„Ralf bleibt“

„Ralf bleibt“

Ist Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linkspartei) etwa nur noch im Amt, weil SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck für den Fall seines Rücktritts mit dem Bruch der Koalition drohte? Das berichtet zumindest der Focus – und die Geschichte ist auch schon mehrfach dementiert. Linken-Landeschef Thomas Nord will jedenfalls nichts von einem Gespräch wissen, bei dem er und Fraktionschefin Kerstin Kaiser bei Koalitionspartner Platzeck gewesen sein sollen, um ihn „über die beabsichtigte Abberufung von Christoffers zu informieren“, wie es der Focus geschrieben hatte. „Just zu dem Zeitpunkt“ des vermeintlichen Treffens habe die Nachricht vom Rücktritt des SPD-Bildungsministers Holger Rupprecht wegen einer Dienstwagenaffäre überrascht, worauf Platzeck mit den Worten „mein Freund Ralf bleibt“ und der Drohung mit Neuwahlen die Linken-Delegation zur Aufgabe ihres Vorhabens gebracht habe. So die Focus-Version.

Regierungssprecher Thomas Braune nannte den Beitrag des Magazins indes „absoluten Quatsch“. Ebenso äußerte sich der Wirtschaftsminister selbst: Es habe keine Rücktrittsforderung des Landesvorstandes der Linken gegeben. Ärger über seinen als zu Vattenfall-freundlich kritisierten CCS-Kurs aber sehr wohl. Brandenburg wird von Greenpeace als das einzige Bundesland genannt, das derzeit die umstrittene Endlager-Technologie auf eigenem Gebiet zulassen will – wenn auch nur zu Probezwecken. Auf Bundesebene scheint nun ein Schritt hin zu dem noch ausstehenden Gesetz gemacht worden zu sein, die Koalition will mit ihrem Entwurf den Ländern die Möglichkeit einräumen, Speicherstätten per eigener Rechtsetzung weitgehend zu verhindern oder nur in geringem Maße zuzulassen. (vk, Greenpeace-Grafik: Potentielle CCS-Lager in Brandenburg – hier)

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4 Kommentare zu “„Ralf bleibt“”

  1. tos sagt:

    die Berliner Morgenpost zieht die Linse etwas weiter auf und schreibt über generelle Unzufriedenheit in der Linken mit den Ministern der Partei, es “rumore” an der Brandenburger Basis und die Stimmung scheine “schlechter denn je”. http://bit.ly/ibrOoS

  2. micha sagt:

    Wie feinsinnig.
    Natürlich gab es das Gespräch zwischen Kaiser, Platzeck und Nord. Aufgrund der Klarheit und der angedrohten Konsequenzen durch Platzeck wurde der MP nicht “über die beabsichtigte Abberufung von Christoffers informiert”.
    Lehrreich war das nur für einen: Platzeck wird jetzt wissen, wie weit er gehen kann.

  3. Sissy Fuß sagt:

    Wow, Micha, was Du alles weißt. Weil es im Focus stand, dem Zentralorgan für Tatarenmeldungen, muß es ja stimmen.

  4. Sara Schneider sagt:

    Die merkwürdige Meldung des Focus schien den meisten Medien zu blöd, um darauf einzugehen. Aber Andreas Fritzsche im ND hat es wieder mal nicht lassen können. Er hat ja schon eine Woche zuvor vom Parteitag der Linken in Dahme-Spreewald in einer Weise berichtet , dass die Berichte in der Märkischen Allgemeinen vergleichsweise linksorientiert schienen. Was er aus der Diskussion beim besten Willen selbst nicht heraushören konnte, hat er einen “ungenannten Genossen” sagen lassen.
    Bester BILD-Stil!
    Und mit seinem Artikel zum fast geschassten Minister fährt er eben so fort.

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