Prinz Charles und Lady Da
„Die Linke will zurück zur Realpolitik“, schreibt die Junge Welt. Doch: „So einfach ist das nicht“. Warum? „Offensichtlich wollen das manche nicht“, zitiert das Blatt die linke Abgeordnete Sevim Dagdelen, die „damit nicht nur die bürgerlichen Medien“ meint, sondern? Dazu muss man einen Absatz weiterlesen, denn dann geht es um die Linkspartei-Reformer, die es in der Jungen Welt wie weiland die DDR in Bild nur mit Anführungszeichen gibt. Man hat den Spiegel gelesen, der in seinem aktuellen Heft auf zwei Seiten noch einmal alle Konflikte der vergangenen Monate ausbreitet und „mutlose Bartschisten“ ausfindig macht. Die Junge Welt fasst es so zusammen: „Der ,ultimative Stratege‘ und ,Strippenzieher‘, Fraktionsvize Dietmar Bartsch, müsse endlich seinen Hut gegen die aktuelle Parteiführung in den Ring werfen, wenn er nicht riskieren wolle, als der ,Prince Charles der Linken‘ zu enden.“
Nun, womöglich wünscht man in Hamburg ja tatsächlich, dass der Fraktionsvize „eine offene Kampfansage“ formuliert. Immerhin würde das Stoff für weitere Geschichten liefern. Um das Schicksal einer „Partei in Auflösung“ geht es dem Magazin sicher nicht. Der Beitrag sticht unter den oft zusammengerührten Linken-Geschichten hervor, wohl auch, weil er die sonst mit Milde bedachten Realos kritisiert. Was die Junge Welt offenbar freut, zumal es um Dietmar Bartsch geht, dem die Zeitung in großer Abneigung verbunden ist. Die Passage, die das Blatt kolportiert, ist allerdings weniger eine Aufforderung an Bartsch, sondern eher eine Abrechnung mit ihm. Eine, die sich mit volkskundlicher Betrachtung schmückt: „Viele Realos stammen aus dem Osten. Ihre Mentalität ist bis heute von der DDR geprägt, von Duckmäusertum und Anpassung. Männer wie Gysi und Bartsch deuten lieber dialektisch Niederlagen in Siege um, als mit offenem Visier zu kämpfen. Sie wurden zu Staatsfunktionären ausgebildet, nicht zu Oppositionellen.“
In der Jungen Welt und in den Reihen der Antikapitalistischen Linken ist immer mal wieder kritisiert worden, wenn anonyme Äußerungen im Spiegel zu Stichworten der parteiinternen Debatte wurden. Nun allerdings ist es Sevim Dagdelen, die einen Ball aufnimmt, den die Hamburger Kollegen mit Bedacht am Ende des Textes liegen lassen: Der Spiegel orakelt, die Wahl Sahra Wagenknechts in die Doppelspitze der Fraktion könne zu deren Spaltung führen. In der Jungen Welt antwortet Dagdelen: „Sahra Wagenknecht im Vergleich mit Dietmar Bartsch, das ist wie ein ICE gegen eine Bummelbahn.“
Wie war das? „Die Linke will zurück zur Realpolitik“, steht über dem Beitrag in der Jungen Welt. Und was sagt Dagdelen? „Offensichtlich wollen das manche nicht.“ Genau. (tos)
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Das hat das Blog Potemkin bereits im Juni kommentiert:
“Dass der Machtkampf allerdings tobt ist dagegen eine Tatsache. Alle Brücken die von Reformkräften in den letzten Tagen aufgebaut wurden, sind von Groth, Hunko, Höger, Buchholz und Co. angezündet oder zum Angriff genutzt worden. Die Junge Welt, Sprachrohr aller ewiggestrigen Netzwerke in der Partei, bläst in bester Fair-Play-Manier zum Angriff auf die Vertreter der Reformkräfte („sollen austreten“). Und Gysi steuert mit dem Antisemitismusbeschluss 2.0 die Fraktion auf eine mediale Katastrophe zu. Wo soll diese Debatte enden?”
http://www.potemkin-zeitschrift.de/2011/06/24/antisemitismus-kein-problem-in-der-linken/
Erstaunlich finde ich die Namen von Harald Weinberg und Eva Bulling-Schröter, die sich bisher eher zurückhielten.
Ich nehm dann den ICE. Die Bummelbahn ist eh schon privatisiert.
@ Lisa:
“Ich nehm dann den ICE. Die Bummelbahn ist eh schon privatisiert.”
Wunderbar! Wie passend dieser Politiker-Bahn-Vergleich sich doch entwickelt!
Erstens ist der ICE als Flaggschiff der Aktiengesellschaft Deutsche Bahn nämlich auch schon längst privatisiert. Man könnte also sagen: Wir brauchen die Bummelbahn nicht dafür, denn der ICE hat uns schon längst verraten und verkauft.
Zweitens hat die DB in der BRD bekanntermaßen quasi das Monopol im Bereich des Schienenverkehrs inne hat. Man könnte also sagen: Der ICE ist die Regierung, die ihre Macht mit aller Härte durchdrückt, die Bummelbahn die marginalisierte Opposition.
Und drittens muss dann natürlich noch die Betriebsblindheit der ICE-Anhänger_innen erwähnt werden, die die ersten beiden Punkte bei ihrer Wahl der Präferenz einfach übersehen und damit der ICE-Propaganda auf den Leim gehen.
Nachtrag: Ich hatte natürlich vergessen, hinzu zu fügen: Bei der Wahl ICE-Bummelbahn mag Ich beides nicht, weil mir ein Schienennetz in öffentlicher Hand mit gemeinnützigen Anspruch irgendwie lieber wäre. Aber derzeit ist definitiv der ICE das größere Problem.
@ Frank Heinze: Wäre es Ihnen möglich, die Brücken, die die Reformkräfte aufgebaut haben, zu konkretisieren?
@tos: Es geht mit Sevims Einlassung natürlich auch darum, die Mitglieder an der Basis zu informieren, was ist daran ehrenrührig? Sollte die Partei nicht wieder, oder erstmals Schritte in Richtung “Mitgliederpartei” machen. Dafür eignen sich Kungelrunden im Vorstandskreis denkbar schlecht. Wieso sollten auch Richtungsauseinandersetzungen verschwiegen werden? Natürlich gibt es die. Die herzliche Abneigung zu Bartsch ist nach seinen Äußerungen, zum angeblichen Antisemitismusproblem (Ohne Antisemiten gäbs’s von der Partei nur noch ein Gerippe?”) oder der öffentlichen Maßregelung der Genossin Linke n a c h ihrer persönlichen Erklärung so ganz irrational? Im Übrigen entschuldige ich mich für das “saublöd” von gestern; das war diese Bemerkung meinerseits und hattte auch nichts mit revolutionärem Humor zu tun!
@ heinze: Im angesprochenen BLOG potemkin wird eine große Lippe riskiert, u.a. dem Hannoveraner Sohn “Farblosigkeit” vorgeworfen. Auf die Frage, warum er denn dann nicht auf dem Hannoverschen Bundeskongress zur Kommunalpolitik, auf dem Sohn Akzente setzte und viele Anwesende begeistert hat, entzaubert wurde, wenn man doch schon um die Ecke wohnt, bekam ich keine Antwort. Rumpöbeln in BLOGS ist das eine und Dialogische Auseinandersetzung das andere. Ohne letztere stellen BLOGS keine Bereicherung der Debattenkultur bei, sondern tragen zu deren Niedergang bei, so sehe ich das zumindest (für zu hektisches Abschicken von Beiträgen trifft das auch zu; Selbstkritik Ende).
@joachim voigt: zur frage der mitglieder-information – dagegen ist ja nichts zu sagen, nur existiert die jw nicht im luftleeren raum, was hier gesagt, angedeutet, kritisiert wird, ist teil der großen medialen blase über die linke. mir geht es ja auch gar nicht darum, dass auseinandersetzungen verschwiegen werden, sondern um die doppelten standards, welche die jw da meiner meinung nach gern anlegt.
@voigt: auf die frage hatte ich – meine erinnerung nach – geantwortet. ich weiss immer noch nicht, welchen sinn es hat, dass man personen, die man kritisiert sofort persönlich stellen muss, nur weil sie zufällig auf einer veranstaltung in der stadt sind. zumal, wenn die veranstaltung sich doch um kommunalpolitik dreht. und warum jeder blogger, kommentator und kritiker den gegenständen seiner tätigkeit überall nachstellen sollte, um sie zu stellen, erschliesst sich mir auch nicht.
naja, doch, sie wollen auf “die kritiker haben eh keinen arsch in der hose” hinaus. immer schön persönlich werden. und, auch wenn es sie nicht beruhuigt oder befriedigt, ich habe von ihren “genossen” schon oft genug verbal oder wortwörtlich das kritikermaul gestopft bekommen. denn linke, wie sie, kämpfen für die gute sache mit allen mitteln…
btw: sohn ist kein hannoveraner. auch wenn er dort im landtag sitzt.
Verkehrspolitische Sprecherin ist Sabine Leidig. Das sollte auch Sevim Dagdalen wissen. Und vielleicht noch eine politische Weisheit, die ein Polit-Profi Bartsch weiß: Den frühen Vogel fängt die Katz.
Der Vergleich von Sevim Dagdelen ist putzig, denn die DB AG schöpft Gelder aus dem Nahverkehr (die Regionalisierungsmittel), um ihre Prestigezüge zu subventionieren. Mit anderen Worten: Die Bimmelbahn cofinanziert den ICE. Oder mit noch anderen Worten: Würde die Bimmelbahn den ICE nicht unterstützen, wäre der ICE ein absulutes Verlustgeschäft.
@ Manuel: Ich “kämpfe” vor allem mit dem Mittel der Argumentation, nicht mit anmaßenden LOGOS, das ist richtig, Ansonsten beunruhigt mich das eher, was Sie schreiben. Ich denke, was mit “Hannoveraner” gemeint war, hat jeder außer Ihnen verstanden.
@micha: Ich denke, das wird sie wissen. So weit ich weiß, gibt es aber weder einen Metapern-Beauftragten noch eine Metaphernbeauftragte in der PDL, was auch gut ist.
hehe.
@tos: Selbstverständlich sind “doppelte Standards” immer abzulehnen, da bin ich ganz bei Ihnen. Im Moment ist allerdings die Stimmung diesbezüglich zu aufgeheizt; es bleibt zu hoffen, dass sich nach einer gewissen Beruhigung ein einheitlicher konstruktiver Standard umsetzten lässt.
@ Flashmaster
genau so ist es. Nicht nur, dass Gelder aus dem Regionalverkehr abgezogen werden, es werden durch auch Strecken stillgelegt und Bahnhöfe verkauft. Der Parasit ICE saugt quasi den Wirt “Bahnverkehr” aus.
Und dann sitzen die Leute am Bahnhof, weil der teure Schnellzug nicht kommt, die Bimmelbahn aber abgeschafft wurde.
Ist Ihnen auch aufgefallen, dass die ICE-Lobby immer große Töne macht, die Realität aber anders spricht? …
@voigt: wenn sie irgendwelche relevanten bedenken bezüglich irgendwelcher logos haben, wenden sie sich doch einfach an die richtigen ansprechpartner.
ich weiss nicht, welche absonderlichen gedanken und assoziationen in ihnen wallen, damit sie sohn als “hannoveraner” betiteln. zum glück können die so bezeichneten hier nicht mitlesen, sie wären angesichts des vergleiches beleidigt.
von daher bleibe ich lieber bei der herkunftsfrage. und da genosse sohn schon einmal das hohe lied auf die peiner eiche und die daraus von anständigen arbeitern in deutscher wertarbeit zu fertigenden möbel angestimmt hat, wird er auch nie “hannoveraner” sein. so oder so.
aber nun ist gut mit dem wort- und zeitverschwenden hier. meine dienststelle ruft zur besprechung :-p
@ Heinze: Also meine ERfahrungen sind da ganz andere. ICE: zuverlässig, freundliches Personal, die ICEs warten aufeinander. Bimmelbahn: urig, aber unpünktlich und das Personal kommt selbst mit den eigenen Tarifen nicht klar.
Erst einmal finde ich es wichtig, dass Sevim Dagdelen den Konflikt um die Fraktionsführung und um die Ausrichtung der Fraktion ganz im Sinne der Fairplay-Kampagne in einer parteinahen Tageszeitung anspricht. Schließlich ist das Thema eine Angelegenheit, die die ganze Partei angeht und das deshalb nicht hinter verschlossenen Türen verhandelt werden darf.
Weiterhin halte ich es für kaum bestreitbar, dass es der derzeitigen Fraktionsführung nicht gelungen ist, die unterschiedlichen Teile der Fraktion zu integrieren. Gerade der Maulkorbbeschluss vom 7.6. und der eigenmächtig verhängte Anzeigenboykott gegen die Junge Welt ganz ohne Fraktionsbeschluss hat die Spaltung der Fraktion forciert. Wer versucht, ganz sachlich die Leistungen (insbesondere die Integrationsleistungen) des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch zu beurteilen, der wird kaum zu einem positiven Ergebnis kommen. Allein deshalb sind Veränderungen in der Fraktionsführung nötig. Auch die sogenannten „Reformer” werden lernen müssen, dass sie Kompromisse machen müssen und dass sie den anderen Teilen der Partei und Fraktion Entfaltungsmöglichkeiten zugestehen müssen. Billiger ist die gemeinsame Partei und Fraktion nicht zu haben.
Also wer als Dauergast im Schlafwagenabteil den D.Bartsch als Bummelbahn tituliert, der oder diejenige leidet wahrscheinlich einfach unter permanenten Albträumen. Liebe Sevim, hast Du irgendwie schlecht geschlafen oder hast Du an Deinem Zielbahnhof einfach nur verpennt?????
Lieber ICE als Billigflieger.
and now something completely different: Der Bildungsträger SALZ hat einen BLOG zur junge Welt – Affäre eingerichtet:
http://salzdebatte.wordpress.com/2011/08/28/der-13-august-1961-die-jungewelt-und-wir/
„Sahra Wagenknecht im Vergleich mit Dietmar Bartsch, das ist wie ein ICE gegen eine Bummelbahn.“
Komischer Vergleich. Überhaupt Politiker mit einem Eisenbahntyp zu vergleichen… ist das “volkstümlich”? Mit Brecht wäre besser zu fragen: Wer baute diese Eisenbahnen, unter welchen Arbeitsbedingungen? Und welchen Gebrauchswert hat eine “Bummelbahn”, wenn man einen flächendeckender ÖPNV anstrebt? Ist da ein Zug, der an jeder Michkanne hält nicht sehr sinnvoll?
Schlage vor, Sevim und Dietmar machen mal gemeinsam eine Bahnrundreise durch die ganze Republik, von Westerland bis Oberstdorf, Görlitz bis Aachen….
Vielleicht sollte lieber erst mal geklärt werden, wo der Zug eigentlich hinfährt…
Aber wenn wir schon bei der Eisenbahnmetaphorik sind:
Anfrage an Radion Jerewan: “Ist die BAM eigentlich mehrgleisig geplant?”
Antwort: “Im Prinzip ja, aber nur für den Fall, daß sich die beiden Bautrupps von Osten und Westen nicht irgendwo in der Mitte treffen.”
@ calvados,
Vieleicht noch ein Hinweis an Nicht-DDR-Sozialisierte?
http://de.wikipedia.org/wiki/Baikal-Amur-Magistrale
P.S. Ein passender Witz zur allgemeinen Situation (bitte DDR durch LINKE ersetzen)
Frage an Radio Eriwan: “Stimmt es, daß die DDR mit Volldampf den Sozialismus aufbaut? ”
“Im Prinzip ja, nur werden 99% des Dampfes zum Tuten verwandt!”
“Vielleicht sollte lieber erst mal geklärt werden, wo der Zug eigentlich hinfährt…”
Der Zug namens “DIE LINKE” fährt mit hoher Geschwindigkeit auf eine Weiche zu, deren beide Stränge jeweils in ein Abstellgleis münden. Sofern nicht jemand rechtzeitig den Führerstand der Lok entert und den Vorwärtsgang einlegt, wird der Zug entweder Links oder Rechts an einem Prellblock zerschellen, falls er nicht bereits an der Weiche entgleist und sich in seine Einzelteile zerlegt.
Besonders pikant: Sowohl Personal wie Fahrgäste streiten sich am liebsten um die Stellung der Weiche. Vom Vorwärtsgang redet keiner. Schade.
Nur kurz und aus der Ferne:
Ich finde es befremdlich, wenn eine Abgeordnete sich zum Tifosi einer anderen macht.
Es ist bekannt, dass Wagenknecht Dagdelen im Zweifelsfall auch im Detail erklären muss, wie letztere abzustimmen hat und sicherlich ist das nicht das einzige solche Konstellation innerhalb der Fraktion. Dennoch treibt das ganze in dem speziellen Fall seltsame Blüten. Näherstehende Fraktionskollegen mit anderen aus derselben Fraktion zu vergleichen ohne Sachargumente beizubringen, sondern sich lediglich auf Wettbewerbsslogans zu beschränken, passt doch eher in eine Sport-Fan-Kultur als in den innerparteilichen Betrieb.
HIer offenbart sich eine interessante informelle Hierachie – der/die Tifosi spricht die Vergleiche aus, die sich der/die angefeuerte selber nicht machen traut. Als Gegenleistung darf der Tifosi am Erfolg des/der angefeuerten teilhaben. Eigentlich ein klassisches Patronage-/Klientelsystem. Weder demokratisch noch egalitär.
Aber um mal bei den Bildern zu bleiben und das Spiel kurz mitzuspielen: Wagenknecht und Bartsch mögen Eisenbahnen sein (und ich nehme mir die Freiheit je nach Bedarf und Sinnhaftigkeit mit beiden zu fahren), Dagdelen entpuppt sich aber nur als Modeleisenbahnsammlerin (und kann niemanden mitnehmen).
@ Rolf Köhne
” Sowohl Personal wie Fahrgäste streiten sich am liebsten um die Stellung der Weiche. Vom Vorwärtsgang redet keiner. Schade.”
Das war schon immer so:
Frage an Radio Jerewan: “Stimmt es, daß die DDR mit Volldampf den Sozialismus aufbaut? ”
Antwort: “Im Prinzip ja, nur werden 99% des Dampfes zum Tuten verwandt!”
Nun ersetze DDR durch ***Partei.
Warum heißt dieser blog eigentlich noch “Lafontaine’s Linke”, “Bartsch’s Linke” wäre doch passender.
Und In einem zug der auf eine Weiche zurast mit Zwei Abstellgleisen auch noch den Forwärtsgang einlegen will, sollte schnelle aus dem Führerhäuschen geholt werden. Notbremse ist angesagt.
Mich stört es vie lweniger wenn Höger, Junko, Buchholz und co Brücken zu SPD und Grünen Sprengen, dann stört mich das weniger, als wenn Bartsch, Brie, Lederer und Co sich in eine paralelle Realität flüchten, nachdem sie die Tore der Stadt von innen verbarrikadiert haben, damit keine Wähler mehr einkommen, dis sich als Migleider niederlassen könnten.
@Chris: Und sonst so?
Mümmel Treitinger:
“Näherstehende Fraktionskollegen mit anderen aus derselben Fraktion zu vergleichen ohne Sachargumente beizubringen, sondern sich lediglich auf Wettbewerbsslogans zu beschränken, passt doch eher in eine Sport-Fan-Kultur als in den innerparteilichen Betrieb.”
Sachargumente dafür, dass es hier trotzdem stimmt, gibt es genug, weil Sahra Wagenknecht im Gegensatz zu Bartsch ein klares Profil links von der Sozialdemokratie zeigt.
Bartsch ist auch deswegen argumentativ nicht so geübt, weil er sich in vielerlei Hinsicht nur dem etablierten Politikbetrieb anpasst und z.B. zur DDR-Geschichte “Wahrheiten” wiedergibt, die vom größten Teil der Medienlandschaft nicht hinterfragt werden. Sahra Wagenknecht behauptet sich da schon sehr lange mit Außenseiterpositionen, die nicht wirklich widerlegt, sondern nur oberflächlich skandalisiert werden können. Ihre Argumentationsfähigkeit ist durch sehr viel Gegenwind geschärft. Deshalb bin ich mir sicher: Sie würde Bartsch bei jeder Podiumsdiskussion argumentativ in die Tasche stecken.
Ein freundlicher Ton ist das von Sevim zwar trotzdem nicht, aber Bartsch, der Partreifreunden gern über die bürgerlichen Medien mitteilt, dass sie vielleicht doch besser austreten sollten, darf sich über so etwas nicht wundern.
Chris sagt
Warum heißt dieser blog eigentlich noch “Lafontaine’s Linke”, “Bartsch’s Linke” wäre doch passender
Bartsch’s Linke wäre nicht passend, sonder Bartsch’s Seheimer Kreis.
Eine Umbenennungs-Initiative?! Der Vorschlag, das Blog in “Bartschs Linke” umzubenennen, ist zwar originell – aber schon ziemlich alt. Wir hatten hier bereits schon einmal darauf geantwortet: http://bit.ly/mvgcvd Den Seeheimer Kreis der SPD schreibt man anders, aber das werten wir trotzdem mal als Vorschlag Nummer 2. Gibt es weitere? Vielleicht machen wir eine Verlosung – die beste Einsendung wird von einer selbstverständlich streng parteilichen Redaktionskommission ausgezeichnet, zum Beispiel mit einem Dietmar-Bartsch-Autogramm. Übrigens: Wenn man die Geschichte des Blognamens zur Kenntnis nimmt, würde auch klar, wann dieses kleine Portal hier “Bartschs Linke” überhaupt erst heißen dürfte. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das die Lästermäuler wollen.
Belasst es ruhig bei “Lafontaines Linke”. Mit dessen Namen lassen sich ja auch die Bücher gut verkaufen! Wer würde schon zugreifen, wenn von Bartsch´s Linke die Rede wäre? So clever wie ihr seid, habt ihr damals auch mich allein mit dem Titel geködert.
Wie wär’s mit Unlinke oder Blog Shalom?
Hier ist ja schon wieder Zickentreffen.
Hallo Georg,
sooo gut hat sich das Büchlein wohl nicht verkauft. Wenn beim Onlinehändler aus der Ama-Zone selbst nach vier Jahren immer noch keine Kundenrezension vorliegt: http://tinyurl.com/3he5co8
Super Vergleich: ICE oder Bummelbahn!
@ tos:
Sie sind sensibel für doppelte Standards der jungen Welt? Dann empfehle ich diesen Text: http://www.jungewelt.de/2011/08-30/031.php
Da druckt die jW doch glatt eine Verlautbarung, in der sie bezichtigt wird, ihr legendäres Titelblatt vom 13.08.2011 sei “unhistorisch, unpassend und geschmacklos” gewesen (ich fand es historisch, passgenau und sehr witzig).
Wenn DAS kein doppelter Standard ist!
Hallo,
aber wie es aussieht, scheint die Linkspartei mit ihrer Fraktionsklausur doch ein Stück weit Tritt zu fassen.
Es wurde auch langsam Zeit, dass die Auseinandersetzung mit der Wirtschaftskrise (sowie der Umweltkrise) ins Zentrum der politischen Tätigkeit der Partei rückt.
Hier die informative Pressekonferenz mit Lafontaine, Gysi und Flassbeck:
http://www.youtube.com/user/linksfraktion?feature=mhee#p/a/u/0/ijMCXndgHqw
Hier zwei sehr schöne Positionspapiere von der Fraktionsklausur:
Einmal von Barbara Höll und Axel Troost zur Eurokrise:
http://www.linksfraktion.de/positionspapiere/entwicklungen-eurokrise-seit-juli-2011/
Und von einem namentlich nicht genannten Autorenkollektiv zum sozial-ökologischen Umbau:
http://www.linksfraktion.de/positionspapiere/rote-projekt-sozial-oekologischen-umbau/
Beide Positionspapiere weisen in die richtige Richtung.
Das müsste nur noch besser miteinander verzahnt werden, dann wäre es (fast) perfekt. Das Ergebnis sollte ein mittelfristig ausgerichtetes Politikkonzept sein, wie der Doppelkrise aus (Welt)Wirtschaftskrise und (Welt)Umweltkrise aus linker Sicht beizukommen wäre – ein ” s o z i a l – ö k o l o g i s c h e r N e w D e a l “.
Es wäre schön, wenn die Konferenz der Fraktion im November hier noch weitere Fortschritte bringen würde.
Die Richtung in die gerade gegangen wird, ist auf jeden Fall schon mal unterstützenswert.
Mit vorsichtigem Optimismus möchte man ausrufen: Weiter so !
Doch könnte man doch eigentlich mal wieder etwas erfreuter nach vorn schauen, als in letzter Zeit ?!
@Sebald: Als Maulwurf bist Du unschlagbar! Kein zweiter wühlt so beharrlich und unbeirrt. Jemand widerspricht Dir? Macht nichts, gleichen Text einfach drei Tage später noch mal reinstellen. So gewinnt man jede Debatte, zumindest wenn man mehr Zeit als die anderen hat.
Mögest Du also auch weiterhin viel Zeit haben!
@sissy fuß: ein Beitrag zue Debattenkultur – man wünscht dem Kontrahenten Arbeitslosigleit an den Hals.