Massiv mitgesteuert
Carsten Maschmeyer ist eine schillernde Figur. Der Gründer des Finanzdienstleistungs-Unternehmens AWD hat sich mit dem Verkauf von allerlei Finanzprodukten sehr viel Geld verdient; er hält sich in und um Hannover einen illustren Freundeskreis, zu dem Geschäftsleute und Promis aus dem Showbiz ebenso gehören wie hochrangige Politiker. Leute wie Gerhard Schröder und Christian Wulff stehen auf der Liste ziemlich weit oben. Wulff machte Urlaub in Maschmeyers Anwesen, Schröders einstiger Arbeitsminister pries für Maschmeyers Konzern die Riesterrente, mit der Maschmeyer prächtige Geschäfte tätigte, und mit Schröders Rentenberater Bert Rürup betreibt Maschmeyer heute eine Firma. Über Maschmeyer und seine Methoden hat der NDR kürzlich eine Dokumentation ausgestrahlt, die der Unternehmer juristisch bekämpft – erst wollte er die Ausstrahlung verhindern, dann erreichte er die Streichung einer Passage. In dem Film kommen unter anderem Leute zu Wort, die bei Mitarbeitern des Maschmeyer-Imperiums riskante Geldanlagen abgeschlossen haben, dabei ihr kleines Vermögen verloren haben und sich nun von Maschmeyer geprellt fühlen. Der jedoch verweigerte jede Auskunft und überzieht stattdessen den NDR und die Panorama-Redaktion mit juristischen Attacken. Der Sender wiederum reagierte mit einer freiwillig zensierten Version der Reportage mit eigenen Kommentaren zu Maschmeyers Vorwürfen.
Die Linksfraktion im niedersächsischen Landtag will die Auseinandersetzung jetzt zum Thema im Parlament machen. Fraktionschefin Kreszentia Flauger sagte, Maschmeyer habe die Landes- und Bundespolitik „massiv mitgesteuert“ und davon „finanziell profitiert“. Das Interesse der Linkspartei geht in zwei Richtungen: Erstens will sie wissen, welches Verhältnis die Landesregierungen seit 1990 zu Maschmeyer hatten und welche Einflussmöglichkeiten der Mann hatte und hat. Und zweitens kritisiert die Linke die aktuelle Landesregierung für ihr Schweigen im Streit Maschmeyers gegen den NDR. Die Landesregierung schaue mit verschränkten Armen zu, wie Maschmeyer versuche, kritische Medien mundtot zu machen, meint Flauger. (wh)
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Nachtrag zum Maschmeyer-Filz: AWD hat 2006 den vormaligen Regierungssprecher von Gerhard Schröder, Bela Anda, als Kommunikationsdirektor, vulgo Pressesprecher (zuständig für Presse, Marketing, Sponsoring) engagiert.