Den größten Applaus
„Wenn man das realpolitisch/reformistisch diskutieren will, muss man leider sagen: Der unsympathische, selbstgerechte Herr Lafontaine und diese staubige humorlose Partei Die Linke benennen seit Jahren die Gefahren und machen unentwegt Vorschläge, wie sich das Bankensystem einigermaßen domestizieren ließe. Und plötzlich bekommen ihre Vertreter in Talkshows den größten Publikumsapplaus und zustimmendes, betroffenes Nicken der Fachleute, während sie noch vor ein paar Monaten dem allgemeinen Gespött preisgegeben waren.“
Der Musiker und Produzent Ted Gaier von den Goldenen Zitronen auf die Frage, ob er „Alternativen zu unserem Finanzsystem“ sieht. (vk, Foto: aus dem Cover von “Die Entstehung der Nacht”)
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Eine ganz ähnliche Beobachtung wie bei Ted Geier in der SPON-Besprechung der Jauch-Runde (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,794898,00.html) hinsichtlich Sahra Wagenknecht:
“Mit ihrer Suada, das gegenwärtige System erlaube es, die Verluste der ‘Zockereien’ der Gesellschaft aufzuhalsen, während die Gewinne in private Taschen flössen, stand die rote Sahra vor kurzem noch im linkssozialistischen Abseits. Im Jahr drei nach der Lehman-Pleite ist das verbale Finanzmarkt-Bashing längst politischer Mainstream.”
Allerdings waren ihre Einwürfe in der Runde – wie auch die von Trittin und Brüderle – mäßig originell, spannend oder überzeugend. SPON: “[...] muss sie beständig die Oktanzahl ihres Vokabulars erhöhen, um sich von der Konkurrenz der Finanzmarktwarner absetzen zu können. Am späten Sonntagabend bei Günther Jauch gab sie unter anderem Begriffe wie ‘Lügenzahlen’ und ‘Terror der Finanzmärkte’ zum Besten und sprach von dem ‘perversen Modell’, in dem die Verluste der ‘Zockereien’ der Gesellschaft… naja, den Rest kennen Sie ja.”
Da hatte Hilmar Kopper m.E. schon Substanzielleres zu bieten, weshalb ihm von Jauch und den anderen wohl auch so viel Sprechzeit eingeräumt wurde. Man muss ihm ja nicht abkaufen, dass die Banken selbst gar nix für den ganzen Schlammassel können. Aber er machte überzeugend darauf aufmerksam, dass die Regeln nun mal von der Politik gemacht werden (oder nicht), die Banken und die Banker also gerade nur einen bequemen Buhmann abgeben. Und der später als Gegenpart eingeführte “Aussteiger” aus der Bankenwelt unterstrich nur, dass es sich um komplexe Probleme handelt, die nach komplexen Lösungen verlangen – und nicht nach einfachen Parolen à la “Verstaatlichen!”
Selbst “Welt Online”" sah gestern Sahra Wagenknecht als Talk-Show-Gesicht 2011 im Artikel “Bei Jauch wirbt Sahra Wagenknecht fürs Girokonto”:
“Eben noch bei „Menschen bei Maischberger“ gesessen. Danach bei „Maybrit Illner“ Platz genommen. Aufgestanden, wieder hingesetzt – diesmal Sonntagabend bei „Günther Jauch“. So läuft das gerade bei Sahra Wagenknecht. Die Parteivize der Linkspartei, ist das Talkshow-Gesicht 2011. Warum? Weil sie in jeder Sendung mit schneidend-scharfer Rhetorik das „perverse Wahnsinnssystem“ der Finanzwelt attackiert. Weil sie die Frauenquote bei Finanzdiskussionen erhöht. Und weil sie in ihren roten Kostümen einfach sehr gut aussieht.”
Kanzlerkandidatin!
Tja, handelte es sich nicht um Sahra W. sondern um eine “Zentristin” hätte hier garantiert schon längst jemand ein “Das muss doch zu denken geben” (Softvariante) in die Runde geschmissen.
Für Kopper eine Ehrenmitgliedschaft in der PDL!! Lachhaft – wie der vom wesentlichen alenkte, nämlich davon w e l c h e Regeln aufgrund w e l c h e r Machtverhältnisse für die Banken gelten war schon dumm-dreist. Der ewige KOnfirmand Jauch war mit dieser Situation heillos überfordert. Und SPON – naja.
@ js: Eine “Zentristin” hätte eben nicht diese analytische Ausgangsbasis, da sich da ja die Sozialdemokratie nicht mehr integrieren ließe, deshalb stellt sich das von Ihnen genannte Problem gar nicht.
Sahras Verdienst ist weniger die Erhöhung der Frauenquote oder der bedienung der verklemmten Männerphantasien der SPON-Redakteure, sondern die Erhöhung des IQ, der Verantwortungsbereitschaft und der Sachkenntnis.
Das Sahra Wagenknecht weit über die Linke hinaus Zuspruch in grossen Bevölkerungsteilen bekommt, lässt sich auch daran ablesen, das sie bei der aktuellen Online-Befragung auf der MSN-Webseite sogar im “MSN-Barometer” mit Abstand die Nr.1 der “Starken Frauen” (z. Zt. 72% von 3.531 Stimmen) und die Nr.1 der schönsten deutschen Politikerinnen” (z. Zt. 71% von 3.290 Stimmen) ist, übrigens gefolgt auf Platz 2 mit der Linken Sevim Dagdelen (z. Zt. ebenfalls 71% bei 1.335 Stimmen).
Ihr engagiertes und überzeugendes Auftreten gegenüber den Medien
macht sie und ihre Standpunkte, ihre Analysen und detailreichen Argumente, das Darstellen alternativer Wege zu den aktuellen Problemen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie zu sozialen Fragen zunehmend in der Öffentlichkeit bekannt.
Festzustellen ist, das sie von allen Gesprächsteilnehmern in den Talkshows am Souveränsten und Überzeugendsten aufgetreten ist.
Ich finde auch, dass Sahra Wagenknecht herausragende Arbeit leistet. Vor allem zahlt sich jetzt aus, dass sie ihre Positionen nicht aus einer kurzfristig – taktischen Perspektive, sondern aus einer langfristig – strategischen Perspektive heraus entwickelt.
Jetzt müssen wir es nur noch schaffen, dass ihr nicht von einzelnen Fraktionsmitgliedern ständig Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Ich halte den sogenannten “Kompromiss” vom letzten Dienstag nach wie vor nicht zukunftsfähig. Spätestens vor der Bundestagswahl werden wir Klarheit bezüglich des Fraktionsvorsitzes schaffen müssen. Schließlich wollen die Wähler dann wissen, wer die Bundestagsfraktion nach dem Ruhestand von Gregor Gysi führen wird. Wenn Die Linke in dieser Frage dann noch immer ein zerstrittenes Bild abgibt, dann werden wir große Schwierigkeiten bekommen.
Laut t-online soll in Griechenland ein referendum Annahme der geplanten EU-Maßnahemn kommen – interessante Entwicklung
@ Joachim Voigt
ein fetter Schlag gegen die Krisengewinnler. Alle regen sich jetzt auf.
Hut ab vor Papandreou, Politik braucht Legitimation und ist nicht auf der Spitze der Polizeibayonette legitimiert.
“Der Volksabstimmung in Griechenland sollten Abstimmungen in allen Euro- Ländern folgen. Europa ist nicht die Sache einer Politkaste, die durch das permanente setzen falscher Anreize und eine hemmungslose Schuldenpolitik die gegenwärtige Misere verursacht hat, sondern eine Sache der Völker, die selbst bestimmen müssen, in welchem Europa sie leben wollen. ” schreibt Vera Lengsfeld
http://networkedblogs.com/pibXh
oder, wie Titanic meldet:
“Mit der Ankündigung, die griechische Bevölkerung über den Euro-Rettungsplan abstimmen zu lassen, hat der griechische Premier Papandreou europaweit Entsetzen ausgelöst. “Wir haben größte Anstrengungen unternommen, um den Euro, Europa und letztlich die westliche Demokratie zu retten”, äußerte sich heute Angela Merkel, “da kann der Papageno doch nicht einfach alles kaputtmachen, indem er sein Volk an den Entscheidungen beteiligt. Dieser Griechenlümmel denkt wohl, er hat die Demokratie erfunden!”
Vera Lengsfeld … “hemmungslose Schuldenpolitik “… Quark!
Wie immer von der Dame.
@Tina: Was ist denn das ““MSN-Barometer” (Microsoft?), welche Relevanz hat das? Bei den “starken deutschen Frauen” folgen auf SW gerade Simone Thomalla und anderen, äh, komptenten Schauspielerinnen.
Und vor allem: Ist das mit der Kategorie “schönste deutsche Politikerin” ein ernst gemeintes Argument für die Kompetenz oder so von S. Wagenknecht oder S. Dagdelen?
@ Joachim: Wer will denn Kopper die PdL-Ehrenmitgliedschaft antragen? Aber Sie müssen doch zugeben, dass er bei Jauch anteilsmäßig dominiert hat. Und lag das ihrer Meinung nach nur am “Konfirmanden” Jauch oder vielelicht daran, dass die drei Politiker_innen inhatlich nicht viel beizutragen hatten?
@ sfr: von einer inhaltlichen Domiinanz habe ich nichts verspürt. Die Banken als an sich interresselose, reine Dienstleister für Kunden zu beschreiben, fand ich weder inhaltsgerecht, noch sonstwie beeindruckend (also die Deutsche Bank selbst hat natürlich keinerlei interesse an Spekulationsgeschäften; there are no foreign soldiers in iraque
). Ein sachkundiger Moderator hätte da eingehakt. Nun wird den übrigen Diskussionsteilnehmern von Ihnen ein Strick daraus gedreht, dass sie sich dem Moderator untergeordnet haben, das finde ich nun nicht wirklich sachdienlich. “Für den eiligen Leser” Jauch hätte ja die Kenntnis des Interviews von Lafontaine zur Macht, zur Geschätspolitik der Deutschen Bank und deren Interessen genügt. Aber ich nehme zur Kenntnis: die arrogante, selbstgerechte Art des Herrn Kopper, dem “niederen Volk” vermeintlich das 1 mal 1 des Bankgewerbes zu “erläutern”, und dabei von einem völlig ahnungslosen Moderator ungehindert d’rauflosschwadronnieren zu können, was das Zeug hält, hat Sie beeindruckt. dazu gehörte auch, dass der Insider viel zu spät in die Diskussion integriert wurde, als dass er sich – ebenfalls dem Moderator sich unterordnend, hätte wirklich mit seiner Kompetenz einbringen könnte. Ich weiß nicht, was Ihr Arzt/Steuerberater empfiehlt (ironische Anspielung auf die Togal-Werbung, Scherzkarte”!), ich empfehle: Altvater: Der große Crash,; Huffschmidt: Zur politischen Ökonomie der Finanzmärkte oder – wesentlich kürzer – die Beitrage von Lucas Zeise oder Thomas Konicz in der FTD, junge welt, auf scharf-links. Wenn Sie konkrete Fragen haben, antworte ich auch gerne selbst, hic et nunc.
Speziell für sfr will ich noch erwähnen, was die Welt über den Auftritt von Hilmar Kopper bei “Günter Jauch” schreibt:
“So blieb es dem Pensionär der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, belassen, mit herablassender Kühle und ohne jegliche Sensibilität alle Fehler der Politik anzulasten, was natürlich nicht in Ordnung ist. Er sprach wie zu seinesgleichen, nicht aber zu einem auf Nachdenklichkeit und wohl auch Reue setzenden Publikum, dem das Bankenwesen leider immer suspekter wird, so als könne man es abschaffen, wie die Wagenknechts dieser Welt träumen.”
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13690067/Stereotyp-einfaeltiger-Sonntagabend-Talk.html
Mir kam Hilmar “Peanuts” Kopper eher wie die sattsam bekannten Wir-haben-doch-nur-unsere-Pflicht-getan-Buchhalter von 1946 vor.
das interesante – neben dem schaulaufen für parteivorsitz oder ähnliche ämter – ist der quatsch den sie über die krise erzählt. aber da ist sie ja auf linie mit der partei.
Die Offensive von Papandreou demaskierte die wahren Absichten der Banken und der gekauten Politik. Wie Sahra im Interview bereits erwähnte sind sie bei einem 50% Schuldenschnitt mal wieder Krisengewinner, da der Marktwert darunter liegt. Dieses schwer abgerungene Geschenk an die Griechen wurde jetzt von ihnen auch als Kröte erkannt. Schließlich sind die Helenen seit dem Trojanischem Pferd sehr mißtrauisch Geschenken von Freunden gegenüber. Und sie müssen es ja wissen, denn sie haben es erfunden. Jetzt grantelt Politik und Bankenwesen wieder, dass alle Anstrengungen umsonst waren. Und Demokratie – tja , die war halt so konsequent wie nun von den Griechen gelebt , nicht gemeint. Und Demokratie bleibt nun das meist mißbrauchteste Wort
@sfr: MSN ist das Webportal von Microsoft und bietet kostenlos verschiedenste Informationsdienste (Politik, Wirtschaft, Nachrichten, Finanzen, Sport, Videos etc.) an, wozu auch das MSN-Barometer gehört.
Meinungsumfragen können persönlich, telefonisch, postalisch oder wie hier Online sein.
Online Befragungen sind sind einfach, schnell und aktuell auswertbar und kostengünstig; sie dienen der Ermittlung von Meinungen, das heißt von Einsichten, Einstellungen, Stimmungen oder Wünschen der Bevölkerung.
Es wird sichergestellt, dass die Befragten an der Umfrage nicht mehrfach teilnehmen können. Mögliche Selbstselektion der Befragten: nur diejenigen Internetnutzer antworten, die dafür eine spezielle Motivation haben (Quelle:Wikipedia).
Die demoskopischen Umfragen bei MSN im Umfeld von “TOP & FLOP” bei Politikern der Opposition (hier ist Gregor Gysi die Nr.1), Ministerpräsidenten, Starke deutsche Frauen, Bundesregierung, Schönste deutsche Politikerinnen, Staats- und Regierungschefs, aber auch unpolitischen Themen, zeigen bei einer breiten Streuung der Probanden zwar ein grosses, aber nicht exakt wissenschaftlich (unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Wohnort u. a.) zusammengestelltes Teilnehmerfeld, was jedoch zumindest bei Umfragen von Online-Medien (Tagesspiegel, taz u.ä.) auch objektiv nicht angestrebt werden kann.
Sie geben jedoch, wie oben dargelegt, ein aktuelles Stimmungs- und Meinungsbild in der Bevölkerung wieder, zumal in der Demoskopie allgemein davon ausgegangen werden kann, das bei über 1.000 Probanden sich das Umfrageergebnis kaum noch ändert.
Das Meinungsbild der Befragten lässt sich i. d. S. so auch einordnen.
Unter “starken Frauen” sind hier vor allem Persönlichkeiten gemeint, die sich positiv durch Charisma, Ausstrahlung, Souveränität, Meinungsstärke, Überzeugungskraft, aktives Engagement, Mut, Standhaftigkeit, Selbstbewusstsein, Selbständigkeit, Vorbildwirkung, Intellekt, Bildung… auszeichnen. Sie treten für ihre Sache ein und lassen sich nicht einschüchtern.
Als schönste deutsche Politikerin gewählt zu werden, ist dabei sicherlich nicht hinderlich.
@ Aries: KLären Sie uns doch bitte auf, was in ihren Analysen Quatsch ist.
@jv:
wie oft soll ich mich noch wiederholen? einfach blog kommentare von mir lesen…
@ Aries: Ah, sie haben sich selbst schon kanonisiert. Empfehlen Sie mir doch bitte ein paar, ich lerne ja gerne dazu.
Aries
Da kam bisher noch NICHTS substanzielles… das ist ja IHR Problem…
Danke für die Antworten.
@ Joachim: Was denn, kein Marx in ihrer Apotheke? – Ansonsten stimmt es schon, Kopper hat sich nicht sonderlich darum bemüht, dem Publikum Honig ums Maul zu schmieren. Empfinde ich aber als durchaus angenehm.
@ Bianca: Noch haben die Griechen ja nicht abgestimmt, also abwarten – vielelicht kommt Papandreu ja mit seinem Schachzug durch. Ob es den Griechen andernfalls so viel besser ergehen wird, who knows? Griechische Dramen haben ja meist mehrere Ebenen. Und welche “wahren Absichten” werden denn nun demaskiert? Dass die betroffenen Banken möglichst keine allzugroßen Verluste machen möchten? Dass die Politik (v.a. in Frankreich) kein Interesse daran hat, dass die eigenen Banken Krachen gehen? Ich muss sagen, dass mich das nicht sonderlich überrascht.
@ “Linksman”: Schöner Nazi-Vergleich, haben Sie davon noch mehr?
@ sfr: och, als gelernter Lehrer muss ich meine Leser so halbwegs anholen, wo sie stehen. Ich kann das bei Bedarf aber gerne nachholen, und verssetze Sie dann in einen Leistungskurs