Tomaten in Konsenssoße

Tomaten in Konsenssoße

Die Linke hat am Mittwoch knapp 200 Menschen zu ihrem Wahlkampfabschluss auf den Bremer Goetheplatz bewegen können. Das dürfte angesichts der Zahl der angereisten Parteiprominenten aus Berlin etwas enttäuschend sein. Aber die Partei muss sich nicht unbedingt grämen: Wichtiger ist wohl, was in der Zeitung steht. Und da hat der in der Hansestadt dominante Weser-Kurier für die Linke sogar den „Preis für die längste Kundgebung“ erwogen, von den „vertrauten Forderungen der Linken“ geschrieben, „die den Applaus des Bremer Publikums finden“, den Linkspolitikern attestiert, „ihre Reden geschickt mit Zahlen zur sozialen Spaltung der Stadt“ auszuschmücken. Und, was in der bundespolitisch ziemlich weit am Rande stehenden Doppelstadt offenbar gern gesehen wird: „Sie nehmen sich Zeit für Bremen.“

Die Landespartei freut sich „über diese Unterstützung“, wird die Bremer Linken-Sprecherin Doris Achelwilm – und sie verweist auf die bundespolitische Symbolwirkung der Bürgerschaftswahl am Sonntag. In den Umfragen liegt die Partei bei sechs, sieben Prozent. Wiedereinzug, Ergebnisbestätigung, Prozentzuwachs – je nach Ausgang der Wahl wird man auch wieder die Linkspartei im Ganzen messen, vor allem aber die Doppelspitze. Linkenchefin Gesine Lötzsch verteilte am Mittwoch Tomatenpflanzen, um später hoffentlich rote Früchte ernten zu können. Klaus Ernst beendete einen dreitägige Brementour auf der Bühne am Goetheplatz, wo er dann gleich vom verspäteten Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi abgelöst wurde. Der nannte es „wichtig, dass Sie ein soziales Korrektiv in die Bürgerschaft reinwählen“ und sagte: „Das Gute an der Linken ist, dass sie außerhalb dieser Konsens-Soße im Bundestag steht.“

Sahra Wagenknecht übrigens hatte am Montag allein mehr als 100 Menschen ins Konsul-Hackfeld-Haus gelockt. Auf dem Goetheplatz wäre die Fraktionsvize allerdings auch nicht Fehl am Platze gewesen. Im Gegenteil: Vor ein paar Wochen erst hatte sie sich als Kennerin des Klassiker im Focus geäußert und empfohlen: Lest mehr Goethe! (vk)

Drucken Drucken

Ein Kommentar zu “Tomaten in Konsenssoße”

  1. Calvados sagt:

    Na dann, trotz all der unnötigen und irritierenden Nebentöne: Viel Erfolg am Sonntag in Bremen!

    Über Sahra Wagenknecht staune ich immer wieder. Wirklich smarter Artikel im “Focus”.

Kommentiere:

| Kommentare werden moderiert |