Rufe nach Boykott

Update

Die Aufmachung der jungen Welt am 13. August hat jetzt ein Nachspiel auf politischer Ebene: Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Linkspartei wird die Forderung laut, dass die Partei ihre Kontakte und ihre Zusammenarbeit mit der Zeitung einstellt. Die Emanzipatorische Linke veröffentlicht auf ihrer Internetseite einen Im Internet findet sich ein Aufruf zahlreicher Linke-Politiker und -Mitglieder “an die Vorstände und Fraktionen der Linken”, jegliche Kooperation mit der jungen Welt zu beenden, keine Anzeigen mehr zu schalten und keine jW-Stände mehr auf Parteiveranstaltungen mehr zu genehmigen. In dem bislang von mehr als 120 Personen unterschriebenen Text heißt es, die Zeitung zeige mit ihrer Aufmachung, dass sie “keinesfalls vereinbar ist mit einer Linken, die den Anspruch ‘demokratisch, rechtsstaatlich und emanzipativ’ an sich stellt”. Die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Luc Jochimsen, stößt sich an dem auf der jW-Titelseite gezeigten Bild von Kampfgruppenmitgliedern mit Schusswaffe am Brandenburger Tor und dem damit verbundenen Dank. Sie gehöre, so Jochimsen, “zu einer Gruppe von Bundestagsabgeordneten der Linken, die ab sofort jegliche finanzielle Unterstützung für diese Art von Journalismus einstellen”. Auch in einer Erklärung des Koordinierungskreises der Emanzipatorischen Linken Berlin wird der sofortige Boykott der jungen Welt verlangt.

Derartigen Protest gibt es zudem von außerhalb der Linken. Eine Gruppe von ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern, von Politikern und Intellektuellen fordert die die Führung der Linkspartei ebenfalls auf, ihre Unterstützung der Zeitung durch Anzeigen, Interviews und Gastbeiträge einzustellen. Zu den Unterzeichnern gehören Rainer Eppelmann, Markus Meckel, Lutz Rathenow, Vera Langsfeld, Freya Klier, CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, sein FDP-Kollege Christian Lindner, der Grünen-Politiker Wolfgang Wieland, die Historiker Andreas Nachama und Michael Wolfssohn und der Publizist Henryk. M. Broder. (vk)

Nachtrag: Gregor Gysi hat dem Tagesspiegel gesagt, dass er in der Bundestagsfraktion der Linken durchsetzen will, die junge Welt nicht mehr als Werbemedium zu nutzen. Er habe mit der Zeitung “schon lange nichts mehr am Hut”. Einen aus der Partei ebenfalls geforderten Interview-Boykott lehnt er aber aus Gründen der Meinungsfreiheit ab. Zuvor hatte Oskar Lafontaine in einem Interview für den Deutschlandfunk zu den Boykottforderungen gesagt: ”Ich bin nicht verantwortlich für die Schlagzeilen irgendwelcher kleiner Presseorgane.”

 

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293 Kommentare zu “Rufe nach Boykott”

  1. Linksman sagt:

    Theaterdonner von wichtigtuerischen Politschauspielern, die ihre besseen Tage allesamt hinter sich haben.
    Die rasierfaulen Würgerrechtler plus Frau Lengsfeld hatten schon mal die halblinke Taz boykottieren wollen – wegen dem vorzüglichen Fortsetzungsroman “Barbier von Bebra”.
    Von dieser Emma-Gruppe höre ich das erste – und wohl auch das letzte – Mal.
    Dass die drei im Artikel zu recht Letztgenannten sich dem Fernsehzuschauer auch über dieses Langweilerthema in Erinnerung bringen möchten, zeigt deren Verzweiflung. Vor allem Herr H. Broder hat seinen Brei(vik) wohl noch immer nicht verdaut.

  2. call sagt:

    Sie sind alle dabei, die Halinas, Beliebichs, Lederers und wie sie alle heißen.

    Natürlich darf auch die letzte (?) 2. Sekretärin der FDJ-Kreisleitung der Martin-Luther-Universität Halle, die gute Petra Sitte, nicht fehlen. Solche wie sie haben früher schon immer alles besser gewusst und daran wird sich natürlich auch nie etwas ändern. Früher hätten sie das, was ihnen nicht passt, verboten oder nach oben gemeldet. Heute versuchen sie soetwas mit der finanziellen Keule zu klären.

    Oh, Entschuldigung, Frau Sitte ist natürlich Frau Doktor. Sie hat mit dem schönen Thema “Die Führungstätigkeit der SED-Bezirksorganisation Halle bei der Weiterentwicklung der sozialistischen Produktionsverhältnisse in der Industrie und der Herausbildung der Kombinate” promoviert. Damit war sie natürlich bestens für höhere Weihen vorbereitet. Daraus wäre dann beinahe nichts geworden. Nur gut, dass der Hals drehbar genug war und ist. So ist und bleibt sie weiter obenauf wie ihre Freundin Hein, die natürlich auch auf oben genannter Liste nicht fehlen darf.

    Ja, sie sind alle dabei und sicher mächtig stolz. So stolz sind sie, die wahren, gewendeten “Demokratischen Sozialisten”, dass sie gar nicht merken, wie sie ein weiteres Steinchen in das Mosaik zur Spaltung des linken Lagers setzen – sehr zur Freude der Eppelmänner und Broders, die nichts anderes wollten und sich nun selbst nicht ihre Patscherhändchen schmutzig machen müssen.

    Viel Spaß dann noch auf dem Weg zu 4,9 Prozent.

    Ein Teil des Kommentars wurde von der Moderation entfernt.

  3. V sagt:

    Da hatte ich die Emali gerade noch gelobt…und nun sind sie an diesem Punkt auf einer Linie mit Gröhe und Broder.

    Das ist ja sowas von übel fürs Image.

    Bei der Emali möchte man wohl lieber, dass der Prager Frühling gekauft wird. Das mache ich jetzt auch nicht mehr. Wer provoziert, muss natürlich mit Gegenwind rechnen und so hat die jW selber Schuld. Es fragt sich nur was die Alternativen sein sollen. Beim Springer Verlag gibt es ne interne Answeisung, keine Anzeigen der Linken zu drucken. Das hat Gysi nicht davon abgehalten, für BILD-Werbung zu posieren.
    Schreibt die TAZ gerne was die Emali möchte? Will man sich bei der FR für die Propaganda gegen DIE LINKE bedanken? Vernünftige Onlinekampagnen kriegt DIE LINKE nicht auf die Reihe und Printmedien, die eventuell auch Nichtmitglieder interessieren könnten auch nicht, weil alte Säcke, die nicht den geringsten Check von Marketing haben, auf den Mitgliederbeiträgen sitzen. Prominentes Beispiel aus dem Wahlkampf, Gysi lässt eine Idee von sich produzieren (“Reichtum für alle”), die die perfekte Vorlage für den politischen Gegner ist und die dann nicht nur er monatelang erklären muss. Was haben wir gelernt? Ironie auf Wahlplakaten – dumme Idee.
    Aber er ist ja auch Jurist und Rinderzüchter. Da weiß man sowas nicht von vornherein. Man muss natürlich auch erstmal mal erkennen, wovon man selber keinen Plan hat. Bleibt festzustellen, dass die jW eine Vorlage geliefert hat, um Linke zu spalten. Dafür gebührt ihr sicher kein Dank und man muss sich auch fragen, welchem Zweck das dienen sollte.
    Inwiefern das Einprügeln auf die jW jetzt einer linken Hegemonie förderlich sein soll, kann man alle Linke fragen, die jetzt wieder einen willkommenen Anlass zur Selbstzerfleischung wahrnehmen.

    Merkt Ihr irgendwann nochmal auch nur einen einzigen Einschlag?

  4. Micha sagt:

    MdB der Linksfraktion scheinen ja emanzipative Auffassungen zu Macht und Geld zu haben.
    Ich dachte immer, dass die gut daran täten, Ihre Auffassungen unters Volk zu bringen und deshalb Anzeigen schalten aber offensichtlich ist dem nicht so.
    Sie schalten Anzeigen, um eine finanzielle Unterstützung zu leisten bzw. bei ideologischen Ungehorsam wird diese Unterstützung wieder entzogen.

    Die geschichtsvergessene und umnachtete Seite 1 der Jungen Welt habe ich deutlich kritisiert aber ich habe noch nicht Danke gesagt, für die fröhlichen Urstände, die nach 22 Jahren im Umgang dieser Partei mit der Jungen Welt wiederauferstehen.
    Vielleicht sollte die PArtei neben ihrem Boykott auch wieder das rotes Telefon installieren.

  5. Georg sagt:

    Bin sehr gespannt auf die Auseinandersetzung innerhalb der Linken um die jW in den nächsten Tagen. Da könnte sich etwas zusammenbrauen.
    Es wird interessant sein zu sehen, ob die Junge Welt aufgrund ihrer Verneinung eventuell sogar einen Vorteil ziehen wird.
    Der Aufruf “NO TO Junge Welt” ist kostenlose Werbung für die Junge Welt !
    jW könnte DANKE sagen !!!

  6. V sagt:

    Huch? Zensiert? Naja, ist halt b FDS-Channel, watt will man machen?

  7. Sebald sagt:

    Was soll man zu alledem nur sagen? Gerade erleben wir, wie sich die Finanzkrise verschärft und immer deutlicher wird, dass das neoliberale Modell gescheitert ist, und was macht Die Linke? Sie liefert sich innerlinke Schlammschlachten. Erst gibt es die Stalinismusdebatte, dann gibt es die Mauerdebatte, die Antisemitismusdebatte, dazwischen gibt es regelmäßig Führungsdebatten und jetzt gibt es noch die Junge-Welt-Debatte. Vielleicht sollte man gelegentlich auch mal an die wirklichen Probleme denken, anstatt sich immer wieder in überflüssigen Debatten zu verschleißen.

    Man kann ja von der Junge-Welt-Titelseite halten was man will. Auf jeden Fall ist die Angelegenheit keinen neuen innerparteilichen Großkonflikt wert. Denn natürlich wird der Aufruf zum Boykott der Jungen Welt die Partei in eine weitere Zerreißprobe stürzen. Die Aktivisten von fds und Ema.Li wissen das natürlich – und nehmen es trotzdem in Kauf. Zudem zeigen die Aufrufe ja auch deutlich, dass es bei all dem nur am Rand um die Mauerbau-Titelseite geht. Was diese Leute offenbar schwer ertragen können, ist, dass die Junge Welt eine unabhängige Zeitung ist, die gelegentlich auch kritisch über Politiker der Linken berichtet. Deshalb soll eine der wenigen linken Tageszeitungen kaputtgemacht werden. Immerhin zeigen diese Leute mit dem Aufruf einmal mehr, wie es um ihre Vorstellung von Toleranz und Pluralismus bestellt ist.

    Ich habe den Eindruck, hier wollen einige solange ihre Schlachten schlagen, bis es Die Linke nicht mehr gibt. Ich finde das alles nur noch gruselig.

  8. wh sagt:

    @V: Nur zur Kenntnis, obwohl schon mehrfach erklärt: Entfernt werden nur (selten) Passagen und (noch viel seltener) ganze Kommentare, die entweder beleidigend sind oder Nazivergleiche bzw. sonstige justiziable Formulierungen enthalten. Auch wenn jemand Sie beleidigt, wird das gelöscht. Wenn Sie das als Zensur bezeichnen möchten – bitteschön.

  9. Call sagt:

    Oh, nun bin ich auch zensiert worden. Wie humorlos man hier doch ist bei den Fans der Puster im Wasserglas. Ist es so angenehmer?

  10. Manuel sagt:

    möchte nur mal kurz anmerken, dass der unter http://www.freiheit-und-sozialismus.de veröffentlichte aufruf nicht ein aufruf der ema.li ist, sondern eine aktion von genossen unterschiedlichster verortung in der partei, die eine kooperation mit der jw nach dem 13.8.2011 nicht mehr verantworten können. hier finden sich eben gerade nicht nur funktions- und mandatsträger, sondern auch genossen der basis. übrigens aus ost und west.

  11. wh sagt:

    @ Call und V: Der erste Satz im Kommentar von Call lautete sinngemäß: Sie sind wieder alle dabei, die Stürmer im Wasserglas. Bei dem Begriff Stürmer klingelt hier schon mal die Alarmglocke, denn zuletzt wurde – auch hier in manchem gekürzten oder ganz gelöschten Kommentar – die junge Welt mit dem NS-Hetzblatt Stürmer verglichen. Ich hatte oben schon erklärt, dass solche Dinge unterbunden werden. Falls es im konkreten Fall eine Fehlinterpretation und die Formulierung nicht so gemeint war: Entschuldigung.

  12. Dani Behr sagt:

    Nach diesem Titelbild wirkt die Junge Welt Werbung in der Titanic gar nicht mal so deplatziert. Vielleicht plant ja die jW-Redaktion in Wirklichkeit eine langfristige Umorientierung zur Satire-Zeitschrift. Könnte eventuell ein paar neue Abonnements an Land spülen. Außerdem muss man auch zugeben, dass dieses Titelbild – ungeachtet der moralischen Einwände – eine erfrischende Abwechslung im verordneten Mauertrauerspektakel war.

    Ein Rückzug der LINKEN aus der jW wäre jedenfalls ein Fehler. Es würde der Partei mehr schaden, als helfen….

  13. Fares Rahabi sagt:

    Eine Korrektur (die zur Klarstellung m.E. in den Text übernommen oder diesem angefügt werden sollte):

    Der Aufruf ist auf einer eigenen Internetseite veröffentlicht worden (siehe Impressum) und nicht auf der Seite der Emanzipatorischen Linken (die leider ziemlich brachliegt), auch wenn die Erklärung des Berliner Koordinationskreises derselben ähnliche bis gleiche Forderungen enthält.

    Nur mal so als Hinweis, weil ich mich wundere, wie dieser Blog hier zu der falschen These kommt…

  14. Rotstift sagt:

    Erfreulich ist ja, dass die Mehrheit der Kommentierer hier die Dinge richtig sieht, und das heißt primär erst mal im sinne der Presse-freiheit: Wird sich die Reformer-Linke von der Zusammenarbeit mit der BILD zurückziehen wenn die mal wieder Schmiergeschichten über arabische Asylanten erzählen? NEIN Doch! Wir müssen doch an die Leute ran, mit Ihnen reden. Junge-Welt-Boycott? Aber JA doch, denn die (ständig steigende) Leserschaft dieser Zeitung ist uns sch…egal. So weit, so richtig in Eurer Analyse: Hier herrscht eine primitive Doppelmoral aufgrund einer Schwarz-Weiß-Feind- Sicht vor, und die Methoden sind entsprechend E.stali.(n) -ange-haucht.

    ABER: Keiner denkt mehr ans Ganze. Und das betrifft GENAUSO die Ideologen der Jungen Welt. Machmal habe ich das Gefühl man leistet sich in dieser Redaktion einen Wettbewerb darum, wer als erster für sich in Anspruch nehmen kann, die seit Generationen einzige erfolgreiche linke Partei in Deutschland wieder zerstört zu haben. Und wofür? für die RICHTIGKEIT der Interpretation eines Haufens Steine von vor 50 Jahren.

    Deshalb riskiert man die einzige Partei gegen Hartz IV? Deshalb soll die einzige leistungsfähige Infrastruktur antifaschistischen Arbeitens kaputtgehen? Deshalb soll die einzige Partei gespalten werden, die eine expansive Außenpolitik ablehnt?

    Ich kann nur sagen, wer eine solche zynische erste Seite raus- bringt, dem geht es nicht um die Linke (und das meint jetzt alle). Im Gegenteil, der Redakteur, der diese Schlagzeile gesetzt hat, wollte der Linken schaden (und das meint jetzt auch alle).

    Gehts euch noch gut in eurem Turm des gepflegten Autismus?
    Jung ist das nicht, und (die Außen-)Welt kommt in solch einer Sicht nicht mehr vor. Schade, ich bin schon enttäuscht über die instinktlose Selbstgerechtigkeit, die anscheinend in dieses einst so spannende Medienprojekt eingezogen zu sein scheint.

  15. Linksman sagt:

    Wenn ich nicht schon ein JW-Abo hätte, würde ich nun erst recht eines abschließen.

    P.S. Kleine – aber nicht unwichtige – Notiz am Rande:
    Um die arg kurz geratene Anti-JW-Liste doch noch ein wenig zu strecken, tauchen die Familien Liebich, Hoff und Lederer jeweils gleich zweimal auf…

  16. Juergen Angelbeck sagt:

    Dieser Umgang mit der jw erinnert an exakt die fiesen Charaktereigenschaften, die von notorischen Empörungsprofis denen unterstellt werden, die angeblich die “Mauer” zu verantworten haben. Wer die Kreise stört, mit dem wird kurzer Prozess gemacht ! Mangels Macht bleibt es einstweilen (nur) bei einem Boykottaufruf. Gut daran ist, dass seine Initiatoren und Unterstützer damit eine ziemlich klare Vorstellung davon ermöglichen, wie sie sich verhielten, wenn sie tatsächlich hierzulande etwas zu sagen hätten. Wieder ein Stück mehr Klarheit !

  17. Jens Raabe sagt:

    Manuel

    Nach Ihrer Behauptung : “möchte nur mal kurz anmerken, dass der unter http://www.freiheit-und-sozialismus.de veröffentlichte aufruf… eine aktion von genossen unterschiedlichster verortung (ist)…”

    hab ich mir mal a weng die Mühe gemacht und die Verortung der Genossen angesehen. :)

    Ihrer Reihenfolge folgend:

    Mirko Schultze (Verlinkt mit dem Portal von Benjamin Krüger) (fds?)
    Michael Grunst (fds)
    Fares Rahabi (fds)
    Christiane Hoff (fds)
    Brigitte Bierhoff-Walinski (32 Jahre SPD und nun Real-Politikerin :D )
    Maik Zinn (Bubi aus Berlin)
    Nils Exner (Jünger des LAK Shalom Saarland)
    Mark Seibert (fds)
    Michael Schreiner (Unterzeichner berliner-initiative-gegen-gaza-flottille) solid (bak shalom(?))
    Dirk Schröter (BAK Shalom)
    Manuel Böhm (schreibt in “scharf-links” immer so nett für fds)
    Uwe Schwarz … :D
    Johannes Rabe (Spezi von N.Exner und outet sich bei Twitter als Jünger vom LAK Shalom Saarland)
    Sebastian Koch (Mitarbeiter von Halina Waw… der kommt vom BAK Shalom)

    und nun hab ich keene Lust mehr…

    jeder kann sich selbst ein Bild machen wie “unterschiedlichster verortung” für Sie aussieht! :D

    Junge Junge hier ist was los….

    Ein Teil des Kommentars wurde von der Moderation gelöscht.

  18. Fabio De Masi sagt:

    Nun: Es ist eine Sache ob man Anzeigen in der JW finanziert. Diese Debatte kann ich angesichts des dummen Titelblatts durchaus nachvollziehen und daran werden wir nun öffentlich hinsichtlich des Mauerbaus gemessen.

    Keine Kontakte mit der JW ist aber doch etwas albern. Da geht es auch nicht mehr um die Würde der Mauertoten sondern um das parteiinterne Spielfeld…ND als parteinaher Monopolist. Das ist leicht zu durchschauen…

    Schließlich wollen wir für unsere Politik öffentlich werben. Sonst müssten wir ja auch Interviews mit SPIEGEL oder Süddeutscher Zeitung ablehnen, weil diese redaktionell den Afghanistan-Krieg, FRONTEX oder Hartz IV befürworten oder DIE LINKE bekämpfen (meistens mit freiwilliger Unterstützung aus den eigenen Reihen).

    Ich denke das Kriterium muss immer sein wie erreichen wir Leute, die für unsere Botschaften zugänglich sind. Der Jungen Freiheit gibt man z.B. kein Interview, außer man sucht eine kluge Konfrontation.

    Wichtiger fände ich ohnehin wir würden uns nicht immer um uns selbst bzw. die alte PDS-Sauce kreisen. Wir diskutieren Antisemitismus und Mauer während Finanzkrise, Steueramnestie, Hungerkatastrophe, Fukushima und soziale Unruhen die bestimmenden Themen sind. Die Akteure – ob auf den linken oder rechten Flügel sind meistens bei diesen Debatten auch immer die alten Ersatzspieler. Das alles schadet. Im Übrigen v.a. im Westen, also dort wo die PDS nie Fuß gefasst hat. Wollen wir dahin zurück? Ich nicht.

    DIE LINKE war erfolgreich mit Zeitgeist-Themen wie Mindestlohn u.a., nicht mit interner Küchenpsychologie…

  19. Jan B. sagt:

    Der Text “Reissen wir die Mauern ein” erhaelt beim BlaBlaMeter (http://www.blablameter.de) folgende Bewertung:

    “Bullshit-Index :0.44
    Ihr Text riecht schon deutlich nach heißer Luft – Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Für wissenschaftliche Arbeiten wäre dies aber noch ein akzeptabler Wert (leider).”

    Ansonsten hat dieser Aufruf gezeigt, dass es bei dieser ganzen Aufregung um einen sicherlich geschmacklosen Scherz nicht wirklich um die Position der jW zum Mauerbau geht, da es sich die Intiatoren nicht verkneifen koennen auch ihrer Empoerung darueber Luft zu machen, dass es die jW doch tatsaechlich gewagt hat als unabhaenigige Tageszeitung fuehrende Mitglieder der Partei (die selbst bei nach aussen getragener Kritik an dem innerparteilichen Gegner nicht wirklich zurueckhaltend waren) und sogar den Berliner Landesverband zu kritisieren (der vermutlich mit seiner desastroesen Politik einen groesseren Imageschaden fuer die Linke produziert als es die jW jemals koennte).

    Auch wenn mich solche geschmacklosen Titelseiten nicht wirklich begeistern und besonders die Nahost-Berichterstattung eher schauderlich finde, schaetze ich die jW als Meinungsmedium, welches statt Positionen hinter heisser Luft zu verbergen, die Dinge lieber direkt beim Namen nennt. Dass das nicht jedem gefaellt gehoert zur Natur der Sache.

    Dass vor allem solche Linke, die Schlagwoerter “libertaer” und “pluralistisch” in jedem zweiten Satz verwenden, am wenigsten Toleranz fuer differente Auffassungen zeigen (wie gesgat: ein Boykot-Aufruf gegen eine unabhaengige Tageszeitung, der teilweise sogar offen mit deren kritik an Parteimitgliedern begruendet wird), ueberrascht mich nicht wirklich.

  20. Halina sagt:

    @fabio: eines der zentralen themen für mich wäre gerade die neuausrichtung der arbeitsmarktpolitik und das da offensichtlich die arbeitgebervertreter mit den gewerkschaften gemeinsam auf einer linie sind und ein veto für 1 euro-jobs fordern… nicht nur, dass der dgb dem bericht der hartz kommission im jahr 2002 zugestimmt hat (ich erinnere mich, bei dessen vorstellung waren wir ein häufchen protestierer), nein sie akzeptieren das auch jetzt, indem sie nicht die abschaffung der 1 euro jobs fordern, sondern lediglich ein veto… wo ist da der aufschrei unserer partei? hat sie dazu überhaupt was gesagt?… ich finde ja: öbs statt 1 euro-jobs!

  21. Sönke sagt:

    “Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche”, oder möchten doch wenigstens über die Methoden von damals verfügen: Boykott, Geld abdrehen, Anzeigen sperren, Stände verbieten. Linker, kritischer, bissiger, aggressiver, radikaler, witziger, gut lesbarer und treffsicherer Journalismus ist das Gebot der Stunde! Die erste Seite der jW v. 13./14. August ist wirklich heftig, hat aber m. E. gut getroffen. Und das vor dem Hintergrund, dass 60% im Osten und 40% im Westen die Errungenschaften des DDR-Sozialismus’ noch heute gut finden. Und natürlich das Gedicht von Peter Hacks…

  22. Manuel sagt:

    Jens, das ist ja eine feine Fleissarbeit, die sie da abliefern. Ich wusste gar nicht, dass jetzt schon als Hobby Kaderakten gepflegt werden ;-) Und über den Rest der nun schon über 180 Unterzeichner weiss ihr Aktenschrank nichts zu berichten?

    Da ich persönlich erwähnt worden bin. Mir ist nicht bekannt, dass ich ausgerechnet in Scharf-Links im Sinne des FDS publiziere. Das ist mir nun noch gar nicht aufgefallen. Sie sollten doch bitte mal etwas genauer recherchieren, dann finden Sie sicher auch meine kritischen Beiträge zu Politik und Arbeit des FDS.

    Andererseits. Lassen wir es doch einfach bei den Schubladen. Sie und ihre Freunde hier lesen weiter die jW. Andere lesen dieses Blatt nicht mehr. Und da wir uns als Partei offensichtlich (noch) nicht einigen können, schalten wir dort so wie in der Bild-Zeitung auch keine Anzeigen mehr.

  23. rak sagt:

    Zur Instinklosigkeit der jw-Macher wie zum Verständis von Pressefreiheit und intellektueller Toleranz der Boykottaufrufer scheint hier alles gesagt.
    Was mich noch irritiert ist, dass sich die Seite “freiheit und sozialismus” des LINKEN-Emblems bedient. Ist das jetzt allgemein für jeden freigegeben?

  24. Manuel sagt:

    Mich erstaunt im übrigen, dass Gen. De Masi nun, nach dem 13.8.11 und der öffentlichen Debatte über das krude Geschichtsbild der jW, sich auch mit dem Gedanken anfreundet, die jW nicht mehr über Anzeigen zu finanzieren und sie in eine Reihe mit anderen Presseerzeugnissen stellt. Gleichzeitig scheint ihm das ND als Sprachrrohr der Linken etwas suspekt. War er es nicht, der als erster Unterzeichner des “Fair Play” Aufrufes forderte, dass die jW – zusammen mit dem ND – zu unseren nicht-offiziellen Zentralorgan erhoben werden sollen? Woher der Sinneswandel? Hat die Selbstdemaskierung der jW, deren Höhepunkt der Titel zum Mauerbau ist, doch zu solch einem heftigen Gegenwind in Partei und Öffentlichkeit geführt, dass man sein “Fair Play” überdenkt? Schon bemerkenswert.

  25. Heinz sagt:

    Da braut sich garnix in der Linken zusammen. Ein Boykott der JW wäre für die Partei medialer Selbstmord. Der Boykottaufruf und ihre Unterstützer erreichen gerade das Gegenteil davon, was sie bezwecken wollen. Gerade weil die JW den Nerv der Zeit trifft. Vielen Genossen wird nun auch deutlich für was die Boykottierer eigentlich stehen…

  26. Manuel sagt:

    Mauernostalgie trifft den Nerv der Zeit? Die Bürger in Ost und West fanden die Errungenschaften des DDR-Staates (mit Mauer, Schiessbefehl und Stasi?) gut? Da frage ich mich aber schon ernsthaft, ob man hier seine kuscheligen linken Revolutionseckchen mit dem echten Leben auf der Strasse verwechselt.

  27. vk sagt:

    @rak: Weil die Seite “Freiheit und Sozialismus” das Linke-Logo trägt und weil es auf der Ema.Li-Seite eine Rubrik mit dem gleichen Titel gibt, hatte ich angenommen, dass beides von Ema.Li kommt. War offenbar ein Fehler.

  28. Eckernförder sagt:

    Boykott der JW? Ach Du meine Güte… In welcher Welt lebt Ihr denn? Wer eine plurale Partei will (im Gegensatz zur SED), muß mit anderen Meinungen leben. Ich finde das bewußte Titelblatt auch völlig daneben, aber die Zeiten, in denen eine “Geistesbürokratie” (Leo Kofler: Stalinismus und Bürokratie, 1952) darüber entscheidet, wer in der Partei was denken und sagen oder welche Zeitung er/sie lesen darf, ist endgültig vorbei! Der Boykottaufruf enbehrt also nicht einer gewissen Komik. Ebenso albern ist das Theater darum, wer warum zum Gedenken an den Mauerbau nicht aufsteht.

  29. call sagt:

    @ Heinz

    Bis jetzt sind es tatsächlich nur rund 200 Unterzeichner, obwohl noch eine prominente Unterzeichnerin gestern mittag tönte, es werden nun minutlich mehr.

    http://twitter.com/#!/Halina_Waw/status/103407891171643392

    So könnte es wieder bei einem weiteren Sturm im Wasserglas bleiben. Vielleicht müssen aber noch ein paar der Getreuen vom BAK Apparatschik aus ihrem Schlaf der Gerechten aufgeweckt werden und sowas gestaltet sich mitunter schwierig und langwierig. Man wird also sehen (bei den Fairplayern ging das allerdings schneller).

    Ansonsten halte ich diesen Aufruf schon für eine Zäsur. Ich hoffe, dass die jw daran nicht zugrunde geht. Wer soll sonst noch über Halinas traurige Protestiererhäufchen berichten? Bild hat dafür jedenfalls keinen Platz, die müssen sich schon um Pippas und sonstiger Monarchen-Gesäße kümmern.

  30. js. sagt:

    “Pressefreiheit”, “kurzer Prozess” etc – nun mal halblang, die jw. soll doch schreiben was, wie und wo sie will!
    Nur: Welchen Grund sollte es denn für die PdL geben, die jw weiterhin anders – also privilegierter – zu behandeln/zu finanzieren als andere Presseerzeugnisse auch, zumal sie doch ganz offen als Kampfblatt gegen die PdL (Mehrheit) agiert und neben DKP und SED-Altdenkern lediglich eine bestimmte, verwandte Strömung in der PdL unterstützt? Das wäre doch ein bisschen zuviel an christlicher Nächstenliebe verlangt, oder?

    @Fabio:
    Simmt schon: Die alte PDS (-Sauce) hat im Westen nie Fuß gefasst! Ob das der neuen AKL-, SL-, ISL-, Linksruck-, WASG-(Sauce) besser gelingen wird, daran habe ich (nicht nur) angesichts der letzten LTW-Ergebnisse allerdings auch so meine Zeifel.

  31. Halina sagt:

    schon die überschrift hier im blog scheint es mir nicht ganz auf den punkt zu bringen… in dem aufruf (den ich unterschrieben habe) heißt es am ende: “Ein Anfang wäre die Einstellung jeder Kooperation mit der Tageszeitung “junge Welt”, was damit beginnt, diese Zeitung nicht mehr durch Anzeigenschaltung quasi “mit zu finanzieren” und ihr keine Stände mehr auf Veranstaltungen und Parteitagen zu genehmigen.”…

  32. Sebald sagt:

    Ich denke schon, dass es bei dem Aufruf darum geht, die Junge Welt ökonomisch zu ruinieren. Achim Bittrich hat das Anliegen mit den Worten: „Es wird Zeit, das Drecksblatt auszutrocknen! “ auf den Punkt gebracht. Ich finde, dass solch eine Haltung mit einer pluralistischen und toleranten linken Partei nicht zu vereinbaren ist. Verbieten, ausgrenzen, mundtot machen – das sollte nicht das Markenzeichen der Linken werden. Und wenn solche Forderungen dann noch von Leuten kommen, die sonst immer von Toleranz, Liberalität und Emanzipation reden, dann entlarvt sich dieses ganze Gerede nur als Heuchelei.

    Es ist ja nicht das erste Mal, dass Leute aus dem Umfeld des fds und der Ema.Li versuchen, inhaltliche Kontroversen mit autoritären und administrativen Methoden zu unterbinden. Sicher gibt es inhaltliche Kontroversen zwischen der Jungen Welt und vielen Unterzeichnern des Aufrufes. Beispielsweise hat sich die Junge Welt immer klar gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr ausgesprochen – und sie hat Gerry Woop und Stefan Liebich für ihre Befürwortung von Bundeswehr-Auslandseinsätzen regelmäßig kritisiert. Diese Fragen müssen dann aber inhaltlich diskutiert und entschieden werden. Die Verhinderung missliebiger Positionen ist da mit Sicherheit der falsche Weg.

  33. Linda sagt:

    Hi zusammen!
    Ich gebe erstmal zu, die letzten Kommentare habe ich nur überflogen, aber ich möchte dennoch mal grundsätzliches darstellen:

    Unterzeichner einer Unterschriftenliste, besonders die, die als 1. kommen, haben nicht zwangsläufig etwas mit den Initiatoren zu tun.

    JEDER, einfach JEDER kann dort unterzeichnen, egal welcher Ansicht er sonst ist, was er sonst von sich gibt oder wie er sonst denkt.
    Glaubt ihr wirklich, Menschen wäre so eingeschränkt, immer nur in eine Richtung denken zu können?
    Selbst ein Stocklinker kann die eine oder andere Forderung eines Nazis irgendwie nachvollziehen oder ist gar der selben Meinung wie er (ob er das komplette Feld der Forderung dabei überblickt oder nicht ist dabei eine andere Frage).

    Ist nun eine Unterschrift gegen das Tragen von Pelz weniger wert, wenn sie von einem Fleischesser unterzeichnet wird?

    Wenn ich eure Kommentare grob betrachte, dann klingt das für mich wie das krampfhafte suchen nach Gründen um es schlecht zu reden.

    Zum Thema “Selbstzerfleischung”: Ob das nun öffentlich und mit Gründen passiert oder einfach nur immer weiter im Untergrund schmort ist doch nun völlig egal.
    Wenn wir mal ehrlich sind: Die Linken dieser Welt haben sich schon immer gegenseitig zerfleischt. Zum einen auch weil Untergruppen mit eigentlich ähnlichen Zielen doch nur ihrs durchsetzten wollten.
    Hier ist es nun so das der FDS den nicht mag, BAK Shalom mag wieder einen anderen nicht, die EmaLi wiederrum den nächsten, obwohl dort sicherlich Punkte wären, an denen man gemeinsam arbeiten könnte.
    Aber Nein. Aus taktischen Gründen, aus persönlichen Vorurteilen, aus einfach kapitalen Vorzügen, die man dann vielleich teilen müsste, werden Intrigen gesponnen, Hetze gegeneinander betrieben und so macht man sich gegenseitig wunderbar kaputt.

    Hier passiert nichts anderes. Obwohl wir uns alle links schimpfen hagelt es nur aufeinander ein. Kritik ist immer gut und schön, aber hier wird nichtmal versucht den anderen zu verstehen.
    Ich versuche mich doch auch in jemanden hineinzuversetzten, der die Mauer total toll fand und gegen die SED und die Stasi überhaupt nichts einzuwenden hatte. Logo, ist viel schwieriger als einfach zu sagen, die wären blöd, Heuchlerisch, vom Verfassungsschutz oder einfach Gesandte des Teufels.
    Ausserdem geht es mir ja vielleicht auch um Geld, Macht und Position und das möchte ich ja nicht nur wegen einer einfachen Sache wie der Wahrheit oder der Ehrlichkeit verlieren.

    So, genug der Worte.
    Verantwortlich für: http://www.freiheit-und-sozialismus.de/
    bin ICH. Allein ich.
    Ich bin weder ein Anhänger von den einen, noch von den anderen und habe auch nicht vor es zu werden. Wäre doch dämlich wen ich mir durch vorgepresste Meinungen die Chance auf Erfahrung nehme.
    Ich finde es richtig, die junge Welt nichtmehr zu unterstützen.

    Es ist etwas völlig anderes, wenn jemand dort Artikel schreibt, Leserbriefe beantwortet oder den nächsten Comic zeichnet.
    Aber als Partei, sollte man doch nur Blätter finanziell unterstützen, deren Meinung man auch großteilig zumindest, vertreten kann.
    Und wenn die Linke sich als demokratisch, rechtsstaatlich und emanzipativ bezeichnet und immer wieder davon spricht, dass sie total viel reflektieren würden über die DDR und das auch alles nicht gut heissen und so (natürlich trinkt man dazu offensichtlich Erdbeertee), dann hat sich die jW mit diesem Artikel einfach als nicht Meinungsgleich erwiesen. Und das in einem sehr wichtigen Punkt.

    Punkt.
    Linda

    Teile des Kommentars wurden von der Moderation gelöscht.

  34. Olaf sagt:

    Auf Facebook existiert ein Aufruf, der Jungen Welt Briefe zu schreiben, mit der Aufforderung sich auf der Titelseite ebenso groß zu entschuldigen. Das ist eine weitaus sinnvollere Initiative, als hier mit Boykottaufrufen den Knüppel herauszuholen.

  35. Hanuska sagt:

    Man kann ja unterschiedlicher Meinung sein über die 1,Seite der Jungen Welt.so schlimm fand ich sie nun wieder auch nicht.
    Ich werde auf jeden Fall die Junge Welt weiterhin lesen., schon wegen der meist interessanten Seiten 10 und 11.

  36. heuohr sagt:

    Übrigens hat auch das ND inzwischen kräftig daneben gelangt. In einem Kommentar begab sich ein M. Wedel auf ähnliche Gleise: http://www.neues-deutschland.de/artikel/204533.bis-zur-naechsten-diktatur.html

    Das hat mich zu folgendem Kommentar veranlasst:

    “Was M. Wedel da an Menschenverachtung und Zynismus offenbart ist erschreckend. Er hat wohl auch noch nicht begriffen, dass Maßnahmen wie der Mauerbau einen tiefen Bruch mit linken, humanistischen Idealen darstellen. Da ist es wenig tröstend, dass es schlimmere Vergehen von anderen gab und gibt.

    Wer sich nur am Übel der anderen messen kann, wie auch Lafontaine in seinem unsäglichen Erguss zum Stalinismus (ND vom 13.7.), der hat selber wohl kaum eigene Werte für die sich gemeinsam zu streiten lohnt.

    Diese selbsternannten “Linken” sind mir zuwider: “Sie brüsten sich mit ihrer Freiheit; aber sooft sie das Schlechte getan, machen sie sich schuldlos und sagen, sie wären Sklaven des Schicksals”, schrieb Ludwig Börne schon 1819.

    Die Mauerbau-Relativierer sollten zur Kenntnis nehmen, dass eine Verurteilung dieser Grenzmaßnahme durchaus nicht beinhalten muss, dass die Biographien der Menschen in der DDR deshalb gleich mit entsorgt werden muss. Ganz im Gegenteil. Aber wer auf diesen „Werten“ beharrt, disqualifiziert sich in meinen Augen als Linker.

    Und sie sollten endlich begreifen, dass die Welt durchaus komplizierter ist als in den Verlautbarungen der Politbüros und Parteivorstände vergangener Jahrzehnte.

    So wurde z.B. mit Kurt Lichtenstein am 12.10.1961 im Landkreis Salzwedel ein verdienter Spanienkämpfer als einer der ersten an dieser Grenze erschossen.

    Vielleicht kann das ND ja zu diesem Jahrestag ein Portrait dieses Mannes bringen. Aber bitte nicht von Wedel. Sonst bestelle ich das Blatt wirklich bald ab.”

    http://www.neues-deutschland.de/artikel/204533.html#c8852

  37. Fabio De Masi sagt:

    @ manuel: seit wann bin ich der genosse de masi ? ich kenne dich nicht mal…

    aber nebenbei. ich halte spielregeln in einer partei für richtig. die ständige beschäftigung mit antisemitismus, mauerbau u.a. themen zeigt doch, dass einige die medien immer noch mit jedem unsinn füttern.

    ich halte es immer noch für richtig, dass interviews mit massenmedien u.ä. überwiegend für die werbung für unsere positionen zu kernthemen genutzt werden.

    aber was hat das mit dem hier diskutiertem thema der anzeigenfinanzierung zu tun? verstehe ich nicht. ich habe mich weiterhin für die nutzung der jw zur darstellung unserer positionen ausgesprochen. alles andere wäre ja auch lächerlich…

    ps. hier ein aktuelles interview von oskar, dass trotz mauerdebatte überwiegend zur darstellung der eigenen positionen genutzt wird

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1531348/

  38. Linda sagt:

    Olaf, warum sollte sich die jW denn für ihre Meinung entschuldigen?
    Die berichten doch nicht ohne vorher darüber nachzudenken was sie schreiben.

    Nochmal zu den Entfernungen in meinem Kommentar vorher:
    Da habe ich Vergleiche gemacht, die offensichtlich zu heikel waren.
    Aber man sollte nicht vergessen wie “wir” über andere Publikationen denken, weil sie nicht das schreiben, was “unserer” Meinung entspricht, obwohl da vielleicht ein wirklich gutes Horoskop oder Reiseberichte drin sind.
    Da gäbe es auch nie Anzeigen.

  39. call sagt:

    @ Linda

    Wenn Sie nur für sich schreiben, dann sollten Sie schleunigst das Linke-Logo von der Seite nehmen. Die Verwendung des Logos kann für jeden unbefangenen Betrachter nur so gewertet werten, dass Sie sehr wohl für die Partei oder zumindest eine der Strömungen auftreten.

    Im Übrigen widersprechen Sie sich selbst. Hier reden sie davon, dass es “etwas völlig anderes ist, wenn jemand dort Artikel schreibt, Leserbriefe beantwortet oder den nächsten Comic zeichnet.” In Ihrem Aufruf liest sich das anderes: Da weisen Sie unter anderem darauf hin, dass “funktions- und mandatstragende Mitglieder” …”Einlagen in der jW-Genossenschaft gezeichnet (haben), Mitglieder der Bundestagsfraktion … für die jW” schreiben. Das sei für Sie “unerträglich” geworden. Warum stehen Sie nicht einfach zu Ihrem eigenen Aufruf?

    Ob Ihnen die Formulierung zu “Stocklinken” und Nazis gut gelungen ist, möchte ich mal in Zweifel ziehen aber Ihrem eigenen Urteil überlassen. Mit derartigen Dingen haben auch solche wie Frau Pau so ihre Schwierigkeiten – insofern nichts neues bei der PdL.

    Zum Schluss noch ein Erlebnis aus Berlin, wo Sie wohl auch leben, weil ich gerade bei Nazis bin. Da hängen doch jetzt in der Stadt tatsächlich Bilder mit dem grinsenden Bundesobernazi und dem Zusatz “Gas geben”. Früher haben wir im Osten oft über die Bezeichnung “Antifaschistischer Schutzwall” für die Mauer gelächelt, ja gelacht. Spätestens seit gestern wird mir dieses Lächeln auf immer und ewig im Halse stecken bleiben, Vielleicht sollten wir unsere Energie doch wieder etwas mehr auf diese Faschisten lenken, als uns nicht in jedem Punkt genehme Medien des linken Lagers zu bekämpfen. Es kann durchaus einmal wieder die Frage vor uns stehen: Die oder wir.

    @ Halina

    Sorry, was Sie schreiben ist einfach nur scheinheilig. Die Autoren hier haben den Aufruf mit “Rufen nach Boykott” schon richtig umschrieben. Warum das so ist, hat Sebald schon treffend auf den Punkt gebracht.

  40. Raju Sharma sagt:

    @Olaf
    Wer sollte denn so eine Entschuldigung annehmen? Die von der Jungen Welt verhöhnten Mauertoten? Ihre Angehörigen? Und wie glaubwürdig wäre so eine erzwungene Entschuldigung?

    Im Übrigen ist hier ja schon darauf hingewiesen worden, dass der Begriff “Boykott” es nicht richtig trifft. Es gibt sicher viele Gründe, die Junge Welt zu lesen. So wie es auch Gründe gibt den Spiegel zu lesen oder die BILD. Es gibt sogar Gründe, Kolumnen dort zu schreiben. Aber es gibt keine – zumindest keine guten – Gründe, warum DIE LINKE der Jungen Welt irgendwelche Privilegien gewähren sollte. Die Behandlung der Jungen Welt als “Premium Partner” der LINKEN schadet der Partei insgesamt mehr als dass sie einzelnen in der Partei nützt. Wenn letztere das Blatt unterstützen wollen, können sie dies ja weiterhin tun. Nur eben nicht im Namen der Partei.

  41. Sebald sagt:

    Die heutige taz meldet, dass nun auch ein Fraktionsbeschluss zum Boykott der Jungen Welt angestrebt wird.

    http://www.taz.de/50-Jahre-Mauerbau/!76374/

    Das wäre dann ein zweiter Maulkorbbeschluss. Ich finde diese Neigung, Kontroversen über Maulkörbe und Verbote auszutragen, ziemlich widerwärtig. Ich hatte ja kürzlich geschrieben, dass ich nie ein Anhänger der DDR war. Ein Grund dafür war die fehlende Diskussionskultur, die Neigung, unliebsame Positionen administrativ abzuwürgen. Einige Leute haben aus dem Scheitern der DDR offenbar nichts gelernt. Sie versuchen noch immer, mit autoritären Methoden Politik zu machen.

  42. Micha sagt:

    @linda
    Ich habe die herzliche Bitte, dass Du das Logo der Partei entsprechen den Richtlinie der Partei verwendest und Deinen ausführenden Mitarbeitern Mark Seibert und den Domaininhaber M. Böhm auch entsprechende Anweisungen gibst.

    Nicht das wegen teuren Markenrechts-Streitigkeiten noch “Unterstützung durch Anzeigen” für Deinen Blog nötig sind.

    Im übrigen glaube ich nicht und hoffe es auch nicht für die Linksfraktion, dass diese Anzeigen schaltet, um eine Zeitung zu subventionieren. Das würde richtigerweise die Bundestagsverwaltung auf den Plan rufen.

    Die wird sich wahrscheinlich auch genau anschauen, welche MdBs der Linksfraktion die Junge Welt durch diese rechtswidrige Verwendung von nur für die Öffentlichkeitsarbeit gebundenen Mitteln bisher unterstützt haben und es nun so nicht mehr wollen. Da ist Deine Unterschriftenliste zwar hilfreich für die Bundestagsverwaltung aber nicht für die Linksfraktion.

    Ich bin bisher der Ansicht gewesen, dass sich die Linksfraktion von den 5 Mill PI und 1 Mill User im Monat zur Anzeigenschaltung hat leiten lassen. Ob diese fatale Titelseite jetzt zur Ausrichtung dieser Tageszeitung gehört, sollten die Verantwortlichen in der Fraktion im Gespräch herausfinden und dann auch Ihre Entscheidung davon abhängig machen. Boykottaufrufe sind nicht das beste Mittel, dies zu tun.

  43. Heinz sagt:

    Jetzt auch noch das ND auf Abwegen…..

  44. Karl Sorgen sagt:

    Fabio De Masi,
    danke für den link, ich bin weit entfernt Personen zu herorisieren, im Gegenteil -aber die Systematik in Lafos Interview-was die Rangigkeit der notwendigen Themen für die Linken betrifft, aber auch die Antworten zu Mauerbau und Junge Welt – man kann von ihm immer noch einiges lernen- auch was den Respekt vor Mitstreitern betrifft …

  45. Sebald sagt:

    Hier gibt es noch den Link zum Offenen Brief für einen Boykott der Jungen Welt:

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/download/pdf/brief.pdf

  46. Manuel sagt:

    @fabio: ich wusste nicht, dass man sich in unserer partei jetzt persönlich kennen muss, um die übliche anrede genosse benutzen zu dürfen.

    darüber, ob die jw die richtige umgebung ist, um unsere position als partei darzustellen, wird man jetzt (und tut es auch schon) nachdenken müssen und – so die forderung unserer initiative – zumindest die als direkt zu verstehende zusammenarbeit einstellen. wenn dies in den gremien so beschlossen wird. dass ein solcher beschluss von bestimmten seiten wieder als maulkorb betitelt wird, ist dann halt so. die persönliche zuneigung einzelner zur jw soll ja nicht angetastet werden (dies wäre auch eine anmassend), es geht nur um die stellung der jw als – wie es raju so treffend formuliert – premium partner. das kann sie nach dem 13.8. nicht mehr sein.

    die ständige innerparteiliche und mediale beschäftigung mit themen wie mauerbau, stalinismus, antisemitismus und ähnlichem ist übrigens weder den medien anzulasten, noch den parteimitgliedern, die sich deutlich gegen solche positionen stellen. sondern denen, die diese schauplätze eröffnen, um ihren einfluss in der partei zu sichern und auszubauen. wenn die linke diese themen nicht liefert, hat die presse (egal ob bürgerlich oder nicht) auch nichts zu berichten.

  47. snooker sagt:

    @Heuohr: Naja, Wedel hat wirklich schon Besseres geschrieben. Aber einen Unterschied zur JW gibt es auf jeden Fall: Im ND handelt es sich um eine regelmäßig erscheinende Satirekolumne, in der JW war es dagegen eine offenbar ernst gemeinte Titelseite.

  48. Juergen Angelbeck sagt:

    @Halina
    Wer soll denn auf diesen Versuch der Schönfärberei hereinfallen ?
    Natürlich ist die gewählte Überschrift punktgenau richtig. Der objektive Erklärungswert des in Rede Aufrufs fordert zum Boykott auf. Wer sich mit “Trennung” und “Einstellung jeder Kooperation” vernehmen lässt, sagt nichts anderes als: Anständige Menschen lassen die Finger von der jw !
    Damit ist zwar nicht jeder x-beliebige Leser wörtlich angesprochen, aber doch solche, die ein Abo unterhalten und auf diese Weise die jw mit-finanzieren.
    Die Überschrift hätte vielleicht sogar schärfer ausfallen dürfen. “Vernichtung durch Geldentzug”, ist doch genau das, was die AufruferInnen erreichen wollen.
    Zu diesem Strickmuster fallen mir spontan zwei Beispiele ein: Da gibt es Filialketten, denen Kritik im redaktionellen Teil von Zeitungen missfiel, woraufhin sie die für das jeweilige Blatt wirtschaftlich wichtigen Anzeigen einstellten und erst wieder aufnahmen, nachdem die Zeitungen Wohlverhalten zugesichert hatten.
    Oder der rechte Bürgermeister, dem “linke Umtriebe” im städtischen Jugendhaus nicht passten. Der rief zwar auch nicht wörtlich zum Boykott der Einrichtung auf, ließ aber einfach durch Ratsbeschluss die betreffenden Mittel streichen, beseitigte auf diese Weise den Jugendtreff und sicherte fortan seine Gemütlichkeit. Alltag in der BRD der 1970ger-Jahre !
    Was habt Ihr bloß für eigenartige Vorbilder ?.

  49. Sebald sagt:

    Noch eine Bemerkung zum Offenen Brief “Keine Zusammenarbeit mit der Jungen Welt”: Ich denke, nach diesem Brief werden vor allem Leute wie Michael Cramer, Wolfgang Wieland, Hermann Gröhe und Christian Lindner einiges erklären müssen, nämlich wie sie mit einem geistigen Brandstifter und Rassisten wie Henryk M. Broder einen gemeinsamen Brief verfassen können. Gerade nach dem Attentat von Norwegen sollte doch eine Zusammenarbeit mit diesen Kräften absolut tabu sein. Robert Misik hatte am 27.7. in der taz einen guten Artikel zu diesem Thema geschrieben:

    “Um die Zirkel radikaler Spinner bildeten sich konzentrische Kreise normaler Bürger, die zwar nicht alle Postulate der Moslemhasser vertreten, doch manche ihrer Meinungen teilen und selbst die bizarrsten Wortmeldungen tolerieren. Durchaus angesehene Zeitungen gaben ihnen Raum, ihre Positionen zu vertreten, vom Boulevard ganz zu schweigen, wo Menschenhass sich hinter der Floskel “Das wird man doch noch sagen dürfen” verschanzt. Kurzum: Die gesellschaftliche Immunabwehr hat ausgesetzt. (…)

    Nach dem Massaker versuchen die geistigen Brandstifter den Kopf ein bisschen einzuziehen. Wortreich bekunden sie jetzt, dass sie mit der Tat eines solchen “Irren” doch nichts zu tun haben. Sie versuchen, sich davonzustehlen. Man sollte sie nicht einfach so damit durchkommen lassen. ”

    http://www.taz.de/!75205/

    Und diese Leute wollen nun ersthaft der Linken Nachhilfeunterricht geben?

  50. Jens Raabe sagt:

    hier ist echt was los…

    Es ist schlimmer als ich dachte. Die üblichen – die sonst immer bei anderen Pluralismus einfordern – betätigen sich als Stalinisten und wollen Ihre Meinung der JW gegenüber zur allgemeingültigen der Partei erklären. :D

    Ihr seit doch nicht bei Trost (!)

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