Träume vom Boulevard
Was Linksfraktionschef Gregor Gysi so träumt? Ein bisschen zumindest von einer linken Boulevardzeitung, „denn es gibt so viele Leute, die können nicht so viel lesen, die brauchen das übersetzt, einfach, schnell und visuell“. Warum überlasse die Linke „das alles der Bild?“, fragt sich Gysi, meint, alle hätten sich damit abgefunden und sagt dann noch, „vielleicht sollten wir es doch mal versuchen“. Was er gleich wieder zurücknimmt, denn Linke seien wohl dazu nicht in der Lage: „Wir haben nicht den Hang zur Oberflächlichkeit. Und den muss man haben, sonst funktioniert eine Boulevardzeitung nicht, auch eine linke Boulevardzeitung nicht“, zitiert den Linksfraktionschef eine Nachrichtenagentur. Einen komplexen Sachverhalt auf drei Punkte zu reduzieren, könnten die Linken nicht. Die Rechten könnten es dagegen immer.
Nun könnte man durchaus der Meinung sein, dass sich die Linke doch im Gegenteil ganz gern damit begnügt, politische Probleme auf kurze Sätze zu bringen und Widersprüche in knalligen Parolen zu versenken. Und genauso könnte man Gysi darauf hinweise, dass die von ihm geleitete parlamentarische Abteilung der Linken – die übrigens hier von Bodo Ramelos kritisiert wird: „Die Partei ist nicht der Schwanz und die Bundestagsfraktion nicht der Hund.“ – seit geraumer Zeit eine Art linkes Boulevardblatt herausgibt: die Klar. Eine „Massenzeitung“, die jedenfalls mit den Mitteln des Boulevard arbeitet. Ob es einen linken Boulevard überhaupt geben kann, ob die Widersprüche zwischen Vereinfachung, Skandalisierung, Personalisierung auf der einen und Aufklärung, Komplexität, Diskursivität auf der anderen gelöst werden können, bleibt eine offene Frage. Versuche hat es auch in der Bundesrepublik gegeben, manchem galten gar die St. Pauli Nachrichten als linker Boulevard und in der Schweiz wurde der Blick so bezeichnet. (vk)
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Wäre es nicht noch wichtiger, ein gut gemachtes umfangreiches monatliches Jugendmagazin zu publizieren, so wie es die Bewegung der Kommunistischen Jugend Frankreichs ab den 60er Jahren mit der großen legendären “Nous les Garcons et les Filles” bzw. später der “Avantgarde” getan hat.
Sie erreichten damit Hunderttausende Jugendliche.
Bei uns erschienen ab den 70ern auch das gut gemachte SDAJ-Magazin “elan” und das MSB-Spartakus-Magazin “Rote Blätter”.
Die Notwendigkeit dafür ist offensichtlich!
Natürlich ist linker Boulevard grundsätzlich möglich. Der Sportteil von BILD könnte in einer linken Boulevardzeitung ebenso stehen wie -sorry- Titten und Prominachrichten. Und natürlich können Linke politische Themen vereinfachen und polemisieren.
Es gibt aber vor allem ein großes Problem: um eine “linke BILD-Zeitung” zu etablieren, bedarf es Anfangsinvestitionen von – keine Ahnung, ich sag mal – hunderte Millionen Euro. Wer so viel Kapital hat, um es – trotz allem – in ein riskantes Zeitungsprojekt zu investieren, wird kaum eine “linke BILD-Zeitung”aufbauen wollen.
Ich verstehe auch das nicht-ja oder nein-vielleicht doch-vielleicht sollte man es erstmal zu Ende denken und dann in die Öffentlichkeit gehen….und die Tendenz vielen Menschen Unfähigkeit zur eigenen richtigen Relexion zu unterstellen…und ihnen nachhelfen zu müssen-erinnern mich an nicht sehr gute Zeiten…
Verstehe nicht, was Gysi will – den linken Boulevard gibt es doch schon am Kiosk – heisst “Junge Welt” und ist genauso oberflächlich, vulgär, reisserisch und voller Kolportage wie die sonstige Yellowpress. Nur die Titel müssten grösser sein, aber das kann der Layouter ja schnell anpassen. Das freut dann auch die Alt-Genossen von der KPD und der GBM.
(Hurra, Shitstorm ich komme!)
Wer Ironie findet, darf sie behalten. Frohes Fest wünscht
Dude:-)
ich frage mich ja, ob die aussage „denn es gibt so viele Leute, die können nicht so viel lesen, die brauchen das übersetzt, einfach, schnell und visuell“ nicht in die gleiche abwertende kerbe schlägt wie ein vermeintlich konstruierter zusammenhang zwischen hartz4 und alkohol…
wer keine Sorgen hat, der macht sich welche
@sarah
Deine französischen und deutschen Beispiele sind gut. Mag ja sein, dass die Zeitschriften (jedenfalls die Französischen) „Hunderttausende von Jugendlichen“ erreicht haben. Nur: sie überzeugten (fast) niemand. Was ja im ‚Laufe der Dinge’ ebenfalls „offensichtlich“ wurde. Es gibt halt keine „gut gemachte Zeitung“ mit falschen Inhalten. Und genau dieser Zusammenhang von Inhalt und Form würde ein Projekt “Linke-Boulevard-Zeitung” als einen plumpen, durchschaubaren publizistischen Anbiederungsversuch aussehen lassen.
Aber wir wollen den beiden Begriffe „Form“ und „Inhalt“ mal ihre vorweihnachtliche Ruhe gönnen und hier nicht weiter bemühen. Gysis Idee war ja nur mal so angedacht – wohl auch auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Schöne Feiertage
Eine unverzichtbare Gruppe unser Wählerschaft, liest bereits Boulevard-Zeitungen.
Wir hören fast in belehrender Art, das die Zeitschrift Clara eine solche
ist. Einfach und verständlich zu erklären ist doch garnicht so schlecht.
Frohe Weihnachten.
“Dude”, Sie schreiben:
“den linken Boulevard gibt es doch schon am Kiosk – heisst “Junge Welt” und ist genauso oberflächlich, vulgär, reisserisch und voller Kolportage wie die sonstige Yellowpress.”
Ich denke, wer die unabhängige linke marxistische Tageszeitung “junge Welt” mit solchen Eigenschaften belegt, der hat sie noch nie gesehen, geschweige denn gelesen.
Ich bin der Meinung, das die “junge Welt” als von ihren linken Lesern herausgegebene Genossenschafts – Printmedium selbst wesentlich kritischer und bissiger ist, als das angepasste ND.
Sie lässt alle linken Strömungen zu Wort kommen, ist nicht dem Mainstream verpflichtet:
Seite 1: Leitartikel, ein weiterer längerer Artikel sowie Kurzmeldungen;
Seite 2: Interview, ein Artikel sowie weitere Kurzmeldungen;
Seite 3: Schwerpunkt, meist drei Artikel unterschiedlicher Länge zu einem bestimmten Thema;
Seiten 4 und 5: Innenpolitik;
Seiten 6 und 7: Auslandsnachrichten;
Seite 8: zwei Kommentare (der zweite mit dem Titel „[…] des Tages“), ein Interview sowie die Rubrik „Abgeschrieben“;
Seite 9: Wirtschaftsteil (unter dem Titel „Kapital & Arbeit“);
Seiten 10 und 11: Thema (ein ausführlicher Artikel über Innen-, Außen-, Wirtschaftspolitik, Kultur, Geschichte oder marxistische Theorie);
Seiten 12 und 13: Feuilleton;
Seite 14: Leserbriefe (manchmal auch Ratgeber) und Hinweise zum Fernsehprogramm sowie zu Veranstaltungen);
Seite 15:
montags: Rezensionen politischer Literatur,
dienstags: Informationen über „Betrieb und Gewerkschaft“,
mittwochs: Antifa,
donnerstags: Wissenschaft und Umwelt,
freitags: Feminismus,
samstags (Wochenendausgabe): Geschichte;
Seite 16:
an Werktagen: Sport,
samstags (Wochenendausgabe): Aktion.
Am Wochenende erscheint zusätzlich die achtseitige Beilage Faulheit und Arbeit. Auf Seite acht der Wochenendbeilage erscheint unter der Rubrik Pol & Pott – ein Wortspiel mit Pol Pot – ein mit einem Kochrezept ergänzter feulletonistischer Beitrag.[6] Des Weiteren erscheinen in der jungen Welt regelmäßig Beilagen u. a. zu den Themen Literatur, Antifa, Krieg/Frieden, Feminismus, Fußball, Wirtschaft etc.
Wer solche Inhalte als “oberfläclich, vulgär, reisserisch und voller Kolportage wie die sonstige Yellowpress.” bezeichnet, der sollte sich fragen lassen, was dann “Super-Illu” u. ä. sind.
Hinzu kommt, das auch die von der Genossenschaft gleichfalls herausgegebene Zeitschrift “melodie & rhythmus” hohen inhaltlichen Ansprüchen standhält.
Und “Sarah”, ich kann Deine Frage / Anregung nur unterstützen.
Wir brauchen dringend eine linke Alternative zum Jugend-Boulevard a la “Bravo”.
Ein linker Fernsehkanal wäre auch schön, mit Daily Soaps aus dem Karl-Liebknecht-Haus, DIE LINKE sucht den Superkandidaten, Freitags abends dann spannende Fälle aus der Bundesschiedskommission, später am Abend: Der Politkommissar…. Jaja: so ist es natürlich nicht gemeint mit der Zeitung, aber mir kommt das alles wie ein Ablenkungsmanöver vor. Hält Gregor uns eigentlich für ein bißchen blöd?
Ja ja die Zeitung. Ich hatte in einem Brief an Oskar den Vorschlag schon vor 2 Jahren gemacht. Damals meinte er, dass sei zu teuer. Wir können nicht alle erreichen. Nicht so kompliziert geschrieben wie der Freitag aber auf Stern-Niveau sollte es schon sein. Viele Bilder, locker geschrieben, gute Reportagen, nicht so theoretisch, aus dem Leben gegriffen, lieber mal einen Bericht über Wohnsitzlose, über Leute die für ein Appel und ein Ei den Rücken krumm machen. Die schlichte Wahrheit geht unter die Haut, nicht irgendwelches Phrasengedresche von oben herab. Pointiert, kompetent, zuweilen ein wenig ironisch, spritzig, nicht moralin-säuerlich, der typische Tucholsky-Stil. Als Name könnte man einen von Tucholskys Pseudonymen nehmen. Das Problem ist glaube ich gar nicht so sehr das Geld. Es bräuchte 10 Leute die a) an die llnke Sache glauben und b) ihr journalistisches Handwerk verstehen. Dürfte nicht einfach sein.
Und unsere Positionen müssen erklärt werden, nicht anhand von ermüdenden Texten und ellenlangen Tabellen sondern mit Schaubildern.
im amerikanischen Sprachraum geben sich Professoren im allgemeinen große Mühe auch komplizierte Sachverhalte Nicht-Fachleuten nahe zu bringen. Das sollten wir auch tun und gewisse überhebliche Vergleiche unterlassen, mit denen bestimmte Leute in Schubladen gesteckt werden, in die sie nicht gehören.
Ich wünsche allen ein paar schöne Tage. Auf ein frohes Bloggen im Neuen Jahr.
DUDE,
mach Dir selbst ein Bild
http://www.jungewelt.de/2011/12-23/index.php
Wie war das noch:
Vulgärer oberflächlicher Boulevard; Yellowpress???
Schreibe nicht Deine Meinung bei Springer, Burda, Bauer ab!!!
@Wolfgang Du verwechselt die Clara (Zeitschrift) mit der KLAR (Massenzeitung).
Entschuldigung für die Verwechselung Mister Muemmel.
Dude, the paper you mentioned is the Stars and Stripes of the army of pinschers that keep biting their own mates. Fuck it, Dude. Let’s go bowling.
Sonst bin ich gegenüber Gregor Gysi eher freundlich eingestellt, aber hat eben auch ein paar Spleens und dazu gehört diese “linke Boulevardzeitung”. Das Problem liegt indessen tiefer. Gysi scheint zu glauben, dass jeder Gedanke erst auf Bildzeitungsniveau gebracht werden muss, damit er für die vielen anderen verständlich wird. Richtig ist nur, dass politische Gedanken in einer Sprache formulierbar sein müssen, die vom Fach- oder Szenejargon, in dem sie zunächst formuliert worden sind, befreit sind.
Das fällt gerade den besseren unter unseren PolitikerInnen nicht schwer. Das Problem, dass die ideologische Hegemonie nicht links ist, wird weder durch eine linke Bildzeitung, noch durch den Erklär-Bären beseitigt.
Eher ist es anders herum. Wenn linker Boulevard funktioniert, dann hat sich im ideologischen Mainstream etwas gedreht.
BITTE LESEN:
https://www.taz.de/Gesine-Loetzsch-ueber-die-Linkspartei/!84323/
Schöne Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch!
Unwahrscheinlich, dass solch ein Projekt erfolgreich sein könnte. Man muss doch mal die Frage stellen, warum es “der Rechten” gelingt ihre Positionen so auf den Punkt zu bringen. Da werden Sachverhalte verkürzt wiedergegeben oder gänzlich falsche Kausalitätsketten erzeugt. Man kann sich dann natürlich damit zufrieden geben, dass es in Sachen AgitProp nie um die Wahrheit sondern auch nur um die Macht geht. Der normale Linke – ob in Partei oder nicht – dürfte damit wohl hadern.
Darüber hinaus ist das Risiko wirtschaftlich damit Baden zu gehen viel zu groß. Ist ja keineswegs so, dass nur linke Publikationen ökonomisch auf dem Zahnfleisch gehen.
@sarah
Du hast ein gutes Beispiel genannt mit “NOUS LES GARCONS ET LES FILLES (WIR JUNGEN UND MÄDCHEN)”.
Dieses hier fand ich dazu im französischen Wikipedia:
“Wir Jungen und Mädchen” … und Politik
Andere Magazine sollen mehr politische, mit oben auf der Liste ” Wir Jungen und Mädchen »..
Anknüpfend an das Gesicht von “Hallo KollegenKommunistische Jugendbewegung “, die um ihr Image zu erneuern wünscht” Das Magazin erscheint in 1963, ist eigentlich auf die beigefügte “.
Mit dem Cover der ersten Ausgabe Jean-Paul BelmondoIst ein Erfolg für die PCF mit fast 100.000 Exemplare verkauft werden jeden Monat.
Jugendliche und es gibt Götzen der Zeit, die neuesten Trends und Beauty-Tipps.
Ein wahres Spiegelbild der “Jugendkultur”, aber alle orchestriert von der Redaktion, Paul MercerNoch Kameramann.
“Wir Jungen und Mädchen”Slice auch mit anderen Jugendzeitschriften in seinem Vokabular.
Am 22. Juni 1963 bei der Tour de France mit zerbrochenen Fenstern kommt zu dem Schluss, die Magazin-Titel ” Die Falle der Nation “Schuld der Veranstalter für Unfälle durch ihre Inkompetenz verursacht.
http://www.priceminister.com/image?action=slideshow&imagestype=PRODUCT&prdimageid=835300755&productid=60284155
Wir Jungen und Mädchen – Nr. 11 – 1964.01.03 – 1964.01.01
QUARRIVE THERE A SYLVIE? Hundesport INNSBRUCK – Kybernetik – WANN waren nur drei CHAMPIONS N – L CASE Sylvie Vartan – SAINT NAZAIRE 17 Jahre und Arbeitslose – DESIGN BEC – Anthony Perkins – Anne Sylvestre – eine Frau auf dem NEW HEAD OF Alberto Moravia – CHAMPIONSHIP DE FRANCE für E-Gitarre – Mode mit FAR WEST MICHELE Torr – TAGE OF SAINT DENIS – DAS BALLETT SANDERS DIRK
Lesen Sie mehr:
Erhältlich SLC, zarten Alter, Podium, Stephanie, Musikhalle, Juke-Box, TV pocket TV 7 Tage, great, minus 20, wir Jungen und Mädchen, Inrocks, best, Rock und Folk, Postkarten, Schallplatten, Postern. .. etc., etc.
Das waren inhaltlich breit gestreute Themenbereiche einer ansprechenden interessanten linken Jugendkultur!
Fakt ist: Viele Menschen sind es nicht mehr gewohnt längere Texte zu lesen. Und auch viele, die es könnten, schrecken Bleiwüsten ab. Gerade in den Stadtteilen, in denen die LINKE ihre Wählerschwerpunkte hat, finden sich kaum noch Zeitungsabos. Dem sollte die LINKE Rechnung tragen – wenn sie dazu die Möglichkeit hat.
Eine Zeitung, die nicht abschreckt, muss nicht wie die BLÖD aussehen und auch nicht wie KLAR. Kurze übersichliche Texte (vielleicht mit Verweis auf vertiefende Internetressourcen), Überschriften, die schon ein Stück der Botschaft sind oder zumindest Lust aufs Reinlesen machen, Bilder, Grafiken, Fotos, denen als eigenständiges Medium ein Platz zugestanden wird, vielleicht auch mal ein Gedicht, ein Limerick? Das Alles wäre schon ein guter Anfang. Ansätze, wie man so was machen kann, finden sich in der TAZ, im Freitag, in der Jungen Welt und vor allem in den Massenblättern der großen Gewerkschaften – weniger beim Neuen Deutschland.
@rak und andere
Sagt mal Leute, glaubt Ihr allen Ernstes, es ließe sich eine linke Boulevardzeitung, die massenhaft in Lottoläden und Zeitungskiosken zum Verkauf steht, gründen und ökonomisch absichern?
Wer soll denn diese Investition tätigen? DIE PARTEI? Ein Privatmensch, ein Kapitalist, dem das Projekt DIE LINKE am Herzen liegt? Welche inhaltlichen Konsequenzen dies hätte – davon will ich gar nicht sprechen. Das ganze ist eine weltfremde Schnapsidee nach der Devise “ach wäre das nicht schön?” Wir leben nicht in einer Zeit, in der ein Münzenberg z.B. eine Arbeiter Illustrierte Zeitung herausgeben konnte. Nun kommt mir bitte nicht mit der Spitzfindigkeit, eine Illustrierte sei keine Boulevardzeitung. Das eine wie das andere funktioniert heute nicht. Laßt Euch doch nicht von so einem Schwachsinn auf ein Nebengleis schieben. Sollten wir tatsächlich einmal zu einer Massenpartei mit mindestens 200000 Mitgliedern werden, können wir noch mal neu nachdenken, vorher nicht. Vorher müssen wir den Versuch fortsetzen, überhaupt das Parteiprojekt abzusichern. Das Programm, so widersprüchlich und unzulänglich es noch ist, war ein Schritt. Weitere müssen folgen, wir sind noch lange nicht über den Berg.
vielleicht ist das alles ein joke, ein weihnachtsspass, damit wir über die feiertage was zu lachen haben…aber ne gute onlinezeitung könnte finanziell drin sein
@Eckenförder: Was die Finanzierbarkeit angeht, hast du sicher Recht. Deshalb auch die Einschränkung – wenn sie (DIE LINKE) die Möglichkeit dazu hat.
Allerdings kann man sich die genannten Gestaltungsansprüche auch für andere Verteilmaterialien (z.B. lokale Verteilmaterialien im Zeitungsformat) der LINKEN zu Herzen nehmen. Was mich an der Diskussion in diesem Thread so stört, ist die Ignoranz der vermeindlich Gebildeten, die in der Regel einfach nur Bleiwüste können.
@rak
Es spricht nichts dagegen darüber nachdenken, wie wir unsere politischen Zielvorstellungen in verständlichen Worten darstellen, die von möglichst vielen verstanden werden.
Doch bewegen wir uns leider in einer Quadratur des Kreises: die gesellschaftlichen Verhältnisse sind ziemlich kompliziert und lassen sich nicht auf einfache Formeln reduzieren. Als Beispiel sei die aktuelle Wirtschaftskrise genannt. Es gibt auf der Linken insgesamt wie auch in unserer Partei verschiedene Erklärungs- und Lösungsmuster, die sich z.B. nicht einfach in die Formel “Banken verstaalichen” oder “Wirtschaftsdemokratie” verpacken lassen. Das Programm hilft hier nicht wirklich weiter, denn es läßt im Unklaren, wie der Prozeß zu einem demokratischen Sozialismus genau funktionieren soll. Übergangsforderungen sind als solche nicht definiert und erscheinen in ihrer Umsetzung bereits als Endzustand. Die Rechtsformen werden nicht konkret benannt, etc. Was wir bräuchten wäre also zunächst mal gedankliche Klarheit und Ehrlichkeit. Daran mangelt es. Eine politische Zeitung, egal welche Zielgruppe sie anvisiert, kann nur so gut sein wie das dahinterstehende politische Konzept, das sind sozusagen die Hausaufgaben, die erledigt werden müssen, bevor der Schritt in die Öffentlichkeit erfolgt. Es lohnt nicht, viel Geld in die Verbreitung von Halbwahrheiten zu investieren.
@Eckernförder
wenn alles so einfach wäre, bräuchten wir keine Zeitung. Dann können wir einfach ein Flugblatt drucken “So geht es” und fertig. Es geht darum, Gegenöffentlichkeit herzustellen. Wir sollten so ehrlich sein, zu sagen, wir wissen nicht alles, aber bestimmte Bausteine, wie z.B. die Bürgerversicherung haben wir schon. Es geht darum, andere ins Boot zu nehmen, vom Professor bis zum Arbeiter am Band. Auch Leute wie den Sozialrichter Borchert, die von der ordoliberalen Seite her kommen, wären hilfreich, oder der Prof. Hartmann aus Darmstadt. Es geht um Reportagen, wie z.B. die Leiharbeiter der französischen Atomindustrie. Da brauchen wir ein Medium, das dann auch von anderen wieder zitiert wird. Man sollte mit einem Monatsheft anfangen, eine solche Anschubfinanzierung kann sich unsere Partei locker leisten. Denn, und das ist der Clou, eine solche gut gemachte Zeitung, würde gekauft und nach spätestens zwei Jahren Gewinn machen.
Als Chefredakteur wäre vielleicht Günther Wallraff der richtige Mann mit dem richtigen Biss. Außerdem sieht es im Zeitungsgewerbe etwas trübe aus. Also da gibt es sicher den ein oder anderen, der in seiner Redaktion keine große Zukunft sieht und sicher bei einem neuen linken Projekt mitmachen würde, wenn ein bekannter Top-Mann wie Wallraff Chefredakteur wäre. Gesine hat es im taz-Interview auf den Punkt gebracht: “Wir packen vieles zu verkopft an.” Genau! Man sollte einen nicht zu überkandidelten Namen wählen. “Neues Deutschland” finde ich schon aus diesem Grunde abschreckend. Ein erster Arbeitsvorschlag wäre: “Der Stachel”
@Dr. No
Unser Dissenz besteht wohl weniger in der Einschätzung der Kompliziertheit der politischen Situation, als in der möglichen Funktion bzw. dem Gebrauchswert einer (Boulevard-) Zeitung, wobei dann einige MitdiskutantInnen auch noch Produkte wie die ehemalige „elan“ der SDAJ oder „Rote Blätter“ des MSB Spartakus ins Gespräch bringen. Das waren, genauso wie die UZ, von der SED finanzierte Parteiblätter, die nicht der üblichen Marktkonkurrenz unterlagen. Was das für Folgen für den Inhalt hatte, muß ich wohl nicht besonders erklären. Keine dieser Blätter hätte ohne die Unterstützung aus der DDR auf dem Markt existieren können.
Wenn man sich die Entwicklung linker Zeitungs- und Zeitschriftenprojekte in der BRD vor Augen führt, muß man mMn zu dem Ergebnis kommen, daß eine linke Boulevardzeitung, die sich auf dem Markt von BILD, EXPRESS, HAMBURGER MORGENPOST etc. ökonomisch durchsetzen soll, so ungefähr das allerschwierigste wäre, was sich denken läßt. Denn sie hätte – im Gegensatz etwa zu Gründungen wie DIE NEUE, TAZ oder die Monatszeitung ANALYSE & KRITIK oder die Zeitschrift KONKRET nicht ein politisch motiviertes, mehr oder weniger gebildetes Publikum als Zielgruppe, sondern die Masse derjenigen, die sich normalerweiser in eher grobschlächtigen Denkschablonen bewegen und es gewohnt sind, durch allerlei Sensationen, Sex und Schlüssellochperspektiven unterhalten zu werden. Bekanntermaßen weiß die Mehrheit der BILD-LeserInnen, daß diese Zeitung häufig lügt, trotzdem kaufen und verschlingen sie sie.
Eine linke Boulevardzeitung würde zunächst mal eine hohe finanzielle Investition benötigen und sie müßte beständig in einer hohen Auflage gekauft werden, sozusagen unter dem Verdacht, daß sie die Wahrheit schreibt. Und die ist trocken und ernüchternt und wenig unterhaltsam. Wie soll das funktionieren? Ich kann es mir schwer vorstellen, und die Tatsache, daß sich nicht allzu viele GenossInnen hier an der Debatte beteiligen, scheint mir dafür zu sprechen, daß kaum jemand diese Idee wirklich ernst nimmt. (Der Titel „Der Stachel“ erinnert mich übrigens an eine DKP-Stadtteilzeitung der 70er Jahre…)
Ein gut gemachtes monatliches Mitgliedermagazin, das auch über unsere GenossInnen hinaus für linke LeserInnen interessant wäre – darüber ließe sich vielleicht ernsthaft reden.
Dass Vereinfachung komplexer Sachverhalte nicht notwendigerweise Verkürzung (im Sinne von Verzerrung) bedeuten muss, haben so unterschiedliche Koryphäen wie der Chronist Sebastian Haffner oder der Physiker Heinz Haber bewiesen. Im Bereich der linken Ökonomie wäre z.B. Rudolf Hickel so jemand.
Das ein gut gemachter anspruchsvoller seriöser linker Zeitschriften- bzw. Wochenzeitungs-Inhalt sich über Jahrzehnte in Deutschland gut verkaufen läßt, das ist mit solchen Printmedien wie
-BLÄTTER FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK
(1956 bis heute)
https://de.wikipedia.org/wiki/Bl%C3%A4tter_f%C3%BCr_deutsche_und_internationale_Politik
-DEUTSCHE VOLKSZEITUNG / DIE TAT ( 50er Jahre bis heute,
wenn man den “FREITAG” hinzurechnet)
-KÜRBISKERN – Literatur, Kritik, Klassenkampf
(Ende 1965 bis Ende 1987, Kulturpolitische Zeitschrift;
Herausgegeben von einer Reihe bekannter linker Schriftsteller, Autoren und Literaturkritiker)
Oder man denke an die
österreichische Zeitschrift “Weg und Ziel”.
@Peter
Jaja… aber angeblich geht es ja hier um eine BOULEVARD-Zeitung….
Dieser Link ist noch nachzutragen zur DEUTSCHEN VOLKSZEITUNG / DIE TAT:
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Volkszeitung_%281953%E2%80%931989%29
Übrgens “Eckernförder”:
Chefredakteur der “Roten Blätter” war Franz Sommerfeld,, in den letzten Jahren Chefredakteur der “Berliner Zeitung”, der “Mitteldeutschen Zeitung” und des “Kölner Stadtanzeigers”, heute Vorstand eines großen deutschen Zeitungsverlages.
https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Sommerfeld
So “böse” und inhaltlich schlecht können also die “ROTE BLÄTTER” des MSB Spartakus nicht gewesen sein!
Linke Boulevard-Zeitung ist ein Widerspruch in sich, da sie grundsätzlich ja als Instrument zur antiaufklärerische Stimmungsmache definiert ist.
Links kann aber nicht antiaufklärerisch sein.
An sich meinen hier viele einfach nur eine leichter zu verstehende Zeitung mit großem Bildanteil – das ist aber noch nichtzwangsläufig Boulevard. Das ist zwar machbar, aber inzwischen anachronistisch – wer keine große Zeitung lesen will, schaut heute Kurznachrichten oder surft für 5 Minuten im Netz.
Wenn der Wunschs ein sollte, eine schnell lesbare und progressive Zeitung für die Pause am Arbeitsplatz zu schaffen, dann seh ich das nicht als Aufgabe einer Partei, sondern der Gewerkschaften.
ich darf als Lektüretipp wiedereinmal empfehlen: http://ifg.rosalux.de/2011/05/04/mosaik-linke-und-medien/ mit weiteren Online-Ressourcen.
und als Zitat (ich habs jetzt nicht nachgeschaut) (Von Bloch): Die Rechten reden von den Menschen, aber falsch. Die Linken reden das richtige, aber nicht von den Menschen.
DIE LINKE hat fast 600 kleine Zeitungen mit einer Auflage von einer Million. Letztlich ist das die Grundlage für Gysis Massenblatt.
Die KLH-Behörde bräuchte nur die Druckkapazitäten vereinheitlichen und damit die Druckkosten senken und die zentralen Ressourcen im Bereich Redaktion und Foto für die kleinen Zeitungen öffnen und schon gäbe es ein ordentlichen Sprung in der Qualität und der Wirksamkeit dieser Zeitungen.
Aber das ist ja mit Arbeit verbunden und ungehöriger Weise mit dem Achten von redaktioneller Autonomie der kleinen Zeitungen und deren Träger BOs/Kreisverbände etc.
Da ist es doch tausendmal besser Hunderttausende in ein Mitgliedermagazin zu versenken und so zu tun, als wenn es noch nie eins gab. DISPUT gibt es in dieser Frage nicht, sondern Träumerei a la Gysi.
Der legendäre traditionsreiche “Kürbiskern, das st sie und sie fehlt heute leider, denn sie war die Leblingszeitschrift von uns allen, das brühmte Kulturmagazin, auf die auch schon hier verwiesen hatte als positives Beispiel:
https://www.abebooks.de/servlet/FrameBase?content=/de/imagegallery/imagegallery.shtml?images=http://pictures.abebooks.com/SECONDTEXT/1157508997.jpg
https://secure.booklooker.de/images/cover/user/0306/1045/Ym4wNjI0.jpg
http://ralfs-buecherkiste.antiquariatsportal.de/200503652,K%FCrbiskern.-Literatur-Kritik-Klassenkampf.-Jahrgang-1982-Hefte-1-bis-4-vollst%E4ndig.html
Alles was wir hier ausführlich diskutieren, liegt als vollständiger Mitschnitt der Diskussionsveranstaltung “Warum erreichen linke Zeitungen so wenig Menschen?” im Rahmen der LINKEN Fühlingsakademie 2011 von über 1 Stunde unter dem Titel
“Warum erreichen linke Zeitungen so wenig Menschen?”
vor:
https://www.youtube.com/watch?v=mNUaBsSA4Ic
Bitte unbedingt ansehen und auf dieser Grundlage weiter diskutieren!
@Peter
Ach ja der Franz Sommerfeld…. hat eine bürgerliche Karriere hinter sich und ist nun “Vorstand eines großen deutschen Zeitungsverlages” – das soll ein Argument dafür sein, daß die ROTEN BLÄTTER seinerzeit nicht “inhaltlich schlecht” gewesen sein können? Und weil die Tissy Bruns für den Tagesspiegel und die Welt schreibt bzw. geschrieben hat, lag die Politik des hamburger MSB Spartakus immer auf der richtigen Linie, was? Mannmannmann…Darum geht es doch überhaupt nicht!
Ich verzweifel’ hier bald…
@Muemmel
Sehe ich auch so wie Du: Boulevard und LINKE passen nicht zusammen. So kurz läßt sich das ausdrücken.
@Svenja
Ist Dir eigentlich nicht klar, daß der KÜRBISKERN wie die gesamte DKP-nahe Presse in dieser Form nur als Subventionsprodukt der DDR existieren konnte, und daß es dieses Füllhorn nicht mehr gibt?
@Eckernförder, Mümmel
Ja Boulevardzeitung meint im Prinzip ein Blatt mit Bilder und vor allem mit lebendigen Reportagen, im Prinzip die Seite 3 vom Freitag aber nicht so kompliziert geschrieben und mit Bildern.
Wir brauchen nicht noch ein Parteiorgan, von daher keine Mitgliederzeitschrift. Das Problem der Linken ist, dass sie zu sehr im eigenen Saft schmort, sich gegenseitig zutextet. Das Bloch-Zitat, das Bernd in die Diskussion gebracht hat, trifft es genau.
Wir brauchen kein Blatt wo irgendwelche Parteiinterna durchgekaut werden. Wir brauchen ein Blatt für die Menschen, die uns wählen. Und denen gegenüber verhalten wir uns oft arg überheblich. Das stößt mir mittlerweile arg übel auf. Nach dem Motto: Die sind ja eh zu blöd dazu, unsere tollen Argumente zu verstehen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wir sind zu blöd, Otto-Normalverbraucher zu erklären, was wir wollen und wie wir das umsetzen wollen.
Deswegen mein Plädoyer für Günther Wallraff. Der steht der Linken vielleicht gar nicht so nahe, ich habe keine Ahnung, aber das macht nichts. Der Mann versteht sein Handwerk und der könnte ein kritisches, investigatives Monatsmagazin leiten. Auch ein Konzept wie die Bürgerversicherung könnte dort anhand von Grafiken und anschaulichen Beispielen dargestellt werden. Es geht um nichts anderes als Meinungsführerschaft. Und da wäre das Internet als einzigen Medium nicht ausreichend.
Eine Seite Satire und Humor gehören übrigens auch dazu.
Wenn “Der Stachel” mal ein DKP-Stadtteilmagazin war, ist doch okay. Ich kenne das zwar nicht, dachte eher an die Stachelschweine.
@Dr. No
“….ich habe keine Ahnung, aber das macht nichts.”
O.K., gut, Du hast mich überzeugt. Habe ein bißchen Ahnung, aber das macht auch nichts. Bin dann mal weg.
Frohes neues Jahr!
@Dr. No
Walraff schreibt doch das wenigste selbst und allein. Der hat von Anbegin an Co- bzw. Hintergrundautoren (Herzog, Spoo, Gremliza, Engelmann) gehabt.
Boulevard meint im Prinzip eine Tageszeitung die auf der Straße verkauft wird – und deswegen extrem verkaufsorietneirt sein muss. Entsprechend sind die Kriterien für einen Artikel nur Absatzsteigerung und das auf Kosten von Seriösität (was meiner Meinung nahc auhc einfach formuliert sein kann) und Integrität. Nichts gegen leicht verständliches, aber bitte kein Boulevard.
Das Problem einer solchen Zeitung mit hoher Auflage sind zum einen die Produktionskosten und dann der Vertrieb. Wer die Literatur zur TAZ und ihrer Geschichte liest, wird da einiges finden. Weil wer z.B sagt, da brauchen wir nur 10 Redakteur_innen, irrt, denn da braucht man auch technisches Personal etc. Da ist man leicht bei Personalkosten von einer halben Million pro Jahr. Wie die ohne Anzeigen erwirtschaftet werden sollen, bleibt zu klären.
Und hier ist noch ein Interview zum Thema, zwar bei murx21, aber trotzdem gut: »Populär, ohne populistisch zu sein« http://marx21.de/content/view/1538/32/
Ein mehrheitsfähiges, leicht verständliches und mitreißendes Programm wäre für eine effektive Überzeugungsarbeit halt wirklich sehr hilfreich gewesen…
Gedruckte Zeitungen haben es wegen dem Internet sehr schwer, es werden auch schon genug Bäume abgeholzt.