Praktisch wäre es
Von Anfang an ist der Vertretungsanspruch, den „die Linke“ mit ihrem Namen geltend macht, von unabhängigen Linken zurückgewiesen worden. Das geschah nicht in erster Linie aus Ablehnung der Organisation als solcher (die es natürlich auch gab), sondern vor allem in der skeptischen Voraussicht darauf, dass „die Linke“ in der gewählten Parteiform gefangen bleiben würde, ihre Konfliktlogik der Weiterentwicklung linken Denkens eher entgegensteht als es befördert und die ohnehin problematische Bündelung von medialer Aufmerksamkeit auf die Ebene Partei/Parlament fast alles andere, was an Denkarbeit geleistet wird, im Schatten stehen lässt. Zum Beispiel die neunte Ausgabe der Villa Rossa im italienischen Volterra, die Ende August stattfand – unter dem Titel: „Praktisch wäre es, wenn die Linke mehr über die Zukunft wissen würde.“ Tut sie das denn nicht? Liegt nicht gerade in ihrem stets vorgetragenen Versprechen einer künftigen, besseren Welt eine Zuversicht, die sich darauf gründet, die Tendenz der (falschen) Entwicklung bereits zu kennen, die Probleme, Krisen und sozialen Katastrophen, die es zu verhindern gilt, schon zu wissen, die Gestaltbarkeit von Zukunft gegen die Behauptung des „There is no Alternative“ zu verteidigen? Eben. Die Villa-Rossa-Tagung hat sich deshalb unter anderem Fragen gewidmet, die sich um die politischen und theoretischen Voraussetzungen des Fassens von Zukünften sowie die ökonomischen Bedingungen der Produktion von Prognosen drehen. Eine Reihe von Texten und Thesen – etwa zu Technikoptimismus, Marx und die Apparate der Zukunftsbemächtigung – finden sich hier. (tos)
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