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Schwarzer Kanal

Ach ja, nun auch noch der Spiegel. Nachdem sich die Medien an der jüngsten Welle des Themas “Die Linke und der Antisemitismus” schon so gut wie abgearbeitet haben, trottet Spiegel online hinterher und lässt Jan Fleischhauer eine Kolumne schreiben. Fleischhauer, ein bekennender Konservativer, gilt spätestens seit seinem teils ironischen, teils herablassenden Film “Unter Linken”, laut Bild “die lustigste TV-Doku des Jahres”, als Kenner der linken Szene. Jetzt benutzt er seine Erkenntnisse, um die auch in der Linkspartei selbst umstrittenen Ereignisse und Äußerungen, an denen sich die Nahost- und Israeldebatte zuletzt entzündete, noch einmal aufzuzählen und als das zu behandeln, was er darin sehen möchte: eine Grundlinie linker Politik.

Das ist ein fröhliches Verallgemeinern, zum Beweis einer antisemitischen Traditionslinie muss sogar die RAF herhalten, und natürlich sind es bei Fleischhauer nicht diskutable und indiskutable Fälle in der Linken, über die zu reden wäre, sondern es ist die “Spezialität der radikalen Linken, die Juden als Problem zu sehen”. Das ist schon einigermaßen bösartig, selbstgerecht und auch denkfaul, denn auf die Überlegung, dass die Linke tatsächlich berechtigte Kritik an Israels Politik üben könnte, die gelegentlich inakzeptable Formen annimmt, lässt sich Fleischhauer nicht ein. Kritik an Israel von links ist für den Spiegel-Mann immer gleich Ressentiment gegen Juden. O-Ton Fleichhauer: “Statt von Juden spricht man als Konzession an den Zeitgeist lieber von Israelis, aber jeder weiß, was gemeint ist.” Platter geht’s nicht.

Interessanterweise heißt die Rubrik, in der Fleischhauers Text steht, “Der Schwarze Kanal”. Das lehnt sich ebenso an die legendäre, gefürchtete und gehasste Sendung von Karl-Eduard von Schnitzler im DDR-Fernsehen an wie die gleichnamige wöchentliche Polemik in der jungen Welt, in der Werner Pirker neulich ausgerechnet die Israel-Freunde in der Linken als Blockwarte bezeichnet hatte. So viel zu agitatorischen Ähnlichkeiten und Mustern auf der politischen und publizistischen Rechten und Linken. (vk)

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71 Kommentare zu “Schwarzer Kanal”

  1. Halina sagt:

    @css: die verallgemeinerung auf juden, für die eine demokratie usw. ist antisemitisch, das hatten wir aber schon mal…

    @call: ich bestreite keine diskrimminierung, frank heinze hat dazu hier schon viel gesagt… den vergleich mit der apartheid finde ich allerdings falsch… es gibt das aktive und passive wahlrecht und mir zumindest ist nicht bekannt, dass die art von trennung zwischen “schwarz” und “weiß” wie wir sie aus südafrika kennen auch zwischen “jüdischen israelis” und “arabischen israelis” in israel vorgenommen wird…

  2. call sagt:

    @ Halina

    Ihre Begründung des Antisemitismus-Vorwurfs bleibt sehr schwammig, wahrscheinlich haben Sie nicht verstanden, was C.S.S. meint.

    Wenn im Übrigen die Feststellung der hebräischen Universität stimmt, dass in Israel in jüdische Kinder dreimal soviel Geld investiert wird wie in arabische Kinder, dann kann man nicht von vereinzelter Diskriminierung sprechen, dann hat diese vielmehr System und wird auch nicht durch ein für beide Seiten bestehendes Wahlrecht wettgemacht.

  3. @Halina
    Sorry, aber das ist Quatsch… Mein alter Deutschlehrer hätte neben sowas schlicht “Textverständnis???” geschrieben.

    Mal andersrum gefragt: Wie drückt man denn deiner Ansicht nach politisch korrekt aus, dass der Staat Israel für seine Bürger eine unterschiedliche Art von “Demokratie” darstellt, je nachdem, welcher Religion sie angehören, wenn man dabei das böse Tabuwort “jüdisch” bzw. “Jude” nicht verwenden darf, weil es nun mal per se schon antisemitisch ist (zumindest in Halinas kleiner Welt), wenn man das böse Wort benutzt?
    Passt es Dir besser, wenn ich sage, “die Palästina kolonisierenden Einwanderer aus Europa und aller Welt und deren Nachkommen” im Gegensatz zur “indigene Bevölkerung Palästinas”? Wahrscheinlich auch nicht, obwohl beides eine vollkommen korrekte Aussage ist…

    Also: Begründe mir das mal SAUBER, das sollte man von einer Anwältin doch erwarten können, oder lass deine beleidigenden Anwürfe!

  4. Dominik Lehmann sagt:

    @tos

    Da mir nach den letzten Beiträgen gerade mein Frühstück hochgekommen ist möchte ich dich darum bitten auch diesem Thread zu schließen.
    Auf vernünftige Argumente wird von manchen Beteiligten sowieso nicht eingegangen und Sinn sehe ich in dieser hier stattfindenden Diskussion auch nicht.

    Ausser das ich mich manchmal schon fragen muss ob manch andere oder ich in der falschen Partei bin…..

  5. Sebald sagt:

    @Halina
    Ich muss Dich leider korrigieren: Selbstverständlich gibt es in den israelisch besetzten Gebieten ein massives Apartheid-System. UN-Berichte schätzen sogar ein, dass die Apartheid in den besetzten Gebieten schlimmer als in Südafrika wäre.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,314702,00.html

    Der ehemalige US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter, der ganz bestimmt kein Gegner Israels ist, hat deshalb ein Buch mit dem Titel „Peace not Apartheid“ veröffentlicht. (Mittlerweile auch in deutsch erhältlich.)

    http://melzer-verlag.de/online-shop.html?page=shop.product_details&flypage=flypage.tpl&product_id=17&category_id=6

    Auch der südafrikanische Anti-Apartheid-Aktivist und Friedensnobelpreisträger sieht in den besetzten Gebieten ein Apartheid-System.

    http://www.guardian.co.uk/world/2002/apr/29/comment

    Denn natürlich ist es Apartheid, wenn Siedlungen gebaut werden, in die keine Palästinenser einziehen dürfen, wenn diese Siedlungen durch Straßen verbunden werden, die für Palästinenser gesperrt sind, wenn es Buslinien gibt, die Palästinenser nicht benutzen dürfen, wenn Palästinenser keinen Anschluss an das Wassernetz bekommen und nicht einmal Brunnen bohren dürfen, während jüdische Siedler Wasser im Überfluss haben.

    Immerhin zeigen diese Debatten, dass es zur Situation im Nahen Osten noch viel Unkenntnis gibt und dass Bildungsarbeit sinnvoll ist.

  6. Sebald sagt:

    P.S.
    Der südafrikanische Anti-Apartheid-Aktivist und Friedensnobelpreisträger heißt natürlich Desmond Tutu.

  7. Frank Heinze sagt:

    Sebald, Sie und andere sprechen von einem “Apartheitsstaat Israel”, nicht von einem “besetzte Gebiete Apartheitsgebiet”. BTW, warum soll eigentlich Palästina judenrein übergeben werden?

  8. Halina sagt:

    @sebald,

    du musst mich nicht korrigieren, du sagst nur das, was ich vermutet hatte, was hier nur ausser dir keine/r sagte… ich spreche von israel und für mich zählen die besetzten gebiete nicht zu israel… wenn jemand sagen würde, in der westbank gibt es apartheid bin ich mir zwar nicht sicher, ob ich das teilen würde, aber das ist dann eine andere debatte…. das es in israel apartheid gibt, genau das würde ich bestreiten….

    @ccs: wir hatten die debatte schon, wir müssen sie nicht noch einmal führen, bei dir wird es zu keinen neuen erkenntnissen kommen und mich wirst du auch nicht überzeugen

  9. Linksman sagt:

    Hallo Sebald,
    was sind schon ein paar Nobelpreisträger gegen die hochwohlgeborene Durchlaucht der Nassauer von BAK-Schalom nebst Groupies…

  10. Jens Raabe sagt:

    Halina

    immer schön um den heissen Brei tanzen und Singen …”Was ich nicht weiß (wissen will) macht mich nicht heiß” … aber der Sicherheit halber bin ich mal proIsrael und schimpfe mal alle die anderer Meinung sind Antisemiten. Tolle Leistung das…

    u.s.w. “wir hatten die debatte schon, wir müssen sie nicht noch einmal führen, bei dir wird es zu keinen neuen erkenntnissen kommen und mich wirst du auch nicht überzeugen”

    Sowas wie Dich sollte keiner wählen.

  11. TomKa sagt:

    ‘Palästina judenrein übergeben’- wer soll das in unserer Partei gesagt haben ?

    Also ich muss sagen dass mich solche unqualifizierten Anwürfe wie von Frank Heintze hier sehr ärgern, F.H. gleitet wie einige hier sofort in unsachliche Polemik ab. Wenn das mal kein Gradmesser für die (grade vor die Hunde gehende) Diskussionskultur in unserer Partei ist. Wenn dieses Projekt scheitert, hat ein solches Verhalten wie von Mr Heintze maßgeblich dazu beigetragen.

  12. Bella sagt:

    nur zur Info:

    http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=9680&Itemid=257

    Frank Heinze ist mittlerweile aus der Partei Die Linke ausgetreten und hat – wenn ich richtig informiert bin – sein Stadtratsmandat behalten.

  13. Jens Raabe sagt:

    TomKa

    Heinze ist uninteressant weil unwichtig!

    Die Diskussionskultur innerhalb der Linke verpesten Leute in den höheren Chargen die Ihre Parteikollegen Antisemiten nennen oder nennen lassen und dabei nicken.

    Auch frage ich mich ob nicht auch mit meiner Beitragszahlung Organisationen um die PDL mitfinanziert werden (die hauptsächliche Finanzierung scheint woanders herzukommen) die unserer Partei dann geziehlt schaden!

    Jens Raabe

  14. Linksman sagt:

    Hallo TomKa,
    Dieser Herr Heinze – in der Erlanger Linken gescheitert – tummelt sich gern auf islamfeindlichen Szeneseiten wie Haolam oder Ruhrbarone. Meine Wenigkeit adelte er bereits als “nationalen Sozialisten” und – wie langweilig – als “Antisemiten”.
    Man könnte sich darüber aufregen. Aber solche wildgewordenen Kleingärtner zum Feind zu haben, beruhigt auch wieder: Man weiß, dass man auf der richtigen Seite steht.

  15. Rolf Köhne sagt:

    Der nachfolgenden Definition von Antisemitismus kann ich mich anschliessen:

    “Für eine Unterscheidung zwischen legitimer und illegitimer Kritik kann es hilfreich sein, die Absichten eines Kommentators zu überprüfen. Seriöse Kritiker akzeptieren Israels Recht, als Staat des jüdischen Volkes zu existieren, Antisemiten hingegen nicht.

    Gewiss ist nicht jede Kritik als antisemitisch zu bewerten. Mit ihrem ausgeprägten Demokratieverständnis ist die israelische Gesellschaft an sich äußerst selbstkritisch. Den Antisemiten geht es jedoch nicht um eine Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse; kurzfristig suchen sie den Staat zu delegitimieren, langfristig streben sie dessen Zerstörung an. Nichts, was Israel macht und tut, könnte diese Kritiker jemals auch nur annähernd befriedigen.”

    aus einem Text des israelischen Aussenministeriums, Fundstelle:
    http://berger-odenthal.de/Texte/Diffamierung.htm

  16. Michael (Niedworok) sagt:

    @Jens Raabe:

    Muß man eigentlich um jeden Preis beweisen, daß die Diskussion gesperrt werden muß, weil einige Leute offenbar noch ‘nen Meinungsführerschein brauchen? Geht’s vielleicht auch ohne Beleidigungen?

    Du und der Aries: Ihr wäret schon ein sympathisches Links-Rechts-Duo, fast schon Öffentlichkeitsreif…

    Noch so eine Anregung zum Nachdenken: Meinst Du, daß irgendein Neuling in der Partei Bock darauf hat, sich in einem solchen Ton durch die Meinungs-Minenfelder der Partei treiben zu lassen? Erreicht man so die Leute für die eigene Position?

  17. Jens Raabe sagt:

    Michael (Niedworok

    wenn Du mir jetzt noch mitteilen würdest welche Beleidigung Du meinst – kann ich Dir eventuell darauf antworten. Bitte!

  18. Frank Heinze sagt:

    Liebe/r Linksman,

    nicht gescheitert in der Erlanger Linken (weil Kommunalwahlverein und autonome Linke), sondern im KV DIE LINKE.Erlangen-Höchstadt.
    Das ist ein Unterschied. Das müssten doch selbst Sie begriffen haben
    ;-) . Schließlich zeigen Sie Ansätze von Intelligenz und komplexeren Denkvermögen.

    Ausserdem tummle ich mich viel lieber auf facebook. Oder halt bei Lafos Linker.

  19. Michael (Niedworok) sagt:

    @Jens Raabe:

    Das ist genau, was gefragt ist: Zu wissen, wann man die Linie zwischen öffentlicher Auseinandersetzung und privater Beleidigung überschreitet… Finde es selbst heraus… Als der Aries den Andreas Schlüther beleidigt hat, bist Du ja auch dahinter gekommen…

  20. Jens Raabe sagt:

    Micael (Niedworok)

    so seid ihr (nicht alle) in Berlin – oihne Substanzt und ohne Biss!

    Rumeiern und um den heissen Brei reden.

    Aber gut – Eure Quittung bekommt ihr ja demnächst.

  21. @ Rolf Köhne
    Fragst Du eigentlich auch immer die Frösche, wenn es darum geht ihren Sumpf trocken zu legen?

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