Nun auch noch die Stasi

Nun auch noch die Stasi

Lötzsch – Kommunismus – da war es nur ein Frage der Zeit, bis auch das Stichwort Stasi wieder auftaucht. Gesine Lötzschs Büroleiter im Bundestag, posaunte das Springer-Blatt B.Z. heraus, sei Elitesoldat beim MfS gewesen. Richtig ist, dass der Mann offenbar drei Jahre seinen Wehrdienst beim Wachregiment der Staatssicherheit leistete und damit als Stasimitarbeiter geführt wurde. Dem Bericht nach arbeitete er dort im Chiffrierdienst. Wie immer diese Arbeit aussah – für die vom Nachrichtensender n-tv auf seiner Homepage gewählte Überschrift „Lötzschs Bürochef Stasi-Spitzel?“ gibt es vorerst keinen Anhaltspunkt, nicht einmal in Frageform. Aber darauf kommt´s in den Erregungsmedien auch nicht an, ebenso wenig darauf, dass es völliger Unsinn ist, wenn die B.Z. investigativ vermutet, der Mitarbeiter solle „ein enger Vertrauter der Parteichefin sein“. Ja was denn sonst, wenn er ihr Bundestagsbüro leitet? Natürlich darf auch der unvermeidliche Hubertus Knabe wieder sein Bedauern darüber recyceln, dass die SED nicht gleich 1989 verboten wurde.

In einem solchen Mediensound, der ja nun schon ein Weilchen andauert und den Eindruck suggerieren könnte, Lötzsch lasse sich ihre Reden in Wirklichkeit von Ernst Thälmann schreiben, fallen abseitige Zeitungskommentare wie der folgende kaum noch auf: In einem Artikel über die Kommunismus-Debatte schreibt die Hessische/Niedersächsische Allgemeine über SPD und Linke: „Die einen gehörten zu den Opfern. Die anderen würden endlich gerne wieder Täter sein“. Endlich wieder Täter sein – diese dringende Warnung müssen sie sogar in der Berliner CDU gelesen haben, denn den Ortsverband Lichtenberg-Mitte hält es nun nicht mehr länger im Sessel: Er ruft für diesen Sonnabend zu einer Demonstration gegen den Kommunismus auf. Auf Plakaten darf man etwa „Kommunismus? Ohne uns, Frau Lötzsch!“ lesen. Berlin hat ja schon viele Demos gesehen, diese hier verspricht gesteigerten Unterhaltungswert. Wer also auf der Suche ist nach einer Alternative zu den auch in Berlin um sich greifenden Karnevalsumzügen, der sollte sich Sonnabendmittag an der Frankfurter Allee einfinden. (wh)

Drucken Drucken

7 Kommentare zu “Nun auch noch die Stasi”

  1. tos sagt:

    Die Bingo-BZ macht weiter: “So viel Stasi steckt noch in der Linken” lautet der Aufmacher am Donnerstag http://bit.ly/fz5IfT – Parteien fordern Lötzsch-Rücktritt heißt es http://bit.ly/ftzpw8 – und Hubertus Knabe darf auch noch einmal ran http://bit.ly/e8Vt4E

  2. tos sagt:

    … und die Junge Welt kontert mit der ganz großen Keule: “Hetze im Nazistil” http://bit.ly/dT7kXK

  3. tos sagt:

    weitere Nachträge:

    “Eine hysterische Kampagne”
    Bodo Ramelow im Deutschlandfunk
    http://bit.ly/gu3GtH

    “Unverzüglich entlassen”
    CSU fordert Überprüfung aller Mitarbeiter der Linksfraktion
    http://bit.ly/gFat7n

  4. Michael (Niedworok) sagt:

    Amüsemang und Berliner-CDU-Lokalkolorit sind auf dieser Demo bestimmt zu erwarten… Die reinste Geisterbahnfahrt…

    Meine Befürchtung nur: Die lauern doch nur darauf, daß während ihrer Demo irgendwas passiert, was einem Vorfall aus der Ferne auch nur ähnlich sieht. Und: Anders als die kommunistische Bedrohung, ist die Gefahr real, daß irgendjemand denen den Gefallen tut…

  5. Sissy Fuß sagt:

    @Michael: Ja, da können wir der Berliner Polizei nur viel Fingerspitzengefühl wünschen.

  6. id2market sagt:

    Damit wird also die Aussage von dem “Knaben” Hubertus bewiesen, dass Hohenschönhausen und seine Erfüllungsgehilfen ((Wehrdienstler im Wachregiment) die Kalfakoren in Hohenschönhausen, dem KZ “DAchau des Ostens” waren.
    Wie lange darf dieser Knabe noch in den Medien auftreten?

  7. Juergen Angelbeck sagt:

    Wundert sich hier noch jemand ?
    Bei der Futteraufbereitung für die bekanntermaßen unersättlichen Hetzer von Knabe bis zur BZ war und ist die LINKE keineswegs unbeteiligt.
    Schon vor zwanzig Jahren überlagerte in nicht unwichtigen Kreisen der PDS ein anpasslerischer Opportunismus den gebotenen sachlichen Umgang mit dem Thema. Nachdem 1991 mein damaliger Landtagskollege Rolf Funda (PDS) der IM-Tätigkeit für das MfS beschuldigt und von dem seinerzeit zuständigen Sonderausschuss des Landtages von Sachsen-Anhalt zur Mandatsniederlegung aufgefordert worden war, gab es erkennbare Solidarität aus der eigenen Partei und Fraktion allenfalls in homöopathischen Dosen – und das ist diplomatisch formuliert. Einziger Vorwurf, dem Rolf Funda ausgesetzt war: Von ihm zu keiner Zeit bestrittener Dienst im Wachregiment des MfS. Eine ihm zusätzlich angedichtete spätere Tätigkeit als OibE des MfS (Offizier im besonderen Einsatz) konnte nie belegt werden.
    Warum erzähle ich das hier in epischer Breite?
    Ganz einfach deswegen, weil das “Hängenlassen” von unter Beschuss geratenen Genossen in der Linkspartei offenbar zur Tradition gehört. Erinnern wir uns z.B. an Piet Metz. Der war in Hessen von einem Landesparteitag zum linken Spitzenkandidaten für die Landtagswahl nominiert worden. Seine differenzierte Haltung zum Grenzregime und der Rolle der Sicherheitsorgane der real-sozialistischen DDR sorgten sofort für mediale Attacken, vor denen die eigene Partei umgehend einknickte und Metz stante pede austauschte. Wer meint, sich auf derart schäbige Art und Weise erfolgreich anbiedern und als rechtsstaatskompatibel in Szene setzen zu können, düngt mit seinem Distanzierungsgehabe exakt den Humus, auf dem solche Stilblüten wie aktuell im Zusammenhang mit Lötzsch/Singer die BZ oder Knabe immer wieder bestens spriessen dürfen, wenn sie mal wieder meinen, “fündig” geworden zu sein.

Kommentiere:

| Kommentare werden moderiert |