Bries Comeback
Bis zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern vergehen noch ein paar Monate, aber der Wahlkampf wirft auch hier seine Schatten voraus. Die Linke geht mit großen Ambitionen an den Start – Spitzenkandidat Helmut Holter will Ministerpräsident werden. Wenn er das schaffen will, muss sich noch einiges tun, denn die Umfragen verweisen derzeit die Linkspartei mit deutlichem Anstand auf Platz drei hinter SPD und CDU. Realistischer ist nach derzeitigem Stand wohl eher eine Koalition aus SPD und Linkspartei, wie es sie zwischen SPD und PDS im Nordosten schon einmal acht Jahre lang gegeben hat. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der gegenwärtig mit der CDU regiert, ist dem Vernehmen nach einer Neuauflage von Rot-Rot nicht abgeneigt. Weil die Linke allerhand aufzuholen hat, zeigt sie schon mal die Krallen: Die SPD habe „viel bei uns abgeschrieben“, erklärte der Linkspartei-Landesvorsitzende Steffen Bockhahn und verwies ansonsten darauf, dass seine Partei mit Themen wie existenzsichernde Arbeit, öffentlicher Beschäftigungssektor, Schul- und Kommunalfinanzierung punkten will. Ziel der Linken ist es, Rot-Schwarz abzulösen und durch Rot-Rot zu ersetzen – unter welcher Führung auch immer.
Als Wahlkampfchef holte sich die Nordost-Linke einen erfahrenen Strategen: André Brie. Der mittlerweile 60-Jährige zählte in den neunziger Jahren zum engsten Führungszirkel der PDS, war einer ihrer programmatischen Köpfe, war verantwortlich für erfolgreiche Bundestags- und Europawahlkämpfe. Brie hat sich immer auch kritisch zur Entwicklung seiner Partei geäußert, in den letzten Jahren kritisierte er die inhaltliche Ausrichtung der Linken durch Oskar Lafontaine und dessen Führungsstil. Das machte ihn – zum Missfallen mancher Genossen – zu einem beliebten Gesprächspartner für Spiegel, Stern und andere, wenn es um Probleme in der Linken geht. Der einstige Europaabgeordnete wurde vor der jüngsten EU-Wahl nicht mehr auf einen aussichtsreichen Platz gesetzt – die Quittung für das Plädoyer Bries zugunsten des Lissabon-Vertrages. Nun soll der Befürworter von Regierungsoptionen den Wahlkampf der Nordost-Linken managen und seine Erfahrungen mit publikumswirksamen Slogans, Plakaten und Fernsehspots beisteuern. (wh, Foto: Flickr)
Drucken