Fair Play

Fair Play

“Fair Play” war vor einiger Zeit ein beliebter Schlager bei einem Teil der Linken. Interne Auseinandersetzungen sollten „überwiegend in den dafür vorgesehenen Gremien sowie parteiinternen bzw. parteinahen Medien“ geführt werden – auch das Strömungsblatt Junge Welt zählte man dazu. Dass dort vor ein paar Tagen Auszüge aus einem Emailwechsel zwischen Linkenchef Klaus Ernst und dem Nordost-Landesvorsitzenden Steffen Bockhahn veröffentlicht wurden, ist schon zur Genüge diskutiert worden. Inzwischen kann man beobachten, wie erfolgreich die Kampagne ist: Kurz vor einem Wahlparteitag ist Bockhahn mit dem Versuch beschäftigt, eine seiner Meinung nach falsche Berichterstattung zu korrigieren, die es so kaum gegeben hätte, wenn die Junge Welt bei der Auswahl von Passagen aus dem schriftlichen Streit nicht bloß die Demontage von Bockhahn im Sinn gehabt hätte. Kritik am 32-Jährigen ist das eine. Das andere ist: Einmal mehr steht die Art, in der in der Linken versucht wird, Partikularinteressen durchzusetzen, dem Gesamtinteresse der Partei entgegen. Jene, die den großen Verteiler gewählt haben, wussten wie andere, die sich zur Veröffentlichung entschlossen, dass es einen abgeschirmten “parteinahen” medialen Raum nicht gibt, also eine der Voraussetzungen der angeblichen “Fair Play”-Idee in Wirklichkeit gar nicht existiert. Selbstverständlich und vorhersehbar machte der Streit die Runde. Im Wahlkampf machen sich Schlagzeilen wie „Nordost-Linke laden Parteichef Ernst aus“ und „Linken-Chef im Wahlkampf unerwünscht“ aber nicht wirklich gut. Der Landesvorsitzende, der auch noch mit einer ebenso strömungslastigen und von anderen als geschichtspolitischen Motiven imprägnierten Mauer-Interpretation beschäftigt ist, sieht sich zum Dementi veranlasst: „Zu keinem Zeitpunkt habe ich Klaus Ernst oder andere Mitglieder des Parteivorstandes  aufgefordert, sich nicht am Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern zu beteiligen. Richtig ist, dass ich mich auch im Mailverkehr, auf den Bezug genommen wird, bei Klaus Ernst für sein Engagement im Wahlkampf bedankt habe. Klaus Ernst, Gesine Lötzsch und andere Mitglieder des Parteivorstandes werden in den kommenden Wochen zu Wahlkampfterminen in MV anwesend sein.“ Ob das dabei hilft, einen einmal entstandenen Eindruck zu korrigieren, steht freilich dahin. Und auch Auswirkungen auf die Vorstandswahlen am 13. August sind nicht ausgeschlossen: Landesvize Torsten Koplin von der Antikapitalistischen Linken, die sich bei der Listenaufstellung übergangen fühlte und dem Regierungswunschkurs der Mehrheit in der Nordost-Linken skeptisch gegenüber steht, wird jetzt mit den Worten zitiert, er wolle nicht drauf wetten, dass Bockhahn so einfach wiedergewählt werde. Eine „parteinahe“ Zeitung und jene, die ihr den Emailwechsel zusteckten, werden sich freuen. (tos, Foto: sludgegulper, CC BY-SA 2.0)

 

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60 Kommentare zu “Fair Play”

  1. SteffenF. sagt:

    Hier übrigens mal ein netter Link, besser kann man es fast nicht schreiben auch wenn man nicht immer zustimmen muss.

    http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2011/august/die-linkspartei-ideologie-oder-politik

    Gibt viele Dinge die man sich mal durch den Kopf gehen lassen kann.

  2. V sagt:

    @Snooker

    Gelegentlich wird schon mal so getan, als wär man überparteilich.
    Beispielsweise mit dem Hinweis auch die Parteilosigkeit. Man ist es natürlich nicht. Das macht auch nichts, nur wird man halt dann gelegentlich darauf hingewiesen, dass die Berichterstattung tendenziös ist.

  3. Dirk sagt:

    @ SteffenF.

    Vielen Dank für diesen Link, mit das beste, was Andre Brie jemals geschrieben hat. Man kann nur hoffen, dass möglichst viele Mitglieder der Partei seinen Artikel lesen UND verinnerlichen.

  4. MZ sagt:

    Ich finde den hier geäußerten Vorwurf an Lafontaines Linke, sie sei parteiisch und tendenziös irgendwie absurd. Natürlich sind deren Beiträge von ihrer persönlichen Meinung geprägt. Mir würde allerdings kein Medium auf der Welt einfallen, das in der Lage wäre, eine “objektive” Meinung darzustellen. Und um die, die das behaupten, würde ich einen ganz weiten Bogen machen. Das fände ich nämlich unseriös.

    Meines Erachtens nach kommt es bei guter Presse nicht darauf an, “unabhängig” und “überparteilich” (bekanntermaßen die beiden Schlagwörter der BILD) zu sein, sondern innerhalb des sicherlich parteiischen Textes gehaltvolle Informationen zu übermitteln. Und da machen die Autoren von LL verdammt viel richtig, die jw hingegen verdammt viel falsch.

    Sehr interessant ist aber, dass der Vorwurf der Parteilichkeit von LL genau dann kommt, wenn diese das in der gleichnamigen Kampagne geforderte “Fair-Play” konsequenterweise auch für die Unterzeichner der Kampagne einerseits und die dort aufgezählten zu privilegierenden Medien anderseits einfordert. Damit offenbart sich ganz gut, worum es in der Kampagne eigentlich geht: Nicht um die Eindämmung von “Medienfouls”, sondern darum, parteiinterne Kritik, von der LL ganz im Sinne seriöser Medienberichterstattung immer wieder berichtet, zum Verstummen zu bringen.

    Die hier geäußerte Kritik an der Überparteilichkeit von LL passt hervorragend in das Schema der Kampagne: LL berichtet kritisch, also muss dargestellt werden, dass LL definitiv nicht unter die Medien fällt, die über die Linke berichten dürfen, weil sie einseitig parteiergreifend ist und demnach eine Bedrohung des parteiinternen Burgfriedens von Außen darstellt.

  5. Sissy Fuß sagt:

    Dem Dank von Dirk schließe ich mich an. Bries Artikel ist zwar ziemlich holprig geschrieben, aber der Inhalt ist gut.

  6. Gerd sagt:

    Andre Brie hat Gott sei Dank in der Partei nicht mehr viel zu sagen. Der soll mal weiter in der Nähe seines Landsitzes veweilen…..

  7. Frankfurterin sagt:

    @Gerd
    Sag mal, hast Du den Artikel von André Brie eigentlich gelesen? Von verinnerlicht (wie @Dirk weiter oben gehofft hat) mal ganz zu schweigen. Hier mein Kommentar auch an Dich wie im Thread “Großer Verteiler”: Bevor isch misch uffreesch, is merr’s liewer egal!

  8. Linksman sagt:

    Hallo Gerd,
    leider steht Brie auf Platz 8 der MV-Landesliste. Ein weiteres Argument zur Verkleinerung der Landtage.

  9. Gerd sagt:

    @Linksman

    Wen interessiert MV? Da hat er noch ein Plätzchen erwischt. In Anbetracht seines füheren Wirkungskreises…..

    @Frankfurterin

    Ja ich habe es gelesen. Es ist die selbe opportunistische Leier wie immer. Die Geschichte wird schweigend über ihn hinweg gehen. Das passt wiederum zu “Gut Poenichen”……

  10. Frank Heinze sagt:

    “Medienhetze” wird nun auch von FDPlern angeprangert. Mit quasi demselben O-Ton wie die Linken in der Linken, Nur sind hier nicht die “Konzernmedien” schuld, sondern “die Medien mit linksgrüner Hysterie-Berichterstattung”.

    “Pressehetze ignorieren? Ich bin so frei!”
    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36280/1.html

    “FDP-Abgeordneter ruft auf zum Medien-Boykott”
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810698,00.html

    made my day ;)

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