Erfolgreiche Kampagne

Erfolgreiche Kampagne

Über die Bedeutung Oskar Lafontaines für die Linkspartei muss in einem Blog mit diesem Namen nicht extra ein langer Exkurs stehen: Nun drängt der Saarländer offenbar auf die bundespolitische Bühne zurück, von der er in Wahrheit nie wirklich abgetreten war. Dass entsprechende Wortmeldungen, die kaum als isolierte Wünsche oder Mutmaßungen abgetan werden können, sondern die eher nach gezielter Platzierung aussehen, knapp drei Wochen vor dem Programmparteitag die Runde machen, wird man in der Linken mal nervös, mal frohlockend deuten. Und man wird Beziehungen herstellen: Welche Wirkung hat die Ankündigungen des „engen Vertrauten“, so sie denn stimmt, auf die Überreste der innerparteilichen Balance kurz vor dem Programmparteitag? Welchen Einfluss auf die zwei anderen Personaldebatten in Zeiten der „Personaldiskussionen sind nicht hilfreich“-Erklärungen? Und wie reagieren jene Teile in der Linken, für die schon eine Beförderung Sahra Wagenknechts in die Fraktionsspitze ein „falsches Signal“ wäre? Wie symbolisch überhöht und mit Strömungskonflikt aufgeladen die Personalien der Partei zurzeit behandelt werden, konnte man nicht zuletzt an Helmut Holers bedenklichen Vergleich erkennen, der meinte, die Wahl der Frau vom linken Flügel käme „dem Sitzenbleiben von Marianne Linke beim Gedenken für die Mauertoten gleich“. Was würde Holter zu einer Spitzenkandidatur Lafontaines sagen?

Wahlkämpferisch wird wohl in der Linken niemand leichterhand behaupten wollen, der heute 68-Jährige Saarländer bringe kein Gewicht mehr auf die Aufmerksamkeits-Waage. Bodo Ramelow wird im Spiegel mit den Worten zitiert, er würde Lafontaine und Gregor Gysi eine „erfolgreiche Kampagne“ zutrauen. Wagenknecht hatte in der Leipziger Volkszeitung behauptet, „so eine Konstellation wird von der übergroßen Mehrheit der Linken gewünscht“. Bei der letzten Spitzenkandidatur reichte Gysi und Lafontaine der Applaus eines Parteitags zur offiziellen Nominierung; welches Ergebnis eine Urabstimmung unter den Mitgliedern bringen würde, oder eine Nominierung nach dem Vorbild der ursprünglichen Pläne Sigmar Gabriels, bei der auch Anhänger mitreden könnten, lässt sich kaum vorhersagen. Es wäre wohl angesichts des Zustands der Linken auch nicht ratsam, weil sich die Differenzen in progammatischen, strategischen und kulturellen Fragen wohl auch im Ergebnis einer solchen Abstimmung niederschlagen würden, was als Streit medial kommuniziert wird und daher nicht zwingend ein Beitrag zum Wahlkampf sein muss.

Apropos Wahlkampf: Wenn es wirklich schon der Hut ist, den Lafontaine hier in den Ring wirft, besser vielleicht: sein Turnschuh, dann hängt das womöglich auch mit der immer noch bestehenden Möglichkeit vorgezogener Wahlen zusammen. Wie lange die Bundesregierung über ihre Treuebekenntnisse hinweg wirklich hält, muss wohl vor dem Hintergrund neuer Euro-Abstimmungen immer wieder neu beantwortet werden. Kommt es zum Fall der Fälle, ist die Parteiöffentlichkeit nun schon über das „offene Geheimnis“ informiert, „dass Lafontaine zurück in den Bundestag will“. Dass dies „automatisch“, wie es im Spiegel heißt, auf eine Spitzenkandidatur neben Gysi hinauslaufen würde, ist schon eher innerparteilicher Spin, vielleicht auch ein Signal an andere in der Linken, es mit den eigenen Ambitionen nicht so weit zu treiben. Ist vorstellbar, dass Lafontaine und Gysi im Wahlkampf in der ersten Reihe stehen, während sich die kommenden Parteivorsitzenden mit einer Rolle dahinter zufrieden geben? Was hieße das für die Bearbeitung all der offenen Zukunftsfragen der Linken, deren Beantwortung schon einmal verzögert wurde, weil man ja auch so auf die Erfolg einiger überragender Personen verweisen konnte? Wäre es nicht sinnvoller, erst einmal zu klären, womit man bei der nächsten bundespolitischen Wahl punkten möchte, und dann zu entscheiden, wer dem am ehesten ein Gesicht verleihen könnte? Dass Lafontaine, der 2013 auf die 70 zugeht, dabei durchaus Berücksichtigung erfahren könnte, wäre im Lichte seiner Prominenz kein Wunder. Als Ergebnis einer Entscheidung, die von der Linken auch politisch begründet werden kann, hätte sie noch eine ganz andere Legitimation in den eigenen Reihen. Mit einem linkspopulistischen Lafontaine im Westen in den von der SPD nicht mehr repräsentierten Milieus fischen – und im Osten mit wem und welchen Themen um eine Wählerschaft kämpfen, in der die alten PDS-Elektorate schrumpfen? Ein Sprecher der Linkspartei wird mit den Worten zitiert, es gebe „keine Pläne, es sind alles Sandkastenspiele“. (tos)

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65 Kommentare zu “Erfolgreiche Kampagne”

  1. Jens Raabe sagt:

    Frank

    dank für den link…

    ich hätte aber lieber deine persönliche – individuell sachbezogene meinung gelesen… :D

    das ihr immer so unverbindlich und ausweichend antwortet wie die politiker der älteren generation. da unterscheidet ihr euch überhaupt nicht!

  2. Bronstein sagt:

    Frank Puskarev – ein Beispiel dafür wie man durch Null Inhalte, Anschleimen, Verbreitung unpolitischer Allgemeinplätze und ohne jeden eigenen politischen Standpunkt (und vor allem ohne jeden Klassenstandpunkt) in einer Parteihierarchie nach oben kommen kann. So jemand könnet auch in der Alt- oder der Neu-FDP (Piraten) sein, völlig austauschbar. Und ein Beispiel dafür wofür diese Partei steht, wo sie hingeht und was sie den sozial Schwachen in dieser Gesellschaft noch zu sagen hat: Nichts mehr.

    Wer keine Visionen mehr hat soll zur Linken gehen. SPD und Grüne sind schon voll!

    Ich würde sagen, auch zur Europawahl kann man getrost zu Haus bleiben.

    Im übrigen sollten gerade Leute wie Puskarev et al froh über Lafontaine sein, weil er der Linken die Wähler zutreibt und so den Bestand ihrer Karrieren sichert.

    Ändern tut sich für die Wähler allerdings nichts. 7 Jahre sind vergangen seit der Einführung von Hartz IV. Nichts hat sich an der sozialen Lage verbessert. Also weg mit der Linken!

  3. Bronstein sagt:

    Wir wollen die Welt retten. Unsere Erfahrung: keine. Zumindest nach Lesart dieser Menschen. http://www.ftd.de/lifestyle/outofoffice/:gernot-klemm-der-kaderschmied-der-linken/50046294.html

    Wir kommen zwar aus sozialen Bewegungen, waren vorher in der Gewerkschaft, der SPD oder bei den Grünen. Aber wie man ein Unternehmen gründet wissen wir nicht. Weil wir eigentlich eine Partei wollten. Macht! aber nichts. Denn dass es ein Unternehmen werden soll wissen diese Menschen, ohne die wären wir verloren.

    Die Kaderschmieder der Linken, und wer diese Partei retten möchte, vor allem vor Lafontaine, das sind diese jungen Politiker:

    http://www.linksfraktion-berlin.de/fraktion/in_klausur/

  4. Jens Raabe sagt:

    Bornstein

    nu leg mal nicht deinen ganzen (wohl begründeten) Frust in den armen Frank… Mit der “Realpolitik” in Berlin, MV und Brandenburg hat er wohl nix zu tun. Meinung darf er ja auch noch haben…

    Ich bin auch frustriert ob des Versagens unserer Kader in Berlin usw.
    Wahlbetrug, Wählerschelte, Ausreden finden und derlei Spielchen sind weit verbreitet – ob bei alt oder jünger. Macht für die Zukunft nich sexyer…

    Da müsste sich etwas ändern. Denke das Frank das ähnlich sieht…aus welchem Blickwinkel auch immer.

  5. SteffenF. sagt:

    @Bronstein

    Eben wäre mir beinahe mein Essen hochgekommen bei dem was sie da schreiben !

    Die Linke hat H4 nicht erschaffen und bekommt von den angeblich achso armen Geknechteten dieses Systems nicht genug politische Macht H4 zu verändern oder ganz abzuschaffen !

    Die wählen mehrheitlich SPD, Grüne, CDU und FDP … eben jene die H4 verbrochen haben.

    Gegen Idiotie und Masochismus in der Bevölkerung ist auch eine Linke machtlos bzw. jeder der was zum Positiven verändern will.

    Wird Zeit das sich der scheinbar unterbelichtete deutsche Wähler/Bürger langsam mal selber an die Nase fasst und fragt was sein Anteil an der ganzen Scheisse ist die überall passiert.

    90% sind gegen irgendwelche Kriege aber gewählt wird keine Partei die offen gegen Kriegseinsätze ist und für eine gute Friedenspolitik steht sondern mit übergrosser Mehrheit Parteien die genau das Gegenteil tun.

    Bohlen bekommt mit seiner Scheisse 1000000 Menschen auf die Strasse aber wenn es darum geht das für Öl keine Familien durch westliche Bomben zerfetzt werden bekommt man keine 100 Leute auf die Strasse die nicht Mitglied in einem Verein sind.

    So, das sagt eigentlich alles über diese Gesellschaft, über die achso schlauen Bürger und achso bösen Parteien ganz oben die Linke nach ihrer Meinung.

    Gegen sowas ist kein Kraut gewachswen und jede Partei machtlos die egal mit welchen guten Vorsätzen antritt.

  6. Mümmel Treitinger sagt:

    @Bronstein
    Selbst wenn deine Ausführungen bzgl. Frank stimmen sollte (was ich weder beantworten kann noch will) – was hätte die Partei damit für ein Problem? Jemand der keine Meinung hat, aber einen unterstützt, ist doch ein Gewinn. Würde jemand ohne Meinung jemand anderen unterstützen wäre dies ein (relativer) Verlust.
    Du müsstest deine Kritik insofern begründen, als dass du darlegen müsstest, wo der Schaden für die Partei eintritt. Aus deinen Ausführungen geht das aber nicht hervor.

  7. Kong sagt:

    Bei LL lässt man eben keine Gelegenheit aus Lafo und/oder Wagenknecht ans Zeug zu flicken. Der Name dieses Blogs lässt ja schon auf ein gewisse Obsession schließen. Was tiefschürfendes habe ich hier übrigens noch nie gelesen. Seitens der Autoren allerdings gerne viel Geraune und Andeutungen, auch nicht anders als beim Boulevardblatt Spiegel, das mal wieder “einen Genossen” zitiert.
    Ich hatte schon Gelegenheit, einige der jungen Heissdüsen der Linken kennenzulernen. Gerne karrieregeil als wären sie von der FDP und inhaltlich ungefähr mit so viel Substanz wie ein leergepustetes Ei.
    Genau die Sorte Politikdarsteller, die die Wähler zu den Piraten treibt.

    Und wie kommt man bitteschön darauf, dass die Wähler Intriganten trauen, die ihre eigen Partei sabotieren?

    Was hat die Bundestagsfraktion denn ohne Lafontaine großartiges auf die Reihe gekriegt, außer sich aus lächerlichstem Anlass fast zu selbst zu zerlegen?

    Es war doch genug Zeit, zu zeigen, wer ein_e würdige_r Nachfolger_in werden könnte.

    Und? Wo ist er oder sie?

    Also was soll das Generve? Die Linke kann froh sein, wenn Lafo es sich nochmal antut, in der Bundespolitik mitzumischen, als was auch immer.

  8. bronstein, lass ma die luft aus den backen! was war die message?

    jens: ich hab ne eigene meinungdazu, aber die hielt ich für zweitrangig. natürlich befürworte ich bestimmte formen der diskriminierung. zum beispiel sind studenten- und ausbildungsticket im öpnv wichtig. schöner wäre es, wenn sich alle an eine bestimmte definition z. bsp. von jugend (jugendringe und bestimmte jugendverbände als auch der gesetzgeber spricht von 27) orientieren. diese sind solange gerechtfertigt, solange damit eine bestimmt generation gefördert werden soll, weil sie es in besonderer weise nötig hat. das kann im übrigen auch für ältere gelten. auch beim schutz von bestimmte generationen können altersgrenzen sinnvoll sein, weil eine individuelle bewertung nicht leistbar ist. nur muss eben vergleichbar und begründet sein. willkürliche festlegungen würde ich eher ablehnen.

  9. Mümmel Treitinger sagt:

    @Kong
    Aber hallo, die aktuelle Bundestagsfraktion (wesentlich mehr pro-Lafontaine als die alte übrigens – einfach mal die jeweilige Zusammensetzung ansehen, bevor man man UNsinniges intendiert)) hat nicht mehr oder weniger als die alte Bundestasgfraktion auf die Reihe gekriegt: nämlich Oppositionsarbeit. Da gibt es keine verlgeichbaren und messbaren Ergebnisse wie bei Regierungsbetiligung. also was soll dieser sinnfreie Vergleich?

  10. wh sagt:

    @Kong: Nur mal interessehalber: Wo in dem obenstehenden Beitrag von tos wird Lafontaine oder Wagenknecht am Zeug geflickt? Und steckt in Ihrer Bemerkung vielleicht die Haltung, diese beiden Personen stünden außerhalb jeder Kritik? Hier bei tos findet Kritik aber nach meiner Lesart gar nicht statt – es wird eine Nachricht kommentiert, es werden Stimmen dazu zusammengetragen und es werden ein paar Fragen gestellt. Mehr nicht. Und was den Namen des Blogs betrifft: Das haben wir schon dutzendfach erklärt – er geht auf ein Buch über die Entstehung der Linkspartei zurück, das kurz nach deren Gründung erschien. Dass Lafontaine dieser Partei seinen Stempel aufgedrückt hat, dass sie ohne ihn wohl gar nicht entstanden wäre, ist unbestritten. Oder ist diese Meinung auch Teil einer Obsession?

  11. Jens Raabe sagt:

    SteffenF.

    na Sie sind aber auch nicht von dieser Welt was?

    Warum sollte der Wähler in Berlin der Berliner Linken noch einen Nachschlag gewähren? Was hatte der von Ihnen gescholtene Wähler denn von Lederer und Co.? Einen langsameren Fall? (was ja zu beweisen wäre)

    Ist doch kein Wunder das bei dieser Beliebigkeit – den täglich gebrochenen Wahlversprechen – sich der Bürger (angeekelt) abwendet.

    Und natürlich hat die Politik in der Haupstadt Auswirkungen auf die ganze Republik.

  12. Kong sagt:

    Muss ich aiuf dieses alberne Gekasper eingehen? Nö, muss ich nicht.
    Mehr als sein Alter hat man offenbar nicht gegen Lafo aufzufahren.
    Das sagt doch schon alles.
    Wenn das Siechtum Der Linken weitergehen soll, könnt Iht ja einen von jenen tierischen, eloquenten Charismatikern nehmen, von denen Die Linke so unglaublich viele hat.

    Ha! Ha!

  13. Frank Heinze sagt:

    @ Ignaz sagt:
    4. Oktober 2011 um 12:27

    “Es ist schon heute absehbar, dass sich der Berlin-Effekt nicht bis 2013 prolongieren wird.”

    Heute bei ntv: “Linke abgehängt, Piraten etablieren sich. …würden 8 Prozent der Befragten für die Piraten stimmen.Damit würde die aus der Internet- und Bürgerrechtler-Szene kommende Partei erstmals vor der Linkspartei (7 Prozent) liegen.”

    Ignaz sagt weiter:
    – nicht in die Flächenländer exportieren”

    Frank Heinze sagt:
    Flächenland Bayern, LINKE Mitglieder: 2.847 Ende 2010, heute ganz sicher weniger

    Piraten Bayern: 3090 Mitglieder. Und es werden täglich mehr.

  14. Linksman sagt:

    N-tv = Forsa = Bertelsmänner!
    Wer die ernst nimmt, hat Wahrnehmungsstörungen.
    Man lese Andreas Hahn von wahlen-heute.de: http://www.wahlen-heute.de/html/aktuelles___kommentare.html

  15. Bronstein sagt:

    “Eine Partei, angriffslustig auf die Ackermänner, personifiziert sich nicht in Leuten, die Mäßigung und Mittelmaß verkörpern.”

    Dieter Dehm zur Lage der Linken in der jw, und weiter:

    “Seit der Fusion mit der WASG und Genossen wie Maurer, Ernst und Lafontaine wurden wir endlich zur erfolgreichen Partei mit dem Charme des gelebten Antikapitalismus.”
    http://www.jungewelt.de/2011/10-06/055.php

    Da drücke ganz fest den “Gefällt mir Button”, Dieter!

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