Von der Berliner Demo
Sonnig, gut besucht, ziemlich entspannt: Die Berliner Demo am globalen Aktionstag war nicht die schlechteste, welche die Hauptstadt in den vergangenen Jahren gesehen hat. Nicht nur Szene und Parteinasen, auch jede Menge Leute, die man vielleicht bisher noch nie bei einer Protestaktion treffen konnte. Relativ wenig Flugblätter – und wenn doch, dann wurde darauf durchaus auch mal auf das CCS-Problem hingewiesen. Disparate Motive, andererseits eben auch eine Form der politischen Offenheit. Mal sehen was die Linke (nicht die gleichnamige Partei) mit diesem kleinen Bewegungsfrühling im Herbst anfängt. „Wir denken aber, dass dies einer der Augenblicke ist, die wir als Linke ergreifen sollten“, heißt es zudem bei der Interventionistischen Linken. „Wir meinen, dass die Bereitschaft zur Teilnahme wichtiger ist als die kritischen Vorbehalte, die einem schnell einfallen, wenn man in Deutschland mal auf die unmittelbare Empörung der Menge setzt.“ Die Linkspartei war in Berlin auch am Start, Fahnen sah man kaum welche, was mit dem Wunsch der Veranstalter zu tun hatte. Vor dem Kanzleramt dann offenes Mikrofon und ein paar Rangeleien am Gatter. Einige Berichte noch hier und hier. Eine Nachrichtenzusammenfassung gibt es hier. Und sicher wird darüber zu reden sein, was man unter anderem aus Frankfurt mitgeteilt bekam. Richtig ist aber auch: Die Debatten, die man vielleicht selbst schon Jahre geführt hat, fangen andere erst an. Weshalb es gut ist, dass es solche Briefe wie diesen hier gibt. So, jetzt aber schnell zur Hochzeit! (tos, Foto: Milenskaya CC BY-ND 3.0)
Ach, und noch ein Video. Danke an Anne für den Tipp:
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Natürlich ist die Geschichte des Kapitalismus (auch) eine Geschichte dessen Krisen. Doch darum geht es nicht.
1. Ist diese Krise nachweislich anders als deren Vorgänger. Warum: Oben lesen. Für euch ist Kapitalismus ewig.
2. Du bewegst dich ausschließlich auf der Erscheinungsebene und verstehst, ja siehst noch nicht einmal, die darunter liegenden Mechanismen. Und was in SPON oder FTD steht, nunja, da geht es nur um die Erscheinungsebene, weil die Erkenntnis alles drunterliegenden würde dem Leser die Todesangst in die Knochen geben. Für dich, in deinem Verständnis, gibt es scheinbar noch nicht einmal die olle unsichtbare Hand von Adam Smith.
3. G-W-G = Walter Benjamin? Grins. Versuche es mal mit Marx!
Ohne dich anmachen zu wollen, aber hier empfehle ich einfach mal Marx lesen. Man muss nicht mit ihm übereinstimmen oder ihn gar nachbeten – aber zumindest zeigt er, dass man auf Dinge noch eine andere Sichtweise haben kann als die vorherrschende.
Lustisch…
Es ist also keine Krise wenn die Menschen auf die Straße gehen… Dat haben wir immer zyklisch? Aso…
Mümmel muss es so richtig runter gehen wenn ein Dreckwerfer wie Heinze seine Thesen stützt. Ein Möchtegernlinker und ein Schmutzfink in Union
@ Aries
du missverstehst. Nichts ist ewig, nicht einmal der Kapitalismus.
Genau darum geht es eben, die Geschichte des Kapitalismus ist eben auch eine Geschichte der Krisen. In keiner Gesellschaft, nicht einmal im Sozialismus, gibt es so etwas wie “Stabilität”. Engels hat es in seinem Anti-Dühring mit dem Bezug zu Heraklit (“Alles fließt”) betont.
Die aktuelle Kapitalismuskritik führender Repräsentanten der Linkspartei in Bezug auf die Occupy-Bewegung verkürzt zu nennen, ist noch sehr schmeichelhaft. Es gibt keine abstrakte Wahrheit – Wahrheit ist immer konkret, wie Lenin bereits das Dialektikverständnis Rosa Luxemburgs kritisierte.
Und wie weiter oben schon diskutiert wurde, ist die so genannte Kapitalismuskritik der Straße, der Empörten und mittlerweile sogar des Establishment wohlfeiler Populismus, der auf Besitzstandswahrung statt Überwindung reflektiert.
Fragen wir uns doch einfach, was würde passieren wenn die Forderungen der Demonstranten in praxi umgesetzt würden. Etwas mehr Umverteilung, verstaatlichte Banken und mehr Windräder. Würde das auch nur ansatzweise eine Änderung an Arbeitswert und Mehrwert, qua Wertschöpfung herbeiführen? Etwas an den Eigentumsverhältnissen der Produktionsmittel ändern? Die Tatsache ändern, dass Arbeitskraft verkauft werden muss?
Heinze
An Ihnen scheit aber auch völlig vorbei zu gehen, dass es über kurz oder noch kürzer zu einer Währungsreform kommen wird (bestenfalls)….kommen muss. Haben Sie sich schon mal gefragt wie die “Ihrer Meinung nach auf Besitzstandswahrung” bedachten “Bürger” auf eine radikale Abwertung ihrer Polster reagieren wird?
Nö wa… Sie Meditieren ja lieber
@ Aries
Nachtrag zu W.Benjamin:
“Nach Benjamin bleibt selbst noch der Sozialismus – ein bloß scheinbarer Gegner des Kapitalismus – dem Bannkreis des verschuldenden Kapitalismus verhaftet. Er scheint all seine Hoffnung auf jene “Empörung” zu setzen, die der globalen Zerstörung – dem Ziel der Verschuldungslogik des Kapitalismus – folgen soll (Marx 790). Nach Benjamin wird der “nicht umkehrende Kapitalismus … Sozialismus” (Benjamin VI, 101f). Der Sozialismus setzt nicht auf eine individuelle Umkehr der Menschen, sondern hofft auf einen universalen Sündenbockmechanismus, wenn das weltweite Elend der Massen erst so groß geworden sein wird, daß es schließlich zur “Expropriation weniger Usurpatoren durch die Volksmasse” (Marx 791) kommt. Die heidnische Logik des Blutopfers soll dann auf globaler Ebene noch einmal und dann für immer ein irdisches Paradies schaffen.”
http://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/texte/283.html#ch2
Genau das können wir aktuell beobachten.
@Frank Heinze
Mein Gott Heinze (16. Oktober 2011 um 10:43),
‘viele Ältere haben “Mittel, um sich Trillerpfeifen zu kaufen [...]“‘
Diese Gesellschaft gerät generationengerechtigkeitsmäßig wirklich aus den Fugen… Früher stand man für eine Trillerpfeife noch einen Monat am Band, jetzt leben diese Luxusrentner in Saus und Braus und sind trotzdem unzufrieden! Münte, wo bist Du?
PS. Weil eine Demo auch Deppen in kleiner Zahl, aber stets auffällig anzieht, sind die grundlegenden Forderungen an eine Politik, die ihre Kompetenzen an den Nagel hängt, nicht einfach unberechtigt. Schon mal gehört: Genesis und Geltung?
Wenn’s aber nur um die profilneurotische Produktion von Spaltungen geht: “Ich gut, Du schlecht”, dann muß man natürlich erst einmal über jede Initiative herziehen, nicht wahr?
Bronstein hat nen kreativen Job angenommen und hat nicht mehr soviel Zeit hier zu posten, er wird außerdem demnächst seeliggesprochen, – mindestens.
Ansonsten: Wir streiten zuviel. In Athen verprügeln sich sogar Kommunisten und Anarchisten gegenseitig, statt die Regierung zu stürzen. Schlimm das.
Aber wie geht es nun weiter mit dem Widerstand. Nur weil 99 % zu Haus bleiben, bedeutet das nicht, das die soziale Lage in Deutschland NICHT kippt.
Was tun?