Berliner Spots
Mit Musik unterlegte Bilder der Stadt, dann ein junger Gregor Gysi, der aus dem Umriss von Berlin auftaucht und sogleich von einer „Lehre aus der SED-Herrschaft“ spricht: dass nämlich „ein Land ohne Opposition verkommt“. So beginnt 1990 der erste Wahlwerbespot der Berliner PDS. Der eigentliche Spitzenkandidat der Offenen Liste, Peter Zotel, hatte einen kleinen Gastauftritt am Schluss – und erinnerte dabei ein wenig an einen Sprecher der Aktuellen Kamera. Seither hat sich viel verändert, nur Gysi ist fast immer mit dabei. Eine kleine Spotgeschichte der Berliner Linken:
Abgeordnetenhauswahlen vom 2. Dezember 1990
Berlin ist in dem Spot vor allem Ostberlin, es sind Bilder einer gerade erst begonnenen Transformation und in allem liegt die Ahnung, dass es noch Jahre große Unterschiede geben wird: das Kranzler als Gegenstück zum verfallenen Konsum. Die PDS schreibt sich Alternativpolitik, Gleichstellung von Ost und West sowie Bürgerdemokratie auf die Fahnen – und das mit einigem Erfolg, vor allem wenn man die Zeitumstände berücksichtigt. Die ersten Gesamtberliner Wahlen seit 1946 fanden parallel zur Bundestagswahl statt. Seit 1989 hatte im Westteil ein rot-grüner Senat regiert, die Alternative Liste war jedoch im November 1990 wegen der Räumung besetzter Häuser aus der Koalition ausgestiegen. Im Osten amtierte seit Mai 1990 eine Große Koalition unter dem SPD-Politiker Tino Schwierzina. Die „Doppelregierung“ wurde nach der Wahl von einer Großen Koalition unter Eberhard Diepgen abgelöst. Die CDU hatte sich auf 40,4 Prozent verbessert, die SPD war um fast sieben Zähler auf 30,4 Prozent abgestürzt. Die Grünen traten getrennt in Ost- (Bündnis90/UFV) und West-Berlin (AL) an – beide rückten ins Abgeordnetenhaus ein, wo sie eine gemeinsame Fraktion bildeten. Die PDS erreichte 9,2 Prozent der Stimmen.
Abgeordnetenhauswahlen vom 22. Oktober 1995
Seit 1990 hatte eine Große Koalition in der Hauptstadt regiert, in der linken Opposition mühten sich Renate Künast und Gesine Lötzsch als Fraktionsvorsitzende am Berliner Filz ab. Im Werbespot der PDS zu den Wahlen von 1995 steht wieder Gregor Gysi vor der Kamera und redet über die sprichwörtlichen Mäuse. Trotz der wachsenden Unzufriedenheit sollte es aber bei der Landesregierung bleiben – mangels alternativer Mehrheitsoptionen nach der Wahl. Die CDU mit Spitzenkandidat Eberhard Diepgen verlor gegenüber den vorherigen Wahlen drei Punkte, blieb mit 37,4 Prozent jedoch stärkste Partei. Die SPD büßte mit der Spitzenkandidatin Ingrid Stahmer fast sieben Punkte ein und kam auf 23,6 Prozent, wobei nicht zuletzt die bundespolitischen Querelen um SPD-Chef Rudolf Scharping eine Rolle gespielt haben dürften. Die FDP schaffte nicht erneut den Sprung über die Fünfprozent-Hürde, die Grünen verbesserten sich auf 13,2 Prozent. Drittstärkste Kraft wurde jedoch die PDS, die gegenüber 1990 ein knappes Drittel hinzugewann und mit 14,6 Prozent 34 Mandate eroberte. Die Vorwürfe der Gauck-Behörde, die pünktlich im Wahlkampf Gysi eine Kooperation mit der Stasi vorwarf, verfingen offenbar nicht.
Abgeordnetenhauswahlen vom 10. Oktober 1999
Auch nach den Wahlen von 1999 blieb es bei einer Großen Koalition – vor allem die SPD unter Spitzenkandidat Walter Momper hatte die Erwartungen enttäuscht. Nicht zuletzt schlug die bundespolitische Negativstimmung durch: vom angekündigten rot-grünen Politikwechsel war im Herbst danach wenig zu spüren, Oskar Lafontaine war bereits zurückgetreten, der Jugoslawienkrieg hatte begonnen. Die CDU unter Eberhard Diepgen konnte sich auf 40,8 Prozent verbessern, die SPD verlor erneut und kam auf 22,4 Prozent. Damit lagen die Sozialdemokraten nur noch fünf Punkte vor der PDS, die sich auf 17,7 Prozent verbessern konnte. Die Grünen rutschten wieder unter zehn Prozent, die FDP blieb außerparlamentarische Opposition. Was die PDS dabei geritten hat, einen beinahe ins Esorterische, jedenfalls aber irgendwie Naturmystische neigenden Unterwasserfilm zu zeigen, wäre im Rückblick ebenso interessant zu erfahren wie die parteiinterne Danach-Analyse: Sollten es etwa durchs blaue Nass schwimmende Menschen gewesen sein, die den Ost-Sozialisten ein neuerliches Ergebnisplus bescherten? War die Nacktheit eine Reminiszenz an die FKK-Kultur ind er DDR? Sollte man beim Zuschauen etwa denken, mit der PDS werde es einen Sprung ins kalte Wasser geben? Und wo war 1999 Gregor Gysi?
Abgeordnetenhauswahlen vom 21. Oktober 2001
2001 war er dann wieder da: als Protagonist eines Spots, in dem die Geschichte eines politischen Albtraums erzählt wird, der PDS-Star aus dem Fenster klettert, mit einem Trabbi durch die Stadt fährt und am Ende von einer jungen Dame in Pink und Rot erlöst wird. Die fünfte vorgezogene Wahl in Berlin seit 1945 war notwendig geworden, nachdem die Große Koalition wegen der Bankenaffäre zerbrochen war. Im Juni 2001 waren auf Antrag der SPD und der Grünen mit Hilfe der Stimmen der PDS die CDU-Senatoren abgewählt worden. Klaus Wowereit wurde Regierender Bürgermeister einer rot-grünen Minderheitsregierung unter PDS-Tolerierung, die im Herbst Neuwahlen herbeiführte. Nicht zuletzt Dank der schlechten Performance des CDU-Spitzenkandidaten Frank Steffel wurden die Sozialdemokraten mit 29,7 Prozent stärkste Partei, die CDU stürzte um 17 Prozent ab und landete nur knapp vor der PDS, die mit dem Spitzenkandidaten Gregor Gysi auf 22,6 Prozent kam. Die Liberalen schafften die Rückkehr ins Abgeordnetenhaus, die Grünen blieben stabil. Wowereit bildete schließlich einen rot-roten Senat, Gysi übernahm die Führung des Wirtschaftsressorts, trat aber bereits nach einem halben Jahr wegen der so genannten Bonusmeilen-Affäre zurück. Aus dem Albtraum, mit CDU-Stimmen Regierender Bürgermeister zu werden, war eine nur kurz währende Wachphase als Wirtschaftssenator geworden. Was immer man vom Rückzug Gysis hält, dessen Gründe damals ein wenig vorgeschoben erschienen, so war die Übernahme des Amtes zuvor sicher ein wesentlicher Aspekt bei der Bildung der rot-roten Koalition, die in der PDS stets umstritten war und doch fast zehn Jahre halten sollte.
Abgeordnetenhauswahlen vom 17. September 2006
Fünf Jahre nach dem Start stellte sich der rot-rote Senat zur Wiederwahl, die trotz deutlicher Verluste der PDS gelang. Spitzenkandidat der PDS war Harald Wolf, der Gysi als Wirtschaftssenator beerbt hatte. Dass der Fraktionschef im Bundestag nicht als Hauptfigur im Wahlkampfspot auftreten konnte, war verständlich. Was man von der Idee des Filmchens selbst nicht gerade sagen konnte: Eine Anspielung auf die Sprache der Werber und Gestalter, ein kostümierter Bär und die Ansage: Berlin solle “richtigrot” wählen. Angesichts der politischen Schwierigkeiten der ersten Legislatur in der Berliner Landesregierung, der Fehler und politischen Kröten, die von der PDS geschluckt worden waren, ließ sich nun allerdings auch kaum auf die inhaltliche Bilanz setzen – und da man nicht mehr Opposition war, musste die “Was sich ändern muss”-Rhetorik auch im Schrank bleiben. Im Prinzip machte der Spot die PDS zu einer Art Selbstzweckangebot, man sollte die Partei wählen, weil sie eben diese Partei war. Punkt. Die Sache ging ziemlich in die Hose: Während sich die Sozialdemokraten noch einmal verbesserten, sackten die Sozialisten um 9,2 Punkte auf 13,4 Prozent ab. Welchen Stellenwert der Rücktritt Gysis dabei spielte, oder die Tatsache, nun nicht abermals mit ihm als Zugpferd anzutreten, ließ sich schwer sagen. Dass es generell mit dem Enttäuschungsphänomen bei linken Regierungsbeteiligungen zu tun hatte, war unübersehbar. Und auch die Regel, dass kleinere Koalitionspartner bei Wahlen die Verlierer sind, hatte sich bestätigt.
Eher Ausdruck der konfliktreichen Lage als belastbare Ursache für die Wahlniederlage der Linkspartei, war die konkurrierende Kandidatur der Wahlalternative. Der Antritt in Berlin sorgte seinerzeit für viele Diskussionen und eine Aufmerksamkeit, die der Linkspartei nciht gefallen konnte. Aber das war kein rein Berliner Phänomen, der “Zug der Fusion” (Dietmar Bartsch) war gerade ins Rollen gekommen, in der WASG gab es nicht nur Begeisterung über ein Zusammengehen mit der PDS, auch bei den Frühjahrswahlen 2006 in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz spielte das eine in Form medial hochgeschriebener Querelen eine Rolle. In Berlin freilich kam alles zusammen: die kulturellen Unterschiede, die politischen Differenzen, die umstrittene Regierungsfrage angesichts der Bilanz von Rot-Rot und eben auch eine vergleichsweise gut organisierte Opposition in der Wahlalternative, welche nicht nur meckern, sondern der Bundes-WASG auch die Stirn bieten konnte. Ob der Wahlantritt deshal auch politisch sinnvoll war, ist eine Frage. Wäre er ausgeblieben, hätte die Linkspartei aber kaum besser abgeschnitten: Mit Lucy Redler an der Spitze kam die WASG-Berlin nur auf 2,9 Prozent, hinterließ aber trotzdem einen bleibenden Eindruck in den Annalen des Hauptstadt-Wahlkampfs. “Die kapitalistische Proiftgier macht aus Berlin die Hauptstadt der Arbeitslosen”, mit diesen Worten ging es damals im Video-Podcast der Spitzenkandidatin los. Das kleine Stück hatte übrigens jemand produziert, der inzwischen immer noch mit dem Internet zu tun hat – allerdings ein bisschen erfolgreicher ist, als es damals die WASG-Dissidenten waren.
Abgeordnetenhauswahlen vom 18. September 2011
20 Jahre nach Gysis erstem Auftritt in einem Wahlwerbespot zur Berlinwahl sieht nicht nur der Fraktionsvorsitzende ein wenig anders aus. Die Ästhetik der kleinen Filmchen hat sich geändert, Videos als Mittel zur politischen Kommunikation gibt es im Internet zuhauf, dort finden auch die eigentlichen Bewegtbild-Kampagnen statt – der TV-Werbespot hat virale Konkurrenz bekommen. Es gibt heute sogar einen Spot, in dem Gysi sich den offiziellen Spot anschaut, Wahlwerbung mit Wahlwerbung sozusagen. In dem Streifen, der da geguckt wird, spielt die Linke – “auf jeden Fall ist sie speziell” – ein bisschen mit ihrem nicht nur guten Image, auch mit der von ihr als unberechtigt angesehen Kritik, für Dinge verantwortlich gemacht zu werden, für die sie gar nichts kann. Dann wird die Haben-Seite der rot-roten Bilanz aufgeführt. Und am Ende läuft Harald Wolf durch Berlin, der als Wirtschaftssenator für die Erfolge „ziemlich verantwortlich“ sei. Und, wie findste, wird Gysi dann gefragt? „Finde ich gut.“
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Der aktuelle Spot ist ja alles andere als gut. Harald Wolf murmelt da irgendwas in seinen nicht vorhandenen Bart. “Ziemlich verantwortlich” und “sehr speziell” – das ist die Wortwahl mit der mensch Stimmen holt. Bei dem Wahlspot fehlt ja nur noch ein Glückwunschschreiben von Castro an die Berliner Linke.
mir gefällt der aktuelle spot allerdings sehr gut. inbesondere eben die ironie, mit der ein image aufgeriffen wird. ich könnte mir allerdings vorstellen, dass der spot garnicht so gut zündet, weil die vermutung mit dem schlechten image der berliner linken so garnicht stimmt. aber natürlich fallen die schnitzer der bundespartei auch auf die berliner linke zurück, das ist das drama daran.
singular
Wundert mich das bei Ihnen?
Nö
Warum schreiben Sie eigentlich anonym? Aus Scham?
@ Jens Raabe, Sie werden es wahrscheinlich wieder als ungrechte Behandlung ansehen, aber ich möchte Sie hier nachdringlich noch einmal bitten, sich hier ein wenig zurückzuhalten. Ihr obiger Kommentar hat nur ein Ziel, nämlich sich hier mit anderen anzulegen. In Zukunft werden wir solche Kommentare nicht mehr freischalten – und ja: Das gilt natürlich auch für andere.
vk
Was ist an dieser ernstgemeinten Frage anlegen?
Das Anlegen wurde in einem anderen Therd schon vom Gegenüber erledigt – ist Ihnen sicherlich entgangen….
Ich wünsche mir auch das hier ein anderer Ton herrscht als das z.Zt. der Fall ist, mir vergeht beim Lesen der Kommentare nicht selten die Lust selbst etwas zu schreiben..
Auch bin ich teilweise richtig erschrocken welchen Hass manche auf die G&G in Berlin zu haben scheinen.
DIE LINKE hat in Berlin sicher Fehler gemacht aber trotzdem wünsche ich den G&G am Sonntag viel Erfolg und das die Berliner_innen auch sehen was sie an der Rot-Roten Koalition hatten.
Der Spot von 2001 ist überigens der Hammer. Solche ungewöhnlichen, frechen Spots würden der Partei auch heute noch gut stehen.
@Dominik Lehmann:
“Auch bin ich teilweise richtig erschrocken welchen Hass manche auf die G&G in Berlin zu haben scheinen.”
Wieso? Der Hass wurde jahrelang von SL und M21 systematisch (und einigen AKLern) gestreut. Für die ist es das Mittel selbst an die Pfründe in Berlin ranzukommen, weil man politisch außer Retrotalk nichts zu bieten hat. Wie erfolgreich die Strategie im Westen war, sieht man ja:
Landesverbände die kaum noch aktive Mitglieder haben, leere Kassen, viele derer die im Rahmen von H4 und der Parteigründung den Laden kennenlernten, haben sich mittlerweile – angeekelt von den Retros und dem Umgang – in jeder Hinsicht von dieser Partei verabschiedet. Ach ja und die Wahlergebnisse sprechen auch für sich…
Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass SL und Co die Zeit unter den Nägeln brennt:
Lt. § 38 Übergangsbestimmungen des Verschmelzungsvertrages wird die Quotierung in 2012 um weitere 60 Delegierte abgebaut und in 2014 ist Schluss mit der Ossi-Diskriminierung. Da muss LaFo + SL mit Fußtruppen noch reichlich Arbeit leisten um diverse Ossis aus der Partei zu vergrätzen um dann mit Teilen der AKL die Mehrheit zu stellen.
Und nach der Berlinwahl wird es eh abgehen: die FdSler haben nichts mehr zu verlieren; der Parteitag steht an.
Dann kommt das Durchboxen der eigenen Kandidatur für den Bundestag – was in jeder Fraktion im Laden für kräftigen Ärger sorgen wird. Und – soweit scheint es erstmal ein Trend zu sein – jeder Flügel wird weniger bekommen, wegen den anzunehmenden Wahlergebnissen.
Deswegen wird es jetzt noch ungemütlicher! Kann aber auch sein, dass FdS und Co den Fehler machen weiter die Klappe zu halten um sich über die BTW zu retten. Dann köcheln die Konflikte weiterhin auf heutigem Niveau oder härter weiter – und nach verlorener BTW wird es dann eine A-Bombe. Ich bin ja der Meinung man sollte vorher klare Fronten schaffen, aber ich hab nix zu sagen in dem Laden.
Und so ein Spot wie 2001 kann man nur in einer Partei produzieren, die nicht total kaputt und zerstritten ist. Da war 2001 anders.
Hoffentlich bewegt sich Die Linke (in Berlin und im Bundesverband) nicht noch weiter in die Richtung des WASG-Spots. Dieses Belehren, Besserwissen, sich selbst zur natürlichen Vertretung “der Menschen” machen, das würde uns nicht guttun. Keine Option für den notwendigen Neuaufbau nach dem 18. September. Hoffentlich ist die Berliner Linke diesmal zu einer ehrlichen Analyse und auch notwendigen Schritten in der Lage.
@Aries
Ich glaube du hast mich etwas mißverstanden.
Mit dem Ton den ich beschrieb meinte ich in diesem Fall den Ton der in den Kommentarspalten dieses Blogs herrscht obwohl auch diese eine gute Reflexion des Umgangstones innerhalb der Partei darstellen.
Und wie ich mir wünsche das sich der Umgangston hier im Forum bessert hoffe ich das natürlich auch für die Partei. Ich habe oft den Eindruck das sich manche noch nicht von der Vorstellung der leninistischen Kampfpartei verabschiedet haben in der es nur eine Parteilinie und ein Verbot der Fraktionen gab und noch viel schlimmer das diese Haltung sogar die einzig richtige ist.
Die Art und Weise wie einige Netzwerke in unserer Partei versuchen mit legitimen und illegitimen Mitteln ihre Macht und Deutungshoheit auszubauen ist unser größtes Problem aber bei einer Partei die sich aus so vielen Menschen mit komplett unterschiedlichen politischen Hintergründen und Lebensgeschichten zusammensetzt auch nicht so wahnsinnig unverständlich das es passiert.
Doch obwohl ich die SL und ihr Unterstützer_innen Umfeld (Teile der AKL und Marx21) als Urheber dieses schlechten Umgangs innerhalb der Partei und die daraus hervorgehende Lähmung unserer Positionen und eine daraus hervorgehende Handlungsunfähigkeit sehe, sieht man wie bei den letzten innerparteilichen Wahlen in MV das auch der FdS die Samthandschuhe ausgezogen hat und sich in Teilen auch schon auf schmutzige Tricks verläßt die wir bisher nur von der SL/AKL/Marx21 Allianz gewohnt waren.
Was wir seit einiger Zeit beobachten ist Stellungskrieg innerhalb der Partei. Alle Fraktionen ziehen sich in ihre Schützengräben zurück und versuchen mit allen Tricks, jeden Mann und jede Frau die sie auf ihrer Seite wähnen zu halten und die Gegner zu schwächen.
Ein Neuanfang ist notwendig und das Programm, wenn es dann mal verabschiedet ist, wird dazu nicht ausreichen.
Ich bin davon überzeugt das die Idee eines abbildungsgerechten, innerparteilichen Wahlverfahrens (z.B. das Rangzahlverfahren) wie es an dieser Stelle schon häufiger von MZ, Mümmel Treitinger und mir vertreten wurde ist die beste möglichkeit uns aus dieser Malaise heraus zu helfen.
Aber selbst wenn wir ein anderes Wahlverfahren hätten und die unglücklichen PV´s endlich anders heißen werden wir (hoffentlich) immer noch nicht alle gleicher Meinung sein. Dann werden wir immer noch in der Sache diskutieren und uns sicher auch ständig in die Wolle kriegen. Doch wenn wir es mal schaffen das die Argumente von der anderen Seite zwar nicht geteilt aber solidarisch diskutiert werden, wären wir schon einmal einen großen Schritt weiter.
Will mich jetzt gar nicht in die üblichen Streitigkeiten einmischen und nur mal mein Lob an LL aussprechen für dieses kleine Feature der Wahlwerbespots und mal auch eine kleine Lanze für den Wahlwerbespot 2011 brechen. Sicherlich ist er nicht er bei weitem nicht so smart wie der zugegebenermaßen etwas personenkultige Spot von 2001, aber die Auswahl und der Zusammenschnitt der Bilder hat was. Auch dadurch, dass er gleichzeitig klare Inhalte bietet (was eigentlich alle vorherigen Spots versäumen) und dabei trotzdem selbstironisch mit der eigenen Regierungsarbeit umgeht, tut er sich in der Reihe positiv hervor. Problem an den Spot ist die etwas monotone Sprecherinnenstimme und Herr Wolf, der sich dort in seiner schlaftablettigsten Form präsentiert.
Regelrechten Fremdschäm-Charakter hat hingegen der WASG-Spot und welche Stimulanzien zur Verwirklichung des 1999-Spots führen, möchte ich lieber nicht so genau wissen – ich tippe mal auf rezeptpflichtig, aber nicht illegal.
@Dominik:
“sieht man wie bei den letzten innerparteilichen Wahlen in MV das auch der FdS die Samthandschuhe ausgezogen hat und sich in Teilen auch schon auf schmutzige Tricks verläßt die wir bisher nur von der SL/AKL/Marx21 Allianz gewohnt waren.”
Da hast du – Überraschung für einige vielleicht – leider vollkommen recht. der laden verkommt mehr und mehr.
Die hier entbrannte Diskussion über die politische Kontaminierung eines – wie sagt man? – Motorradrockerclubs haben wir rausgenommen. Wenn Bedarf besteht, diese an anderer Stelle als in diesem Blog weiterzuführen, geben wir sie gern heraus. Wer hier über die Ästhetik von Whalwerbespots oder die Berliner Landespolitik, die Regierungsfrage oder Rot-Rot debattieren möchte – bittesehr!
ich wundere mich mittlerweile in unserem laden über gar nichts mehr. auch nicht über stramme verbalrevolutionäre, die in motorradclubs organisiert sind. ansonsten halte ich die von aries vorgebrachten infos, gerade im bezug auf die bald wirklichkeitsgetreuen delegiertenschlüssel und die sich daraus schliessenden zeitfenster für die westdeutschen landesverbände, für sehr wichtig. die berlinwahl, die danach folgenden debatten und ihr einfluss auf den parteitag in erfurt werden wohl entscheidend für die linke. wir werden sehen, ob wir 2012 mit einem auf sl/akl-kurs getrimmten programm unter einem möglichen vorsitzenden oskar durchstarten werden. oder ob sich der im westen spürbare abwärtstrend dann noch verstetigt. fraglich, ob die ostverbände 2014 nochmal das ruder rumreissen. oder ob die sed/pds/linkspartei/linke einmal zu oft am rand der politischen bedeutungslosigkeit (zumindest auf bundesebene) stand.
Sorry, aber wer Parteien (es geht ja nicht um einen Meinungskanon zu einzelnen Fragen, sondern um stramm organisierte Verbände mit umfassenden programmatischen Vorstellungen) innerhalb der Partei zulässt, deren Mitglieder auch noch mit Sonderstimmrechten und insgesamt regionalbegründet ungleichen Stimmrechten ausstattet, das Ganze als einen Ausdruck des innerparteilichen Pluralismus ideologisch überhöht, der kann gar nichts anderes bekommen als was er jetzt hat. Eine effektivere Förderung von Machtkampfverbänden ist eigentlich nicht vorstellbar.
Der Ton auf diesem blog von immer denselben Diskutierern
ist teilweise nicht mehr auszuhalten.
Wieviel Pluralität verträgt eine Partei?
Macht weiter so, die nächste Austrittswelle steht bevor, und zwar von Mitgliedern, die immer noch “reale” Parteibeiträge bezahlt haben.
Ihr werdet euch wundern.
Hallo Manuel,
iiiih, Motorradclubs, wie eklig.
Die fressen bestimmt auch kleine Kinder…
Und immer dieses “Yeh, yeh, yeh”. Davor hat bereits der weitsichtige Genosse Ulbricht gewarnt…
Manuel kann das nicht passieren, der hört weiter André Rieu.
(sorry, vk)
den höre ich zwar nicht, aber ich höre jetzt auf mir diese kommentarschlachten auf lafoli zu geben. wenn das hier nur halbwegs den zustand der partei (oder der linken) spiegelt, ist es eh bald zappenduster…
Der aktuelle Wahlwerbespot der Linken ist schlecht. Die Linke ist “speziell”. Das soll eine Aussage sein, die Stimmen bringt? Das klingt eher danach, dass der Berliner Parteivorstand, sicher alles ausgewiesene Werbeexperten, selber gedichtet hat. Dazu noch, da für kann ja niemand was, ein für solche Zwecke untalentierter Spitzenkandidat und der Spot ist für die Tonne.
Aber das ist auch egal, meine persönliche, durch Mitarbeit, erworbene, Analyse zur PDL ist, dass diese einfach nur eine parlamentarische Mogelpackung ist, gegründet, um den seinerzeit immer heftiger werdenden Widerstand gegen die Agenda 2010 zu kanalisieren und letzlich parlamentarisch zu neutralisieren.
Aufgeschoben ist allerdings nicht aufgehoben. Der Verdienst der PDL mag am Ende sein , dass sie bei noch mehr Menschen für die Erkenntnis sorgt, dass Stellvertreterdemokratie für’n Arsch ist.
Das kann man durchaus als aufklärerische Leistung werten!