Alle Zweifel
Hm, was könnte man denn die Vorsitzende der Linken fragen? Gesine Lötzsch ist zum ZDF-Sommerinterview in die Humboldt-Box gekommen, es hallt ein bisschen wie in einer Gruft und Bettina Schausten schafft es auch gleich in der ersten Minute, zwei Mal „DDR“ und einmal „Mauerbau“ zu sagen. Nach ein bisschen Palast der Republik hebt die Journalistin zum Kurzen Lehrgang der Linkengeschichte an: Lötzsch, von der alle wissen sollen, dass sie 1961 (aha!) geboren ist, trat 1984 in die SED ein, „dann wurde daraus die PDS, dann die Linkspartei.PDS, jetzt inzwischen die fusionierte Linke, da sind auch einige Häutungen passiert“. Aber naja, so eine Frau aus Lichtenberg mit roter Jacke, wer weiß. Da hakt die frühere persönliche Referentin des Ex-Chefredakteurs vom Staatsfernsehen lieber noch einmal nach: „Warum ist ihre Partei, warum sind sie bis heute nicht in der Lage, wirklich alle Zweifel auszuräumen, dass sie in der Demokratie angekommen sind?“ Lötzsch hätte einfach antworten sollen: Wegen solcher Interviews unter anderem. Gefühlte zehn Mal fragt Frau Schausten, ob denn für die Linke irgendwas den Mauerbau habe hätte rechtfertigen können, und der Kommunismus-Text der Partei-Vorsitzenden steht natürlich auch auf dem Fragezettel. Dann kommen der Führungsstreit der Linken, die Programmdebatte (Verstaatlichung, huhu!) und als das Gespräch eigentlich schon vorbei ist, geht es noch ganz kurz um aktuelle Politik und mögliche künftige Bündnispartner. Die SPD? Nun, sagt Lötzsch, „wenn wir auf der Bundesebene genügend gemeinsame Schnittmengen finden, dann werden wir uns einer Zusammenarbeit nicht verschließen. Es gebe dabei aber für die Linke ein paar grundsätzliche Forderungen, sagt Lötzsch, unter anderem der gesetzliche Mindestlohn und ein Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Damit das niemand von den Zuschauern falsch versteht, unterbricht Frau Schausten die Linken-Vorsitzende schnell mit einer Erklärung: „Also da wollen sie Sammelbecken bleiben für alle Enttäuschten und Empörten.“ Keine Ahnung, wie die aktuellen Umfragen zur Lohnuntergrenze und zum Rückzug vom Hindukusch sind, aber wenn die Linke diese „Enttäuschten und Empörten“ alle einsammeln würde, hätte die Partei wohl über 50 Prozent. Und was würde Frau Schausten dann sagen? (tos)
Drucken
Die Linke sollte prüfen, solchen Krawalljournalismus generell zu boykottieren.
Jawohl, Abschaffung der Rente ab 67, der reinste Stalinismus! Ich finde, es wäre mal dringend an der Zeit, über die journalistische Qualität der Berichterstattung des ZDF zu diskutieren. Seriöser und unabhängiger Journalismus schaut definitiv anders aus und ich finde, es wäre mal dringend an der Zeit, auch von unserer Seite her über eine Umstrukturierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, etwa nach dem Modell der BBC in Großbritannien, nachzudenken.
Gut war auch die dramatisch-bedrohliche Hintergrundmusik bei dem kleinen Einspieler. Ich dachte zuerst, vielleicht aus Gewohnheit, dass da die Eisler-Hymne gespielt wird, so blöd war der Geriatrie-Sender dann aber wohl doch nicht.
@wegen solcher Interviews unter anderem. Und weil die Linkspartei im Gegensatz zur Frau vom Staatsfernsehen unter Demokratie nicht Kapitalismus versteht. (Hoffentlich.)
Bleibt festzuhalten, dass sich Gesine sehr gut geschlagen hat.
Im Osten, wo die Menschen roter Socken Kampagnen überdrüssig sind, dürfte solch eine journalistische Meisterleistung ein paar zusätzliche Stimmen bringen.
Dieses Interview kann man nur als eines bezeichnen: Als eine bodenlose Unverschämtheit.
Frau Schaustens Fragen sind eine gutes Beispiel für West Chauvinimus gegen ostdeutsche Biographien abgesehen davon das sie Gesine nicht mal zwei Sätze hintereinander sagen lässt um ihr sogleich und ständig ins Wort zu fallen.
Ich finde was MZ sagt ist absolut richtig.
DIE LINKE sollte unbedingt ein System nach dem Vorbild der BBC fordern. Eine völlige unabhängigkeit der Berichterstattung ist gerade durch den Rundfunkrat nicht gewährleistet.
@Jens
Ich will dir hier mal ausdrücklich zustimmen: Gesine hat das beste gemacht, was man angesichts eines solchen arrangements noch hinbekommen kann. Ich persönlich hätte an ihrer Stelle nicht dafür garantieren können, der Interviewerin persönlich angreifendes zu ersparen.
@all
Natürlich hat die BBC für eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt sehr positive Eigenschaften und tlw. Vorbildqualität. Aber auch da gab es ein paar Rückschläge in den letzten beiden Jahrzehnten, besonders bzgl. der Personalsituation. Grundsätzlich ist aber das Konzept einer öffentlihcen Rundfunkanstalt, bei gleichzeitiger recht weitgehender Unabhängigkeit sowohl von der Exekutive (allerdings gibt es hier Einschränkungen) als auch von Sponsoren, immer positiv. DIie BBC hat aber etwas analoges zum Rundfunkrat, dieses BBC Board of Governors hat aber weniger Interventionsmöglichkeiten als der hießige Rundfunkrat und wird vor allem nicht in Personalunion mit Exekutivmitgliedern besetzt (obwohl die Exekutive das faktische Entscheidungsrecht über die Mitglieder hat).
Trotzdem hat die BBC-Struktur auhc Probleme: es sit sehr zentralistisch und damit auf einen föderativen Staat wie die BRD nciht komplett anwendbar – einzelnes ist aber dennoch übernehmenswert (u.a. auch Elemente der Finanzierung; siehe: BBC Board of Governors ).
Wie schon bei einem ähnlichen Beitrag, der den RBB betraf, lohnt es sich, auch hier im Internet-Auftritt des ZDF zu surfen – insbesondere unter der Rubrik „Das Unternehmen“.
Ja, lustigerweise steht da nicht „Die Anstalt“, obwohl es sich um eine solche „des öffentlichen Rechts“ handeln soll. Das ist mir auch schon beim RBB aufgefallen. Wird sich Bonnies Ranch auch bald als Unternehmen vorstellen? Auch da soll es ja Leute geben, die Schwierigkeiten mit der Realität haben. Nur scheinen diese dort so manchem Mitarbeiter von ARD und ZDF in der Einsicht voraus zu sein, dass in bestimmten Lebenslagen auf professionelle Hilfe nicht verzichtet werden sollte.
Auf den oben genannten Link geklickt, lacht einem mit Ruprecht Polenz ein CDU-Fritze an. Er ist mir noch gut als einer der „Fehlgriffe“ der Frau Dr. Merkel bei der Besetzung des Generalsektretärspostens ihrer Partei bekannt. Nun ist er Vorsitzender des ZDF-Fernsehrrats, der „Richtlinien für die Sendungen des ZDF“ aufstellt und „den Intendanten in Programmfragen“ berät sowie „die Einhaltung der Richtlinien und der im ZDF-Staatsvertrag aufgestellten Grundsätze“ überwacht.
Tja, und so wie der zusammengesetzt ist ….
http://www.unternehmen.zdf.de/index.php?id=306#c460
… so fragt halt die nette Frau Schausten – ganz schonungslos und offen und natürlich nur im Sinne ihrer Fernsehzuschauer. Tut sie nur so oder glaubt sie wirklich daran?
P.S. Wer nicht weiß, was Bonnies Ranch ist: Einfach mal in Berlin mit der U8 bis ganz weit in den Norden fahren.
Bettina Schaustens Vorstellung von “Innovation” fand ich beachtlich, man soll halt keine Wahl haben… Das Interview war also geprägt von Fragen, mit denen die Partei in der Hauptsache heruntergezogen werden sollte, mißgünstig aber wie eh und je beim ZDF.
Eine Möglichkeit, das zu durchbrechen, wäre: Einfach einmal zurückfragen, wenn der Interviewpartner seinen verzerrenden Sprachgebrauch versucht zu etablieren, also zu verlangen, daß zum Beispiel Behauptungen über die Rückwärtsgewandtheit der Partei begründet werden, bevor mein eine Antwort gibt. Im Zweifelsfall dann eine Frage als absurd hinstellen und auf “die eigentlich zu stellende Frage” antworten, was unsere Parteivorsitzende auch an einigen Stellen tadellos gemacht hat, aber vergleichsweise despektierlich unterbrochen wurde.
Interessant (oder mittlerweile auch fast schon nicht) ist dann halt: Schausten & Co. geben sich die Pose des harten Interviewers nur, wenn es nicht gerade gegen das Horschtl geht. Man kommt da nur weiter, wenn man den Spieß noch vor demselben Publikum wendet, die sich diesen Kampagnen-Journalismus antun. Den Interviewern ist natürlich klar, daß das beinahe unmöglich ist, denn als Politiker muß man bei einem solchen Auftritt gelassen und freundlich bleiben. Oskar Lafontaine gelang das trotzdem und damit nach seinem Sommerinterview 2009 immerhin, den Wählern zu Bewußtsein zu bringen, daß eine Kampagne gegen die Partei läuft, die viele sonst gar nicht einmal bemerken würden. Die Gefahr besteht dann halt wiederum im Gegenangriff, hier 2009 beispielhaft in der BILD: http://tinyurl.com/3pmdjjw
[Auch lustig, wie's in ZDF-Köpfen funkt: "Hinter der 'Fassade seines [sc. Lafontaines] Lächelns’ verstecke er vieles andere.” Läßt sich jemand mal nicht kontrollieren und hat seinen eigenen Kopf – dann hilft nur noch Paranoia und Dämonisierung]
Man kann auch einfach von Platon lernen und statt sich mit der Rolle des Antwortenden ständig dem Wegeplan des Fragenden auszusetzen, einfach mal selbst fragen und damit ein Stück weit das Geschehen bestimmen. Oskar Lafontaine kann das ziemlich gut. Von ihm kann man auch lernen, wie man auf eindeutige Fragen schnell auf tägliche ganz reale Probleme zurückkommt. Gemessen an früheren Auftritten von Gesine Lötzsch war das Interview allerdings erstaunlich souverän, vielleicht ist sie ja mal gecoacht worden. Ansonsten einfach keine GEZ-Gebühren zahlen. Es gibt zwar eine ganze Reihe hervorragender öffentlich-rechtlicher Formate aber für Schausten, seichte Vorabendserien, Volksmusik und die Millionengagen für Thomas Gottschalk sollte man den Geldbeutel schön verschlossen halten.
Oh mein Gott, Bettina Schausten ist anderer Meinung als Gesine Lötzsch und stellt daher unbequeme Fragen. Absurde Vorstellung von Journalismus. Fast so absurd wie die Kommentare hier.
jpsb
Sie haben das Interview scheinbar nicht gesehen. Es war geprägt durch offensichtliche Feindseligkeit der Journalistin. Dies wird man noch thematisieren dürfen… auch wenn Ihnen dies, aus welchen Gründen auch immer, werter unbekannter, nicht gefällt!
In diesem Zusammenhang ist vor allem Ihr Statement absurd.
Es war doch klar, daß es nicht darum ging Fragen zu stellen, sondern lediglich zu verneinen. Die Linke sollte sich überlegen, ob sie nicht aggressiver bei solchen “Interviews” dagegenhält, statt ganz brav alles über sich ergehen zu lassen, während jedem einsichtigen Zuschauer klar ist, das es nur darum geht das Personal der Linken öffentlich vorzuführen.
Wäre im Sinne von Zizek nicht ein gewisser Rückzug die langfristig sogar bessere Strategie.
´?/987&%$§”!Ge6
Georg
Wirklich im ernst meine ich das Leuten die uns neutral oder wohlgesinnt gegenüberstehen durch solch eine Art Interview eher näher zu uns rücken. Unsere Gegner kann man mit Gesprächen eh nicht überzeugen. Gesine hat das gut gemeistert und Aufgeregtheiten (ick bin für so was eh zu cholerisch) bringen in dem Fall nicht weiter. Es gibt da so Meister – z.B. in Thüringen – die sich gespielt und auf Knopfdruck aufregen können. So was nimmt einem niemand ab und schafft dann Null Sympathien.
@ Jens Raabe
Meiner Meinung ist es dennoch zu dünn, wenn Spitzenpolitiker, die bei Bundeswahlen auf 10% kommen, deren Mitgliederzahl sich durchaus sehen lassen kann, sich immer wieder auf so etwas einlassen.
Wie wäre es mal mit Gegenfeuer, Gesine Lötzsch dürfte hinreichend ausgebildet sein.
1) Der Vorwurf an die Linke wird immer der sein, daß Sozialismus immer totalitär ist und niemals demokratisch. Heute läßt sich den Neoliberlaen aber sehr wohl Paroli bieten.
2) Der Begriff der Demokratie wäre zu erläutern und die Frage, ob Demokratie verteidigt werden kann, ohne selber zu Tyrannei zu werden. Es wäre sehr interessant zu sehen, ob die Anhänger von Karl Poppers “Offener Gesellschaft” bereit sind bei der Bekämpfung der geschlossen Gesellschaft tyrannisch zu agieren.
Die Linke sollte im Rahmen der öffentlich rechtlichen Berichterstattung (auch Verfassungsschutz) mal klären, ob es in dieser Gesellschaft überhaupt noch erlaubt ist, sich für Sozialismus einzusetzen oder ob nur noch Neoliberalismus angesagt ist.
Ich finde auch, dass Gesine das Interview sehr gut gemeistert hat. Ihr gegenüber wirkt die Interviewerin vor allem eines: kalt
Mir ist eine Stelle aufgefallen, wo sie nach den persönlichen Konsequenzen aus möglichen Wahlniederlagen fragt. Gesine: “Aber… Die Linke kann auch Opposition!” Da zuckt der Mundwinkel der Moderatorin und bleibt dann in eisiger Erstarrung stehen.
Jeder der anderer Meinung ist als die Oberlinken Gralshüter dieses Forums ist umgehend feindselig und somit Feind. Die Logik ist bekannt, die Protagonisten dieser kruden Weltsicht auch. Übersehen wird, dass auch bürgerliche Politiker beim ZDF-Sommerinterview hart rangenommen werden. Dass ist auch völlig ok. Eine lahmende Parteivorsitzende mittels eines tatsächlich abstrusen Parteigehorsams unter Welpenschutz zu stellen ist dagegen wenig zielführend.
@jpsb
” … dieser kruden Weltsicht ” …. sie wollen doch nicht wirklich an einer echten und ernsthaften Diskussion teilnehmen oder ?
Sie sind übrigens ziemlich feindselig uns gegenüber … krude Weltsicht, Oberlinke …. fehlt nur noch Stasi und Gulag ….
Übrigens ist ein qualitativ hochwertiger Journalismus möglichst neutral … der Bürger wünscht Informationen und keine Egoshow und Selbstdarstellung eines einzelnen Journalisten der dort seine Vorlieben und Abneigungen auslebt.
Die Meinung der Journalistin ist dort einfach nicht gefragt, ….
Sie verwechseln da Journalismus mit Kampagnenjournalismus …. da hat der Journalistin nämlich einen Auftrag zb. den Gesprächspartner möglichst in ein schlechtes Licht zu rücken bzw. eine positive Profilierung zu verhindern.
Heisst es geht weniger um ein sachliches Interview sondern darum gezielt ein gewünschtes Bild zu erzeugen.
—————–
Denke die Sender inkl. deren Parteisoldaten im Hintergrund können der Linken diesen Auftritt nicht verbieten da diese ein Anrecht darauf haben wird ….. aber damit die Linke davon nicht profitiert wird die Sendezeit für die Linke unbrauchbar bzw. sogar negativ genutzt zb. durch die Wahl der Fragen und der Beeinflussung der Themen.
Ist doch aber vor jedem Wahlkampf das selbe Spiel, der Linken wird dann alles in den Weg geschmissen an Steinen was geht.
Das Schema ist auch immer das Gleiche …
Wahlkampf liegt an:
1. Auf allen Sendern laufen Sendungen über Stasi und DDR.
2. Deutschlands Hollywood für Arme dreht und zeigt vermehrt Fantasiefilme über die DDR.
3. Mauerbau und Co wird in den Medien vermehrt thematisiert.
4. Gegnerische Parteien suchen mal wieder nach dem SED-Vermögen.
5. Die Linke wird gezielt bei Politsendungen ignoriert und ausgegrenzt.
… usw.
War das je anders ?
………
Ich schaue mir jedenfalls solche Sendungen eh nicht mehr an, ich habe meine Einstellung bzw. meine Ansichten und Überzeugungen …. die sind nicht von solchen Auftritten abhängig,
Übrigens hat der Bürger und echte Demokrat aus meiner Sicht auch die Pflicht sich seriös zu informieren und sein Wahlverhalten etc. nicht von solch dümmlichen TV-Formaten abhängig zu machen.
Wofür die Linke steht erfährt man garantiert nicht aus dem TV.
Hallo jpsb,
lieber oberlinks als oberrechts.
Seltsamerweise fordern Linke im Umgang mit linken Spitzenkräften immer die Neutralität der Journalisten und der Presse, alles andere ist dann Kampagnenjournalismus. Wenn es aber um den Umgang mit Politikern anderer Parteien geht, dann darf, ja dann soll und muss die Presse auch gerne investigativ, meinungsmachend und gerade nicht neutral sein. Dies wird dann sogar von Linken bejubelt. Oder hat sich hier ernsthaft schon einer der “Foristen” so schützend vor Merkel, Rössler oder wie sie alle heissen gestellt, wenn ihnen mal ordentlich einer “eingeschenkt” wurde in einer Talkshow, im Interview oder in der Zeitung. Mit “gleichem Recht für alle” scheinen manche Genossen immer so ihre Schwierigkeiten zu haben.
@Manuel: Was du sagst, ist richtig, passt aber nicht auf dieses Interview. Wahrscheinlich schreibst du aus einer Perspektive heraus, die ich mit dir teile. Demnach gefällt sich die Linke bzw. Die Linke besonders gern in der Rolle des Medienopfers. Wenn irgendwas nicht läuft, steckt dahinter eine Medienkampagne. Solch eine Erklärung ist schön einfach, denn sie negiert die eigene Verantwortung und eigene Fehler und außerdem ist das Opfer immer sauber und unschuldig. Dabei wird wohl oft vergessen, dass Medien einfach gern aufnehmen, was ihnen angeboten wird, und das Angebot der Linken an spannenden Geschichtchen und Politboulevard ist wirklich atemberaubend, eine Schatztruhe für jeden Journalisten. Soll heißen, dass auch der übelste Welt-Journalist, der aus seiner CDU-Anhängerschaft keinen Hehl macht, einfach dadurch “besiegt” werden kann, indem man ihm die Angebote wegnimmt, also einfach mal auf Schwachsinn verzichtet.
In diesem Interview geht es aber um etwas anderes, als guten Journalismus, der das Gegenüber “hart rannimmt” und herausfordert. Es geht nicht um unbequeme Fragen oder um das Bohren nach dem wunden Punkt, sondern eher um dumpfe Meinungsmache, primitivste Polemiken von vorgestern, peinliche rhetorische Kniffs. Nervtötend und blöd ist beispielsweise im Jahre 2011 die immer wieder kehrende Behauptung, Die Linke hätte nicht mit der DDR gebrochen. Das ist einfach ein mieses Totschlagsargument, denn tausende Seiten wissenschaftliche Texte und unzählige eindeutige Statements wurden veröffentlicht, so dass einer solchen Behauptung jegliche Grundlage fehlt. Doof ist auch die Diskreditierung politischer Inhalte der Linken, egal welcher, mit dem Attribut “von gestern”, “für die Frustrierten” oder auch “Wolkenkuckucksheim”. Mit so einem primitiven Rhetorikgriff erscheint dann die Forderung nach einem Renteneinstiegsalter von 65 Jahren schnell als stalinistisch-antidemokratische Forderung aus dem letzten Jahrhundert. Solche Kniffe greifen meiner Meinung die journalistische Ehre an und verdecken, dass die Betroffene offenbar nicht in der Lage ist, so zu recherchieren und ein Interview so vorzubereiten, dass es wirklich herausfordernd und inhaltlich anspruchsvoll wird. Gegen ein hartes Rannehmen auch von linken Politikern habe ich gar nichts, nur gegen dumpfe und einfallslose Geriatriesender-Journalisten.
Ich fordere als Linker den neutralen Umgang mit allen Politikern aus allen Parteien, natürlich nicht nur für unsere Vertreter der Linken.
Als Kampagnenjournalismus nenne ich hier nur nochmal als Beispiel den Hummer von Frau Wagenknecht, den Porsche von Herrn Ernst usw.
Hat solch eine penetrante, dümmliche, unsachliche und polemische Kampagne Frau Merkel, Westerwelle, Künast und Co getroffen ?
Sowas ist nur abartig und unterstes Niveau egal wen es trifft.
Natürlich darf man kritisieren und hinterfragen vorallem wenn es um Sachthemen geht …. nur damit konfrontiert man die Linke nicht um denen keine Plattform für Eigenwerbung zu geben … dann lieber die Hummergeschichte.
Bei Merkel und Co geht man nicht ins Detail um keine unschönen Dinge hochzuholen die negativ wirken könnten … dann doch lieber über Merkels Kleid reden.
Gibt Leute die sich nicht erst seit 2 Monaten mit der Linken beschäftigen sondern alles seit vielen Jahren beobachten … vorallem den Stil wie berichtet wird.
Ich fordere als Linker, sämtliche Forderungen an die Medien einzustellen und ein Klima zu schaffen, in dem sich nur Qualität durchsetzt. Mit “Forderungen” an das Verhalten von Journalisten hat ja nun gerade unsere Partei eher unrühmliche Erfahrungen gemacht. Ach, und dann fordere ich vor allem die Parteiführung auf, ihr destruktives Füttern von Journalisten mit für uns schlechten Nachrichten sein zu lassen und endlich ordentlich Politik mit den und für die Menschen zu machen. Forderungen Ende.
gehört hier nicht rein und ist nur als technischer Hinweis gedacht! Ich kann bei Primary Targets nicht mehr auf VK antworten. Ist das eine technische Störung oder beabsichtigt?
Vielleicht in etwa so? Ich denke man sollte das eine tun und das andere nicht lassen. Grüße!
29. Juni 2011
DIE LINKE wünscht allen JournalistInnen viel Erfolg bei Tarifverhandlungen
Zur heutigen Tarifrunde zwischen ZeitungsredakteurInnen und Verlagen wünscht DIE LINKE. Münster allen Journalistinnen und Journalisten einen ordentlichen Tarifabschluss. “Guter Journalismus verlangt gute Bezahlung”, betont DIE LINKE und hält Kürzungswünsche der Verleger von bis zu 25 Prozent für völlig inakzeptabel. Die Forderung nach transparenter Offenlegung der Bilanzen hält DIE LINKE dagegen für notwendig, um Tarifverhandlungen auf Augenhöhe zu gewährleisten und unterstützt damit die Forderungen der Gewerkschaften DJV und Ver.di.
“Dem Journalismus kommt als vierte Gewalt im Staat eine besondere Bedeutung zu. Durch die zunehmende Prekarisierung der Beschäftigten in der Branche verschlechtern sich aber nicht nur die Arbeitsbedingungen von Angestellten und Freiberuflern. Durch den Druck auf die Beschäftigten leidet auf Dauer auch die journalistische Qualität,” warnt Kreissprecher Olaf Götze. “Deshalb liegt es im Interesse aller, gute Arbeitsbedingungen in den Redaktionen zu gewährleisten, wobei das Einkommen, insbesondere auch der BerufseinsteigerInnen einen wichtigen Baustein hierfür darstellt.”
DIE LINKE ruft die Redakteurinnen und Redakteure in Münster dazu auf, sich ebenfalls an den Streikaktionen zu beteiligen. “Solidarität ist eine starke Waffe!” verweist DIE LINKE auf eigene Erfahrungen. In den vergangenen Monaten hatten sich mehr als 5.000 JournalistInnen an den Streiks beteiligt.
war von Schausten ein sachl. Interview zu erwarten? Nein!
Beim sprechenden Hosenanzug wäre es Schausten sicherlich nicht in den Sinn gekommen, penetrant nachzufragen wie dies bei Gesine geschah.
Schmierfink-Journalismus!!!
Die Journalisten sind wie sie sind. Also muss man sich überlegen, wie man Contra gibt. Und wenn wieder mal zur fröhlichen Kommunistenjagd geblasen wird, sollte man von linker Seite sagen: Wer hat denn in der DDR den Oberbürokraten die Stirn geboten? Das waren echte Kommunisten und Sozialisten und nicht diese feigen Kirchenmänner wie Herr Gauck. Der kommunistische und innerparteiliche Widerstand in der DDR muss endlich thematisiert werden. Wir Linken haben es nicht nötig, dass wir uns von unseren Gegnern irgendwelche Zwangsbekenntnisse abpressen lassen müssten. Havemann z.B. war ein kommunistischen Regimekritiker und viele andere ebenso. Welcher Kandidat für das Bundespräsidentenamt hat als Politischer in der DDR gesessen? Peter Sodann von der Linken. Habe im Urlaub mal die alte Autobiographie “Nachruf” von Stefan Heym gelesen. Wenn man sich dagegen die Autobiographie von Gauck anschaut (nur quer lesbar, sonst erträgt man es nicht): Was für ein weinerliches Gequatsche. Fazit: Der Sozialismus ist von Bürokraten beerdigt worden in Ungarn, in der Tschecheslowakei, in der DDR und in der Sowjetunion. Dieses System war weder kommunistisch noch sozialistisch und jeder echte Sozialist und Kommunist hat es gewusst. Wie viele Linke sind daran zerbrochen? Warum redet niemand darüber?