Neues Rauchzeichen
Wer die Legalisierung von Cannabis oder auch nur eine „humane und rationale Drogenpolitik“ fordert, darf in diesem Land nur auf klammheimlichen dafür aber millionenfachen Beifall hoffen. Die Linke, vor gut einem Jahr aus berufenem Munde als „Partei der Hanffreunde“ geadelt, setzt jetzt ein weiteres kleines Rauchzeichen: Die Bundestagsfraktion hat einen Antrag zur Legalisierung des Kiffens und die Einführung von so genannten Cannabis-Clubs ins Parlament eingebracht. Die Forderung zielt auf eine progressive Drogenpolitik, die den tatsächlichen Gefährdungspotenzialen illegalisierter Genussmittel wie Cannabis gerecht wird, die Verhältnismäßigkeit beim staatlichen Vorgehen wiederherstellen will und zudem an das Beispiel Spaniens anknüpft: Dort hat sich nach der Einführung von Cannabis-Clubs gezeigt, „dass ein verantwortungsvoller und liberaler Umgang auch unter den gegebenen Verhältnissen ermöglicht werden kann“. Die Linke fordert daher, den Besitz und Eigenanbau von Cannabis zum persönlichen Gebrauch bis zur Grenze von 30 Gramm zu erlauben, die Möglichkeit der Clubs einzuräumen, die „für ihre Mitglieder den Cannabis-Eigenanbau übernehmen und gegen Zahlung kostendeckender Geldbeträge“ die Pflanzen abgeben. Außerdem soll es ein Werbeverbot und eine wissenschaftlich begründete THC-Höchstgrenze im Blut für den Straßenverkehr geben.
Der Antrag könnte auch die drogenpolitische Debatte vor dem Programmparteitag in Schwung bringen: Im Leitantrag tritt die Linke „für eine rationale und humane Drogenpolitik ein, was eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums und eine Legalisierung von weichen Drogen beinhaltet. Im Grundsatz wollen wir eine Gesellschaft, die nicht auf Strafe und Repression gegen Drogenkonsumentinnen und -konsumenten setzt, sondern die mit Prävention und Aufklärung dem Drogenmissbrauch vorbeugt.“ In einer Reihe von Änderungsanträgen wird eine Neuformulierung begehrt – mal in die eine, mal in die andere Richtung. So werden mal der Drogengebrauch als „Krankheit innerhalb unserer Gesellschaft“ bezeichnet, mal die Gesellschaft für eine „massenhafte Drogensucht“ verantwortlich gemacht, welche „die Menschen nicht glücklicher, sondern abhängig und oft unglücklich“ gemacht habe. Ein Antrag fordert deshalb auch die Rücknahme der Legalisierungs-Forderung und eine „Antidrogenpolitik“. Der Landesverband Sachsen hingegen verlangt eine Streichung des Satzes „Illegalisierte Drogen sowie deren Missbrauch können zu schweren gesundheitlichen, sozialen und materiellen Problemen führen“. Die Passage, heißt es in der Begründung, „beinhaltet mehrere Fehler. Er unterstellt „illegalisierte Drogen“ sowie (!) „deren Missbrauch“ könne zu „(..) Problemen führen“. Es sind jedoch keinesfalls illegalisierte Drogen selbst, die zu „Problemen führen“ sondern lediglich (!) deren Missbrauch. Darüber hinaus betrifft dies keineswegs, wie im Satz behauptet, illegalisierte sondern auch legale Drogen. Auf Kritik stößt die Bezeichnung „weiche Drogen“ in einem weiteren Antrag: „Eine Einteilung in weiche und harte Drogen ist überholt und ist wissenschaftlich nicht eindeutig definierbar! Das Parteiprogramm sollte über mehrere Jahre hinweg Gültigkeit haben, nicht nur für eine Wahlperiode. Der wissenschaftlichen Entwicklung sollte man sich mit einer starren Regelung von Einschränkungen nicht vorgreifen.“ (tos, Foto: Hupu2, CC BY-SA 3.0)
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@ Mümmel Treitinger
Doch, wir meinen mit “Clubs” das gleiche, und gerade das finde ich nicht so überzeugend. Man kann ja auch im Buchclub oder im Weinclub sein, d.h. man verpflichtet sich zur (z.B. monatlichen oder jährlichen) Abnahme eines Quantums und erhält dafür einen Rabatt. Soweit ich weiß, funktioniert sowas z.B. sehr gut bei nicht vermarktungsfähigem Wein etwa von den Berliner (!) Südhängen, wo das Vermarktungsverbot durch formale Anteilseignerschaft an drei Weinstöcken oder so ausgehebelt wird. Ist ja O.K., hab ich nichts dagegen, aber warum muß man ausschließlich auf solche Modelle von Zwangsmitgliedschaften und/oder Anteilseigentum ausweichen, wenn es im Bereich einfacher Konsumgüter ohne großen Investitionsbedarf der (regulierte) Markt wirklich auch richtet? Ich denke, man diskreditiert marktferne kollektivistische Lösungen (die ich etwa im Bereich der Wohnungswirtschaft unbedingt präferieren würde) eher dadurch, wenn man sie exklusiv in Bereichen durchsetzen will, wo sie eigentlich sperrig und unnötig scheinen und sich der Sinn des Zwangs auch für Gutmeinende wenig erschließt.
Was “Schadsubstanzen” angeht… wie C.Labbudda oben sinngemäß schrieb, ab einer gewissen Menge ist wohl alles Schadsubstanz… Wo will man da Grenzen ziehen? Am Ende dürfte der Staat kaum noch eine Verbrauchsteuer erheben, wenn man dieser Logik folgte. Gewiß kann man für jedes Produkt und jede Dienstleistung irgendwie eine gesamtwirtschaftliche Bilanz incl. Kranken-und Rentenversicherungen, BIP-Effekte etc. zu erstellen versuchen, was im Detail dann wegen der Masse möglicher Einflußgrößen kaum noch zu unanfechtbaren Ergebnissen führt. Was als Ansatz bei der Darstellung externer Effekte einiger Großtechnologien sinnvoll sein mag, scheint mir dann bei der Betrachtung individuellen Konsumverhaltens allzusehr in einen puritanischen Erziehungs- und Verhaltensoptimierungsdiskurs abzugleiten. Meine Vorstellung von Fortschritt ist jedenfalls nicht die einer versicherungsmathematischen Optimierung des Konsumverhaltens der Bevölkerung… Und Steuern sollte m.E. in erster Linie unter fiskalischen, nicht unter Lenkungsgesichtspunkten erhoben werden.
Der Ausdruck “Coffeeshops” war mißverständlich, tatsächlich meine ich staatlich lizensierte Läden ähnlich den Lottoläden, wo Cannabisprodukte verkauft werden könnten und die einer Qualitäts- und Herkunftskontrolle unterliegen würden.
Jens
aber natürlich auch ein guter Rotwein- danke, dass du Werbung füe meine Firma machst, dann wird wohl der Abstieg für viele der große Aufstieg für mich werden…hätte wenigstens etwas positives…
@Calvados
Ein anderes mal mehr, aber dein Vorschlag hackt: wenn Markt und Nicht-Markt nebeneinander exisiteren gewinnt der Markt. Und ein Markt bei Drogen ist halt einfach nicht zielführend (egal ob er legal oder illegal ist) – siehe Alkohol und Tabak. Prohibition ist aber natürlich noch schlimmer.
@ Mümmel T.
O.K., lassen wir es gut sein. Der Antrag der Fraktion ist ja soweit erst mal völlig in Ordnung, und der Karl Sorgen amüsiert sich schon über das Engagement, mit dem wir das diskutieren.
@ KS
Wobei es immerhin ein inhaltliches und nicht nur symbolpolitisches Thema ist… Ich meine, die hier endemischen Debatten darüber, wer wann warum welche Zeremonie in welcher Körperhaltung über sich ergehen ließ, scheinen mir da bei weitem kurioser.
@ Mümmel
Produktionsgemeinschaften für Cannabis muß man beitreten und dabei seinen Namen preisgeben, dass wird vielen unangenehm sein, es ist bequemer weiterhin bei seinem Dealer einzukaufen.
Coffeeshops hingegen notieren sich keinen Namen, sie haben Auswahl und man kann da noch einen Kaffee trinken.
Deren Eröffnung würde einige Menschen von stärkeren Drogen (auch Alkohol) abhalten. Produktionsgemeinschaften kann man darüber hinaus gründen.
Man sollte aber die Gefahren die durch einen immer höheren THC Gehalt entstehen nicht negieren und da etwas gegenlenken.
Willst du wirklich Produktionsgemeinschaften für den Konsum von Heroin, Kokain und Speed gründen?
@ Carsten
Man sollte Drogen nach ihrer Schädlichkeit unterscheiden, deswegen ist es auch so unsinnig das Cannabiskonsum verboten ist.
Konsumiert man hingegen 4 Tage Heroin, so kann man schon süchtig sein, nimmt man sehr viel Kokain innerhalb kurzer Zeit so kann das, wenn man Pech hat, dauerhafte Schäden im Gehirn verursachen.
Speed kann schon bei etwas längerem Konsum Nierenschäden, Phobien und später dann sogar Skorbut und Leukämie verursachen, alles nicht wirklich gesund.
Diese Unterscheidung zwischen psychischer und körperlicher Abhängigkeit würde ich so klar nicht treffen, dann findet man nämlich Müdigkeit vom Kaffee-Entzug schlimmer als Depressionen, die Menschen dazu verleiten sich umzubringen.
Todesfälle beim Drogenkonsum kommen oft daher das Heroinsüchtige, weil sie kein Heroin bekommen Alkohol trinken oder Tabletten nehmen, dann später doch noch an Heroin kommen und das dann auch noch konsumieren.
Wenn ich sie richtig verstehe meinen sie das wenn man Heroin erlaubt daraufhin die Zahl der Heroinsüchtigen sinkt.
Viele Menschen greifen momentan eher zum Alkohol weil sie nicht komplett von der Gesellschaft ausgestoßen werden wollen, meines Erachtens würde die Zahl der Heroinsüchtigen bei einer Legalisierung ansteigen, weil man halt wirklich sehr schnell süchtig ist von dieser Droge, damit wäre keinem geholfen.
Es gibt Menschen die können ohne Opiate nicht leben, so viele sind das aber nicht, die sollte man meines Erachtens so substituieren, dass sie keinen Beikonsum mehr brauchen, also mit Heroin.
In England wurde das eine Zeit lang mit großem Erfolg umgesetzt.
Das Problem bei der Illegalität von Drogen ist meines Erachtens die Strafverfolgung von Konsumenten.
Die Gefängnisse sind voll von ihnen, dass müßte sich dringend ändern.
Bei einem Verbot von Drogen sollte es darum gehen die Einstiegsschwelle möglichst hoch zu halten, deswegen soll Heroin nicht im Supermarkt angeboten werden.
Kranke wegen ihrer Krankheit einzusperren ist aber absolut inhuman.
Da muß sich noch einiges verbessern.
Calvados
ich erkenne ja an, das es wichtig ist auch darüber zu diskutieren-und offensichtlich zeigt ihr hohe Kompetenz in einem Bereich-von dem ich wenig Ahnung habe. Mir ging es eigentlich nur um die Verhälnismäßigkeit zu anderen Themen- ansonsten könnt ihr natürlich weitermachen…
@Clara: Ich stimme Dir gern zu, dass man Drogen nach ihrer Schädlichkeit unterscheiden sollte. Die Frage ist dabei jedoch: Nach welchen Kriterien wird die Schädlichkeit untersucht. Nimmt man die verursachten Todesfälle, dann ist Tabak die mit Abstand schädlichste Droge. Nimmt man die sozialen Folgekosten, dann ist Alkohol die schädlichste Droge. Nimmt man das Abhängigkeitspotential, dann steht wiederum Tabak auf Platz Eins. Das macht eine sinnvolle Reihung so schwierig.
In dem Punkt der Prävalenzrate hast Du mich missverstanden. Ich gehe weder davon aus, dass bei der Eröffnung eines legalen Zugangsweges zu Heroin die Zahl der Konsumente nennenswert sinkt, noch, dass sie nennenswert steigt. Ich habe in die Debatte geworfen, dass die aktuelle Drogenforschung zu der Erkenntnis gekommen ist, dass für die Zahl von Konsumenten nicht der Rechtsstatus (legal, halblegal illegal) entscheidend ist, sondern vor allem kulturelle Faktoren hier den Ausschlag geben. Mal ein Beispiel dazu: Die schärfste Gesetzgebung in Bezug auf Hanf in Europa haben Schweden und Frankreich. Schweden gehört zu den Ländern in der EU, wo am wenigsten gekifft wird. Frankreich gehört zu den Ländern in der EU, wo am meisten gekifft wird. Die Niederlande liegen hier um unteren Drittel. Wenn der Rechtsstatus eine besondere Bedeutung für die Konsumentenzahlen haben würde, müssten sowohl Frankreich als auch Schweden minimale Konsumentenzahlen haben und die Niederlande sehr hohe. Da das aber offensichtlich nicht der Fall ist, müssen andere Einflüsse bei der Zahl der Drogenkonsumenten entscheidend sein, und der aktuellen Drogenforschung nach sind dies vor allem kulturelle Faktoren, oder nennen wir sie meinetwegen sozio-kulturelle Faktoren, damit man nicht denkt, hier ginge es bloß um Musiker, Literaten und bildende Künstler.
Zu der Art und Weise, wie ein legaler Zugang zu Drogen gewährt wird, habe ich mich in meinem obigen Posting gar nicht geäußert. Heroin gehört auch nach meiner Auffassung nicht in den Supermarkt. Es gibt heute einen legalen Zugangsweg zu Heroin über den Weg der ärztlichen Verschreibung. (So gesehen ist heute Heroin in Deutschland legaler als Hanf!) Bei einem Fachbesuch in der Frankfurter Heroin-Ambulanz habe ich mich auch direkt informieren können. Da ist z.B. ein großes Problem, dass die Regelungen festlegen, dass eine Heroin-Ambulanz rund um die Uhr mit mindestens drei Ärzten besetzt sein muss und jede Menge Hochsicherheitsmaßnahmen bestehen. Solche Voraussetzungen können lediglich in wenigen großen Städten erfüllt werden, was insbesondere für Betroffene in ländlichen Regionen bedeutet, dass diese Hilfemaßnahmen für sie nicht erreichbar sind. Hier ist dringend Verbesserung nötig.
Weiterhin habe ich noch was, das Dich sicherlich überraschen wird. Im Gespräch mit der amtlichen Prüfärztin in Frankfurt erzählte Sie, dass die Betroffenen pro Tag maximal 1000 Milligramm reines Heroin erhalten können, das auf bis zu drei Einzeldosen von maximal jeweils 400 Milligramm verteilt wird. Da die Betroffenen im illegalisierten Umfeld gelernt hatten, von einer Spritze zur nächsten zu denken und aufgrund der Umstände zudem bekanntlich beim Junkie ständig Mangel herrscht, haben die Betroffenen zu Beginn ihrer Behandlung stets das Maximum rauszuholen versucht. Nachdem sie längere Zeit in der Behandlung waren, lernten Sie, dass sie in dieser Form nicht den ständigen Beschaffungsstress haben, sondern dass ihre Versorgung tatsächlich regelmäßig sicher gestellt ist. In der Folge, so die Prüfärztin, habe der größte Teil der Betroffenen so etwas wie “ihre persönliche Dosis” gefunden, etwa so, wie Zigarettenraucher, die irgendwann ihre “persönliche Tagesdosis” finden, und von da ab im Durchschnitt so um eine Schachtel am Tag rauchen (manche nur eine halbe, andere zwei Schachteln, das ist individuell verschieden). Bei den Heroinkonsumenten lag diese “persönliche Tagesdosis” in der Regel unter der erlaubten Grenze von 1000 Milligramm am Tag, was sowohl die Ärztin als auch mich zunächst überraschte. Dass die Betroffenen aufgrund des Wegfalls des Beschaffungsstresses und der Verschnittstoffe und des Erlernens von schadensminimierenden Hygiene-Regeln ihr Leben besser auf die Reihe gekriegt haben und auch wieder erwerbsfähig wurden, ist ja durch die Presse umfänglich dokumentiert.
Das Beschriebene zeigt, dass es sehr sinnvoll ist, legale Zugangswege zu heute illegaslisierten Drogen zu schaffen, über deren Ausgestaltung im Einzelnen zu diskutieren ist. (So stellt sich z.B. die Frage: Wenn die Heroinverschreibung offenkundig eine sinnvolle Angelegenheit ist – was machen wir dann mit denjenigen Heroin-Konsumenten, die nicht chronisch krank und verelendet sind?)
In einem Punkt sollten wir aber sicherlich zu einer gemeinsamen Auffassung kommen: Was wir, durch egal welche Drogenpolitik, nicht überwinden können, ist, dass Menschen Drogen konsumieren. Was wir aber lösen können, sind die Probleme, die durch die Verbotspolitik erst geschaffen werden: Verfolgungsdruck, Einschränkung von Bürgerrechten, die Problematik gefährlicher Verschnittstoffe, unbeabsichtigte Überdosierungen etc. pp. Da schafft die Prohibitionspolitik im Übrigen deutlich mehr Probleme, als sie vorgibt zu lösen. Und deshalb sollten wir nicht auf eine Politik, die auf Repression setzt, sondern auf eine Poltitik der Schadensminimierung (“harm reduction”) setzen.
Carsten Labudda
1A Beitrag!
@Clara
Man muss nicht beitreten, mann kann. Und wie bei allem, den du beitrittst gibts du Kontaktdaten ab. Und für letztere gibt es dann Datenschutzbeauftragte.
Auch der Dealer hat im Normalfall Telefonnummer und Name – die lassen doch seltener fremde in ihre Wohnungen (und da findet der Handel doch statt).
Coffeshops sind auch nichts anderes als Kaffegeschäfte – in denen halt parallel illegal Drogenhandel stattfindet (halt toleriert). Niemand weiß wohin die EInnahmen fließen (weil die nciht versteuert werden können – ist ja illegal) – meist wohl ins Rot-Licht-Milieu und die schwerere Kriminalität.
Der höhere THC-Gehalt ist einfach eine Folge der Prohibition (und eher virtuell als real). Wenn der Transport illegal ist, versucht man möglichst viel an Konzentrat zu transportieren (weil weniger Masse bei selben WIrkstoff – leichter zu transportieren) – am Zielort wird es dann eh wieder aufgestreckt. Das Problem ist dann auch weniger der Wirkstoff als das Streckmittel.
Das Hauptproblem sind die Nebenerscheinungen des illegalen Marktes. Die Lösungen sind deswegen: entweder Marklegalisierung (hat aber immer noch viele marktimmanente Nachteile – siehe Tabak und Alkohol) oder genossenschaftliche Lizensierung.
Das Problem gefährlicher Verschnittstoffe zeigt sich gerade am Auftauchen von “Krokodil” im Ruhrgebiet: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,791273,00.html
@Linksman
Eine Substanz ,die den Konsumenten zu schnell tötet, setzt sich nicht längerfristig auf dem Markt durch. Zurecht weißt du also auf das tatsächliche Problem (im Unterschied zum Spiegel) hin: das Strecken/den Verschnitt; der ist aber rein prohibitionsbedingt natürlich.
Hab gerade mal ein bißchen im Web recherchiert.
Immerhin hat ma es auf juris mit dem Thema geschafft, in die Ärzte-Zeitung und ins Hanfjournal. Da kommt bei allen drei Dingen die LINKE nicht so oft vor.
Immerhin.
http://www.juris.de/jportal/portal/page/homerl.psml?cmsuri=%2Fjuris%2Fde%2Fnachrichten%2Fzeigenachricht.jsp&feed=juna&wt_mc=rss.juna&nid=jnachr-JUNA111003254
http://www.aerztezeitung.de/news/article/674023/linke-moechte-cannabiskonsum-legalisieren.html
http://www.hanfjournal.de/hajo-website/artikel/2011/137_oktober/s33_1011_den_anbau_entkrimnaliseren.php
Hier noch ein Link zu einem Artikel über einen gewissen ANslinger, der wohl ein führender Lobbiest der Prohibition war … und das wohl aus politisch extrem rechten Gründen tat.
http://de.wikipedia.org/wiki/Anslinger
Ein kleines Schmankerl sozusagen für die Debatte – würde nämlich zu einer sozio-kulturellen und politischen Debatte aus einem anderen Blickwinkel führen.
@ Carsten
Stimmt, aber so gründlich kann man nicht vorgehen, weil man die Volksdrogen ja nicht verbieten kann.
Man muß sich in gewisser Weise damit abfinden, daß die Bewertung der Schädlichkeit nicht das einzige Maß ist.
Man kann aber doch nicht weil schon andere sehr schädliche Drogen verfügbar sind noch mehr verfügbar machen, dass würde doch die Zahl der Suchtkranken erhöhen.
Ich würde Cannabis und Heroin weder was den Rechtsstatus noch was das Konsumverhalten angeht miteinander vergleichen, dass halte ich für gefährlich.
Deine Information was die Substitution mit Heroin angeht sind sehr interessant, ich wußte gar nicht dass das teilweise in Deutschland auch so gehandhabt wird, sehr erfreulich.
Mir geht es vor allem darum das es nicht noch mehr Menschen gibt die z.B. Heroinabhängig sind und man deswegen die Einstiegsschwelle gering halten sollte.
Weil die Menschen eh Drogen konsumieren sollte man ihnen den Zugang zu den weniger schädlichen ermöglichen und nicht alle Drogen in einen Topf werfen.
@ Mümmel
Der Dealer verlangt keine Daten, außerdem kennt man sich oft auch privat, in Coffeeshops soll eine begrenzte Cannabisabgabe ja erlaubt sein, wieso sprichst du von illegal.
Wenn eine begrenzte Cannabisabgabe legalisiert werden würde, müßte man gar nicht mehr mit dem Milieu in Kontakt kommen, indem auch härtere Drogen gehandelt werden.
Der höhere THC Gehalt ist Resultat von Züchtungen, in den Niederlanden wird angedacht ihn auf 15% zu begrenzen.
Das Hauptproblem bei Thema Drogen ist das Leiden der Süchtigen, auch wenn es um Alkohol geht, würde ich sagen.
@Clara: In deinem Posting wiederholst Du dem Grunde nach ein Argument der Prohibitionisten, gegen welches ich mich in meinem vorherigen Beitrag bereits geäußert habe. Wenn Du sagst, dass nicht noch mehr Drogen “noch mehr verfügbar” gemacht werden sollen, dann behauptest Du, diese Drogen seien nicht so richtig verfügbar. Das ist jedoch falsch.
Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hat sich in ihrem Jahresbericht 2005 mit dem Thema der Verfügbarkeit von Drogen für Jugendliche und junge Erwachsene beschäftigt. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die jungen Europäer gaben an, dass sie illegalisierte Drogen ziemlich leicht erhalten können, wenn sie das wollen. Damit ist von Amts wegen bestätigt, dass illegalisierte Drogen leicht verfügbar sind. Also kann von “noch mehr verfügbar” machen keine Rede sein.
Ganz im Gegenteil: Es geht darum, dass die Drogenmärkte überhaupt erstmal einer gesellschaftlichen Regulation unterworfen werden, denn die heutige Verbotspolitik macht genau das bislang unmöglich. Es gibt auf dem Schwarzmarkt keine Regulierung, wer wo unter welchen Umständen Drogen anbieten darf. Es gibt dort keinen Jugendschutz. Es gibt dort keine Anbau- und Produktkontrollen, genauso wenig wie gesundheitliche, soziale und arbeitsrechtliche Absicherungen für die Menschen, die in diesem Bereich ihre Brötchen verdienen, z.B. die ausgebeuteten Coca- oder Opium-Bauern in Südamerika und Zentralasien. Es gibt kurz gesagt nichts als die Preissteigerung aufgrund des verfolgungsbedingten Risikoaufschlags der Dealer. Ich glaube, wir können uns darauf einigen, dass das ein absolut unbefriedigender Umstand ist.
Wir sind uns einig darin, dass wir nicht wollen, dass es mehr suchtkranke Menschen gibt. Ich habe deshalb in den vergangenen Postings so viel Wert auf die Erkenntnisse der aktuellen Drogenforschung gelegt, die nunmal besagen, dass die Frage von Verbot und Erlaubnis für die Zahl der Drogenkonsumenten nicht die entscheidende ist. Das bedeutet aus meiner Sicht eben auch, dass die so genannte “generalpräventive Wirkung” der Prohibition ein Märchen ist. Dem entsprechend brauchen wir andere Mechanismen der Regulation.Und dabei habe ich auch darauf hingewiesen, dass dies nach unterschiedlichen Drogen durchaus differenziert erfolgen sollte. Von “in einen Topf werfen” kann daher auch nicht die Rede sein, denn es gibt sehr verschiedene Möglichkeiten, legale Zugangswege zu definieren.
Ich habe auch nicht behauptet, dass man “so gründlich vorgehen” kann. Da stehen gesellschaftliche und politische Kräfteverhältnisse bisher im Wege. Mir geht es zunächst darum, dass wir uns einigen, in welche Richtung die Drogenpolitik der LINKEN grundsätzlich gehen soll. Für mich bedeutet das, dass wir uns darauf einigen, dass der repressive Weg der Prohibition nicht unserer sein soll. Wenn wir uns darin einig werden, dann kommt die Debatte darum, welche Maßnahmen im Einzelnen angestrebt werden, und der Beitrag der Linksfraktion stellt da ein sinnvolles Angebot zum Thema Hanf dar, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Wenn sich unsere Vorschläge auf Cannabis beschränken, finde ich das sehr vernünftig.
Die Verfügbarkeit harter Drogen sollte nicht erhöht werden denke ich, stattdessen sollte Cannabis legalisiert werden, dass würde einige von schädlicherem abhalten.
Subsitution habe ich bis jetzt noch gar nicht als ein Weg der legalisierung angesehen.
Das sollte im Grunde wieder alles zusammenfließen, auch Unterricht in Schulen sollte dazugehören.
Wenn man Heroin frei im Laden kaufen kann, erhöht man natürlich damit dessen Verfügbarkeit, weil man die Hemmschwelle es zu kaufen drastisch senkt, wenn man sich nicht mehr strafbar macht deswegen, sry ich bin auf dein Argument nicht eingegangen.
@Clara:
Zunächst muss man unterteilen in gesellschaftlich-akzeptierte und gesellschaftlich-nichtakzeptierte Drogen.
Prohibitionen bei gesellschaftlich-akzeptierten Drogen führen tatsächlich zu einem Konsumrückgang, da die Mehrheit das Verbot hinnimmt.
Prohibitionen bei gesellschaftlich-nichtakzeptierten Drogen führen jedoch zu einem Konsumanstieg, da der Reiz des Verbotenen gegenüber der Akzeptanz des Verbotes überwiegt.
Würde man beispielsweise Alkohol auf das BtmG setzen, wäre tatsächlich ein Konsumrückgang zu verzeichnen, jedoch nimmt man einen Schwarzmarkt, Streckmittel, mangelnde Prävention, und massive gesellschaftliche Schäden dafür in Kauf.
Heroin ist aber ganz sicher keine gesellschaftlich-akzeptierte Droge, und ich bin mir sicher, du konsumierst kein Heroin – nicht weil es verboten ist, sondern wegen der Gefährlichkeit dieser Substanz.
Es geht also um die Menschen, die es bereits konsumieren, und durch ein Verbot nicht daran gehindert werden können. Es gibt rund 250 000 Heroinsüchtige in Deutschland.
Das Verbot verschlechtert die Konsumbedingungen, Beschaffungskriminalität (Preis), Streckmittel (Gier), Spritzentausch (HIV, Hep.), Schwarzmarkt, Strafverfolgung statt Aufklärung.
Die Quittung dafür zahlt die Gesellschaft.
Legalisiert man Heroin (natürlich nicht auf dem freien Markt)
@ A. Schweiger
Es gab früher mehr Morphium und Opium Süchtige, Laudanum fällt mir dazu auch ein..
Die 250000 die schon süchtig sind sollen anständig substituiert werden, es sollte aber der Zugang zu Heroin für den Rest der Bevölkerung nicht erleichtert werden.
Besser den Zugang zu Cannabis ermöglichen und so versuchen die Menschen von den harten Drogen abzuhalten, würde ich sagen.
Aber auch für Cannabiskonsumenten Therapieplätze einrichten, wie für Alkoholkranke auch, wobei man wesentlich weniger brauchen wird.
@Clara: Um es für dich nochmal zu wiederholen: Ein legaler Zugangsweg heißt nicht zwangsläufig Supermarkt. Lies doch bitte das, was ich geschrieben habe, und erfinde nicht irgendwas da rein. Danke.
@ Carsten
Besser man sagt Subsitution anstatt legaler Zugangsweg, dass ist weniger missverständlich.
Sonst steht in der Bildzeitung das wir Heroin legalisieren wollen.
@Clara: Substitution bedeutet, dass für Droge A eine Droge B verschrieben wird. Im Falle von Heroin haben wir es aber mit Originalstoffverschreibung zu tun, weil die Betroffenen ja Heroin und nicht Metadon oder Subutex bekommen. Da sollten wir schon bei der Wahrheit bleiben.
Weiterhin habe ich allerdings in einem früheren Posting die Frage gestellt, was wir mit den Heroin-Konsumenten machen, die nicht schwer krank und verelendet sind. Diese haben nämlich keinen Zugang zur Originalstoffverschreibung. Also brauchen wir für diese Personengruppe, die dem Forschungsstand nach etwa 50 bis 80 Prozent der Betroffenen sind, einen Lösungsansatz. Da diese Menschen nicht krank sind, ist der medizinische Weg hier nicht gangbar. Der Supermarkt, da sind wir uns ja einig, soll es auch nicht sein. Nun, was können wir machen? Hast Du eine Idee?
@Clara:
Eine Legalisierung bedeutet nicht zwangsläufig einen leichteren Zugang.
Konsumgenossenschaften erleichtern den Zugang für Konsumenten und Süchtige (Verbesserung der Konsumbedingungen), aber verwehren ihn den Nicht-Konsumenten,
WIe ich bereits sagte: Heroin ist eine gesellschaftlich-nichtakzeptierte Droge, eine Legalisierung bedeutet einen Konsumrückgang. Nicht bei den Menschen, die bereits konsumieren, sondern bei potentiellen Konsumenten.
Wer heute Drogen nimmt, und sei es nur Cannabis wird zwangsläufig eines Tages Kontakt zu anderen Drogen haben. Ob er diese nimmt ist eine Frage der Aufklärung – die Strukturen des Schwarzmarktes begünstigen aber den Einstieg.
Eine Legalisierung und insbesondere Konsumgenossenschaften würde diese Vermischung zerschlagen, die Aufklärung fördern, und letztendlich zu einem Rückgang von harten Drogen beitragen.
Es geht ja nicht in erster Linie um die Legalisierung, sondern viel mehr um die entkriminalisieriung. Bei Cannabis ist dies längst fällig, weil sie zu einer Schihtenübergreifenden Alltagsdroge geworden ist. Ebesnos wie bei Alkohol hängt die Gefährlichkeit weniger mit der Substanz als mit dem Konsumverhalten zusammen. Deswegen ist Umgang mit Rauschmitteln auch eine Bildungs und Erziehungsfrage.
Auch bei den sogenannten Hartendrogen muss man über die Entkriminalisierung nachdenken. So ist das Hauptproblem der meisten Heroinabhängigen eher die soziale Verwahrlosung, das sich bewegen im kriminellen Milleu , gesteckter Stoff usw. das führt zu einer sozialen Isolation der Betroffenen, was sie nur weiter in die Szene treibt. Nachdenken über akzeptierende Ansätze der Suchthilfe ist sinvoll. Da gibt es viele Interessante Projekte.
@ Carsten
Stimmt sie haben recht, ich darf das eigentlich nicht Substitution nennen.
Ein Arzt könnte gegebenenfalls den 50-80% der Heroinkonsumenten den Zugang ermöglichen.
Die Voraussetzungen dafür müßten erdacht werden.
Das kann man dann kontrollierte Originalstoffverschreibung nennen, obwohl sich Substitution viel besser anhört.
Legalisiert man Heroin steigt die Zahl der Süchtigen, da bin ich mir sehr sicher.
Die Verfügbarkeit wird den Konsum erhöhen, genauso wie beim Alkohol.
@ A. Schweiger
Wenn man in einen Coffeeshop geht hat man eigentlich überhaupt keinen Kontakt mit anderen Drogen.
Bei den allermeisten privaten Dealern auch nicht.
Wären Coffeeshops legal, würde das meines Erachtens die Zahl der Menschen die von harten Drogen abhängig sind senken.
Aus gegebenen Anlass…
http://www.elseaudio.de/Grundsaetzliches/sonstiges
Die legalste und tödlichste aller Drogen wird weiter verharmlost und fordert weltweit Millionen Tote, Verelendung, kaputte Familien… und und…
Hallo, leider habe ich erst jetzt von diesem Blog erfahren.
Nach Durchsicht fällt mir auf, dass wesentliche Argumente noch nicht genannt worden sind. Nach meinen Recherchen wird der weit überwiegende Anteil der Drogentodesfälle durch Kriminalisierung und Strafverfolgung und nur ein kleiner Teil ausschließlich durch Drogenkonsum verursacht. Gerade deshalb ist der Konsum umgehend zu entkriminalisieren.
Meine diesbezügliche Studie „Falsche Angaben zu Drogentodesfällen“ (siehe: http://www.dt-aufklaerung.de) liegt dem drogenpolitischen Sprecher Frank Tempel bereits seit April 2011 vor.