Immer wieder Goethe

Immer wieder Goethe

Petra Pau hat dem Neuen Deutschland ein Interview gegeben, was insofern Beachtung verdient, als dass die Vizepräsidentin des Bundestags zuletzt nur selten in den Medien auftauchte. Es hätte schon Fragen gegeben, sagt die Linke, „ob ich nichts mehr zu sagen habe oder nichts mehr sagen dürfe“. Beides sei „natürlich Quatsch“ – und so äußert sich Pau über Zustand, Programm und die Rolle der Fraktion. Ob die im dortigen Vorstand anstehenden Umstrukturierungen zur Entspannung der konfliktträchtigen Lage beitragen, wird Pau gefragt und antwortet: „Ich weiß es nicht, ich hoffe es.“ Eine weiterhin offene Frage ist, ob und wer neben Gregor Gysi in die schon länger avisierte Doppelspitze rückt. Im August geht die Fraktion in Klausur, im Oktober steht die Neuwahl des Vorstands an. Ein Name der immer wieder zum Kreis der möglichen Kandidatinnen gezählt wurde: Sahra Wagenknecht.

Die stellvertretende Parteivorsitzende gilt als umstritten, was wohl nicht allein mit ihrer Zugehörigkeit zum linken Flügel der Linken erklärt werden kann – Wagenknechts Mitgliedschaft in der Kommunistischen Plattform ruht zurzeit. Auch auf die ihr nachgesagte politische Nähe zu Oskar Lafontaine wird man es allein nicht bringen können. Einige der Gründe liegen eher in der Vergangenheit, in Konflikten der früheren PDS, auch in einem Image, das Wagenknecht durchaus pflegte – und das sie, so scheint es, nun zu korrigieren sucht. Nun war die 42-Jährige immer schon eine der medial auffälligsten Politikerinnen der PDS und der Linken, sie hatte Ämter und zeigte sich in den unvermeidlichen Polittalks meist sachkundiger und schlagfertiger als viele andere Spitzengenossen. Das Magazin Cicero druckte ein Interview mit ihr 2008 sogar gleich zweimal ab. Ihrer Präsenz wohnte aber immer auch etwas anderes inne, sie war Ikone wider Willen, eine Projektionsfläche, eben: „die schöne Kommunistin“. Man wird lange suchen müssen um ein Zeitungsporträt von Wagenknecht zu finden, in dem nicht ihre früheren Äußerungen zur DDR oder der Name Walter Ulbricht auftauchen. Das alles verdichtete sich zu einem Bild, dem die Politikerin kaum entrinnen konnte.

Wenn der Eindruck nicht täuscht, versucht Wagenknecht seit einiger Zeit genau das: ein anderes Bild von sich in der Öffentlichkeit zu verankern. Es sind eine Menge Interviews und ein paar Porträts erschienen, auch Gastbeiträge, denen eines gemeinsam ist – der häufige und ausdrückliche Bezug zu Johann Wolfgang von Goethe. Nun war aus biografischen Splittern Wagenknechts schon früher bekannt, dass sie viel gelesen hat, dass sie als Jugendliche sogar den Faust auswendig lernte und über Goethe zur Kommunistin wurde. So oft und so vordergründig wie seit Anfang 2010 tauchte der Weimarer Dichterfürst sonst aber nicht im öffentlichen Reden Wagenknechts auf.

Die Lektüre des Faust, so sagt sie etwa dem Stern, „stimuliert zum Widerstand gegen beengende, ungerechte Verhältnisse“. Für Goethe, hat Wagenknecht im Mai der Frankfurter Allgemeinen geantwortet, „war der Mensch kein egoistisches Wesen. Sehnsucht nach Schönheit, Liebe, sozialen Bindungen waren für ihn urmenschliche Eigenschaften. Er hat für eine Gesellschaft plädiert, in der der Mensch diese Eigenschaften leben kann. Wer Goethe ernst nimmt, kann sich nicht mit den bestehenden Verhältnissen abfinden.“ Im Frühjahr trat Wagenknecht in München unter der Überschrift „Goethe trifft Karl Marx – Faust ein Frühkapitalist?“ auf, im April forderte sie im Focus „Lest mehr Goethe!“ und kurz zuvor hatte sie in der Süddeutschen Gedanken zum Faust geäußert, die man als Beitrag zu Programmdebatte verstehen konnte.

In der ist viel über die Frage gestritten worden, ob es hinreichend ist, den Kapitalismus nur als kriselndes, zerstörendes und überholtes System zu charakterisieren – oder ob nicht auch die ihm innewohnenden Potenziale des Fortschritts aufgeführt werden müssten. Wageknecht sieht mit Goethe „einerseits die produktiven Potentiale, die wirtschaftlichen Vorteile, die dieses System bringt, andererseits aber auch seine Unmenschlichkeit und Brutalität“. Der Dichter sei „ohne Zweifel einer der frühesten, feinsinnigsten und tiefgründigsten Kritiker, die der Kapitalismus je hatte. Er hat die existenzielle Bedrohung von Kultur, Zivilisation und Humanität in einer durchkommerzialisierten Gesellschaft geradezu prophetisch vorhergesehen. Ihm graute vor Verhältnissen, in denen sich alles rechnen muss. Das hinderte ihn nicht, die gewaltigen produktiven Potenziale der neuen Ordnung anzuerkennen. Goethe war kein rückwärtsgewandter Verweigerer, sondern weitsichtig genug, über eine Moderne jenseits des Kapitalismus schon nachzudenken, als dieser sich gerade zu etablieren begann.“ Diese Ambivalenz mache „einen großen Teil der Aktualität“ des Geheimrats, so Wagenknecht. Und der Zeit hat sie gerade erzählt, wessen Bild heute an ihrer Wand hängt: Goethes. (vk, Foto: H.-P.Haack, GNU FDL)

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27 Kommentare zu “Immer wieder Goethe”

  1. Jens Raabe sagt:

    Was für ein Haken geschlagen…

    Von einer Pau die mit mit Korinther 1.6 antwortet und sich als Besucherin des Kirchentages “outet” zu einer Wagenknecht bei der man gleichzeitig alle Klischees bedient die man bei anderen Publikationen zu erkennen glaubt…

    und nun? was solls?

  2. Lisa sagt:

    Der Aufstieg von Sahra in die Fraktionsspitze ist zum Glück unvermeidlich. :) Wer soll es denn sonst machen?
    Über Ihr Äußeres wird natürlich so viel geschrieben, damit man weniger über ihre Inhalte schreiben kann. Eine alte patriachachalische Angewohnheit. Sicher lässt sie vor allem die parlamentarische Konkurrenz optisch weit hinter sich. Schön ist allerdings in deutschen Medien allerdings fast jede Frau, die nicht so aussieht, als wäre sie im Nebenjob Vogelscheuche. Früher ging – schön – mal bei Audrey Hepburn oder Grace Kelly los. Heutzutage versuchen notgeile Medien, so oft wie möglich zumindest einen subtilen sexuellen Bezug herzustellen, um die Auflage zu steigern. Da wird dann selbst Kristina Schröder zum Supermodel, da sie aufgrund verhältnismäßiger Jugendlichkeit noch ziemlich unfaltig ist. Der Staub der Jahrhunderte auf dem Hirn wird da nebensächlich. Dass die Dämonisierung von Sahra nachgelassen hat, ist vor allem ihrer Kompetenz geschuldet und nicht ihren Göthezitaten. Eine dezente Modernisierung ihres Looks, würde vermutlich auch die Vermittlung ihrer Inhalte fördern. Freilich wäre hier kein Runderneuerung von Nöten wie bei anderen Frauen in hohen Positionen bereits geschehen, sondern lediglich die vollständige Nutzung des optischen Potenzials. Wir haben gesehen wie weit es ein Pfeife mit, für manche Leute, wohlkingendem Namen und Pomade im Haar bringen kann, ohne irgendwelche Talente, außer dem zum Blenden, vorweisen zu können. Die Linke muss auf allen Ebenen angreifen, nicht nur mit den besseren Konzepten.
    Und was hat Petra Pau jetzt damit zutun? Keine Ahnung, aber besorg ihr doch einer mal ein paar vernünftige Hustenbonbons.

  3. vk sagt:

    @Lisa: So klingt das, wenn Leute “auf allen Ebenen angreifen”, gern auch mal auf der untersten, oder? Pau hat eine offenbar ernste Erkrankung der Stimme, mit Hustenbonbons nach ihr zu werfen, ist nicht lustig, sondern peinlich.

  4. Raju Sharma sagt:

    @Lisa
    Kein Aufstieg ist unvermeidlich. Und wer das Amt der bzw. des Fraktionsvorsitzenden als Stufe einer politischen Karriereleiter ansieht, ist dort sowieso deplatziert. Eine Fraktion kann nur führen, wer über die persönliche und fachliche Autorität verfügt, die erforderlich ist, damit die Mitglieder sich auch führen lassen. Wenn dies für eine Person in der Bundestagsfraktion zutrifft, ist dies Gregor Gysi.

    Und was Goethe betrifft, finde ich den in politischer Hinsicht deutlich überbewertet. Heinrich Heine hat das in seiner “Romantischen Schule” einmal sehr schön auf den Punkt gebracht: “Keineswegs jedoch leugnete ich bei dieser Gelegenheit den selbständigen Wert der Goetheschen Meisterwerke. Sie zieren unser teueres Vaterland, wie schöne Statuen einen Garten zieren, aber es sind Statuen. Man kann sich darin verlieben, aber sie sind unfruchtbar: die Goetheschen Dichtungen bringen nicht die Tat hervor wie die Schillerschen. Die Tat ist das Kind des Wortes, und die Goetheschen schönen Worte sind kinderlos.”

  5. Lisa sagt:

    Das war kein Angriff. Sorry, ich hab das Interview mit Petra erst nach meinem Kommentar gelesen und vorher davon rein gar nichts gewusst. Auf diesem Wege wünsche ich Frau Pau ein zügige Genesung.

  6. Lisa sagt:

    @Raju

    Angenehm fällt Frau Wagenknecht unter anderem dadurch auf, dass sie sich aus den medialen Scharmützeln linker Gehaltsempfänger und Mandatsträger meist raushält und nicht aus eigenem Karriereinteresse die Partei beschädigt. So viel Stil wünsche ich dem Rest der Fraktion und Parteiführung auch.

  7. Lisa sagt:

    Hossa! Meine Kommentare verschwinden und erscheinen wieder, wie von Geisterhand! Rein zu doll!

  8. tos sagt:

    @Lisa: es hat ein bisschen gedauert, bis das “sorry” freigeschaltet wurde, wir müssen hier “nebenher” noch lohnarbeiten, da dauerts mitunter. verschwunden ist ein wiederholter kommentar an die “Versammelten Bartschoiden”, womit wohl wir gemeint sein dürften, und die empörung über die vermeintliche zensur der entschuldigung, beides hatte sich ja -wie oben erklärt – erledigt.

  9. Lisa sagt:

    @tos

    Hey! Die “Ich arbeite und Du man nicht!-Unterstellung!”
    Welche Schublade war das noch?
    Was ist denn in Arbeit? Eine neue Huldigung an Frau Merkel?
    Dann mal frohes Schaffen! Tüchtig in die Hände gespuckt!

  10. tos sagt:

    @lisa, der hinweis auf die arbeit sollte lediglich illustrieren, warum es so lange … aber lassen wir das. und was die “huldigung an merkel” angeht: nun ja, das handeln von jemandem als machtpolitisch erfolgreich zu bezeichnen, ist nicht das selbe wie, diesen für dieses handeln zu loben. es war ja außerdem eher ein kommentar über das geräusch, dass die hauptstadtpresse bei nennung des namens merkel üblicherweise macht.

    “Wo Politik auf die Frage reduziert wird, ob jemand im Amt eine gute Figur macht‚ werden die Verhältnisse zum Verschwinden gebracht und wird die Illusion gefördert, die Macht liege in einer Kiste im Keller des Kanzleramts und müsse nur ergriffen werden. Zugegeben: Merkels Bilanz ist nicht erst seit 2009 eine der Interessenpolitik und Umverteilung. (…) Aber wahr ist auch: Merkel ist Kanzlerin in einer Zeit der organischen Krise. (…) Vor dem Hintergrund erscheint ­Merkels Regierungsweise als eine Art Brückentechnologie. (…) Merkel baut in ihre Entscheidungen die Möglichkeit künftiger Veränderungen mit ein. In einer Zeit, in der die Schwäche des Alten zwar klar erkennbar, aber die Gestalt des Neuen, des kommenden post-neoliberalen Regulationsmodells, noch nicht absehbar ist, bekommt ihr Taktieren zwar keine herausragenden Haltungsnoten. Machtpolitisch ist es aber eine sinnvolle Gangart. Sie ist jedenfalls erfolgreich. Die Union steht in Umfragen nicht schlechter da als vor einem Jahr. Es gibt sicher gute Gründe, darauf zu hoffen, dass bald schon jemand anderes als Kanzler in die Sommerferien verabschiedet wird. Mehr Führungsstärke und ein anderer Stil werden aus einer neuen Regierung aber noch keine politische Alternative machen.”

    für alle anderen zum nachlesen: http://bit.ly/qkIFlh

  11. Sebald sagt:

    @Raju Sharma
    Nichts gegen Gregor Gysi, er wird ja in jedem Fall Fraktionsvorsitzender bleiben. Gleichzeitig müssen wir aber auch an die Zukunft denken. Und da ist es einfach so, dass von unseren jüngeren Politikerinnen und Politikern Sahra Wagenknecht die mit Abstand kompetenteste, konstruktivste und auch rhetorisch versierteste Politikerin ist. Daher wird Sahra Wagenknecht – in welcher Funktion auch immer – die Zukunft der Partei entscheidend prägen.

    Umso verantwortungsloser finde ich es, wenn immer wieder Leute vom rechten Flügel unserer Partei nichts unversucht lassen, um Sahra Wagenknecht zu demontieren. Jüngstes Beispiel ist ein Artikel in der Berliner Zeitung vom 8.7.2011, in dem es heißt:

    „In diese Richtung zielt auch die immer mal wieder lancierte Meldung, dass Gysi von Oktober an eine alte Bekannte als Ko-Vorsitzende zu gewärtigen habe: die Kommunistin Sahra Wagenknecht. Auszuschließen ist das nicht. Die Fraktion selbst hat nach der letzten Bundestagswahl für eine Doppelspitze votiert. Wagenknecht ist eloquent, gilt als ausgezeichnete Fachpolitikerin und ist als einziges Fraktionsmitglied ähnlich bekannt wie Gysi. Der Haken: Sie ist für die Pragmatiker das denkbar roteste Tuch, auch Gysi bezeichnete sie vor nicht allzu langer Zeit noch als “Njet-Maschine”.
    Wagenknecht als Ko-Chefin wäre für Gysi die größtmögliche Demütigung und für die Linksfraktion vermutlich des Guten zu viel. “Das würde die Fraktion nicht überleben”, sagt ein Abgeordneter. Im Hintergrund laufen daher schon längst Bemühungen, den Fraktionsbeschluss aufzuheben. Der nächste Showdown ist im September.”

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0708/politik/0002/index.html

    Ich denke, dass diesen Intriganten endlich eine rote Karte gezeigt werden muss.

  12. Zbig sagt:

    @ Raju Sharma

    Möglicherweise seid ihr, Du und Heine, etwas zu kurz gesprungen. Denn was aus dem west-östlichen Diwan

    http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/diwan/index.htm

    noch alles werden kann, zeigt sich hin und wieder in Weimar

  13. Raju Sharma sagt:

    @ Sebald
    Das ist – zumindest für mich – hier nicht das richtige Forum, um sich mit dem tatsächlichen und vermeintlichen Wirken von Sahra auseinanderzusetzen. Das kann ich ja – die Anwesenheit aller Beteiligten vorausgesetzt – in den entsprechenden Gremien tun. Dass ich mich nicht zu ihren Groupies zähle, dürfte hinlänglich bekannt sein. Ich finde aber generell, dass man die Menschen weniger an ihren Worten und mehr an ihren Tatten messen sollte. Dann gäbe es auch nicht so viel Mythen und Legenden.

    @ZBig
    Ich habe doch gar nix gegen Goethe. Nur die Inszenierung um den vermeintlich revolutionären Goethe ist angesichts seines tatsächlichen Wirkens historisch schlicht falsch und insofern etwas lächerlich. Aber ansonsten sind die Geschmäcker eben verschieden. Ist doch gut so.

  14. Halina sagt:

    @lisa,
    nicht einmischen ist falsch, du könntest maximal sagen in einer dir angenehmen richtung ;-)
    http://www.tagesspiegel.de/politik/anbiederung-an-die-spd-macht-uns-ueberfluessig/4118014.html
    http://www.gmx.net/themen/nachrichten/deutschland/007gkzc-wagenknecht-will-lafontaine
    http://www.neues-deutschland.de/artikel/183554.nervositaet-vor-dem-konvent.html?sstr=Wagenknecht

    @sebald, da du ja der oberchecker in allem bist, weißt du doch selber, das zum “entscheidend mitprägen” gehört, dass das “mitprägen” auch gewollt sein muss. und dann lies nochmal die antwort 1 im zeit-interview.

  15. Friedrich sagt:

    @Sebald
    Von Deiner albernen Kategorisierung kommst Du nicht los, genau wie der Autor jenes Zeitungsartikels, den Du als Kronzeugen bemühst.
    Du sprichst unausgesetzt von “Parteirechten”. Beiläufig: Sind damit auch die gemeint, die einen Haushalt tolerieren, dessen Handschrift alles andere als links ist, nur damit sie eine Neuwahl mit leider sicherem Ausgang vermeiden, und das im Landesverband, der sich kühn als den am weitesten links stehenden bezeichnet? Das gleiche Schubladendenken gilt für besagten Autor, der stumpf von Kommunisten und Pragmatikern spricht, dabei trifft beides nicht zu – abgesehen davon, daß das Eine das Andere nicht ausschließt, da habe ich meine Erfahrungen aus DDR-Zeiten.
    Bei Dir wie bei Deinem Zeugen sehe ich bedauerliche Zeichen fehlenden analytischen Denkens; da spreche ich noch nicht einmal von elementarem dialektischem Denken, sondern nur von Engstirnigkeit.

    Ansonsten: “Ich denke, dass diesen Intriganten endlich eine rote Karte gezeigt werden muss.” Wen meinst Du eigentlich konkret, den Journalisten oder seinen ungenannten Abgeordneten (wenn Du wüßtest, wie gern ein “ungenannt bleiben Wollender” erfunden wird, wenn kein anderer zur Hand ist!), und wie stellst Du Dir die rote Karte vor? Parteiausschluß (gibt der Sachverhalt nicht her) oder Demo vor dem Haus oder auch Androhung physischer Gewalt, wie von einem Forumsteilnehmer hier auch schon geschehen, wenn auch in einem anderen Blog. Vielleicht könnte sich ein anderer als Du eine offene Auseinandersetzung in den Parteigremien vorstellen, bis hin zum Landesparteitag.
    Vielleicht lernst Du irgendwann, mit anderen Meinungen umzugehen, statt Reflexen zu erliegen.

    @Raju:
    Volle Zustimmung! Ich liebe und verehre den Lyriker Goethe, kann mit dem Faust nicht viel mehr anfangen als mit den Romanen, und ihn als revolutionär zu bezeichnen, weil ihm (Faust II) die Herrschaft des Geldes suspekt ist – naja. Wie er sich im Fall der realen Kindsmörderin, die nun eben nicht Gretchen hieß, ist ja bekannt. Aber Goethe ist wirklich ein ganz anderes Thema. Schön ist nur: Wer ihn zitiert, kommt gut an.

  16. call sagt:

    @ R. Sharma
    “Ich finde aber generell, dass man die Menschen weniger an ihren Worten und mehr an ihren Taten messen sollte.”

    Wohl wahr. Daran werden sich die Berliner, so sie zu der nächsten Wahl gehen, hoffentlich halten und sich an das erinnern, was die Linke in den letzten Jahren geboten hat: Keine Unterstützung des Wasser-Volksentscheides; Wegfall des sozialen Wohnungsbaus usw.

    Aber immerhin hat Herr Senator Wolf einen neuen Dienstwagen (bis Oktober 2011), auf dessen Rücksitz er bequem seine Akten lesen kann – alles ganz leise und ohne Motorgeräusche.

    http://www.berliner-kurier.de/berlin/kiez-stadt/roter-senator-wird-gruener-testfahrer/-/7169128/8710984/-/index.html

    Was aber wollen Sie uns damit sagen? Hat Frau Wagenrecht nur geredet aber nichts getan? Sieht es bei Ihnen anders aus? Sie sollten schon konkreter werden, damit man weiß, worauf Sie hinaus wollen oder es einfach lassen. Ansonsten bleibt es nur eine weitere hohle Phrase.

  17. Dirk sagt:

    @ Halina

    Und was soll uns Antwort 1 bzw. Dein expliziter Verweis darauf nun sagen? Etwa, dass nur jemand prägend wirken kann, der 24 Stunden am Tag für die Partei oder die Fraktion arbeitet? Nein Halina, die Einstellung von Sarah ist schon sehr gesund, es ist nämlich nicht verkehrt, wenn man gewisse “Elfenbeintürme” hin und wieder auch mal von außen betrachtet…

  18. Michael (Niedworok) sagt:

    @Lisa, Sebald:

    Sahra Wagenknecht schreibt erstklassige Bücher, ist ein Publikumsmagnet, ist wirklich links und hat Ihre Ansichten um gediegene Kenntnisse der Makroökonomie erweitert, sie hat Benehmen, sie fasziniert viele unserer Wählerinnen und Wähler und bei den Konservativen löst sie diejenigen Kopfschmerzen und Aggressionen aus, die Konservative halt so bekommen, wenn etwas sie zum Nachdenken zwingt: Wer sonst hat ein solches Profil?

    Ganz offensichtlich wäre Sahra Wagenknecht für die Fraktion gut, man würde sich also wünschen, einige unserer Repräsentanten, die sich jetzt regelmäßig schwer tun, könnten über ihren eigenen Schatten springen. Denn auch wenn offen ist, ob Sahra Wagenknecht überhaupt wollte (Zeit-Interview: Bescheiden und lebensnah ist sie auch noch!), gibt es doch schon gegen die Möglichkeit (gern anonymen) Widerstand, der sich selten auch hinreichend erklärt…

  19. js. sagt:

    Warum sebald, lisa et al. das tun, liegt auf der Hand – aber warum bloß sind die bürgerlichen Medien der S.W.-better-Image-Kampagne so sehr behilflich – intensiv – und allen “Kopfschmerzen” zum Trotz? Und wer “bedient” die eigentlich in diesem Fall natürlich gar nicht schamlos?Und geht es wirklich “nur “um den Ko-Fraktionsvorsitz? Na,na,na – das wär doch beinahe “Perlen vor die Säue”, oder?

  20. Michael (Niedworok) sagt:

    @Friedrich:

    Klar geht es nicht darum, anonyme Äußerungen und Hintergrundinformationen effektiv zu verbieten: Geht ja auch gar nicht… Die Presse holt sich schon ihre Informationen, weil Langeweile sich schlecht verkauft. Aber es muß jedem, der sich daran beteiligt, bewußt sein, wie das vor allem bei Personaldebatten wirkt: Wie das allgemein unpopuläre und undurchsichtige Ränkespiel in der Parteienpolitik. Also abschreckend. Im Extremfall, wir hatten das mitunter auch schon erlebt, erhält man sogar den Eindruck, es wird versucht die Kontrolle über die Partei zu erlangen und das potentielle Auseinanderreißen ist schon eingepreist. An der Stelle ist angeraten: Versuch’s mal mit einem salomonischen Urteil, dann kommste schon drauf, warum es ein Fairplay-Problem gibt…

    Daher: Abgeordente haben ihre Freiheiten, nur bei der nächsten Listenaufstellung sollte die Partei auch wissen, wofür sie genutzt wurden. Man wird in der Hauptsache darauf setzen müssen, daß unsere Leute (auf allen Flügeln) das freiwillig einsehen und die Selbstzerlegung vor den Scheinwerfern der Öffentlichkeit ein Ende findet.

  21. Mümmel Treitinger sagt:

    Bzgl. Wagenknecht finde ich es manchmal seltsam, dass ihre “Fans” sie derart loben, dass es ungewollt fast schon zur Persiflage wird.
    Sie ist unbestritten eine fähige Politikerin, aber der Versuch sie zur Ikone hochzustilisieren, schadet letztlich ihr eher als dass es ihr nutzt. Zuviel Jubel wirkt einfach nicht mehr authentisch.
    Ich schätze sie für ihre Kompetenzen, sehe aber auch gerade in den letzten Jahren einige Enticklungen und Positionierungen ihrerseits, die ich so nicht mittragen würde (z.B. ihren Schwenk Richtung Keynes oder auch ihr Bemühen die “linkeren” Kräfte der Partei nur noch als Hilfstruppe eines von ihr empfundenen Parteizentrums gegen vermeintliche “Parteirechte” umzufunktionieren … beides halte ich für fehlerhafte, wenn auch verständliche, Strategien). Wenn sie nicht aufpasst wird sie noch ungewollt die Totengräberin des linken Flügels.
    Ausserdem versteh ich ihren Loyalitätsbegriff nicht – aber das ist ein anderes Thema.

    Noch ein Schwenk zu Goethe: der war ein bürgerlicher Politiker innerhalb des Absolutismus und für den lokalen (“aufgeklärten, weimarer) Absolutismus. Das war zu seiner Zeit und in seiner Region der poltiische “mainstream” – er war kein Systemkritiker, kein Widerständler, aber auch kein reaktionär. Analog ist auch seine Literatur: sie ist formal auf höchster Ebene, inhaltlich aber Ausdruck des damals herrschenden Zeitgeistes (der Herrschenden) – bürgerlich, aber staatsloyal. Es sind also sowohl progressive Momente als auch reaktionäre Elemente enthalten.
    Und leider eben deswegen gibt es eine Analogie zur derzeitigen Partei.

  22. Friedrich sagt:

    @Michael (Niedworok)
    Ich kann bei Deiner Antwort an mich beim besten Willen keinen Bezug zu meiner Wortmeldung, die sich ja auf einen Text von Sebald bezog, herstellen.

  23. Lisa sagt:

    @Halina

    Danke für die schönen Links! Ich hatte geschrieben, dass sie sich – meist – raushält. Wenn sie es nicht tut, artet es zumindest nicht aus in uninspiriertes Geblubber. Die Linke hat einige Leute, die versiert sind im Politiksprech, die rethorisch schwer zu kriegen sind. Die haben aber alle Parteien, die im Bundestag sitzen. Davon lassen sich immer weniger Wähler blenden. Um Kompetenz zu vermitteln, braucht es ein bißchen mehr. Wer sich zu Eifersüchteleien hinreißen lässt, weil jemand anders mehr strahlt, wirkt direkt noch ein bißchen unsouveräner. Sahra wirkt nicht, als hätte sie ihre Positionen auf größtmögliche Nähe zur so genannten “Mitte” getrimmt und schafft es – inzwischen, diese trotzdem auch so rüberzubringen, dass nicht jedem Konservativen der Angstschweiß ausbricht, wenn er diese hört. Will die Linke, mehr Prozente bekommen, gilt es, nicht nur die Leute zu überzeugen, die sowieso schon links sind, sondern auch die, die 70 Jahre antikommunistische Hetze ins Hirn gebrannt bekommen haben.
    Wahrlich sind souveräne Auftritte von Politikern mit Format, der bessere Weg dahin, als kleingeistiges Gezerre um wahlunrelevante Positionen. Wer die Solidarität so oft im Mund führt, wie die Genossen, sollte sie auch leben, sonst könnte er in jeder anderen
    bürgerlichen Partei sein. Fraktionen motivieren die eigenen Parteimitglieder auch nicht zum Verteilen von Infomaterial, wenn sie eine Performance auf Bigbrother-Niveau abliefern.

  24. Michael Wendl sagt:

    Sahra Wagenknecht einen “Schwenk zu Keynes” zu unterstellen, ist zu viel der Anerkennung. Den hat sie gerade nicht getan, sondern ganz im Gegenteil bezieht sie sich in ihrem neuen Buch direkt positiv auf die ordoliberalen Gegner des Keynesianismus, also Walter Eucken, Ludwig Erhard u.a. (also die deutsche Variante des Neoliberalismus). Es wäre manchmal schon von Vorteil, wenn die Menschen, die sich hier äußern, die Texte, über die sie schwadronieren, auch gelesen hätten. Ich sehe es umgekehrt als theoretisches Defizit in der wirtschaftspolitischen Argumentation von Wagenknecht, dass sie nicht in der Lage ist, auf das gegenwärtig theoretisch anspruchvollste makroökonomische Paradigma, d.h. die Keynessche Theorie, einzugehen – egal ob kritisch oder zustimmend.

  25. Mümmel Treitinger sagt:

    @Michael Wendl
    In der Tat – ihr Buch ist eine mehr oder weniger offene Zuwendung zum Ordoliberalismus, ihre Praxis, nicht ganz so problematisch aber problematisch genug – und um die geht es mir und die ist entscheidend – ist letztlich keynesianisch.

  26. singular sagt:

    @treitinger

    eine verständnisfrage: was meinst du mit “praxis”?

  27. Mümmel Treitinger sagt:

    @singular
    Pressemitteilungen und Reden als Fraktionsmitglied (also die praktische Arbeit als MdB).
    Kann man sich auch ale ansehen unter:
    http://linksfraktion.de/suche/?q=wagenknecht&x=0&y=0

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