Das gründlich Andere

Mitte Januar findet der Jahresauftakt der Linken in Berlin statt. Ihre Veranstaltung haben Fraktion und Parteivorstand unter ein Motto von Christa Wolf gestellt: „Die Zukunft? Das ist das gründlich Andere.“ Das gilt auch für die Linkspartei, in der es derzeit, zumindest in Personalbelangen, eher danach aussieht, als wolle man die Geschichte zum zweiten Mal wiederholen – und das geht das bekanntlich als Farce aus. Dabei fehlt es gar nicht so sehr am Nachdenken über die eigene Zukunft als einem gründlich Anderem. Nur wird dies nicht gebündelt, wenig kommuniziert, lädt kaum zum mitdiskutieren ein. In der Partei ist offenbar das Missverständnis verbreitet, nach dem diese Debatte mit der über das Programm nun erst einmal abgeschlossen sei. Dabei müsste sie doch jetzt erst Recht umso lebhafter fortgesetzt werden – nicht um die Kompromisslinien der Erfurter Grundsatzentscheidung zu schwächen, sondern um den Botschaften des Programms eine praktische Stärke zu verschaffen.

Gesine Lötzsch hat gefordert, die Linke müsse „nicht nur ein lernendes, sondern auch ein handelndes System sein. Unsere Mitglieder wollen die Gesellschaft schon jetzt verändern und nicht auf die absolute Mehrheit der Linken in den Parlamenten warten.“ Was heißt das? Dietmar Bartsch will „eine moderne, wirksam organisierte und wirkungsvoll arbeitende Partei ist, in der die Mitglieder das Sagen haben“. Was ist dazu an Veränderungen nötig? Die Linke habe, heißt es bei der Sozialistischen Linken, „nur dauerhaft eine Chance wieder an den Erfolg der Gründerjahre anzuknüpfen, wenn Ihr Euch empört“. Aber reicht das denn? Oskar Lafontaine sagt, die Partei wolle „die Dinge im Interesse und zum Nutzen derjenigen verändern, die die Verlierer der letzten Jahrzehnte waren. Das sind Arbeitnehmer, Rentner und sozial Bedürftige. Wenn wir Partner finden, wenn SPD und Grüne zu einem politischen Neuanfang bereit sind und diese programmatische Neuorientierung ernst meinen, dann ist eine Zusammenarbeit möglich.“ Und wenn die Partei auf dem parlamentarischen Parkett keine Partner findet, wie verfolgt sie ihr Ziel der Veränderung dann?

Wir wollen hier einige Vorschläge und Antworten zusammentragen. Zunächst nur ein Ausriss aus der Diskussion – wer immer Hinweise auf Papiere und ähnliches hat, auch ältere Texte oder unfertige Beiträge, diese sind willkommen.

Rainer Rilling: Wenn die Hütte brennthier
Horst Kahrs: Mal wieder die Organisationsfrage stellenhier
Mimmo Porcaro: Die „verbindende Partei“hier (€)
Harald Werner: Die Linke hat recht und hat nichts davonhier
Klaus Ernst: Herausforderungen für die Linkehier
Thomas Lohmeier: Occupy fifth avenue!hier
Michael R. Krätke: Erfurt zum Zweitenhier
Detlef Hensche: Die Linke im Ghettohier (€)
Frank Deppe: Partei und Gewerkschaftenhier
Andreas Wehr: Zwischen Reformismus und Antikapitalismushier
Olaf Michael Ostertag: Reaktion auf Andreas Wehrhier
Bischoff/Müller/Radke: Neuerfindung – aber wie?
hier
Andreas Hallbauer: Bausteine für eine Offensivehier
Kahrs/Hoff: Die Linke im Stresstesthier
André Brie: Ideologie oder Politikhier
Lohmeier/Schindler: Thesen zur Postdemokratiehier
Schlenzig/Hallbauer: Das eigene Lager formieren – hier
Hans Thie: Exit statt Exitus – hier
Georg Fülberth: Pink-Grey-Red-Revolution – hier
Christoph Spehr: Nach Fukushimahier

Debattenseiten von …

Sozialistische Linkehier
Forum Demokratischer Sozialismus
hier
Antikapitalistische Linke
hier
Bremer Landesverband
hier
Emanzipatorische Linke – hier
Prager Frühling – hier
Freiheit durch Sozialismus – hier

(wird fortgesetzt …)

Eine Debatte über Politik und Organisation einer künftigen Linken im Sinne des Satzes von Christa Wolfs wird sich nicht in den Gräben der Strömungslogik bewegen können, sie muss über Begrenzungen der Alltagspolitik einer linken Partei hinausreichen und sich von der Enge der vorfindbaren Namen und prozentualen Momentaufnahmen befreien. Die Diskussion braucht zudem Partner jenseits der Partei, eine Attraktivität, die sich auch aus der Lust auf Selbstveränderung speist. Warum scheinen sich Gewerkschaften, Occupy und radikale Linke für die Linkspartei nicht oder nur so wenig zu interessieren? Anders gesprochen: Wer nach der Zukunft der Linken sucht, wird nicht bei der Alternative Lafontaine oder Bartsch fündig, nicht an den roten Haltelinien der gegenwärtigen Parteikonstellationen, und sicher auch nicht im alten PDS-Programm oder hinter der Fahne „Kurs halten“. (tos)

Drucken Drucken

23 Kommentare zu “Das gründlich Andere”

  1. Mathis Oberhof sagt:

    Danke für die Linkliste, aber Links zu kostenpflichtigen Artikeln, bzw. Bestellformularen für Print-Ausgaben sollten bitte als solche gekennzeichnt sein.
    Horst Kahrs Artikel “Mal wieder die Organisationsfrage stellen” gibts auf seiner website auch ‘für’n Klick’:
    http://www.horstkahrs.de/wp-content/uploads/2011/12/2011-11-03-Organisationsfrage-erw.pdf

  2. Anke sagt:

    Ich steuere noch zwei nachdenkenswerte Artikel aus “Ossietzky” und “Das Blättchen” dazu:

    http://das-blaettchen.de/2011/12/der-mensch-im-kapitalismus-9112.html

    http://www.sopos.org/ossietzky/ausgabe.php3?id=254

  3. Dude sagt:

    Den Artikel von Deppe gibt es auch hier:

    Frank Deppe: Partei und Gewerkschaften- http://www.linksnet.de/de/artikel/27178

    (Wiewohl natürlich trotzdem allen ein Abo der “Sozialismus” für 2012 an Herz gelegt sei…)

  4. extradry sagt:

    @ tos,

    der Artikel von Frank Deppe “Partei und Gewerkschaft. Anmerkungen zu einem stets neu zu durchdenkenden Thema” ist online im Volltext nachlesbar auf

    http://www.linksnet.de/de/artikel/27178

  5. tos sagt:

    @alle: danke schon einmal für die hinweise. je länger die liste wird, desto sinnvoller wird es, ihr eine struktur zu geben. vorschläge für “rubriken”? zum beispiel: Organisationsfrage, Strategie, Bündnispolitik, Kapitalismus, Transformationsprojekte …

  6. Maggie sagt:

    @ Manfred

    Der Beitrag “Die Kraft des Kollektivs” aus jw befürwortete nun das Delegiertensystem über die verschiedenen Ebenen. Nach meiner Einschätzung erlaubt es aber oft nur theoretisch die Mitsprache der Mitglieder. Schon wenn die Basisorganisation sehr klein ist, fallen (qualifizierte) Minderheitenmeinungen glatt unter den Tisch nachdem abgestimmt wurde.
    Und liberales und sozialistisches Menschenbild in hier Kollektiv und da völlig autonome Einzelindividuen gegenüber zu stellen ist falsch, aber diskrimminierend für diejenigen, die als letzen Rückzugsraum für die Einzelnen, z. B. wenn die Solidarität der Arbeiterklasse wieder mal versagt hat, die Selbstbehauptung des Ich für notwendig und berechtigt halten. In der Regel treten ja auch innerhalb dier Linken die Leute selbstbewußt auf, weshalb soll man das denn mit einer falschen Entgegensetzung konterkarieren?

  7. Wolfgang sagt:

    Interessante umfassende Gedanken aktuell zum Thema las ich in den MB – Ausgabe Erfurter Programme 06/11: http://www.neue-impulse-verlag.de/marxistischeblaetter/ausgabe/611-erfurter-programme.html

  8. extradry sagt:

    Über die Vereinnahmung Christa Wolfs durch die Parteileitung als Motto für den Jahresauftakt mag man streiten.

    Hingegen dürfte für das gründlichen Nachdenken über Weichenstellungen der Partei DIE LINKE im Jahr 2012 sicherlich die Aufgabenstellung, die Detlef Hensche in seinem Artikel “Die Linke im Ghetto: Wo bleibt das linke Projekt?” umreißt, eine wichtige Rolle spielen. Hier einige seiner Thesen aus seinem Beitrag “Die Linke im Ghetto: Wo bleibt das linke Projekt?” in Heft 1-2012 der Blätter für deutsche und internationale Politik:

    ” ‘Unser Erfurter Programm wird dieses Land verändern’, rief die Parteivorsitzende der Linken, Gesine Lötzsch, den Delegierten des Programm-Parteitages zu. Wenn Programme die Welt verändern könnten, hätten wir längst andere Verhältnisse.

    Gewiss, Grundsatzprogramme sind wichtig. Doch sie sind nicht der Stoff, der die Verhältnisse zum Tanzen bringt. Sie bieten Orientierung und verhelfen zur Selbstverständigung unter den aktiven Mitgliedern; sie sollen und können Identität stiften; sie liefern dem parteiinternen Richtungsstreit legitimatorische Grundlagen und Grenzen. Doch ihre Wirkung bleibt begrenzt. Sie ist nach innen gerichtet. Vor allem bleibt die strategische Frage nach den handlungsleitenden Prioritäten unbeantwortet.”

    [...]

    “Wie kommt es, dass sich die fraglos vorhandene Empörung über Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne und Kürzung sozialer Leistungen nicht in Wählerstimmen für die Linke niederschlägt?

    Die Situation ist in der Tat paradox, Folgt man den mit bemerkenswerter Konstanz präsentierten Befunden der Demoskopie, haben die meisten der im Parteiprogramm angesprochenen Probleme und ihre Antworten das Zeug zu ‘Volksthemen’. Sie spiegeln mehrheitlich verbreitete Sorgen und Verletzungen wider. Dennoch setzt nur eine Minderheit, soweit sie politische Lösungen erwartet, auf die Linke.”

    [...]

    “Bilanziert man das zu Ende gehende Wahljahr, könnte schließlich das Ghetto einer ostdeutschen Regionalpartei drohen, die im Westen über den Kern weniger gewerkschaftlicher Aktivisten und politisch bewusster Intellektueller nicht hinauskommt. Jedenfalls ist die Erwartung, aus der besonders in den Gewerkschaften verbreiteten Enttäuschung über die Agenda-SPD eigene Beitritts- und Wahlerfolge zu schlagen, bisher nicht aufgegangen”

    [...]

    “Was muss die Linke tun, um das ihr drohende Ghetto abzuwenden? Damit sind wir bei den hausgemachten Faktoren, die eine überzeugende politische Offensive bisher verhindert haben.”

    [...]

    “Was daher spätestens nach Verabschiedung des Parteiprogramms Not tut, ist die Arbeit an einem Zukunftsentwurf, der konkret, nachvollziehbar und verbindlich dais tägliche Handeln wie die längerfristige Strategie bestimmt.

    Das aber ist mehr als die notwendig abstrakte Beschreibung des demokratischen Sozialismus im Grundsatzprogramm. Es ist kein Zufall, dass die von Teilen der Linken favorisierte Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht wenige, vor allem junge Menschen in ihren Bann zieht. Wer aber dieses Konzept ablehnt, muss sich erst recht der Mühe unterziehen, ein überzeugendes emanzipatorisches und soziales, die gesellschaftliche Spaltung überwindendes Projekt zu entwickeln.

    Ein zentraler Baustein eines solchen muss die Arbeitszeitverkürzung sein. Es ist ohnehin verwunderlich, dass eine Partei, die sich wie keine andere mit der Massenarbeitslosigkeit und deren Folgen auseinandersetzt, die Arbeitszeit nicht schon längst zum Schwerpunkt ihrer Politik gemacht hat. Arbeitslosigkeit ist das zentrale Übel der neoliberal getrimmten Gesellschaften, für jeden einzelnen, der von ihr geschlagen oder bedroht ist, für die sozialen Sicherungssysteme, für Entgelt und Arbeitsbedingungen, für die Gewerkschaften und das gesellschaftliche Kräfteverhältnis.”

    [...]

    “Immerhin billigt das Grundsatzprogramm der Arbeitszeitverkürzung nunmehr einen höheren Stellenwert zu, nachdem die Vorentwürfe das Thema auf die Bedeutung eines beiläufig erwähnten Merkpostens heruntergestuft hatten. Doch die Proklamation im Programm ist das eine. Das Ziel konkret mit Leben zu füllen, einzelne Schritte und Optionen zu entwickeln, die Rahmenbedingungen einer Mobilisierungsstrategie auszuloten, Phantasie darüber zu wecken, was Zeitwohlstand bedeutet und für diesen Wohlstand lautstark zu streiten, ist die andere, überfällige Aufgabe, an der die Partei sich messen lassen muss, wenn anders das postulierte Recht auf Arbeit nicht zur Programmlüge verkommen soll.”

    “Wenn die Linke tatsächlich ‘Mehrheiten gewinnen’ will ‘für einen Aufbruch zu einer anderen Art zu arbeiten und zu leben’, sollte sie sich für ein solidarisches und freiheitliches Regime kürzerer Arbeitszeit einsetzen, das das ganze Spektrum von kürzeren Arbeitstagen, von Blockfreizeiten, Bildungs- und Elternzeiten sowie Sabbatjahren anbietet. Des Weiteren stellen sich Fragen nach den Wirkungen von Zeitwohlstand auf die Arbeits- und Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern, nach der Erleichterung und Anziehungskraft sozialen Engagements oder nach den Chancen, die die Leistungen der öffentlichen Infrastruktur, etwa auf kulturellem und musischem Gebiet, eröffnen können, wenn ihnen durch Zeitvermehrung Raum geschaffen wird.”

  9. Dude sagt:

    Frage an Radio Eriwan:
    Könnte man in Manfred Sohns Plädoyer für das “sozialistische Menschenbild” und “die Kraft des Kollektivs” (http://www.jungewelt.de/2012/01-04/041.php) auch eine DKP-geschulte Lobpreisung des demokratischen Zentralismus erkennen?

  10. Arno Klönne sagt:

    Arno Klönne :
    Als die Partei Die Linke in Gründung kam , wurde dies als Zusammenschluß von zwei politischen Organisationen mit einem je spezifischen , historisch kurzzeitig geprägtem Charakter verstanden : Die PDS als Versuch , aus dem Untergang der DDR sozusagen Sozialisten zu “retten” , die WASG als Protest gegen die “Agenda” der SPD . Hinzu traten Angehörige linker Kleingruppen . Notwendig wäre, so meine ich , im Verlauf der Herausbildung einer Partei , die sich etwas mißverständlich “Die” Linke nannte , ein breit angelegter und öffentlicher Diskurs gewesen -
    erstens um weitere an einer Alternative zum Realkapitalismus interessierte Menschen zu beteiligen und für dieses Projekt zu gewinnen ,
    zweitens um einige für parteipolitische Praxis mitentscheidende Fragen auf einen vorläufigen Stand gemeinsamer Erkenntnis zu bringen:
    Weshalb ist aus dem “Realsozialismus” parteikommunistischer Prägung nichts geworden ? Woran liegt es , daß die Sozialdemokratie sich von ihren “systemtranszendierenden ” Ansprüchen verabschiedet ? Wie ist die Anpassungsgeschichte der Grünen zu erklären , insbesondere deren Bellizismus ?
    Welche Möglichkeiten hat eine linke Partei , zeitnah Druck auf die herrschende Politik auszuüben , Korrekturen zu erreichen – ohne die Illusion , kurzfristig einen “Politikwechsel” insgesamt erreichen zu können ?Welche Wege gibt es , um längerfristig Veränderungen in der politischen Kultur zu erzielen und die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse zugunsten der Linken umzugestalten ? Was ist unter den gegenwärtigen Bedingungen “Demokratie” – wo liegen die strukturellen Verhinderungen von “Volkssouveränität” , weshalb hält in dieser Hinsicht der übliche Parteien- und Parlamentsbetrien nicht das ,was er verspricht ? Wie bekommt eine gesellschaftliche Opposition es hin , unabhängig von den kommerziellen Medien Öffentlichkeit für sich zu schaffen ? Was braucht eine linke Partei neben sich an “Gesellungen” und Aktivitäten , an persönlich einbindendem “Milieu” , um links zu bleiben ?
    Zu alledem wären nicht dogmatische Festlegungen hilfreich gewesen, wohl aber Diskussionen ohne taktische Verzerrung .
    Und frei von dem Kalkül , bein nächster Gelegenheit irgendwo mitregieren zu können . Wer etwas Neues in Gang bringen will, tut gut daran , sich zu überlegen , weshalb das Alte gescheitert oder auf gar nicht wünschbare Wege geraten ist . Und auch zu prüfen , in welcher Wirklichkeit sich das Politikterrain befindet , in dem er neu agieren will . Wer “ankommen” will , setzt voraus , es sei dort , wo er dann landet , eigentlich alles ok . Ein folgenreicher Irrtum . Nach meinem Eindruck hat die PDL im Prozeß ihrer Gründung es versäumt , sich der Beschaffenheit jenes “Systems” zu vergewissern , in dem sie Politik machen will und zu klären , wie sie versuchen kann , “systemische” Verhinderungen demokratischen Handelns zu durchbrechen .Solche Versäumnisse haben leider langzeitige Wirkungen .

  11. renike sagt:

    Arno Klönne stimme zu, Sie stellen notwendige Fragen.

    *“systemische” Verhinderungen demokratischen Handelns*
    da fallen mir auf Anhieb zwei ein:
    1. Konzernmedien und öffentlich-rechtlicher Rundfunk
    2. Geheimdienste als Staat im Staat. Als Wolfgang Neskovic sagte:
    “die parlamentarische Kontrolle der Geheimdienste ist ein Witz” hätte das der auftakt einer Funktions- und Strukturanalyse sein können, der Moment um dieses Thema grundsätzlich zum Thema aller
    Mitglieder und Wähler der LINKEN zu machen, Gründe dafür gabs schon vor 5 Jahren mehr als genug, die Leute die das versuchten -wie z.b. der Autor dieser Zeilen- kamen damit nicht gut an, um es vorsichtig auszudrücken. Kerstin Köditz aus dem sächs. Landtag ist als Mitglied der Kontrollkommission (für das LfV) ja heute noch darüber erstaunt, dass der VS in Sachsen ihr nur unwichtige Detailinfos gibt. Sie hätte vor zehn Jahren schon mal Andreas von Bülow: “Im Namen des Staates” lesen können, aber der gilt ja in Antifa- Kreisen als Verschwörungstheoretiker.
    Wir haben es auch mit einem erkenntnistheoretischen Problem zu; wie sagte der gute alte Paul Frost aus Leipzig mal zu Katja Kipping nach einer Lesung im Linxxnet “Was ist für uns eigentlich Wahrheit…?” Keine Ahnung was die darauf antwortete.

    RN

  12. Eckernförder sagt:

    @Arno Klönne

    ….stellt hier die richtigen Fragen und Probleme in den Raum.
    DIE LINKE muß sich nicht neu “erfinden”, durch solcherart modernistischen Dummsprech wird mMn bloß verschleiert, daß wir uns öffnen müssen für alle, die auf der Linken nach Wegen suchen. Ein großer Ratschlag wäre nötig, parallel zum üblichen Parteibetrieb, auf dem endlich mal alle großen Akteure fern aller Talkshows offen miteinander sprechen und sich mit möglichen Bündnispartnern beraten – ein linker Bundeskongreß, auf dem es wirklich um die Wurst geht.
    Warum ist die Furcht vor solcherart Öffentlichkeit so groß?

  13. Ignaz sagt:

    @ tos

    Eventuell empfiehlt sich das mal eine chronologische Sortierung; nicht nach Erscheinungsdatum, sondern nach Reichweite und Perspektive des Aufsatzes. Man könnte also differenzieren nach Aussagen zum

    a) Status quo (inkl. Rückschau)

    b) Mittlere Reichweite (z.B. eine Legislatur, angefangen bei der Perspektive 2013/2017)

    c) Langfristige Perspektive/Transformationsperspektive (Meta-Legislaturen)

    d) Dechronifizierungsperspektive (die eine Einteilung nach Schritten, die nacheinander gehen, eher ablehnen: z.B. Texte zur Revolutionstheorie, zum Klassenkampf, zur Kritik an Reform innerhalb parlamentarischer Arbeit). Dort würde es sich anbieten auch jene Texte aufzunehmen, die die im obigen Artikel angesprochen Non-parlamentarische Akteure aus Sozialer Bewegung und Zivilgesellschaft benennen. Da diese oft in der letzter Konsquenz aber politische Parteien und also den parlamentarischen Prozess adressieren, müsste sie mit einer Trunkierung bzw. einem Schlagwort auch den Reichweiten a bis c zugeordnet werden.

    Alternativ nennen die User zu den von ihnen geposteten Beiträgen 3 – 5 Schlagwort, die aggregiert werden. Nach einer Frist von 7 Tagen ergibt sich daraus eine Wolke ähnlich der hier rechts neben dem Kommentarthread. Die häufigsten Schlagworte erlauben dann eine Klassifikation nach Aufmerksamkeit.

  14. Ignaz sagt:

    Hier noch zwei Kritiken der Linkspartei;

    Michael Heinrich: “Kapitalismus und Staat. Wie ernst ist der im Programmentwurf [der Partei Die Linke] angekündigte „Systemwechsel“ gemeint?” (http://tinyurl.com/6lkvbal)

    Gegenstandpunkt: “Die Partei der Schlechtergestellten auf dem Weg ins Parlament: Armut wird wieder lebenswert in Deutschland!” (http://tinyurl.com/7dfn55k), geschrieben anlässlich der BT-Wahl 2005 und “Linksradikale Wahlsorgen: Verrät man durch ein Wahlkreuz seine herrschaftskritischen Überzeugungen?” (http://tinyurl.com/78fj4cn).

    Würde ich den Perspektiven a (Status quo) und d (Dechronifizierung) zuordnen.

    Schlagworte: Demokratietheorie; Demokratiekritik; Parteienkritik; Parlamentarismuskritik; Kapitalismuskritik

    Hier geht es in erster Linie um eine Kritik von links, mit der man sich ebenfalls auseinandersetzen sollte. Oben heißt es ja schon, dass etliche “Linke” sich nicht für die LINKE interessieren. In den gelisteten Artikeln werden einige Argumente angeführt.

  15. sfr sagt:

    @ RN: So, so, nur weil eh klar ist, dass der Verfassungsschutz in Sachsen unfähig & unwillentlich ist, soll sich eine Landtagsabgeordnte der Opposition also zurücklehnen und darauf verzichten, das zu kritisieren? Was ist das denn für eine politische Einstellung? Mit “erkenntnistheoretischen” Problemen hat das glaube ich eher wenig zu tun, eher mit sektiererischem Rumgedisse. Und das nach fünf Jahren — der Gram muss wirklich tief sitzten …

  16. renike sagt:

    @sfr
    Sie wollen oder können nicht verstehen. War ich so unklar oder
    missverständlich? Was Sie hier als meine Meinung wiedergeben, habe ich nicht geschrieben und nicht gemeint oder beabsichtigt zu meinen.

    Warum springt Ihr (wie auch sissy fuß usw.)eigentlich immer aus der Bresche, wenn Eure wunden Punkte angesprochen werden, um dann nichts Inhatliches beizutragen. Schreiben Sie doch mal EINEN vernüftigen Satz hier, biiitte.

  17. sfr sagt:

    Ach, ich würde Sie schon gern verstehen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob Sie wirklich verstanden werden wollen. Das fällt bei ominösen Anspielungen auf irgendwelche fünf Jahre alten Geschichten aus Sachsen und noch offene Fragen, auf die “man” bisher nicht geantwortet hat, auch etwas schwer. Sind Sie sich sicher, dass dieser Blog hier der richtige Platz dafür ist? Falls ja, sollten Sie sich zumindest etwas klarer ausdrücken. Nichts für ungut.

  18. Ignaz sagt:

    Passiert hier noch etwas Inhaltliches, oder haben Wulff und Jamaika den intellektuellen Knock-out bereitet? Werden die Artikel-Links oben noch aktualisiert?

  19. tos sagt:

    @ignaz: wir wollten noch warten, bis ein paar vorschläge, texte etc. zusammenkommen. im üblichen widerspruch zu der hier häufig anzutreffenden empörung, es werde in diesem blog zu wenig inhaltlich orientiert und zuviel auf die “selbstbeschäftigung” der linkspartei geblickt, scheint es dann ja doch nur wenige zu interessieren.

  20. Muemmel Treitinger sagt:

    @tos
    Fairerweise sollte erwähnt werden, dass die Hälfte der Papiere recht belanglos sind und eher dem Showlaufen dienen. Ich hab sie alle gelesen – und muss sagen: es sind ein paar Interessante dabei, einige irgendwie diskussionswürdige und einige ziemlich unbrauchbare.
    Hier über sie zu diskutieren fände ich aber eher seltsam – die guten bräuchten mehr Platz um sie würdig zu behandeln und über die anderen hab ich kein Austauschbedürfnis.
    Was ich schick fände – aber wohl niemand machen wird – wäre eine Art “Beziehungsstruktur” zwischen den Texten zu erstellen (also welcher Text auf welchen zurückgreift). Also die Texte zu kontextualisieren. Aber das ist sehr lästige Detailarbeit – wäre trotzdem nett.

  21. Ignaz sagt:

    @ Muemmel Treitinger

    Es geht ja weniger um Geschmacksfragen, wer welche Texte wie “empfindet”. Und ja, es wäre lästige Detailarbeit am Text, bei der auf einfache Dichotomien und lässige Pointen verzichtet werden müsste. Zum Beispiel lieferst du kein einziges Argument, warum die Texte ausgerechnet dem “Schaulaufen” dienen sollten. Und wenn, was wäre daran einerseits verwunderlich im Feld des Politischen und andererseits ablehnenswert. Es geht doch gerade um Auseinandersetzung und Werbung für bestimmte Positionen. In jedem wissenschaftlichen Aufsatz passiert übrigens dasgleiche: es werden philosophische Positionen artikuliert und repräsentiert. Schlecht ist der Aufsatz dann, wenn die Autorin nicht auf ihre immanenten Quellen zu sprechen kommt (edit: aber das entspringt nur einem tatsächlich bürgerlichen Ehrenkodex des rechtschaffenen Arbeitens, ist also eine Verkehrsform der bürgerlichen Gesellschaft, die mit dem Recht am geistigen Eigentum korrespondiert, also tatsächlich Mist ist).

    Kurzum: wenn du kein Austauschbedürfnis hast, kann diese Indifferenz nicht stellvertretend für die Community stehen. Im Übrigen ist der Vorschlag mit Beziehungsstrukturen nicht verkehrt, Verschlagwortung macht aber m.E. dann nur Sinn, wenn alle Texte gleiche Berücksichtigung finden und wir hier Relevanzstrukturen herausarbeiten. Auf einer untergeordneten Ebene habe ich weiter oben dafür plädiert, dass Schlagworte dazu dienen könnten, Aufmerksamkeiten zu aggregieren. Was man dann mit diesem Datum anfängt, ist einen andere Frage (der Verwertung von Häufigkeiten). In meinem Beispieltexten von Heinrich und vom GSP füge ich einige Tags an. Aggregiert man diese, könnte sich zeigen, ob eher Kapitalismuskritik oder Pluralismus (z.B.) die Assoziationen der schreibenden Leser anfeuern. Um es dann noch Dritten mit weniger Zeit oder Artikulationsbedarf zu ermöglichen, an einer Oberflächenentscheidung teilzuhaben, sollten Voting-Möglichkeiten (o.ä.) angeboten werden. Ich sehe hier auch den Raum und Ort, dass wir uns gemeinsam Gedanken darüber machen, wie das Web 2.0 produktiv für die politische Debatte urbar gemacht werden kann. Zwar halte ich “Daumen-hoch”-Buttons oder “Stern-plus”-Knöpfe, wie z.B. der FREITAG anbieten für eine naive Spielerei, sie sind aber auch ein interessantes Instrument für Bloghoster, um Interessen einschätzen zu können. Nimm dir mal die Zeit und lies einige Kommentare bei tagesschau.de und FAZ.de sowie die Bewerungen jeweils. Nicht allein der offen neoliberale und oder nationalistische Duktus verwundert, sondern auch die Art und Weise wie miteinander kommuniziert wird, wie z.B. auf Kommentare reagiert wird. Bei tagesschau.de werden die Kommentarspalten denn auch oft geschlossen, wenn allzu viel nationalistische Hetze oder schlicht die Aggression von Geprellten sich auf krude Weise Luft verschafft. In diesem Sinn sollten wir nicht allein aus Selbstzweck für das Forum hier, sondern für eine Handreichung oder zumindest Selbstverständigung einer kritischen Öffentlichkeit in der Partei die LINKE sowie bei Interessierten eintreten.

  22. Ignaz sagt:

    @ tos

    Danke für die Antwort. “Üblicher Widerspruch” trifft es ganz gut. Ich habe Ihnen eine Mail geschickt.

Kommentiere:

| Kommentare werden moderiert |