Zusammen quälen

»Man wächst zusammen, weil man sich zusammen quält« – diese kollektivbildende Strategie empfahl gestern die Trainerin der deutschen Fußballfrauen. Im Sommer, bei der WM, geht es für sie um alles. Für die Linke geht es demnächst auch um alles – bei den noch ausstehenden Wahlen des Jahres. Gequält haben sich die Genossen in letzter Zeit ausgiebig; allerdings weniger gemeinsam, sondern eher gegenseitig. Das soll nun anders werden. Hat jedenfalls der Geschäftsführende Parteivorstand gelobt. Die zu diesem Zweck veröffentlichte Erklärung soll ein Dokument der Einheit sein und ist doch auch eines der Zerrissenheit. Es atmet die Konflikte aus allen Zeilen; der – vornehm formuliert – »breite Diskussionsbedarf« über Programmatik und Strategie besteht natürlich weiter und es wird in der Kunst und Autorität vor allem dieses Vorstands liegen, ob der Streit zur Erkenntnis oder doch wieder zur Eskalation führt. Flügelschlagen oder Flügelragout: Über diese Alternativen muss die Linkspartei sich im Klaren sein, und das gilt auch für den Fall einer programmatischen Richtungsentscheidung, bei der eine Seite den Kürzeren zieht. Von Bodo Ramelow – viel zitierter wie zitatbereiter Sozialist und Christ – stammt das Fastengelübde: »Keine Kritik an der Führung bis Ostern.« Das wäre eine allzu kurze Rekonvaleszenzfrist für die angeschlagene Parteispitze.

Ein Überblick am Tag nach dem Krisentreffen

Neues Deutschland: Linke-Führung gelobt Besserung – hier
Tagesspiegel: Österlicher Frieden bei den Linken – hier

Süddeutsche: Friede per Beschluss – hier
Frankfurter Rundschau: Die Sozialisten-Soap – hier
Deutschlandfunk: Letzte Gnadenfrist für Lötzsch und Ernst – hier
Frankfurter Allgemeine: Linkspartei beschließt Ende des Streits – hier

heute.de: Erst besinnen, dann zusammenraufen – hier
Financial Times: Die Linkspartei schafft sich ab – hier
Financial Times: Linke braucht Mut zum Schlussstrich – hier
Focus: Sachthemen statt Personaldebatten – hier
Jungle World: Lafontaine als Drohkulisse – hier
Thüringer Allgemeine: Partei ohne Antworten – hier

Lausitzer Rundschau: Nicht mal oppositionsfähig – hier
Mitteldeutsche Zeitung: Blick in den Abgrund – hier
Frankfurter Neue Presse: Der Lack ist ab – hier
Welt: Linken-Vorstand verbietet Debatte um Führungsriege – hier
Berliner Umschau: Lötzsch und Ernst verkünden Maulkorb – hier
Zeit online: Linke erklärt parteiinternen Streit für beendet – hier

Der Westen: Linke bemüht sich um Schadensbegrenzung – hier
Junge Welt: Mehr als ein Appell – hier
Spiegel online: Linke bügelt Konflikte einfach weg – hier

(wh, zuerst hier im Neuen Deutschland erschienen)

 

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5 Kommentare zu “Zusammen quälen”

  1. Benjamin sagt:

    wenn mensch auf den jungle-artikel klickt kommt mensch beim nd raus. ist das bestandteil vom viralen marketing oder was? :)

  2. Fabian sagt:

    In den Kreisverbänden und Ortsverbänden diskutiert niemand über Rerform oder Fundamentalismus, über Ost und West oder über bestimmte Personen. Die Partei ist nicht in der Krise, weil sie gespalten wäre, sie ist deshalb in der Krise, weil sie von ihrer eigenen Führung gespalten wird. Weil es ein Hobby vieler Funktionäre zu sein scheint, den kürzesten Weg zur nächstbesten Zeitung zu suchen, um diffarmierende Interviews zu geben. Funktionäre beschädigen die Partei derzeit in einem ungeheurem Maße.

  3. Eckernförder sagt:

    “Sachdebatte” versus “Personaldiskussion” ist ein etwas hilfloses Konstrukt. Personen – so sie sich denn selbst ernst nehmen – stehen auch in der LINKEN jenseits des Talkshow-Rummels für bestimmte Auffassungen in Sachfragen. Daß man sich im Rahmen der von unseren Gegenern beherrschten Medien nicht gegenseitig dazu auffordert, die “Klappe zu halten” oder “zurückzutreten”, müßte selbstverständlich sein. Entscheidend ist, ob DIE LINKE es schafft, ein glaubwürdiges politisches Projekt für einen ökologisch-sozialistischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft zu entwickeln. Bisher ist dies nur in Ansätzen erkennbar. In der hoffentlich harten Diskussion über dieses Ziel wird sich so manche Personalfrage quasi von selbst lösen.

  4. tos sagt:

    der heimliche versuch, die leser mit dem falschen versprechen, in den jungle zu gelangen, auf das nd umzuleiten, ist von uns beendet worden – zu viele haben zu schnell den unterschied erkannt. und das, obwohl beide zeitungen diese apothekergrüne schmuckfarbe haben … rätselhaft

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