Linke und Journalisten

Linke und Journalisten

Die Initiatoren der Fair-Play-Kampagne sprechen jetzt von einem großen Erfolg. Angesichts der nachgetragenen Regeländerung und der Einstellung der Rubrik „Medienfouls“ sieht es eher nach Jubeln im Rückwärtsgang aus. Das Projekt erscheint vom Ende her sogar noch fragwürdiger, weil der Eindruck entsteht, es habe vor allem dazu gedient, die innerparteiliche Konkurrenz vorzuführen. Ein (mit Medien zu tun habender) Konflikt wurde zum Medienthema gemacht, das kalkulierte Echo („Reformer lehnen Maulkorb ab“) gerät der Initiative nun zum nachträglichen Beweis der Richtigkeit ihres Handelns. Über den möglichen Rebound-Effekt bei jenen Zeitungen, über deren Ignoranz sich die Linke sonst beklagt, wurde wahrscheinlich gar nicht erst nachgedacht: Dort hat man nun ein (schlechtes) Argument mehr, die Partei links liegen zu lassen, schließlich „will“ diese ihre Debatten ja lieber in den „parteinahen“ Blättern führen. Dort wiederum wird man sich in den Redaktionen fragen, welches Verständnis die Initiatoren eigentlich von Zeitungen wie dem Neuen Deutschland haben. Man braucht nur einmal umgekehrt zu denken, was Harald Schindel in der Jungen Welt beklagt hat, dass nämlich die Linkspartei in den anderen Medien „keinen Einfluss darauf“ habe, „in welchem Kontext unsere Position dargestellt“ würden.

Die Anfang an in das Projekt eingebauten Fehler und seine negative Wirkung lassen sich nicht  trennen. Hier im Blog ist Anfangs davon die Rede gewesen, dass bei aller Kritik vielleicht der Anstoß zu einer Debatte über das Verhältnis von Linken und Medien gegeben werde. Das war ein Irrtum. Wenn überhaupt wurde über die immanente Strömungslogik der Initiative gestritten, eine Ablehnung des Geistes der „sieben Regeln“ geriet umgehend unter den Druck alt bekannter Töne: Bist du dafür oder dagegen? Auch jene, die den „Fair-Play“-Kodex ablehnten, machten sich kaum die Mühe, einmal über  die medialen Bedingungen der politischen Debatten nachzudenken, die öffentlich zu führen, sie in den vergangenen Wochen immer wieder gefordert hatten. Die Beschreibung dieser Voraussetzung durch die Initiative – „die großen Medienkonzerne bekämpfen linke Politik“ – wurde bisweilen mit der augenzwinkernder Bemerkung abgetan, die „böse bürgerliche Presse“ sei doch nur eine Halluzination der anderen. Dass es weder so noch anders herum ganz einfach ist, wissen alle, die sich daran erinnern, dass Oskar Lafontaine einmal Bild-Kolumnist war, Springer aus Prinzip keine Linken-Anzeigen druckt und Wolfgang Storz nicht zuletzt wegen der angeblich gegenüber der Linken zu freundlichen Berichterstattung als Chefredakteur der Frankfurter Rundschau rausflog.

„Nicht nur in der Springer-Presse oder im Spiegel, sondern auch in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten werden wir benachteiligt“, hat Lafontaine vor einiger Zeit kritisiert. Das sei „unter demokratischen Gesichtspunkten nicht akzeptabel“. Gesine Lötzsch wurde einmal mit der Idee zitiert, „Parteien entsprechend ihrer Wählerbasis in den Medien gewichtet darzustellen“. Der Linkenvorstand beklagte im vergangenen Herbst, die Berichterstattung bei den Protesten gegen die schwarz-gelbe Atompolitik habe sich auf SPD und Grüne konzentriert, die Pressesprecher von Partei und Fraktion würden „bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern ARD und ZDF Beschwerde einlegen“. Auch über eine Untersuchung der Gewichtung der Linken in den Nachrichten wurde bereits gesprochen. „Es wird einfach nicht mehr über uns berichtet“, so Lötzsch im November 2010. Über mangelndes Interesse konnte sich die Partei bald darauf nicht mehr beklagen – man berichtete viel über den Führungsstreit. Dass in dem über die mediale Bande gespielt wurde, ist so richtig, wie es den gegebenen Bedingungen des Politikmachens in der Mediendemokratie entspricht. Die muss man nicht bejubeln, aber man wird ihre Fehler, Interessengeleitetheit etc. nicht ändern, indem man sich selbst untaugliche Regeln auferlegt, die offenbar auch noch einen ganz anderen Zweck verfolgen.

Wer von „den Medien“ spricht, hat sich bereits für einen Zugang zum Thema entschieden. Es gibt verschiedene theoretische Ansätze, „Journalismus“ zu erklären, man kann auf die Eigentumsverhältnisse blicken, man kann der Selbstbeschreibung von der „4. Gewalt“ folgen, man kann Medien als „soziales System“ betrachten, in dem viele Faktoren wechselwirken. Eine Partei, die grundsätzliche Kritik an den bestehenden Verhältnissen formulieren will und darauf angewiesen ist, dass diese in einer Öffentlichkeit diskutiert werden, wird sich für die Mechanismen interessieren, die ihr dabei im Wege stehen oder helfen können. Und sie wird danach fragen, wer da auf der „anderen Seite“ der medialen Barrikade steht: Berichte und Kommentare werden schließlich in aller Regel nicht in Aufsichtsratssitzungen beschlossen, sondern von Journalisten geschrieben. Die haben eigene politische Vorstellungen, müssen sich zugleich als Angestellte in so genannten „Tendenzbetrieben“ mit eingeschränkten Arbeitnehmerrechten herumschlagen (wie übrigens in Parteien, die ebenfalls als Tendenzbetriebe gelten auch), fühlen sich mal als Lohnschreiber, mal als Politikberater oder gar Leitesel im Politikbetrieb. Ihre Haltung wird von den sozialen Voraussetzungen mitbestimmt, von ihrer Herkunft, ihrem Einkommen, in dem, was sie tun, drückt sich „notwendig falsches Bewusstsein“ aus, und das ist vielen der studierten Kollegen durchaus bekannt, was nicht heißt, dass es sich abstreifen lässt wie ein Shirt, das einem nicht mehr gefällt.

- Medienkonzentration und Demokratie.
Dokumentation eines Fachgesprächs, Juni 2007 – hier
- Gert Hautsch: Quartalsberichte zur Entwicklung
der Medienwirtschaftfür die dju in verdi – hier

Es ist immer von „den Medien“ oder „den Medienkonzernen“ die Rede. Wer aber sind die Journalisten? Wenn die Debatte über den „Fair-Play“-Kodex noch einen Sinn haben soll, dann könnte der vielleicht darin bestehen, sich über die medialen Bedingungen politischer Debatte ein wenig klarer zu werden. Dazu gehören ganz wesentlich Selbstbild und Handlungsrealität von Journalisten. Es gibt da jene relativ kleine Gruppe von Kollegen gehen, die zurzeit das Themenfeld „Linkspartei“ beackert, und die in gewisser Weise einen Mikrokosmos darstellt. In dem mag es ganz eigene Gesetzmäßigkeiten geben  – Konkurrenz, Kollegenschaft, Beeinflussung, man unterhält sich über gemeinsam erlebte Pressekonferenzen, gleicht Urteile ab, will zugleich originelle Sichtweisen gegenüber anderen behaupten, man redet über den eigenen Redaktionsärger und so weiter. In diesem Kreis hat das Wechselspiel zwischen Linken-Politikern und Journalisten seine Hauptarena, eine Kooperation bei ungleichen Interessen – etwa wenn ein bestimmter Spin gesetzt werden soll: Was für den einen die Aussicht auf eine Vorabmeldung sein kann, mag für den anderen die Hoffnung auf einen Vorteil in der parteiintern Debatte oder Aufmerksamkeit in der politischen Öffentlichkeit sein. Und niemand soll behaupten, es würden sich nur Vertreter der Reformerflügels auch einmal für ein Interview aufdrängen.

Die Wahrnehmung der Linken wird aber keineswegs nur durch diese relativ kleine Gruppe bestimmt. Sicher, wenn in Spiegel, Bild oder Süddeutsche.de über neuerlichen Parteiknatsch berichtet wird, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass andere Zeitungen aufspringen – dafür sorgen schon die Nachrichtenagenturen, die in vielen Redaktionen eigene Recherche und Berichterstatter längst ersetzt haben. Viel entscheidender ist aber der Gesamtdiskurs, als jenes Grundrauschen, in dem die Forderungen der Linken Störgeräusche sind, etwa: Schulden für Investitionen versus Paradigma der Haushaltssanierung. Politische Alltagsüberzeugungen und Wahlpräferenzen entstehen eher entlang dieser Linie, der Linken wird dann eine bestimmte Kompetenz zugeschrieben – oder eben nicht. Gerade für diese Partei ist zudem wichtig, ob sich Leute überhaupt noch für Politik interessieren, vor allem: ob sie es noch für möglich halten, dass alternative Wege beschritten werden. Wenn das mediale Dauergeräusch eher nach Tina-Prinzip klingt, wird es schwer. Dieses Dauergeräusch entsteht aber nicht nur in der Frankfurter Allgemeine, Tageszeitung oder Welt. Schon diese in einen Topf zu werfen, müsste Bauchschmerzen verursachen: unterschiedliche Ausrichtungen, unterschiedliche Eigentümerverhältnisse, unterschiedliche Redaktionsverfassungen. Überdies liest ein großes Publikum kleinere Blätter und Regionalzeitungen. Hier spielen schon wieder ganz andere Faktoren eine Rolle, etwa lokale Besonderheiten und zum Beispiel auch die Pressearbeit der Linkspartei vor Ort wirken sich hier stark auf das Bild aus, das von ihr gezeichnet wird. Und bei allem immer natürlich auch dies: Wie ticken die Kollegen selbst politisch – und wie weit kann sich das in ihrer Arbeit ausdrücken?

1993 und 2005 nahmen zahlreiche Journalisten an einer Studie teil. 2006 erschien „Die Souffleure der Mediengesellschaft“ von Siegfried Weischenberg, Maja Malik und Armin Scholl. Sie hatten über Journalisten aller Mediengattungen vom Institut Ipsos befragen lassen und in zu einem „Report über die Journalisten in Deutschland“ verarbeitet – eine Kurzzusammenfassung gibt es hier. Es geht um Berufskarrieren, Arbeitsweisen aber auch um Herkunft und Sichtweisen der Medienarbeiter. Ein „traditioneller Kampfplatz bei der Frage, ob und in welchem Ausmaß Journalisten in ihren Merkmalen und Einstellungen die Gesellschaft repräsentieren“, heißt es in der Weischenberg-Studie, „sind vor allem in Deutschland die politischen Überzeugungen“. Zwischen 1993 und 2005 habe es dabei „keine großen Veränderungen“ gegeben: „Im Durchschnitt verorten sich die Journalisten selbst eher links von der Mitte“. Die Kollegen würden „etwas weniger links vermutet“, die eigenen Medien „aber mehr oder weniger rechts von der Mitte“ eingeordnet.

Verändert haben sich der Studie zufolge allerdings die Parteipräferenzen – und das was die Grünen betrifft sehr deutlich. Gefragt worden war bei der Untersuchung nicht nach Wahlverhalten, sondern danach „welcher Partei fühlen Sie sich am nächsten“, in dem Sinne, „dass Sie ihr – ganz allgemein gesprochen – zuneigen“. 20 Prozent der Journalisten neigen keiner Partei zu. Die Grünen fanden in der schreibenden Zunft 2005 jedoch einen fast doppelt so hohen Zuspruch (36 Prozent) als noch 2003 (19) – die Frauen unter ihnen neigen mit 41 Prozent noch stärker den Grünen zu. In der Untersuchung führen die Grünen die Liste der „beliebtesten“ Partei bei Journalisten inzwischen klar an – vor der SPD (26 Prozent); abgeschlagen liegen Union (9), FDP (6) und die damalige PDS (1), die gegenüber 2003 (4 Prozent) an Boden verlor.

Die Autoren wissen selbst nicht genau, ob das „einen weiteren Linksruck der Journalisten“ bedeutet, oder „eher Ausdruck einer Kongruenz zwischen den Zielen der Grünen und Vorstellungen in einem gesellschaftlichen Milieu“ ist, dem nun einmal Journalisten, zumal jüngere, angehören: die Mittelschicht. Die größte Altersgruppe bei den Journalisten stellen die Mitte 30- bis Mitte 40-Jährigen (40 Prozent), gefolgte von denen zwischen 26 und 35 (30 Prozent). Zwei Drittel der Journalisten hat einen Hochschulabschluss, ebenfalls zwei Drittel von ihnen kommt aus Angestellten- oder Beamten-Elternhäusern. Journalisten, deren Eltern Arbeiter sind oder waren, „stellen eine kleine Minderheit“, viel häufiger waren die Väter (und in etwas geringerem Maße Mütter) Selbstständige. Fast ein Viertel der befragten Kollegen hatte ein Nettoeinkommen von 1.500 Euro oder weniger, über 40 Prozent kamen auf 1.500 bis 2.500 Euro. Das Durchschnittseinkommen bei Zeitungen lag knapp über 2.200 Euro, besser wird vor allem beim Fernsehen und Hörfunk verdient, klar schlechter bei den Online-Medien; fest Angestellte bekommen im Schnitt mehr als freie Mitarbeiter, Männer sind deutlich besser bezahl als Frauen.

Für die politische Berichterstattung, für Themenauswahl und im Kampf um die Seitenplätze spielen in Redaktionen viele Faktoren eine wichtige Rolle. Was in dem gern zitierten Satz von Paul Sethe, nach dem Pressefreiheit die Freiheit von 200 reichen Leuten sei, ihre Meinung zu verbreiten, ein wenig untergeht. Die Aussage des konservativen Leitartiklers soll hier gar nicht bestritten werden, es geht eher um Differenzierung, darum, wie sich Eigentumsverhältnisse und betriebliche Hierarchien im Mediensektor auf die politische Berichterstattung im Alltag auswirken, wie der Graben zwischen Selbstanspruch und Umsetzung entsteht. Auch dazu gibt die Studie von 2005 einigen Hinweise.

Interessanter Weise ist der Anteil der Journalisten, die es für wichtig halten, „das Publikum möglichst neutral und präzise“ zu informieren, von 2003 (74 Prozent) bis 2005 (89 Prozent) gestiegen – der Anteil derer, die von sich sagen, ihr Rollenverständnis auch einigermaßen umsetzen zu können, sank im gleichen Zeitraum jedoch von 84 auf 76 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich beim Anspruch, realitätsgetreuer Abbildung der Wirklichkeit. Die Zahl der Kollegen, die es als ihre Aufgabe ansehen, Kritik an Missständen zu üben, ging dagegen ebenso zurück, wie die Zahl derer schrumpfte, für die es zum Rollenselbstverständnis gehört, sich für die Benachteiligten in der Bevölkerung einzusetzen oder Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu kontrollieren. Hier wurde auch die Kluft zwischen eigenem Anspruch und selbst beurteilter Umsetzung in der Redaktionsarbeit größer.

Woran liegt das? Es gibt sicher mehrere Gründe, die betriebswirtschaftlichen Rahmensetzungen durch andere gehören ebenso dazu wie die Schere im Kopf, die schon selbst danach fragt, was erlaubt ist und was sich „besser verkauft“. Es wird aber auch Einfluss durch Vorgesetzte, Kollegen, Parteien, Wirtschaft und Verbände genommen. Von den in den Politikressorts arbeitenden Journalisten gaben 2005 40 Prozent an, der Einfluss der oberen und mittleren redaktionellen Führungsebene sei „sehr groß“ oder „eher groß“, der von Verlegerseite wird dagegen nur von elf Prozent als bedeutsam eingeschätzt, geringer als der durch Kollegen oder das Publikum. Einen markanten Einfluss von Parteien auf die eigene Arbeit bejahten lediglich drei Prozent der Kollegen.

Welchen Einfluss womöglich die Kritik der Linken an den sie “bekämpfenden” Medien auf die dort arbeitenden Journalisten und in der Folge vielleicht auch auf deren Berichterstattung hat, konnte die Studie noch nicht messen. Die Geschichte der fusionierten Partei begann erst nach der Erhebung. (tos, Foto: Willi Heidelbach, CC BY-SA 3.0)

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31 Kommentare zu “Linke und Journalisten”

  1. Maximilian Kretzschmar sagt:

    Danke!

  2. Ex-Mitglied sagt:

    So langsam kann Mensch sich nicht mehr des Eindrucks erwehren,
    dass Lafontaine hinten herum mit den Gewerkschaftsakteuren an seinem Comeback arbeitet.
    Um die Widersacher in Berlin und sonstwo gleich mundtot zu machen,
    sind vermutlich diese “Regeln” aufgestellt worden.

    Wie war das nochmals als als der gr. Zampano vom Oberlimberg versuchte, der saarländischen Presse einen Maulkorb zu verpassen?

    Diese Aktion von Lafontaine bleibt unvergessen.

    Kritiker aller Couleur aus der ganzen Republik warfen dem rechthaberischen, von Pensions- und Rotlichtaffären gebeutelten Regierungschef vor, er wolle sich an der Journaille für ihre Enthüllungen rächen und kritischen Medien per Gesetz einen engmaschigen Maulkorb verpassen.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13683741.html

    Dass die LINKE bei den Medien keinen guten Ruf hat, verdankt sie m.E. in erster Linie ihrem Zugpferd Lafontaine.

  3. micha sagt:

    Ein sachlicher Beitrag, wie er aus dieser Partei wohl nicht zu erwarten wäre. Gut das es diesen Blog gibt.

  4. rak sagt:

    Lieber tos, in deinem Beitrag findet sich viel Lesens- und Diskutierenswertes. Allerdings hat das m.E. nichts mit der Intention der Fair-Play-Kampagne zu tun.
    Bei Fair-Play geht es nicht um das Verhalten von Massenmedien, sondern um das von LINKEN-Spitzenpolitikern. Und es geht auch nicht darum, dass Spitzenpolitiker ihre inhaltlichen Vorstellungen in Interviews ausformulieren. (Wobei man darüber streiten kann, ob es in Ordnung ist, wenn Spitzrepräsentanten der Partei gegen mit großer Mehrheit gefasste Beschlüsse ihrer Partei polemisieren.) Es geht auch nicht darum, Politiker die „Foul“ spielen, standrechtlich erschießen, nach Sibirien deportieren oder auch nur aus der Partei ausschließen zu lassen (wie es bei manchen Beiträgen hier im Blog erscheinen mag). Es geht darum in der Mitgliedschaft „medienkritisch“ auch darüber zu reflektieren, wie sich welche PolitikerIn der Medien bedient. Auch um dann ggf. bei der nächsten Wahl für Vorstände oder der Aufstellung von Kandidatenlisten seine Konsequenzen zu ziehen.
    Das typische Schema des Über-die-Bande-Spielens besteht darin, dass PolitikerInnen, die sich mit ihren Positionen auf Parteitagen nicht durchsetzten konnten, sich als Kronzeugen vor den Karren des politischen Gegners spannen lassen, indem sie Vorurteile gegenüber der LINKEN bedienen. Prototypisch scheint mir da das Interview von Andre Brie mit Jörg Schindler (http://www.fr-online.de/politik/-gysi-schafft-unnoetig-unruhe-/-/1472596/8374364/-/view/asFirstTeaser/-/index.html), dem Kampagnenbeauftragten der Frankfurter Rundschau / Berliner Zeitung gegen die LINKE (aus dessen Feder ich bisher wirklich nur Hetze gegen die LINKE gefunden habe). Der Schlusssatz Bries in diesem Interview „Die Linke kann allerdings ihren Platz bei der Lösung dieser Fragen verspielen, wenn sie w e i t e r autistisch agiert und in reine Ideologie verfällt.“ kann ich wirklich nur interpretieren als, „entweder wird die LINKE so wie ich sie mir vorstelle, oder sie soll untergehen“.
    Gerne dürfte sich Brie nach meinem Dafürhalten darüber ausbreiten, wie er sich „ein zeitgemäßes, völlig von der Vergangenheit unterschiedenes sozialistisches Profil“ vorstellt (allerdings würde die Frankfurter Rundschau das nicht drucken) und dann könnten wir kontrovers darüber diskutieren. Aber so ist das völlig inakzeptabel. Ich mache im Hauptverbreitungsgebiet der Frankfurter Rundschau Politik. Die Leser der Rundschau gehören (ungeachtet des polemischen Verhältnisses dieser Zeitung zur Partei) zu den Leuten, die noch am ehesten für linke Argumente offen sind. Was solch ein dummes Interview an politischen Flurschaden anrichten macht hunderte von Stunden Überzeugungsarbeit auf der Straße und bei Veranstaltungen wieder zunichte.
    Dass Medien-Fouls vor allem einer bestimmten politischen Ausrichtung in der Partei angelastet werden, kann den Initiatoren der Kampagne m.E. nicht zum Vorwurf gemacht werden – es ist aber sicherlich auch kein Zufall! Das Über-die Bande-Spielen ist ein Mittel der politischen Minderheit. Und natürlich muss es auch im Interesse der Medienmacher liegen.
    Das Gegenstück zu dem was wir derzeit erleben wäre, wenn ein westdeutscher (aus der Gewerkschaft und vielleicht sogar aus der SPD kommender) Spitzenpolitiker der LINKEN statt die Stellenabbau- und Privatisierungspolitik eines Ostdeutschen Regierungspolitikers zu kritisieren, sich in Super-Illu über dessen Rolle in der DDR auslassen würde. Ein solcher Fall ist mir allerdings nicht bekannt.

  5. Linksman sagt:

    Lafontaines Pressegesetz war gar nicht so verkehrt.
    Gegen verleumderische Behauptungen muss man sich effektiv wehren können.
    Der SPIEGEL jault ständig rum von wegen “Angriff auf die Pressefreiheit”, wenn jemand die Rolle der “vierten Gewalt” unter die Lupe nimmt.
    Als Exkanzler Schröder in einem lichten Moment mal zwei Bild-Schmierfinken aus seinem Flieger verbannte, solidarisierten sich von SPIEGEL bis taz die Viertgewaltler – und zwar mit Springers Lügenblatt! So sieht wahre “Pressefreiheit” aus…
    Buchtipp: Heinrich Böll, Die verlorene Ehre der Katharina Blum

  6. Fabian sagt:

    @Ex-Mitglied: Ja es ist so dramatisch dass du ausgestiegen bist. Im Ernst, warum muss man sich Ex-Mitglied nennen oder ständig in diesem Block Austrittsbekundungen formulieren?!

    Danke für den Artikel, auch, wenn ich das genau gegenteilig sehe.

  7. Michael (Niedworok) sagt:

    Dem Artikel kann man weitgehend zustimmen. Und natürlich ist seit eh und je die Klage von Politikern absurd, sie hätten keinen Einfluß darauf, wie über sie berichtet wird. So ist das eben: Was Informationswert hat, entscheidet nunmal der Redakteur. Es ist nichts dagegen auszusetzen, daß Verlautbarungsjournalismus abgelehnt wird. Denn warum sollte der Leser in einer Demokratie damit abfinden?

    Was aber den Effekt des Aufrufs auf die Redakteure anbelangt: Daß”[...] man nun ein (schlechtes) Argument mehr [hat], die Partei links liegen zu lassen”, kann zwar sein. Kontaktpflege ist auch keine schlechte Sache. Aber wenn man ein gutes Argument braucht, um jemanden davon zu überzeugen, daß Berichterstattung auch mal eine Idee ist, hat man sowieso schon verloren. Entweder man macht Nachrichten und dann wird berichtet. Oder man landet irgendwann in der “was macht eigentlich…”-Rubrik. Leider gelingt es zur Zeit weder den Gewerkschaften noch der Linken die Themen so zu setzen…

  8. Steffen sagt:

    Ich sehe da keinen Maulkorb sondern in meinem Auge Normalität, wer mit falschen Schlagzeilen für Kasse sorgt muss die Richtigstellung/Gegendarstellung auch nahe der Titelseite abdrucken. Vorallem muss der Betroffene das Recht haben sich zu wehren mit der selben grossen öffentlichen Aufmerksamkeit ohne das dies irgendwo zwischen Sexanzeigen auf der letzten Seite versteckt wird.

    Und gegen sowas wehren sich natürlich auch die Printmedien, alleine die Bild müsste die ersten 5 Seiten alleine für Richtigstellungen/Gegendarstellungen verwenden für den Nonsens den sie am Tag vorher gebracht haben. Da würden die Menschen aber zu unverblühmt merken welchem Käseblatt sie da aufsitzen.

    Vorallem sind viele Medienberichte überhaupt keine sachlichen Berichte mehr sondern bereits heute als “Kommentare und Meinungen” gekennzeichnet die sich an keinerlei Kodex mehr halten oder am Wahrheitsgehalt messen müssen. Da gibts dann eben die Berichterstatter und Hofschreiber der div. Parteien die ihre Favoriten hochjubeln und die anderen runterschreiben und das als Journalismus verkaufen.

    Was ist denn zb. am Spiegel neutral und sachlich ? Wer nimmt einem Käseblatt das einer Partei gehört, Parteigeschrei als Journalismus verkauft, ihre Redakteure auch nach Gesinnungsüberwachung feuert und einstellt noch “Journalismus” ab und argumentiert damit ohne vor Scham rot zu werden ?

    Wer redet hier noch von “Journalismus” wenn sich diese “Schweinejournalisten” nachweislich kaufen und bestechen lassen von div. Firmen, ja regelrechte Journalisten-Kataloge mit Geschenken für positive Berichterstattung existieren ?

    Was ist das für ein “Journalismus” der Bezahlkampagnen div. Lobbys unterstützt … zb. mal die der Atomlobby … heute mal von der Ökolobby …. und das alles ohne Prüfung auf Wahrheitsgehalt etc. abdruckt ?

    Was ist das für ein Journalismus der heute ungestraft demokratische Parteien systematisch, mit Absprachen etc. boykotieren und regelrecht bekämpfen darf mit der Absicht diese Parteien zu schwächen und deren Wähler und Ziele zu verunglimpfen ?

    Was ist das für ein Journalismus der von Parteien und/oder Konzernen und deren Interessen gesteuert wird oder eigenen politischen udn wirtschaftlichen Interessen nachgeht und nicht der wahrheitgemäßen Berichterstattung ?

    Heute noch von Journalismus und Presse zu reden ist doch an sich schon ein purer Hohn … von Selbstkritik keine Spur.

    Wir haben in Deutschland keine neutrale und unabhängige/kritische Presse mehr …. und es gibt so gut wie keine Journalisten etc. mehr die diesen Titel verdienen. Das sind alles Angestellte die schreiben wozu sie gezwungen werden oder wofür sie bezahlt werden.

    Wo bleibt denn der “demokratische Aufschrei” wenn Journalisten gefeuert werden wenn sie zb. die Linken nicht als Dämonen verkaufen oder Journalisten gefeuert werden wenn sie wenigstens noch fair berichten ?

    Wo bleibt der demokratische Aufschrei nach Pressefreiheit wenn zb. SPD und CDU bei den Öffentlichen das Programm und Inhalt bestimmen und div. Posten mit Parteisoldaten besetzen ?

    Das ist doch hier nicht anders als im Iran, nur geschickter getarnt das Ganze !

    Und der Mensch mit dem Spiegel-Link hier scheint sich daran auch nicht zu reiben …

    Pressefreiheit bedeutet eben u.a. auch FREI zu sein und nicht abhängig von Geld, Parteien, Konzernen, Kundenzahlen und Rendite.

    Nur dann ist die Pressefreiheit gegeben.

    Pressefreiheit besteht nicht darin möglichst grossen Unfug und grösstmögliches Unrecht möglichst straffrei und ohne Einschränkungen zu begehen.

    Nur noch schlimm hier, schade das sogar sogenannte/selbsternannte kritische Bürger einen derart eingeschränkten Horizont haben mittlerweile das jeder eigene seichte Wind schon wie ein Ritterschlag gefeiert wird ohne auch nur am Chrom zu kratzen.

    Ich warte darauf das sich die Journalie nicht nur am Elend anderer ergötzt sondern ihre eigene erbärmliche Existenz unter die Lupe nimmt …. aber ich glaube so ein Journalist gilt dann als Nestbeschmutzer und kann dann seinen Hut nehmen in der Branche.

    Und die Linke wird mit der Medienkritik garnichts erreichen, nicht mal die Kritik dringt nach Aussen ausser in diesem unbedeutenden Blog hier und auf eigenen Inetseiten. Da funktioniert die Abschottung fast perfekt und als “Rache” der Medienwelt für diese Frechheit in Form von Kritik gibts dann ne Nachrichtensperre weil wir ja so demokratisch, frei und neutral sind … lachhaft.

    Muss aufhören sonst ist das Wochenende wieder gelaufen.

  9. Ex-Mitglied sagt:

    @Fabian
    wann und wo habe ich Austrittsbekundungen formuliert?

    Ich bin ausgetreten und habe diesen Schritt noch keine Sekunde bedauert.

  10. Janosik sagt:

    Ich sehe nicht, dass Spiegel es nur und auschliesslich auf die Linke abgesehen hätte. Natürlich Tun die Artikel über die eigene Partei immer weh. Kritische Artikel zu FDP und CDU sind dort häufiger zu finden, nur die finden wir meistens gut. Das Problem von uns LInken ist ein paranoides Weltbild. Wir wollen uns gern als Opfer sehen und den politisch Nahestehenden, der nicht in gleicher Weise denkt, empfinden wir als Bedrohung. Das müssen wir endlich überwinden, statt Spielregeln auszudenken, die letztlich die Parteidiskussion einschränken.

  11. Was man in dieser Partei auch tut oder besser nicht tut, es tutet irgendwie negativ.

  12. Fair Play sagt:

    Ich kann mich dem Beitrag von “rak” im vollem Umfang anschliessen.

    Es geht bei Fair Play nicht um eine Medienverschwörung sondern das Verhalten unserer Parteiprominenz.

    Zitat von Homepage http://www.linke-fairplay.de

    “Medienfouls sind ein wichtiger, aber selbstverständlich nicht der einzige Grund für die Probleme der LINKEN. Wir kommen in der Öffentlichkeit kaum noch mit unseren Themen vor. Dabei liegen die Themen auf der Strasse. Siehe zur Strategiedebatte auch”

    http://www.linke-fairplay.de/parteiisch/

    Weiter heisst es unter

    http://www.linke-fairplay.de/kurs-halten-gegen-medienmacht/

    “Aber: Einen großen Teil der Verantwortung tragen wir selbst. Medienkonzerne mögen böse Absichten verfolgen, Journalisten mögen sich andienen oder einfach nur Vorurteile haben, aber DIE LINKE muss sie ja nicht füttern.”

    Es geht auch nicht darum, ob sich Richtungsdebatten nicht auch in den großen Medien widerspiegeln. Es geht darum, ob große Medien wieder stärker dazu genutzt werden die wesentlichen Positionen der LINKEN zu vertreten.

    Das der Aufruf nachträglich umformuliert wurde (übrigens auf Vorschlag von Unterzeichner/innen und alle Unterzeichner/innen wurden darüber informiert – es gab nur drei oder vier Rücktritte von der Unterschrift) als ein Scheitern zu begreifen ist schon ein seltsame Auffassung von Journalismus und Diskussionskultur. Demnach wäre ein Parteitagsantrag gescheitert, der eine Änderung bzw. Verbesserung erfährt. Es ist doch eher ein Zeichen der Ernsthaftigkeit unseres Anliegens, dass wir offen für Kritik und Veränderung sind.

    Zur Einstellung der Rubrik Medienfouls wurde ja auch alle erklärt. Wir werden diese weiter diskutieren und dafür sensibilisieren, wir nutzen dazu nur nicht das Format der Homepage. Weil dies Jenen Vorwände liefert, die weiter machen wollen wie bisher. Was ist eigentlich daran verwerflich Medienauftritte von Politikern kritisch zu kommentieren?

    Siehe dazu auch

    http://www.linke-fairplay.de/category/medienfouls/

    Last but not least: Die Tatsache dass wir Unterzeichner/innen aus Ost wie West, aller Strömungen und politischen Traditionen versammeln und ein sehr solidarisches Klima der Debatte unter den Unterzichner/innen herrscht zeigt wie sehr der Beitrag am Empfinden einer großen Zahl von Mitgliedern vorbei geht. Dass einige Unterzeichner/innen von massivem Druck berichten, zeigt hingegen wie ernst der Vorwurf man verteidige ja nur die “Meinungsfreihiet” in der LINKEN zu nehmen ist.

  13. tos sagt:

    fabio: was soll ich noch sagen? es ist bei mir weder von einem “Scheitern” die rede, noch ging es überhaupt darum, dem “Empfinden” von Mitgliedern der Linken gerecht zu werden. auch von einer “Medienverschwörung” steht in dem beitrag nichts. ihr pocht darauf, kritik an de medienauftritten von linkenpolitikern zu üben, hier wurde über die art und weise diskutiert, es wurde darüber nachgedacht, welche reaktionen das hatte (die wurden auch kritisiert – und zwar die auf beiden seiten des innerparteilichen äquators) und warum in eurer partei jene gelassenheit fehlt, die es ermöglichen würde, bei kontroverser positionierung den punkt zu sehen, dessen diskussion beide weiter bringen könnte. deshalb steht dort oben etwas über soziale lage, politische einstellungen und alltag von politikjournalisten, über die bescheid zu wissen erstens eure sichtweise von “den medien” erweitern könnte und zweitens den von euch kritisierten häufig zitierten etwas über die bedingungen ihres handelns erzählt. ich bestreite dir deine kampagne nicht, ich halte sie nur für falsch. und ich hätte statt rechtfertigungen lieber antworten. einige sind oben formuliert, etwa, was ihr glaubt, welches rollenverständnis die “parteinahen” haben, ob ihr euch über die möglichen medialen folgen der medial beworbenen kampagnen gedanken gemacht habt. und, wo du es ansprichst: mich würde interessieren, was für ein druck und gegen wen du meinst, wenn du schreibst, dass “einige Unterzeichner/innen von massivem Druck berichten”.

  14. tos sagt:

    ach so: jetzt aber heraus zum 1. mai. trotz unterschiedlicher ansichten über ziele und so – gemeinsam.

  15. RN sagt:

    Die o.g. Studie von Weischenberg, Malik, Scholl liegt schon einige Jahre in meinem Schrank – neben vielen anderen Veröffentlichungen zum Thema- ohne dass sie viel zur (Er)klärung beitragen könnte. Da gibt es ganz anderes.

    Es geht nämlich nicht in erster Linie um die Journalisten, sondern um objektive Maßstäbe für Medien-Qualitäten, für das was als Produkte
    einer Produktionsweise hinten rauskommt, sozusagen. Und dazu hat sogar Weischenberg – der eher uninteressant ist- eine Studie verfasst, die wohl besser zu unserem Thema hier passen würde:
    “Medien-Qualitäten. Öffentliche Kommunikation zwischen ökonomischen Kalkül und Sozialverantwortung” (2006)

    Euer Beitrag hier zeigt klar worum es Euch geht, aber nicht was der gesetzliche Auftrag des örR ist oder wie dieser besser umzusetzen ist,
    (nicht nur mittels der vorhandenen journalistischen Struktur in und außerhalb der Köpfe der Journalisten). Das ist dann nämlich Politik, Medienpolitik, die zumindest in Sachsen niemand machen will. Also ganz klar die Herausforderung einer linken Medienpolitik:
    Wie setzt sich die LINKE in Opposition und Regierung dafür ein, dass dieser gesetzliche Auftrag und die Interessen und Bedürfnisse der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen angemessen in der Programmgestaltung abgebildet werden. Zum Beispiel.

    Gleichschaltung als reales Phänomen: Studie der Otto Brenner Stiftung von 2010:
    “Wirtschaftsjournalismus in der Krise. Zum massenmedialen Umgang mit Finanzmarktpolitik” empfehle ich als Pflichtlektüre für alle wirtschafts- und medienpolitischen Arbeitskreise in Partei und Parlamenten.

  16. tos sagt:

    @RN: “Euer Beitrag hier zeigt klar worum es Euch geht.” Nämlich?

  17. Aries sagt:

    Schon faszinieren im blog zu beobachten wie mitglieder einer bestimmten stroemung hier 24h vertreten zu sein scheinen und sofort auf neue beitraege reagieren. Gibt es dafuer eine bezahlte planstelle bei der sl? Oder macht marx21 dies kostenfrei?

  18. M. Gesiarz sagt:

    Dank an tos. Der Beitrag ist klasse. Er könnte die Linkspartei dazu anstoßen über die Zustände der und ihr Verhalten zu den medien gründlich nachzudenken. Und darüber hinaus Anregungen und Handlungshilfen für eine Medienarbeit vor Ort zu liefern.

    Seit langem mache ich die Erfahrung, dass Pressemitteilungen die fundierte Inhalte haben, auf Wallahwallah verzichten und auch Kompetenz austrahlen auf Dauer immer in der lokalen Presse berücksichtigt werden. Zum Teil sogar mit dem Widerspruch, dass weiter vorne im Deutschlandteil des selben Mediums die Berichterstattung über die Partei durchaus nicht mehr so fair ist.

    Man kann sich durch Ausdauer und Kompetenz auch dauerfafte und durchaus gegenseitig befruchtende Kontakte zu Journalisten erarbeiten. Dann muss man aber auch was zu sagen haben.

    Womit wir beim Problem wären. Genau das wollen viele der Ganztagspolitiker in der Linken gar nicht. Die Arbeit vor Ort, das Bohren dicker Bretter im Lokalen ist ihnen fremd. Hauptsache wichtige Satzbausteine absondern. Deshalb wird nicht nur immer pseudokompetent daherschwadroniert, sondern in der (West-)Partei durchgängig nichts unternommen um z.B. solche Medienkompetenz aufzubauen und zu entwickeln.

    Ich meine damit: Hilfestellungen für die Arbeit vor Ort sind vielen einfach nicht wichtig. Die Arroganz die darin zum Ausdruck kommt und auch die Gründe dafür hat ein @Aries an anderer Stelle wunderbar auf den Punkt gebracht.

  19. RN sagt:

    Die Fair – Play Initiative will den Umgang der linken Spitzenpolitiker mit Medien an gewisse verbindliche Verhaltensregeln koppeln. Ein ehrenwertes Ansinnen, denke ich. Bei einigen fehlt noch die Einsicht in die Notwendigkeit. Daher möchte ich hier kurz einige meiner Erfahrungen aus 12 Jahren medienanalytischer Praxis weitergeben.

    Der Rücktritt des Finanzministers O. Lafontaine im ersten Kabinett
    Gerhard Schröder 1999 war faktisch mit einer De-Thematisierung der internationalen Finanzmarktpolitik in den deutschen Massenmedien verbunden. „Er war der einzige oder zumindest einer der sehr wenigen Politiker in Deutschland und Westeuropa, der die Entwicklung auf den Finanzmärkten und deren Kontrolle zu einem öffentlichen Thema machte.“( Arlt, Storz: Wirtschaftsjournalismus in der Krise, Otto-Brenner-Stiftung, Arbeitsheft 63, S. 219) Und nicht von ungefähr wurde OL (von dem britischen Blatt „Economist“) zum „gefährlichsten Politiker Europas“ (für das Finanzkapital) geadelt, in dt. Medien wurde er wegen seines Rückzuges verleumdet, ohne dass auf die inhaltlichen Gründe eingegangen wurde.
    Daran kann m.E. sogar der politische Laie sehen, dass Einfluss- und Entscheidungsstrukturen existieren müssen, in den Verlagen, Medienkonzernen und auch im öffentl.-rechtl. Rundfunk, die in der Lage zu konzertierten Aktionen, eine bestimmte Art der Berichterstattung festlegen können.

    Dieser O. Lafontaine wurde interessanterweise insbesondere in „jungle world“ , „neuroticker“ (sächs. linksjugend-Publikation) und diversen antideutschen Schriften genau für diese Prioritätensetzung (int. Finanzmärkte) angegriffen. Jedoch nicht durch eine inhaltliche Auseinandersetzung. Auf Anfrage gibt Euch sicher Jule Nagel (Linxxnet, Leipzig) als federführendes Redaktionsmitglied des neuroticker der Jahre bis 2009 Auskunft über die Hintergründe dieser Verleumdungskampagne und Schmierenkomödie. Heute haben mglw. alle Seiten dazugelernt; auch von antideutschen linksjugend Vertretern werden Bemerkungen zum real existierenden Finanzkapitalismus eher gemieden, sie wissen, dass sie hier nur verlieren können. Es ist also an der Zeit, dass sich führende Nachwuchsfunktionäre von ihren langjährigen Verlautbarungen und persönlichen Schmähungen distanzierten und sich entschuldigten.

    Ich habe vor ca. zehn Jahren in Dresden Flugblätter ausgeteilt, u.a. mit dem Inhalt:
    „Alle ehemaligen DDR-Bezirkszeitungen sind von westdeutschen Pressekonzernen übernommen worden. Diese Medienkonzerne (Bertelsmann, Gruner+Jahr, Springer, Holtzbrinck, DuMont, WAZ, das SPD-eigene Verlagshaus) haben regionale Monopole, machen sich keine Konkurrenz, sind untereinander verflochten, besitzen TV- und Radioprogramme und haben nahezu alle Zeitungen Osteuropas unter sich aufgeteilt.

    Durch die … PR-Referenten und Öffentlichkeitsarbeiter ersparen sich viele Nachrichten-Redaktionen die eigene Recherche-Arbeit und kauen einfach nur Meinungen der am stärksten organisierten Gruppen und Verbände wieder. Sie praktizieren Verlautbarungs-Journalismus wie zu DDR-Zeiten.

    Heute ist die Meinungs- und Pressefreiheit in der BRD ausschließlich das individuelle Recht der Medien-Unternehmer. Das Grundrecht aller Bürgerinnen und Bürger ist den Eigentums- und Machtverhältnissen in den Medien unterworfen.

    Es ist also an der Zeit, die Eigentumsverhältnisse und die Machtstrukturen in den Massenmedien aufzudecken.“

    Im Ergebnis gab es darauf hin einen Kommentar im ND von Heiko Hilker (ehm. Medienpolit. Sprecher PDS, MdL, Sachsen) der genau diese Forderung in Abrede stellte.

    Ein weiteres Beispiel ist die Abwicklung und Transformation des Freitag durch die Übernahme von Jakob Augstein. Es ist sehr wohl im öffentlichen Interesse zu erfahren, wie dies im einzelnen gelaufen ist und warum nach dem Tod der drei Herausgeber(G. Gaus, W. Ullmann, G. Treusch-Dieter), das angesehene Format und die hohe Qualität einer event-pop-Kultur weichen musste.

    Wir sollten heute überprüfen wo wir politisch stehen, ob es eine Entwicklung gab, wie diese aussieht und wo wir die Prioritäten setzen wollen. Dazu höre ich gern ein Statement z.B. von Stefan Hartmann, Katja Kipping und Jan Korte, gerade weil es dabei auch um die Durchsetzung der demokratischen Rechte und Menschenrechte geht.

    Ein Beispiel dafür wie jede(r) den gesetzlichen Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einfordern kann, möchte ich Euch nicht vorenthalten, auch wenn schon einige Jahre alt, ist der aktuelle Bezug leicht herzustellen.

    MDR-Beschwerde: Verlautbarungs-Journalismus wie zu DDR-Zeiten
    Peter Handke am Grab eines Kriegsverbrechers?

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Heute am 6.12. 2007 gegen 8.35 Uhr meinte der Moderator des Radioprogramms MDR Figaro Thomas Bille über den Schriftsteller Peter Handke, er hätte sich durch die Anwesenheit am Grab des (Zitat:) “Kriegsverbrechers Milosevic” erneut diskreditiert – womit Thomas Bille uns wohl nahelegen wollte, dass die jahrelangen Rufmordkampagnen der deutschen Medien gegen Peter Handke gerechtfertig seien.

    Handkes, seit Mitte der 90er Jahre geäußerte Skepsis an der herrschenden Medienberichterstattung über die Jugoslawienkriege, hat sich im nachhinein als völlig gerechtfertigt erwiesen. Doch dies unterschlägt Herr Bille, ebenso die Tatsache, dass es bis heute keinerlei gerichtsverwertbare Beweise für die Behauptung gibt, Milosevic sei ein Kriegsverbrecher. Kein einziger der 300 Zeugen, die Frau del Ponte und ihr riesiger Stab am Internationaler Strafgerichtshof für das frühere Jugoslawien (ICTY) an mehr als 250 Verhandlungstagen gegen Milosevic aufboten, konnte die Anklage stützen. Das sind die Fakten. Und weiter:

    “Schnell zeichnete sich ein Grundprinzip in der Beweisführung der Anklage ab, das lautete: Je monströser die zur Last gelegte Beschuldigung, desto dünner der Beweis und desto unzuverlässiger der Zeuge….Es waren Wochen und Monate einer ganz neuen Strafjustiz, bei der es zwischen Richter und Ankläger keine eindeutige Differenz mehr gab – und die große Mehrheit der Journalistenzunft fraß und trank brav aus der eisernen Hand der Chefanklägerin Carla del Ponte…..Und was den Tatbestand der Verschwörung betrifft, diesem großserbischen und von Milosevic angeführten ‘joint criminal enterprise’, so wurde nicht einmal der Versuch eines Beweises für dessen Existenz unternommen, obgleich es das Fundament der Gesamtanklage war. Hingegen lässt sich diese Gesamtanklage selbst tatsächlich als eine Verschwörungstheorie bezeichnen. Eine monströse, manische Verschwörungstheorie voller Ranküne, vor allem aber eine strafrechtlich unbeweisbare Verschwörungstheorie” (Nachzulesen bei: Germinal Civikov: Der Milosevic-Prozess. Bericht eines Beobachters, Promedia Wien 2006, S.198-200)

    “Der Prozess war in fast jeder Hinsicht unfair”, befindet der britische Publizist John Laughland. Mit der Entscheidung des ICTY, Milosevic müsse sich von einem gegen seinen Willen eingesetzten Anwalt verteidigen lassen – auch in Abwesenheit, ist “im internationalen Strafrecht der Grundsatz eingeführt worden, dass jemand in Abwesenheit gerichtlich belangt und verurteilt werden kann – und zwar unter der Verteidigung durch einen Rechtsanwalt, den er nicht akzeptiert und mit dem er nicht zusammenarbeitet.”[so John Laughland im Interview mit foreign-policy.com] Nach Laughland, sind das Haager Jugoslawien-Tribunal und der Überfall auf den südosteuropäischen Staat im Jahr 1999 “zwei Seiten derselben Münze”.[John Laughland: Travesty. The Trial of Slobodan Milosevic and the Corruption of International Justice, London/Ann Arbor 2007 (Pluto Press)]

    Die Zeugenaussagen und Gerichtsdokumente des Milosevic-Prozesses werfen ein völlig anderes Licht auf die jugoslawische Tragödie. Jeder kann sich anhand dieser öffentlichen Dokumente davon selbst ein Bild machen.

    Dieser Prozeß zeigte uns –wenn wir es denn sehen wollten, dass die langjährige Jugoslawien-Berichterstattung auf Täuschung und Desinformation beruht.(1) Allein die Zusammenstellung der wichtigsten Kriegs-Lügen der letzten 17 Jahre würde Bände füllen. Das alles kann nicht nur einer Verwahrlosung der Sitten oder einer Skandalisierungsneigung der Medien zugeschrieben werden. Diese Desinformationskampagnen – bis hin zur offenen Zensur (2) – wurden und sind systematisch geplant und thematisch auf die jeweils aktuellen Ereignisse genau abgestimmt (z.B. der angebliche Hufeisenplan oder das angebliche Massaker von Racak, vor dem Nato-Jugoslawien-Krieg) und nur unter Mithilfe der Verantwortlichen in den öffentlich-rechtlichen Medien zu realisieren. Das widerspricht übrigens klar deren verfassungsgemäßen Auftrag.

    Anmerkungen:

    (1) Siehe dazu auch die vorzügliche Untersuchung von Jörg Becker/Mira Beham, “Operation Balkan: Werbung für Krieg und Tod”

    (2) Wie hoch die Wirkung von Bildern auf die Kriegsbereitschaft der Bevölkerung eingeschätzt wurde, zeigt folgendes: Weil das serbische Fernsehen, in dessen Zentrale 1999 bei einem nächtlichen Nato- Bombenangriff 16 Mitarbeiter getötet wurden, weiterhin Fotos und Filme von den Kriegszerstörungen ausstrahlte, erwirkte der damalige dt. Außenminister Joseph Fischer bei der EUTELSAT-Zentrale in London die Abschaltung der Satellitenübertragung. (E.Spoo, Ossietzky 14/2006)

    Beste Grüße zum 1. Mai
    RN

  20. Sebald sagt:

    Erst einmal vielen Dank für den gehaltvollen Artikel. Er wirft natürlich auch viele Fragen für die weitere Strategie der Linken auf. Denn es ist natürlich ein Riesenproblem, dass die Zustimmungswerte für die Linken unter Journalisten so eklatant niedriger als in der Durchschnittsbevölkerung sind. Dies hat meiner Einschätzung nach nicht so viel mit schlechter Medienarbeit zu tun. Vielmehr dürfte meinem Eindruck nach der egalitäre Anspruch der Linken, ihre Parteinahme für sozial Schwache, ihre Forderung nach einem möglichst starken Wohlfahrtsstaat, aber auch ihre Verankerung in der Gewerkschaftsbewegung in einem starken Gegensatz zu einem eher elitären wie libertären Selbstverständnis vieler Journalisten stehen.

    Diese Orientierung ist nicht nur ein Problem für die Partei Die Linke, sondern auch ein Problem für linke Reformpolitik generell, weil Medien eben doch eine große Rolle bei der Definition von Problemen spielen. Folgerichtig werden die Interessen von unterprivilegierten Schichten regelmäßig totgeschwiegen, während die Luxusprobleme privilegierter Schichten (ich denke nur an die regelmäßigen „Lebensmittelskandale“ oder den lächerlichen Streit um den Umbau der Kastanienallee in Berlin-Prenzlauer Berg) regelmäßig überdimensioniert dargestellt werden. Die Konsequenz ist dann, dass die Themen der Linken in den Medien nicht vorkommen und Die Linke in den Medien dann natürlich auch nicht vorkommt.

    Wie sollte nun Die Linke nun mit dem Problem umgehen? Ich sehe vor allem zwei Optionen. Erstens: Sie kann versuchen, die Stigmatisierung durch die Medien offensiv anzugehen und sich als eine Art Anti-Establishment-Partei zu inszenieren, die von den Mainstreammedien gehasst wird und deshalb gerade von unterprivilegierten Schichten geschätzt wird. Nach diesem Szenario müsste Die Linke dann regelmäßig Kampagnen fahren, die die privilegierten Schichten provozieren und die von den Mainstreammedien negativ aufgegriffen werden.

    Zweitens kann Die Linke ausloten, ob es nicht doch so etwas wie ein „progressives Bürgertum“ gibt, das in Opposition zu einem grünen Kapitalismus steht und das nach Bündnispartnern für Alternativen sucht. Solch eine Strategie könnte dazu führen, dass ein neues Gesellschaftskonzept entsteht, das langfristig auch eine Hegemonie erringen könnte und an dem die Journalisten trotz ihrer Aversion gegen egalitäre und wohlfahrtsstaatliche Konzepte nicht herumkommen.

    Beide Strategien müssen sich übrigens nicht ausschließen, sie können sich auch ergänzen.

  21. tos sagt:

    Nachtrag: Gegor Gysi zur Medienfoul-Kampagne im Deutschlandfunk: “Nein, es geht ja nicht um ein Verbot, sondern es geht darum, dass man sagt: Bestimmte interne Auseinandersetzungen kann man doch auch intern führen, dazu muss ich doch nicht die “FAZ” oder den “Spiegel” benutzen. Und schon gar nicht muss man sich an Journalistinnen und Journalisten wenden, die Die Linke sowieso nicht leiden können, weil – wenn ich denen jetzt irgend etwas Negatives über die Person A erzähle, freuen die sich ja nur darüber, dass ich jetzt was Negatives über A sage, und das wird dann multipliziert in die Medien gebracht.” http://bit.ly/lPS7Q6

  22. Ralf Lang sagt:

    Da hat der Gysi ausnahmsweise mal Recht. Wie verhält sich aber die Linke gegenüber jenen Medien, die gemeinhin schon noch als links gelten?

    Das ND: Wird weder leben noch sterben gelassen. In Besitz (mittelbar) der Partei und einer Genossenschaft, die scheinbar mehr bewahrt und erträgt als investiert und erneuert, in der Führung von unterbezahlten Leuten. Die bemühen sich rührig und engagiert jeden Tag, irgendwo zwischen Mittelknappheit, Solidarität mit der Bewegung und der Partei, Rücksicht auf die Abonnenten und eigenen Standpunkten ein Produkt herauszubringen, das einerseits linke Akzente setzt, vorherrschende Sprachregelungen nicht gedankenlos abschreibt, aber am Ende doch eine richtige Zeitung sein soll. Daran scheitern sie oft – wen wundert das, wenn selbst die Politiker der Linken (die der anderen Parteien umso mehr) dieses Blatt nicht ernst nehmen?

    Die junge Welt: Durch ihre DDR-Vergangenheit und die Beschäftigung von “ddr-belasteten” Journalisten immer wieder ein beliebtes Ziel für sachfremden Spott, ist sie deutlich unabhängiger und linksparteikritischer. Das hat ihr halbwegs stabile Auflagen und eine engagierte Leserschaft verschafft, die sich per Genossenschaft sogar finanziell am Erhalt beteiligt. Von den Flügeln der Partei wird sie vor allem instrumentell als Strömungsblatt angesehen, entsprechend von dem einen für ihre Positionen geliebt und von dem anderen als per se falsch und unanständigt gebrandmarkt.

    Wenn die großen und kleinen Linken-Führer so schon mit Medien umgehen, die den Anliegen ihrer Partei noch irgendwie nahe sind, wie sollen sie dann beliebt werden bei jenen, die Nachrichten vor allem dahingehend optimieren, dass man sie an Abonnenten als Lektüre und an Werbekunden als Anzeigenumfeld verkaufen kann?

  23. Mathis Oberhof sagt:

    Was tos hier an bemerkens – und beachtenswertem über die soziale, kulturelle und psychologische Situation der Berufsgruppe JOURNALISTEN zusammentrug, hat Hans-Peter Schütt im ND, als einem der zitierten “parteinahen” organe aus kulturphilosophischer Sicht kommentiert. Wer sich durcharbeitet, wird belohnt. Und darüber Hinaus ein knackiger Kommentar zu der Hamburger Idee einer “Partei der Arbeit” wie auch der Angst vieler LINKER vor dem (rebellierenden) Bürgertum.
    http://www.neues-deutschland.de/artikel/196660.die-ordnung-und-das-ungehemmte.html

  24. Friedrich sagt:

    @Mathis
    Ich mag ja eigentlich den hds gar nicht, aber hier ist er gut.
    Übrigens, die “Partei der Arbeit” ist für mich auch gruslig.

  25. Frank sagt:

    Den ideologischen Schwachsinn das die Proletarier, Bürger im bürgerlichen Staat sind haben die Kleinbürger schon immer verbreitet. Darüber hat sich die reaktionäre wie aufgeklärte Bourgeoisie auch schon immer belustigt. Schütt wärmt da nur alte Kamellen auf die dadruch trotzdem nicht wahrer werden. Irgendwie erinnert seine Parteinahme über alle Widersprüche hinweg an seine Rolle als JW-Chefredakteur. Keiner kann eben aus seiner Haut….

  26. Frank sagt:

    “Berichte und Kommentare werden schließlich in aller Regel nicht in Aufsichtsratssitzungen beschlossen, sondern von Journalisten geschrieben. ” Da habe ich aufgehört zu lesen. Wer einmal in einem privaten Medienbetrieb gearbeitet hat weiß das in der Regel die Besitzer bzw. Werbekunden und sein Maqchtmittle der bürgerliche Staat die Berichte schreiben. Wer sich auf “seine” moralischen Prinzipien beruft, wird entweder gefeuert, gemobbt oder sonst wie fertig gemacht. Die wichtigsten Funktionen in den Medienkonzernen, und die bestimmen die Debatte, sind zudem mit dem bürgerlichen Staat personell verflochten. Wer da oben ankommt ist dann schon entsprechend konditioniert……

  27. tos sagt:

    @Frank: aufgehört zu lesen? macht ja nichts. schöne grüße aus dem redaktionsbüro eines privaten medienbetriebs.

  28. Frank sagt:

    Ich sage ja entsprechend konditioniert. Oder welche Ideologie verbreitet diese Seite ….;-)

  29. Friedrich sagt:

    @Frank
    Mit dem ideologischen Schwachsinn, das solltest Du schon näher erklären. Solche verdammenden Urteile ersetzen keine Argumente.

  30. tos sagt:

    Nachtrag: über weitere Studien zur politischen Selbstverortung von Journalisten schreibt das “Neue Deutschland” http://bit.ly/iYhSfV

    “Für einen Teil der Linkspartei sind die Schuldigen an den derzeit schlechten Umfragewerten ausgemacht – die Medien, die tendenziell rechts und linksfeindlich orientiert seien. Die sogenannten Mainstream-Medien dürfe man nicht auch noch mit Munition versorgen, meinen daher die Initiatoren der Fair-Play-Kampagne und fordern die Politiker der Partei auf, sich nur noch in parteieigenen bzw. parteinahen Medien zu inhaltlichen Kontroversen zu äußern.

    Dabei sind Journalisten durchaus linken Positionen nicht abgeneigt. Das legen zumindest zwei Studien nahe. So tendieren laut einer Untersuchung der FU Berlin zwar über 45 Prozent der Journalisten rot-rot-grün zu, allerdings kommt die Linkspartei in der aus dem letzten Jahr stammenden Studie dabei nur auf 4,2 Prozent; würden nur Journalisten wählen dürfen, wären die Grünen mit rund 26 Prozent stärkste Partei und die CDU rangierte mit 9 Prozent nur knapp vor der FDP (7,4 Prozent).

    Gefühlt tickt die Journaille also links und das auch in den Chefetagen. Das zeigt eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahr 2008. Befragt wurden Absolventen der renommierten deutschen Journalistenschulen, die gemeinhin einen Teil der künftigen Chefredakteurselite in den Zeitungen stellen. Rund zehn Prozent verortet sich links, 34 Prozent beschreiben ihre politische Grundhaltung als links von der Mitte. Der Linkspartei kommt das allerdings nicht zugute. Exakt 0,0 Prozent fühlen sich ihr politisch am nächsten; die Grünen haben die Sympathien von 39 Prozent, von der SPD fühlen sich 21 Prozent angezogen, die Union überspringt mit 5 Prozent gerade noch die Bundestagshürde.”

  31. Sebald sagt:

    Diese Zahlen sind tatsächlich interessant, zeigen sie doch, dass der Begriff “links” offenbar für viele mittlerweile so beliebig geworden ist, dass selbst SPD und Die Grünen damit assoziiert werden, Tobias Dürr wollte ja sogar schon Teile der FDP als links verorten, weil sie ja irgendwie für Bürgerrechte wären. Diese Beliebigkeit schadet natürlich der Linken, weil sich in diesem unscharfen “linken” Lager natürlich jene Parteien durchsetzen können, die über das größte finanzielle und (was vielleicht noch wichtiger ist) kulturelle und soziale Kapital verfügen.

    Für die Linken stellt sich daher die Aufgabe, die Unterschiede zur SPD und vor allem zu den Grünen stärker herauszuarbeiten und auch in polarisierenden Konflikten öffentlichkeitswirksam zu vermitteln. Ich merke das ja derzeit im Berliner Wahlkampf, es wird kaum vermittelt, warum Die Grünen in Berlin eigentlich nicht an die Macht kommen sollten. Mit einem Kuschelkurs, der Linkssein nur auf ein vages Lebensgefühl reduziert, macht sich Die Linke überflüssig.

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