Montagsdemos
Nach dem Protest ist vor dem Protest: Während die Zeitungen noch die globalen Aktionen vom vergangenen Samstag ausdeuten, wird mancherorts weiter gezeltet und sind bereits die nächsten Demonstrationen angekündigt. Klaus Ernst hat empfohlen, die Bewegung nach dem Vorbild der Montagsdemonstrationen zu verstetigen. Er könne sich vorstellen, dass nun „überall Initiativen entstehen“ und Menschen „jeden Montag vor der örtlichen Filiale der Deutschen Bank oder der Commerzbank dafür demonstrieren, dass die Banken an die Kette gelegt werden“, sagt der Linken-Chef im Tagesspiegel. Auch der frühere Parteivorsitzende Oskar Lafontaine hofft, „dass die Proteste zunehmen“. In der Passauer Neuen Presse sagte der Saarländer, es gebe „keine wirkliche Rettung, wenn wir nicht radikal umsteuern“. So müsste etwa das Bankensystem „durchgreifend öffentlich-rechtlich organisiert werden. Wir brauchen Sparkassen statt Zockerbuden“. Der Linkenvorstand hatte am Wochenende eine Resolution zu den Occupy-Protesten verabschiedet und angekündigt, „entsprechende Proteste wo immer möglich weiter unterstützen“. Mitunter liest es sich, als zögen SPD und Linke in dieser Frage sogar am selben Strang. (vk, Foto: Milenskaya CC BY-ND 3.0)
Also ich würde es nicht ausschließen, dass sich doch noch mal eine kräftige Bewegung daraus wird entwickeln können.
Wolfgang Kraushaar im Deutschlandfunk
Drucken
Eine wirklich sinnvolle und nachhaltige Form des Protestes wäre es, wenn alle Protestler (und solche die es werden wollen) ihre Lohn/Gehalts/Renten/Transferleistungskonten hin zur lokalen Sparkasse verlagern würden. Festgeldkonten nicht nach Rendite auswählen, sondern ebenfalls umziehen.
Und und und….
spd… der bock wird zum gärtner? ist genau so unerträglich wie ausgerechnet steinbrück (der krisenmacher) als krisenmanager!
Wen Du nicht besiegen kannst, den umarme. Sogar Merkel macht mit. Widerlich.
Ich denke, dass die Proteste eine riesige Chance für Die Linke sind. Die Linke ist die einzige Partei, die schon immer für eine Regulierung der Finanzmärkte und einen öffentlich – rechtlichen Bankensektor eingetreten ist, wir haben mit Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht zwei prominente Persönlichkeiten, die für finanzpolitische Kompetenz stehen. Jett kommt es darauf an, dieses Profil in der öffentlichen Wahrnehmung zu stärken.
Dabei wird man deutlich machen müssen, dass die Hauptverantwortung für die Misere bei SPD und Grünen liegt, da während der rot-grünen Regierungszeit die Finanzmärkte massiv dereguliert wurden. Cem Özdemir hat noch am 3.11.2010 während einer Veranstaltung in der Berliner Repräsentanz der Deutschen Bank einen regelrechten Kniefall vor den Bankenvertretern vollzogen:
http://www.fh-heidelberg.de/fileadmin/srh/heidelberg/pdfs/pdf_news/Programm_Wie_m%C3%BCndig_sind_wir_deutschen__JSM_Institut_.pdf
Diese Aufgabe wird nicht leicht, weil die Medien noch immer von neoliberalen Kräften dominiert werden, die Die Linke ausgrenzen wollen. Dennoch könnte eine Verschärfung der Krise zu einer Situation führen, bei der man um Die Linke nicht mehr herumkommt. Die Voraussetzung, ist natürlich, dass wir künftig keine Eigentore mehr schiessen und den politischen Gegner statt unsere eigenen Spitzenpolitiker bekämpfen.
@ Sebald,
ich glaube, dass die Proteste eine riesige Chance für Die Linke sind, den Schulterschluss zu völkischen Zinskritikern, Infokriegern und funktionsbekleideten Studienräten zu üben.
“Die Märsche der „Demokraten“.
http://reflexion.blogsport.de/2011/10/17/die-maersche-der-demokraten/
Ich finde den Bericht von Reflexionen auch erschreckend.
Ich war für einige Zeit Mitglied in der deutschen “Empört Euch!” Facebookgruppe. Die Gruppe war voller offener Nazis und Verschwörungstheoretiker und als ich das angemahnt hatte, wurde ich und nicht eben die rechten ermahnt mich doch zu mäßigen.
Ich finde es richtig das DIE LINKE sich mit der “Occupy-Bewegung” solidarisch erklärt hat, wir sollten trotzdem versuchen den Leuten dort zu erklären das die Juden nicht hinter dem Kapitalismus stecken und das man ein System nicht damit ändert das man 1% der Weltbevölkerung aufhängt.
Und wenn es der Fall sein sollte das die rechten “Truther” u.a. dort die Führung übernehmen (ihr Sprecher ist leider einer) dann muss DIE LINKE auch so mutig sein Kritik zu üben, wie sie das auch jetzt tun sollte wenn unsere Aktiven an den Kundgebungen teilnehmen.
Sich an jede “Bewegung” ohne wenn und aber dranzuhängen, dafür eklige Bündnispartner_innen zu akzeptieren und zu hoffen das man davon selber profitiert mag die Taktik von Marx21 sein. DIE LINKE sollte aber lernen das man so am Ende nur eines verliert: Die eigene Glaubwürdigkeit.
@Dominik
Es gibt viele Genossen die sehen den rechten Diskurs bei dieser Bewegung und eben auch bei den Piraten. Einigen passt das aber nicht in ihre “Strategie”. Wobei ich sagen muß das solche Worte wie “Finanzmafia” auch nicht gerade aufklärerisch wirken und in diese Verschwörungsrichtung weisen. Da sollte man doch die marxistischen Begriffe verwenden wie Finanzoligarchie oder Finanzkapital…..
Dominik Lehmann
Wenn ich mich an Ihr Schaum vorm Mund bei der antisemitismusdebatte hier und in der PDL richtig erinnere – kann ich mir gar nicht sicher sein dass Ihre oben geäußerten Aussagen überhaupt stimmen. Wo Sie und ein paar andere immer Antisemitismus vermuten – war zumindest in der Vergangenheit kein antisemitismus enthalten.
Ein Teil des Kommentars wurde von der Moderation gelöscht.
Gysi hat meinen Vorschlag von gestern nun auch aufgegriffen:
“Düsseldorf / Berlin (rdp/ots) – Gregor Gysi, Fraktionschef der Linken im Bundestag, rät den Bürgern angesichts der Bankenkrise, ihr Geld nicht länger den Großbanken zu überlassen. “Man kann, ja man sollte sein Geld gerade heute von Sparkassen und Genossenschaftsbanken verwalten lassen”, sagte Gysi der “Rheinischen Post” (Mittwochausgabe). Niemand sei gezwungen, so Gysi, “den Großbanken mit seinem Geld auf deren Konten eine Grundlage für das Finanz-Roulette zu liefern”. So könnten die Bürger deutlich machen, dass sie “keine Zockerbanken, sondern vernünftige Kreditinstitute” wollen, sagte Gysi der Zeitung. “Das wäre dann der Beginn eines Trennbankensystems von unten.”
http://www.p-ffd.de/forum/t.11279900-empty.html#11279900
Eine empfehlenswerte Analyse ist hier zu finden:
Replik auf Schlechts Text “Es brodelt – wann kocht es?” von Mümmle Treitinger
“Der Text von Michael Schlecht „Es brodelt – wann kocht es?“ ist ein Symptom für eine Abkehr von marxistischen, sozialistischen, humanistischen und fortschrittlichen Positionen in der LINKEN.
Ich schreibe hier eine Replik um vor diesen Entwicklungen zu warnen, aber auch um sie anhand des Textes zu erläutern, zu belegen, zu kennzeichnen.”
https://www.facebook.com/notes/mümmel-treitinger/replik-auf-schlechts-text-esbrodelt-wann-kocht-es/264468736924120
@Frank
So kann man das nicht lesen.
Deswegen setze ich beide Texte (meinen und Schlechts – mal hier rein):
Wen wollt ihr kochen?
Eine Replik auf den Beitrag von Michael Schlecht
Der Text von Michael Schlecht „Es brodelt – wann kocht es?“ ist ein Symptom für eine Abkehr von marxistischen, sozialistischen, humanistischen und fortschrittlichen Positionen in der LINKEN.
Ich schreibe hier eine Replik um vor diesen Entwicklungen zu warnen, aber auch um sie anhand des Textes zu erläutern, zu belegen, zu kennzeichnen.
Aber der Reihe nach. Sehen wir uns die Einleitung von Schlechts schlechten Text an. Da wird von Zockern, Bankstern, Handlangern, Konsorten und Finanzhaien geschrieben. Alles Begriffe, die Menschen abwerten, ihre Menschlichkeit verschleiern, sie letztlich als Zielscheiben legitimieren sollen.
Ist ein Zocker eigentlich nicht einfach eine Person die unter Spielsucht leidet? Ist ein Bankster nicht einfach nur der angestellte einer Bank, ein Proletarier im edleren Gewand? Sind Handlanger nicht einfach nur abhängig Beschäftigte dritter? Und in welchen Gewässern schwimmen eigentlich Finanzhaie?
Schlecht betreibt Propaganda, indem er Feindbilder schafft. Er klärt nicht über die strukturellen Ursachen der Ausbeutung auf, er verschweigt die Austauschbarkeit des dienenden Personals. Er konstruiert stattdessen eine Verschwörung. Unbestritten gibt es solche zwischen Bankiers – aber es sind viele und sie sind gegen andere Bankiers gerichtet. Der größte Gegner einer Bank ist immer noch eine andere Bank, denn sie sind Konkurrenten um denselben Markt. Verschwörungen finden innerhalb eines Milieus zur lokalen Dominanz statt, sie finden nicht gegenüber der Umgebung statt, da letztere ja den Operationsrahmen („Markt“), also die Belohnung bildet.
Was sollen wir denn laut Schlecht mit den Zockern, Bankstern, Handlangern, Konsorten und Finanzhaien machen? Alle umbringen wie dereinst die Kulaken in Russland? Zur Umerziehung auf die Reisfelder schicken (und dann zu Tode kommen lassen) wie dereinst die Khmer Rouge? Knieschüsse verteilen wie die kleinbürgerlichen Stadtguerilleros der 70’er Jahre? Und was sagen wir dann deren Angehörigen, ihren Kindern, ihren Lieben? Wer kann denen ins Gesicht sagen „Diese Barbarei war notwendig für den Fortschritt?“
Sehen wir uns dann den nächsten Absatz in Schlechts kleinem Sportpalastbeitrag an. Er beschwört die Zeit – „Es wurde Zeit“ – auch die Wut, den Zorn. Er beschwört aber keinen Mut, keine Einsicht, keine Weitsicht, keine Menschlichkeit. Er appelliert an die aggressiven, die destruktiven Emotionen.
Auch spricht er anonym von den „Mächtigen“ – gleich ob eine kleine Gruppe den Lauf der Welt bestimmen würde. Als ob es irgendwo einen Gentlemen Club gäbe, in dem böse alte Männer Martinis schlürfen und nach der Lektüre der Times mit zwei Halbsätzen den Untergang ganzer Zivilisationen bestimmen könnten. Aber selbst diese illustren Kreise sind gehorsam gegenüber den „Ackermännern“. Was diese Ackermänner sind wird nicht weiter erklärt – zunächst klingt der Begriff ja wie ein Synonym für „Bauern“. Aber es sind ja keine Bauern gemeint, sondern Wesen wie eine Person Namens Ackermann. Diese scheinen Dämonen zu sein. Anders ließe sich ja nicht erklären, warum sogar „die Mächtigen“ Gesetze von den „Ackermännern“ vorsetzten lassen. Das ganze klingt eigentlich wie schlechte Fantasy-Romane und –verfilmungen. In einer Welt voller Zocker und Bankster, in den Gewässern die Finanzhaie schwimmend, herrschen „die Mächtigen“, doch auch letztere sind den „Ackermännern“ untertan. Fehlt nur noch die Aufforderung, dass ein Hobbit einen Ring in den Vesuv werfen soll und alles ist dann wieder gut.
Da ist Schlecht dann nicht konsequent genug. Er will keine Wanderung nach Mordor, sondern nur dass Wut und Zorn sich auf der Straße offen zeigen. Die Bankster sollen also mal den Volkszorn zu spüren bekommen. Und übersieht wer das sonst mal erfolgreich so inszeniert wissen wollte. Göbbels schrieb am 10. November 1938, am Tag der Reichsporgromnacht „ Die Juden sollen mal den Volkszorn zu spüren bekommen“ (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9281573.html ).
Eine Politik der Sündenböcke ist aber dem Marxismus, der doch nur Verhältnisse kennt, fremd; dem Sozialismus, der edlen Lehre von der Gleichwürdigkeit, unbekannt; ist dem Humanismus, denen der einzelne Mensch als höchste gilt ein Feind; ist der Fortschrittlichkeit ihr Gegenteil, ist Barbarei.
Nun zum dritten Teil der Schlechtschen Predigt. Er warnt vor dem Zusammenbruch und den Gefahren der Staaten, insbesondere Deutschlands. Als ob die nicht jahrelang an ihren Banken verdient hätten. Gleichob als wären Nationalstaaten holde Maiden, die auf offener Straße vergewaltigt werden. Er verschweigt, dass die Staaten über Armeen verfügen, die Banken nicht und jederzeit eine Bank durch einen Staat vernichtet werden kann. Der bürgerliche Staat und bürgerliche Ökonomie waren aber doch immer Komplizen, Freunde, Geschwister. Sie sind die entwickelten Säulen der bestehenden Produktionsverhältnisse. Sie lassen sich nicht trennen, wie die zwei Gesichter des doppelköpfigen Janus. Ebenso ist die Trennung in Realwirtschaft und Finanzwirtschaft eine künstliche, unwirkliche, falsche. Was macht es für einen Unterschied, ob die Menschen in der Realwirtschaft, durch das vermeintlich „schaffenden Kapital“, oder in der Finanzwirtschaft, durch das angeblich „raffende Kapital“ entwürdigt werden? Doch nur den, dass man weniger Menschen statt aller dafür verantwortlich machen kann. Dass man also Sündenböcke zum Abschuss freigeben darf.
Schlechts Text wandelt sich dann in eine Kriegsberichterstattung, die schildert wie eine edle Festung von Nationalstaat nach der anderen belagert und eingenommen wird. Irland, Griechenland, Portugal, Italien, Belgien, Frankreich – alles fällt oder droht zu fallen, gleichsam als würden die Panzerverbände der Wehrmacht vor der Tür stehen. Dieser Wahn hat Methode, soll er doch einfach nur Angst erzeugen, Gefolgschaft erzwingen, den Burgfrieden schaffen und alle gemeinsam einer Linie folgen lassen. „Wir kennen keine Parteien mehr, wir kennen nur noch Staaten! Vergesst den Hauptfeind im eigenen Land, die allgegenwärtige reale Entwürdigung in Produktion und Freizeit, und schließt die Reihen! Die Bankster und Orks kommen im Auftrag der Ackermänner und wollen uns schänden!“ Damit kann dann so ziemlich alles legitimiert werden.
In seinem drittletzten Teil widmet sich Schlecht der idyllischen Heimat, den wohlgeordneten Verhältnissen im Auenland, äh Baden-Württemberg. Die sind bedroht, da Italien fällt, wohl wie es schon mal 1943 gefallen ist. Die heimelige Exportwirtschafts Ba-Wüs ist in Gefahr, also die niedlichen kleinen Rüstungsschmieden, die eleganten Präzisionwaffenlieferanten, die putzige und liebe Chemieindustrie und die allseits beglückende Pharmaindustrie. Sie könnten in der Not ihre Arbeitnehmer entlassen. Für Schlecht ein Elend. Für Menschen in Kriegsgebieten wohl eher ein Segen.
Der vorletzte Akt des Stücks von Schlecht ist dann mal so richtig frech, ja eine lustige kleine Komödie. Er weiß ja, dass Spielbanken bereits unter staatlicher Kontrolle sind. Und er weiß auch, dass es deswegen nicht weniger Spielsucht gibt. Nun fordert er das Analogon für Banken. Er will also dass die Spielsucht nicht mehr durch private sondern durch den Staat abgeschöpft wird. Welch ulkiger Clou. Als ob der Staat ein besserer Kapitalist als der Privatmensch wäre (zumal der Staat über das KfW eh bei allen Banken, deren Eigenanteil fast nie mehr als 2% beträgt, der größte Anteilseigner ist). Man möchte Schlecht entgegenrufen: „Der Kapitalismus ist das Problem, nicht der einzelne Kapitalist“. Aber Schlecht verrät ja selbst ganz drollig, dass er ja gar nicht den Kapitalismus abschaffe will, sondern nur die Kapitalisten austauschen will. Er fordert eine 50% Vermögensabgabe ohne sie einerseits durch eine neue quadratisch-lineare Einkommensteuer mit dem (verfassungsmäßig maximal zulässigen) Spitzensteuersatz von 59% zu kombinieren und sie andererseits durch eine Abschaffung der Mehrwertsteuer noch gerechter auszugestalten. Er will Vermögen besteuern, aber eben nicht Einkommen. Angesichts seines Gehaltes nicht wirklich überraschend.
Im letzten Absatz spielt der Gelehrte Schlecht subtil auf die Option des Terrorismus an. Da wird zunächst das Wort Widerstand missbraucht und vergewaltigt. Widerstand richtet sich gegen Repression, Unterdrückung, gegen Herrschaft. Widerstand ist aber nicht Rache, nicht Zerstörungslust.
Eine Anspielung auf wackelnde Türme von Banken im 10. Jahr nach dem 11.Septmber, ist unglaublich mutig, ja schon dreist – und eigentlich nur widerlich. Rosa Luxemburg, einer Frau des Widerstandes, wird hier plötzlich Osama bin Laden, ein Mann des Terrors, zur Seite gestellt. Eine äußerst befremdliche Zwangsehe, die Rosa so sicher nicht wollte.
Zum Schluss schreibt Schlecht als letzten Satz „Wenn die Menschen nicht mehr nur mit stiller Wut, die die eigene Seele vergiftet, nicht mehr nur mit Zorn alles über sich ergehen lassen. Wenn es nicht mehr nur brodelt auf den Straßen, sondern wenn es kocht!“
Man fühlt sich an das Ende der Goebbelschen Sportpalastrede zunächst erinnert „Nun, Volk, steh auf, und Sturm, brich los“.
Doch bei genauerem Hinsehen bemerkt man, es ist das Tischgebet eines Kannibalen. Eines urbanen Kannibalen, der von einem Menü auf den Straßen von Frankfurt träumt. Als Vorspeise gibt es Finanzhaie und Bankster und das Hauptgercht wird ein frischfiletierter Ackermann. Aber wer soll die Nachspeise dann sein? Wer wird gegessen werden wenn der nie endende Hunger der Barbarei den letzten Bankster, die kleinsten übriggebliebenen Finanzhai und den am besten versteckten Ackermann Minimus verschlungen hat? Wen wollt ihr dann Kochen?
( Mein Text ist zur Verwendung und Publizierung für alle Personen freigegeben – aber meine Eitelkeit wünscht sich, dass man mir es mitteilt, damit ich ganz stolz darauf zeigen kann)
Hier der Text von Schlecht
Michael Schlecht, MdB – Chefvolkswirt der Fraktion und Gewerkschaftspolitischer Sprecher im Parteivorstand DIE LINKE – 18. Oktober 2011
Es brodelt – wann kocht es?
In mehr als 1000 Städten weltweit gingen die Menschen am 15. Oktober auf die Straße. Auch in Deutschland, in Frankfurt, der Hochburg der Zocker und Bankster, auch in Berlin wo Merkel und Konsorten sich längst zum Hanglanger der Finanzhaie gemacht haben.
Es wurde Zeit, dass die Wut, der Zorn der Menschen endlich auf der Straße sichtbar wird. Uns wurde nach dem Crash 2008 von den Mächtigen dieser Welt versprochen, dass alles sich ändert! Dass die Banken an die Kette gelegt werden, dass das Casino zumindest Regeln erhält. Was ist geschehen? Nichts! Sie lassen sich von den Ackermännern dieser Welt die Gesetze schreiben!
2008 drohten die Banken nach einer aberwitzigen Zockerei zusammenzubrechen. Die Staaten haben sie damals gerettet. Allein in Europa mit Billionenaufwand. Außerdem musste die Realwirtschaft mit Konjunkturprogrammen geschützt werden. So gerieten die Staaten immer tiefer in die Verschuldung. Allein in Deutschland stieg sie seit 2008 um 400 Milliarden Euro.
Dann wurden die „Finanzinvestoren“, also vor allem die Banken unsicher, ob die Staaten die Kredite, die sie ihnen geliehen hatten, damit sie selbst gerettet wurden, ordnungsgemäß zurückzahlen können. Beim schwächsten Land – Griechenland – begann die Raserei der Spekulanten zuerst. Andere folgten: Irland, Portugal, Spanien, Italien, Belgien und selbst Frankreich gerät mittlerweile ins Visier der Finanzhaie.
Um die Staatspleiten und letztlich den Zusammenbruch des Euros zu verhindern wurden gigantische „Rettungspakete“ in Stellung gebracht. Nur: In Anbetracht der Risiken sind sie zu klein!
Fällt Griechenland – was von vielen geradezu herbeigesehnt wird –, droht der crash des Bankensystems. In jedem Fall der griechischen und zypriotischen. Die Zinsen für Spanien, Italien und andere Länder fliegen dann in den Himmel. Italien ist mit Staatsanleihen von 1,8 Billionen Euro „too big to help“, da hilft kein „Rettungsschirm“ dieser Welt. Kollabiert halb Europa, dann bricht das europäische Bankensystem zusammen. Mindestens 700 Milliarden Bankkredite wären abzuschreiben. Damit drohen der Systemcrash und der Zusammenbruch des Euros.
Eine neue deutsche Währung würde um rund 40 Prozent aufwerten. Dahin wäre die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft. Neben den Krisenregionen Südeuropas käme die Krisenregion Baden-Württemberg hinzu. Millionen Arbeitsplätze in der Exportindustrie sind bedroht.
Soweit darf es nicht kommen. Das wichtigste ist eine europaweite massive Besteuerung von Reichen und Vermögenden. Mit einer einmaligen Vermögensabgabe von 50 Prozent ließen sich die Staatsschulden halbieren. Und die Banken müssen unter öffentliche Kontrolle und das Casino geschlossen werden. Wir brauchen Sparkassen und keine Zockerbuden.
Es wird sich jedoch erst etwas ändern, wenn der Widerstand groß genug wird. Wenn die Bankentürme in Frankfurt wackeln. Wenn aus den Betrieben heraus Druck gemacht wird. Wenn die Menschen nicht mehr nur mit stiller Wut, die die eigene Seele vergiftet, nicht mehr nur mit Zorn alles über sich ergehen lassen. Wenn es nicht mehr nur brodelt auf den Straßen, sondern wenn es kocht!
@ Mümmel,
ich wollte kein ellenlanges Post erzeugen, sondern hoffte auf die Blogbetreiber, diesem wichtigen Thema einen eigenen Artikel zu widmen
Interessant sind ja eigentlich gar nicht so sehr die Proteste, sondern der Umgang der Partei und ihrer Repräsentanten damit.
@Heinz
Ich wäre sogar dafür öfter mal wieder den Kapitalismus als ganzes anzusprechen was aus der Partei heraus leider auch viel zu selten passiert. Im Gegenteil wird die Finanzindustrie überproportional häufig als Wurzel allen übels hingestellt während die Klein und Mittelständischen Unternehmer als Opfer derselben hingestellt verteidigt werden.
Ich finde eine LINKE hat dann einen Gebrauchswert wenn sie überall Ausbeutung anspricht. Und der beginnt für viele Menschen erst einmal am Arbeitsplatz.
@Mümmel:
Sorry, aber da muß ich doch an einigen Variablen in Deinem wunderbaren Artikel schrauben und ihn Dir noch einmal retour zur Verköstigung anzubieten:
“Der Text von Mümmel Treitinger „Wen wollt Ihr kochen?“ ist ein Symptom für eine Abkehr von marxistischen, sozialistischen, humanistischen und fortschrittlichen Positionen in der LINKEN.
Sehen wir uns die ersten Absätze von Treitingers dahergemümmeltem [Albernheiten im abgekupferten Original] Text an: Da wird von Propaganda, Sportpalastrede, Roten Khmer und Kulakenmord gesprochen.
Ist Schlecht nicht einfach nur ein Linkspolitiker? Ist eine PM nicht einfach nur eine prägnante Wortäußerung, eine verdichtete Politikerrede im schriftlichen Gewandt?
Treitinger betreibt Propagande, indem er Feindbilder schafft. Er klärt nicht über die strukturellen Ursachen (
) seiner Aversion auf. Er konstruiert statt dessen finstere Absichten.
Was soll laut Treitinger denn mit Linkspolitikern gemacht werden. Klappehalten oder Gulag? [spare mir jetzt mal die anderen, geschmacklosen Phantasien im Origanal zu imitieren] Und was sagen wir dann seinen Angehörigen, ihren Kindern, ihren Lieben? Wer kann denen ins Gesicht sagen ‘Diese Barbarei war notwendig für Mümmels Linkskritik?’”
Oder alternativ noch einmal zur Sache: Ich glaube auch nicht an Personalisierungen. Und halte Verschwörungstheorien grundsätzlich für gefährlich, wohl aber kann man erkennen, welche Funktionen ein Sektor meßbar erfüllt. Anti-Bankenproteste ziehen eine ganze Menge Leute an, für die ich mich nicht in jedem Fall verbürgen wollte [sach mal übrigens: In Deinen Kreisen ist man ja immer pro Zins, aber kontra Geld... Erklär mal bitte!]. Es werden aber sehr viele Leute dabei sein, die sich in erster Linie über die nicht erfolgten Regulierungen aufregen [die "Mächtigen", mein lieber Mümmel Treitinger, sitzen nämlich banalerweise in den Regierungen] und über die nicht vorhandene Trennung zwischen Investment- und Geschäftsbanken.
Und das alles und also auch den guten Grund zum Protest zu verwischen, indem man Leute einfach komplett in einen Topf steckt, um sie als Feinde und Antihumanisten zu disqualifizieren, ist irgendwo auch Proto-Faschistisch…
Ansonsten: Sorry nochmal, daß ich widersprechen muß, aber anders als sonst häufig, haste Dich hier ein wenig vergaloppiert.
@Michael (Ich nehm dir nix übel weil ich dich eigentlich ganz integer finde – also keine Angst mit Krritik an mir – von Kritik deiner Sorte lern ich ja was).
Ich gestehe, dass ich in meinem Text hetze – du must aber sehen dass M.Schlecht auch hetzt.
Aber ich hetze FÜR Menschlichkeit, er hetzt GEGEN Menschen.
Ich denke damit ist der fundamentale UNterschied erläutert.
(Ich könnte noch darauf verweisen, dass meine Kritik eien Kritik an der Rhetorik ist, aber im Unterschied zu einigen anderen hast du das ja bemerkt. Und als regelmäßiger Leser hier, weißt du doch eigentlich, dass ich oft und gerne mir die strukturellen Gegebenheiten in der Partei ansehe (und mich da positioniere: siehe Ressourcen-These oder Wahlmodusfrage), aber dass muss ich ja nicht immer machen; manchmal kann man auch via Invektive und Polemik amoralisches Verhalten kritsieren ohne eine Sachanalyse, die Schlechts Text ja nicht mal wert wäre, abzuliefern. Und natürlich agitiere ich gegen Schlechts Machenschaften, die in meinen Augen offensichtlich Verhetzungversuche gegen Mneschen darstellen. Aber ich agitiere nicht egen den Menschen Schlecht. Meine ehrliche und aufrichtige Kritik, die explizit auf meinen ersten Assoziationen beruht, übe ich ja auch eben deswegen um die GenossInen von aus meiner Sicht abwegen abzubringen. Das darf dann aber auch mal ein schriftlicher Tritt in den Allerwertesten sein).
Mein Text jetzt lesefreundlicher unter: http://www.potemkin-zeitschrift.de/2011/10/18/wen-wollt-ihr-kochen-eine-replik-auf-den-beitrag-von-michael-schlecht/
@Mümmel:
Ich habe das “sorry” vorausgeschickt, weil Du hier ja nicht wenige konstruktive und v.a. recht gute Vorschläge gemacht hast. Heute scheinste aber einen Troll (also im Licht des vorletzten Beitrags betrachtet) gefrühstückt zu haben…
Wie gesagt von Personalisierung halte ich auch nicht viel, denn es sind ja die dominanten Wettbewerbsstrukturen die verantwortliche Banker die lustigen Szene-Menschen sein lassen, die sie recht häufig sind… Kern jeder Botschaft sollte Regulierung sein.
Ansonsten gilt: Es gibt die Schwelle zur Kriminalität, die ja eigentlich recht eindeutig ist. Es gibt die Kategorie des Schadens, wo man durch anständige Aufsicht auch in der Lage wäre, Nachweise zu führen. Man käme mit ein wenig Rechtstaatlichkeit durchaus an den Bereich der Verantwortung des Einzelnen heran und brauchte dazu keinen durchmoralisierenden Staat. Aber im Grunde gilt: Ein unmoralisches A. darf man auch so nennen (sofern man treffgenau ist).
Mal so’n kleiner Wortwechsel, den ich mir einem typischen Bankenfreund hatte: “Die schlimmsten Zocker, das waren ja die Landesbanken! Der Ackermann ist ein guter Mann!” – “Ja, aber wurden die nicht von der Deutschen Bank beim Aufkauf ihrer Papiere beraten?” – “Na, dann sind sie doch selber schuld, wenn die so blöd sind!” – “Und berät der Ackermann nicht jetzt wieder die Bundesregierung?” – “Das Finanzsystem ist hochkomplex, da braucht man gute Leute!” [das Ganze ging von statten, ohne daß auch nur ein Hauch von Bewußtsein der Widersprüchlichkeit ein einziges Wort getrübt hätte. Für die Rating-Agenturen läßt sich das selbe durchexerzieren...]
Und nun mal die Frage: Könnte es eventuell – nur eventuell – sein, daß man an den Leumund dieser Lobbyisten muß?
Ansonsten, wie gesagt, gebe ich Dir Recht, daß man vor Generalisierungen und Verschwörungstheorien warnen muß. Aber ebenso auch unsere Volksvertreter vor der eigenen massiven und sichtversperrenden Dummheit.
@Mümmel:
“Hetzen für die Menschlichkeit” – hier ein Bißchen Stimmungsmusik dazu: http://www.youtube.com/watch?v=t1unKFqRBWw
Außerdem, klingt irgendwie nach … Und damit auch ganz lustig… Nicht wahr?
@Michael
Dann sehe ich ja keinen wichtigen Unterschied bei unseren Positionen -. dir ist der Stil halt fremd. Ich mag den Invektiv-Stil aber eben.
Aber ich möchte dich auf einen Fehlschluss aufmekrsam machen. Du schreibst zurecht, dass Kriminalität sanktioniert werden muss. Da stimm ich dir zu – das ist aber Aufgabe der Judikative und nicht eines zufälligen zusammengesetzen Demonstrationszug und schon gar nicht die Aufgabe von Legislativmitgliedern wie Schlecht.
Strafbestimmung sollte niemals via sozialen Mehrheitsvotum erfolgen – sonst verurteilen 4 Wölfe 3 Schafe zum Tod durch Fraß.
@Mümmel:
Klar ist mir das fremd, heiß ja nicht Pofalla – was nun aber wirklich als Invektive verstanden werden muß
Zur Kriminalität: Vorverurteilungen gehen zwar nicht, aber eine Aussage über die Effektivität der Justiz im Bereich bestimmter Delikte ist halt schon möglich. Und manchmal kann man sich auch nicht mit dem Hinweis auf laufende Verfahren herausguttenbergen, so gerne sich das betrügerische Windbeutel auch wünschen.
Von daher: Es geht um den Leumund, nicht bereits um das Urteil…
@Michael
Dann hat Schlecht jetzt den Leumund die Sprache der Unmenschen zu verwenden. Als Fazit kann ich damit leben.
Invektiven hin oder her. Mümmel T.s Alarmismus finde ich an einigen Stellen etwas übertrieben. Wirklich traurig an M. Schlechts Erklärung ist aber die Passage, die in diese Stelle mündet:
“Eine neue deutsche Währung würde um rund 40 Prozent aufwerten. Dahin wäre die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft. Neben den Krisenregionen Südeuropas käme die Krisenregion Baden-Württemberg hinzu. Millionen Arbeitsplätze in der Exportindustrie sind bedroht.”
Bisher schien mir die wirtschaftspolitische Truppe in der SL so ein bisserl die Garantie dafür zu sein, daß es bei Euch letzten Endes doch ein ausgleichendes und vernünftiges Zentrum gibt, das für eine Art Allgemeininteresse innerhalb der Linken steht und das wegen seiner “radikal-realpolitischen” Strahlkraft die in unterschiedliche Richtungen weitergehenden Sonderinteressen irgendwie integrieren kann. Aber hey, ich war offenbar echt naiv… Ich falle vom Glauben ab…
@ SL
Was ist eigentlich, wenn Deutschland nicht NOMINAL durch eine Wechselkursanpassung, sondern REAL durch Lohnzuwächse um 40% aufwertet? Treten dann auch all die unerfreulichen Effekte ein, derentwegen sich BaWü in ein zweites Kalabrien verwandeln wird?
@Calvados
Du findest mich alarmistisch, ich finde dich hier zu verniedlichend, verharmlosend. Menschenfeindlichkeit kann man nicht offen genug anprangern meiner Meinung nach.
Der Lauf der Dinge wird zeigen, wessen Einschätzung zutraf.
Die Kompetenz von Schlecht und co. hat allerdings noch nie einen besonderen Eindruck gemacht.
Da gibt es einen Kalauer: “Erst hatte die LINKE kein Glück, dann kam noch Paech dazu”
Könnte man einen W.Busch-Vers abwandeln: “Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Schlecht(e), was man lässt.”
@Calvados:
Ist halt eine PM, sprich auf Effekt gebürstet, da sollte man nicht alles auf die Goldwaage legen. Es ist sonnenklar, daß die Reallöhne steil ansteigen müssen: Ein kräftigen Schluck aus der Pulle für die wahren “Leistungsträger”…
Was Mümmels Kritik anbelangt, kann ich sie grundsätzlich nachvollziehen, allerdings könnte man dann gleich wütende Protest-Briefe an Frank-Markus Barwasser (“Erwin Pelzig”) schicken und der Satz: “Der Lauf der Dinge wird zeigen, wessen Einschätzung zutraf.” ist wirklich etwas kassandrahaft, in Anbetracht auch der Tatsache, daß ich mal alternativ prophezeie: Das Beraterunwesen wird in der Politik weiter fröhlich Urständ feiern, auch nach der zehnten Krise, die Occupy-Bewegung wird es sehr wahrscheinlich nicht stoppen. Denn siehe: Das einzige was Bankern gefährlich werden könnte, ist der selbstinduzierte Systemkollaps. Und der würde mutmaßlich mit PMs von Michael Schlecht nichts zu tun haben
Richtig hingegen ist bestimmt festzustellen, daß die entscheidende Linie zwischen progressiven und nicht-progressiven Kräften durch den Humanismus gezogen wird, das hat Mümmel sehr richtig herausgestellt. Nur: Es war doch bloß eine stinknormale PM und das Vokabular des Unmenschen sollte man schon mit einem Hauch mehr philologischer Sorgfalt nachweisen, wenn man sowas schon unbedingt behaupten will. Denn ansonsten sieht’s halt nur nach der Fortsetzung eines zufällig im Text nicht genannten Streitigkeit aus und so, als hätte man da halt gerade mal dafür einen schönen Anlaß auf der Straße gefunden…
@ Michael Niedworok
“… auf Effekt gebürstet…” – jaja, schon klar. Aber manche Dinge müssen nicht sein. Ich habe ja zweimal Veranstaltungen mit Michael Schlecht besucht und schätze ihn eigentlich… und ich weiß, daß er normalerweise die Leistungsbilanzungleichgewichte durchaus problematisiert und die Exportfixiertheit kritisch sieht. Schon auf seiner Homepage liest es sich völlig anders als in der PM. Aber auch bei den Veranstaltungen ist mir seine Neigung zu etwas verkürzter effekthascherischer Rhetorik aufgefallen… das wirkt gelegentlich, als hielte er sein Publikum für leicht unterbelichtet. Und diesmal hat er sich damit m.E. vergaloppiert, übrigens auch mit der Fixiertheit auf “das Casino”.
Nun gut, ich bin ja bekennender €uroskeptiker und kann natürlich nicht erwarten, daß die PDL in toto auf eine solche Linie einschwenkt. Aber doch sollte man m.E. zumindest versuchen, diese Fragen einigermaßen nüchtern, ergebnisoffen zu diskutieren und nicht die TINA- und Abgrund-Rhetorik und Angstmache zu übernehmen, mit der das politische Establishment seine Banken- und Eurorettungsprogramme etc. durchzieht. Und dem Verdi-Mann Schlecht muß es ja nun wirklich auch ohne Goldwaage aufgefallen sein, daß er da unkritisch eine Argumentationsfigur übernimmt, mit der die sogenannte Arbeitgeberseite gewöhnlich auch Lohnsteigerungen oder Einschränkungen der Leiharbeit abzuwehren versucht. Ich hoffe, es ist wirklich nur im Eifer des Gefechts geschehen… Nicht daß man demnächst aus der PDL auch noch zu hören bekommt, der Außenhandelsüberschuß sei klasse, weil diese grob 150 Mrd. Euro jährlich dazu dienen, “Finanzvermögen” im Ausland aufzubauen, gar noch “wegen der Alterung der Gesellschaft”…
Was das Aufwertungsargument angeht: Man kann sich ja mal die Entwicklung des €-$-Wechselkurses im letzten Jahrzehnt anschauen. Und parallel dazu die Entwicklung der deutschen Handelsbilanz mit den USA.
- “Das einzige was Bankern gefährlich werden könnte, ist der selbstinduzierte Systemkollaps.”
Vielleicht. Aber wir müssen uns nicht von den Bankern erzählen lassen, daß der Kollaps des Schuldgeldsystems und ihrer Kapitalgesellschaften auch den Kollaps der Kreditfunktion des Wirtschaftssystems bedeuten muß. Und wir müssen vor allem nicht anfangen, es uns selber zu erzählen.
@Calvados:
Nichts einzuwenden… Im Argument ein wenig vergriffen, ist im Argument vergriffen. Zwar kein Drama, aber am Sachverhalt ändert das nichts. Ich glaube, Deine sehr konstruktive Kritik kannste auch weiterleiten [andere macht sowieso immer die Runde]…
Bei Pressemitteilungen ist es so, daß der Leser zunächst mal Journalist ohne viel Zeit ist. Deswegen setzt man immer auf wenig Zeichen und möglichst großen Effekt. Sonst landet’s bloß im Papierkorb. Wenn man das auch als Beitrag für’s breite Publikum wirken lassen möchte, sollte man mehr erklären, da haste schon Recht.
@Calvados/Michael Niedworok
Machen wir doch einfach einen Test – und ihr beide antwortet ganz ehrlich und aufrichtig. Hätte nicht Schlecht den Text geschrieben, sondern z.B. Seehofer – würdet ihr die Replik meinerseits dann gutheißen. Würde euch der Seehofer-Text (im Wortlaut mit dem Schlechttext identisch) auhc nur als missglückter Beitrag erscheinen?
Bitte ganz ehrlich zu sich selbst sein. Ihr müsst hier auch nicht antworten.
Hallo Mümmel Treitinger,
Seehofer steht in sozialpolitischer Hinsicht des Öfteren links von manchen Parteilinken.