Lübeck nicht für Schulz
(Update von 21 Uhr) Bei der Bürgermeisterwahl in Lübeck hat der Kandidat der Linken schwach abgeschnitten: Jens Schulz kam nur auf 3,6 Prozent der abgegebenen Stimmen, im Verhältnis zu allen Wahlberechtigten fallen die 2.400 Stimmen noch magerer aus. Der Lübecker kreisvorsitzende Sascha Luetkens kommentierte das Ergebnis knapp: “Autsch.” Bei der Linken war die Kandidatur zwar umstritten, man hatte aber dennoch ein besseres Ergebnis erwartet. Der Kandidat der Linken bekommt am Rande sehr viel Zuspruch, heißt es hier – die Partei wird das dennoch nicht freuen: “Sie hätten eigentlich mehr verdient, wenn Sie nicht bei den Linken wären.” Amtsinhaber Bernd Saxe von der SPD gewann den ersten Wahlgang mit 42,1 Prozent und muss gegen die CDU-Bewerberin in die Stichwahl. Die Beteiligung in der Hansestadt lag unter 40 Prozent.
(Original von 10 Uhr) In Lübeck können rund 175.000 Hansestädter heute einen neuen Bürgermeister wählen, wenn nur die Hälfte davon dem Ruf an die Urnen folgt, wäre das aber schon eine Überraschung. Eher sieht es danach aus, dass die Beteiligung an der Wahl geringer ausfällt als 2005 (42,3 Prozent), damals wurde der SPD-Amtsinhaber Bernd Saxe wiedergewählt. Der strebt nun eine dritte Amtszeit an – hat aber neben anderen auch einen linken Gegenkandidaten: Jens Schulz, Jahrgang 1953, Buchhändler, Sozialpädagoge und Maschinenschlosser; Betriebsrat, Sozialexperte, Mitarbeiter der linken Landtagsfraktion. „Eine soziale Stadt ist möglich - sie muss verteidigt und ausgebaut werden“, lautet Schulz‘ Motto. Fraktionsgeschäftsführer Ragnar Lüttke zeigte sich „zuversichtlich dass die Linke mit ihrem Kandidaten ihr Wahlziel erreicht, und am Wahlabend sich über ein gutes Ergebnis freuen kann“. Saxe lag in einer Wahlbörse zuletzt bei über 48 Prozent, spannend wird sein, ob ein zweiter Wahlgang nötig wird – und wer gegen den Sozialdemokraten in die Stichwahl geht. Die Kandidaten von CDU und Grünen liegen bei Wahlfieber.de ziemlich nah beieinander. Die tatsächlichen Ergebnisse gibt es nach 18 Uhr hier.
Für ein mögliches Signal müsste der Linke Schulz also im ersten Wahlgang sorgen. Eine eigenständige Kandidatur der Linkspartei bei den Bürgermeisterwahlen war umstritten, den Antritt von Jens Schulz nannte man im Nordwesten denn auch „etwas überraschend“ und „eine große Herausforderung“. Die Frage ist unter anderem, ob organisatorischer Aufwand im Wahlkampf und politisches Ergebnis in einem sinnvollen Verhältnis stehen. Im Vorfeld eines Kreisparteitags im vergangenen Juni war die Stimmung noch „so, dass wir nicht selbständig zu dieser Wahl antreten“, sagt Kreischef Sascha Luetkens. Die Linke hatte schließlich mögliche Kandidaten befragt und auf die Erfahrungen des Landtagsabgeordneten Heinz-Werner Jezewski zurückgegriffen – der im Oktober 2010 in Flensburg zum Bürgermeisteramt kandidiert und für die Aufstellung eines eigenen Bewerbers der Linken plädiert hatte. Allerdings war Jezewski mit 3,7 Prozent weit hinter den Erwartungen der Linken zurückgeblieben und hatte „einfach ein schlechtes Ergebnis“ eingefahren, wie es damals Landessprecher Björn Radke formuliert hatte. In Lübeck hatten sich die Mitglieder der Linken im Kreis dennoch „mit großer Mehrheit gegen eine Unterstützung der Kandidaturen von Grünen, SPD und CDU ausgesprochen“. Das Wahlergebnis an diesem Sonntag wird sicher auch als Omen für die vorgezogene Landtagswahl in Schleswig-Holstein im kommenden Mai interpretiert werden – zuletzt lag die Linke landesweit nur zwischen zwei und vier Prozent. Was vor dem Hintergrund der Zusammenarbeigt in der Bürgerschaft interessant ist: In Lübeck kooperieren SPD, Grüne und Linke schon länger, seit einiger Zeit auch auf der Basis einer formellen Vereinbarung. (tos, Foto: Linke)
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Dann drücken wir mal die Daumen für ein gutes Ergebnis!
Vorläufiges Ergebnis (124 Wahlbezirke):
Schulz, Jens Uwe (DIE LINKE): 2.400 Stimmen: 3,6 Prozentpunkte
Wahlberechtigte: 174.573
Gültige Stimmen: 67.406 ( > 2400 Stimmen = 3,56… Prozentpunkte)
Somit haben 1,37… % der Lübecker Wahlberechtigten dem Kandidaten der LINKEN ihre Stimme gegeben.
Kommentar des Lübecker Kreisvorsitzenden Sascha Luetkens: “Autsch.” (http://twitter.com/#!/SaLuet_HL)
@ Mistergebnis. Mistberichterstattung der Lübecker Nachrichten: “19.45 Uhr Bei Regina Dunckel geben die Wahlhelfer die Wahlverzeichnisse ab und bekommen dafür ein Stück Marzipan. Matthias Erz nimmt sich einfach auch eins. “Dabei hat er doch gar nichts abgegeben”, so Dunckel. Je näher das Ergebnis rückt, um so mehr Smartphones werden gezückt. Jeder zweite tippt schon.
19.37 Uhr Annette Borns zur LN-Wahlausgabe: “Ich freue mich schon auf das kleine Wunder, am Montag eine LN im Briefkasten zu haben – aber ich lese sie dennoch nicht vor dem Frühstück.”
So stellt man sich politischen Journalismus vor.
Ich sag das ja wirklich ungern: Aber ausnahmsweise plädiere ich für den Kandidaten der CDU.
Ich weiss nicht wie er ist, aber so wie ich Saxe kennengelernt habe hat er es einfach nicht verdient wiedergewählt zu werden.
Viele Lübecker beschäftigen sich garnicht mit den Kandidaten und Saxe ist eben symphatisch und macht das ja nun auch schon eine Weile. Also: Warum nicht?
…einfach weil er ein arrogantes Arschloch ist. Der geborene Showman.
Hoffentlich verliert der Kerl.
Hier in Kiel werden wir ja möglicherweise bald vor der Entscheidung stehen, ob wir wieder einen eigenen OB-Kandidaten aufstellen wollen… falls Albig tatsächlich Ministerpräsident wird.
Mit Raju Sharma damals hatten wir einen guten Kandidaten gehabt und interessante Erfahrungen mit dem OB-Wahlkampf gemacht, die Enttäuschungen von Flensburg und Lübeck sollen uns allerdings zu denken geben.