie drittens diversen Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen lodern hell die Widersprüche. Das haben SPD, Grüne und Linke am Mittwoch im Bundestag ausführlich dargelegt. Doch der real existierende Parlamentsalltag sorgt selbst bei einem solchen Thema für Momente der Heiterkeit. Ein Auszug aus dem Protokoll:

Guido Westerwelle, Außenminister: Herr Präsident, ich muss Ihnen sagen: Ich sehe da immer dieses rote Licht blinken.

Ute Koczy, Grüne: Das heißt, dass Sie zu lange reden!

Guido Westerwelle, Außenminister: Da war mir das akustische Signal lieber.

Hartwig Fischer, Union: Das kann ich verstehen!

Dagmar Enkelmann, Linke: Haben Sie was gegen Rot?

Guido Westerwelle, Außenminister: Frau Kollegin, es ist wahr: Ich habe mich in meinem Leben eigentlich nicht von Rot aufhalten lassen wollen.

Vizepräsident Hermann Otto Solms: Aber nun ist die Regelung so. So streng wollen wir das auch gar nicht sehen. Sie haben ja mitbekommen, dass ich nicht interveniert habe.

Guido Westerwelle, Außenminister: Ich bin Ihnen dankbar. Ich bin schon – genauso wie viele andere hier – seit viele Jahren Mitglied dieses Parlaments. Nun gibt es Anzeigetafeln, und es blinkt. Das ist wohl die neue Welt.

Ute Koczy, Grüne: Handeln!

Vizepräsident Hermann Otto Solms: Auch das Parlament ist reformbereit und reformfähig. Es muss nicht allein an der Farbgebung des Warnsignales liegen. Ich werde Ihre Bemerkung an den Präsidenten weiterleiten. Jetzt hat das Fragerecht der Kollege Gehrcke von der Fraktion Die Linke.

Hartwig Fischer, Union: Für den haben wir extra dunkelrot!

Wolfgang Gehrcke, Linke: Herzlichen Dank, Herr Präsident. Das war eine schöne Überleitung, dass Sie sich von Rot nie haben aufhalten lassen. Aber ich hatte immer den Eindruck, dass Sie sich von Rot immer sehr haben beeindrucken lassen.

Guido Westerwelle, Außenminister: Herr Kollege, erlauben Sie eine Unterbrechung? Das bezog sich auf das besonders attraktive rote Kostüm von Frau Kollegin Enkelmann in der ersten Reihe.

Wolfgang Gehrcke, Linke: Das habe ich befürchtet. Das kann ich auch nachvollziehen.

Guido Westerwelle, Außenminister: Ihnen steht der schwarze Anzug auch sehr gut.

 

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3 Kommentare zu “Westerwelle sieht Rot”

  1. Zbig sagt:

    Ist mir fast peinlich, den ersten Kommentar zu schreiben. Aber: ich hoffe, meine Befürchtung trifft nicht ein, dass an dieser Stelle aus der Heiterkeit eine bierernste Angelegenheit gemacht wird. In der Linken neigen ja viele dazu, zum Lachen in den Keller zu gehen. Späsken muss aber sein.

  2. Roland sagt:

    @ Zbig

    Gegen ein Späßchen ist doch überhaupt nichts einzuwenden.

    Wir Linken in der LINKEN sind doch sowieso viel besser gelaunt als die bierernsten “Postideologen”, die aus dem Kreisverkehr ihrer Gedanken den Ausgang nicht finden.

  3. Linksman sagt:

    Zitat Westerwelle:
    “Ich habe mich in meinem Leben eigentlich nicht von Rot aufhalten lassen wollen”
    Vorschlag: Wenn der Gregor und der Guido sich mal wieder zum Tafeln ins Borchardt’s verabreden, wird der Fußweg vereinbart. Und im Regierungsviertel gibt es zahlreiche Kreuzungsampeln… ;-)

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