Neues Publikationskonzept
Die Linkspartei nimmt Kurs auf ein neues „Medien- und Kommunikationskonzept“ – und befragt dazu derzeit im Internet ihre Anhänger. In der Umfrage geht es neben der allgemeinen Nutzung von Medien vor allem um die parteiinternen Blätter, vor allem die vom Vorstand herausgegebene Mitgliederzeitschrift Disput. Um die Beteiligung zu erhöhen, wurde sogar ein Essen mit der Bundesgeschäftsführerin ausgelobt. Hintergrund ist ein Beschluss auf Initiative der BAG Rote Reporter, in dem ein „integriertes Publikationskonzept“ gefordert wird, das Internetauftritt, Publikumsmedium und Mitgliederzeitschrift umfassen soll. Letztere allerdings, also Disput, muss nach Meinung der BAG deutlich besser werden: Bisher erreiche das nüchtern gestaltete Info-Blatt „weniger als ein Zehntel der Mitgliedschaft“. Ziel soll es jedoch sein, das Magazin in Zukunft regelmäßig an alle Mitglieder gehe. „Die zweifelsohne hohen Kosten sollten auch durch Anzeigen, darunter auch mehrseitige Informationsbeiträge zum Beispiel der Bundestagsfraktion, finanziert werden“, heißt es in dem Antrag der BAG an den Rostocker Parteitag, der an den Parteivorstand überwiesen wurde.
Ziel des Vorstoßes der BAG ist es, die „politische Bindungskraft zwischen der Partei und ihrem Umfeld“ sowie innerhalb der Linken zu verbessern. Die Öffentlichkeitsarbeit der Partei könne eigene Medien nicht ersetzen, heißt es, da sie im kapitalistischen Medienbetrieb „auf Partner angewiesen ist, die eigene Interessen verfolgen“ und dabei schlagzeilenträchtigen Konflikten mehr Aufmerksamkeit widmen als der inhaltlichen Debatte. Auf diese Frage müsste an anderer Stelle wohl noch einmal ausführlicher eingegangen werden, ebenso auf die Haltung der BAG Rote Reporter, nach der die „Konzernmedien“ vor allem „Gegner von Bewegungen und Parteien wie der Linken“ seien. In dem Antrag wird auch auf die „gut gestalteten Medien der Fraktionen“ Bezug genommen – also Publikationen wie Clara und Klar -, die allerdings die Parteimedien „nicht ersetzen“ könnten. Die Linksfraktion hatte 2009 über 1,9 Millionen Euro für die Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben, über die tatsächliche Wirkung von Klar und Clara gibt es unterschiedliche Meinungen. (tos)
Drucken
Als einer der Initiatoren des Vorstoßes der BAG möchte ich kurz aus meiner Sicht einen Punkt präzisieren, den Tom dankenswerterweise oben schon angesprochen hat. Ich sehe es als Aufgabe von Journalistinnen und Journalisten ein, unabhängig Bericht zu erstatten und Einschätzungen abzugeben. Ob sie das unter den gegebenen Eigentums- und Arbeitsverhältnissen immer können, ist fraglich. Jedenfalls folgt aus der beschriebenen Aufgabe, dass auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der LINKEN durch einen Filter geht und die Kolleginnen und Kollegen nicht immer die Inhalte transportieren, die die Partei gerne transportieren möchte. Daran können wollen wir auch gar nichts ändern, denke ich. DIE LINKE verfügt deshalb bereits über eigene Publikationen. Über deren optimale Aufstellung möchten wir gerne diskutieren.
Soweit erstmal.
Ich freue mich auf eine produktive Debatte.
Der Bericht ist ein Beispiel dafür, wie parteiliche Öffentlichkeitsarbeit garantiert NICHT zum Erfolg führen wird.
In diesem Punkt ist Die Linke eine ganz “normale” Partei:
Beim Thema Öffentlichkeitsarbeit und Medienwirksamkeit wollen alle mitquasseln und mitbestimmen, vor allem auch die, welche von der Materie soviel Ahnung haben, wie z.B. Die Linke NRW, vom Internet:
Nämlich gar keine.
Eine schlaue Partei würde diese Aufgabe in die Hände eines erfolgreichen Werbe- und Medienplaners geben, der von ausserhalb der Partei kommt und die besten Referenzen hat.
Kostet zwar eine Menge Geld, aber man kann auch eine Erfolgsbeteiligung aushandeln.
Jede größere Firma handelt so, auch große Sportvereine etc. geben diese Arbeit an Profis ab.
Nicht so Parteien!
Und weil dem so ist, kann das nichts werden und wenn man tausende Papiere schreibt und Arbeitskreise bildet.
Solange alle mitquasseln wollen, kann nur Murks rauskommen.
Eine Leserbefragung ist ein ausgesprochen professionelles Instrument, um Medien weiterzuentwickeln. Sie wird auch sicher nicht das einzige bleiben. Ich finde den Schritt richtig. In meinem Kommentar oben fehlt übrigens das “und” zwischen können und wollen.
Eine LeserInnenbefragung ist sehr gut. Nur findet sich auf der Website der Partei, zumindest in den vorderen Ebenen, gar kein Link dorthin. Diesen gibts stattdessen via Newsletter. Eine der Fragen in der Umfrage lautet nun, wie oft man denn den Newsletter lese. Aufgrund dieser Verbreitungsart der Befragung wird dann wohl eine Quote von annähernd 100 Prozent für die Antwortmöglichkeit “regelmäßig” erreicht werden, mit dem Ergebnis, dass das neue Publikationskonzept aus Newslettern bestehen wird. Tatsächlich wäre ein schönes gedrucktes Debattenorgan eine tolle Sache, kostenlos und frei Haus an alle Mitglieder und nicht so hässlich und langweilig wie der Disput.
@Jörn: Im aktuellen Disput wird auch auf die Umfrage hingewiesen. Ich habe mich an der Umfrage beteiligt, dem Disput die Note 3 gegeben und das damit begründet, daß er seinem Namen nicht gerecht wird. Er spiegelt die Diskussionen in der Partei nicht wieder. Und das habe ich als Wunsch an ein neues Blatt der Linken formuliert. Wenn Du das auch machst und viele andere ebenfalls, könnte es vielleicht sogar etwas bewirken.
@Jörn
Ich würde dir zustimmen, wenn du davon sprichst, dass unter den herrschenden Produktionsverhältnissen keine interessensfreie Berichterstattung möglich ist. Allerdings erfasst man damit die Realität der Massenmedien nur zum Teil: die meisten Organe arbeiten ja in privater Hand und sind nicht-staatlich organisiert. Ihr argumentativer Fehler besteht zunächst aber in der falschen Berichterstattung über die reale Welt, einfach, weil sie die Materie wie die Mehrheit der Gesellschaftsmitglieder nicht korrekt begreift. Das ist ein klares Aufklärungsproblem.
Ausgestattet mit diesen Defiziten geht es dann an die Berichterstattung, die natürlich unmittelbar auf Eigentumsverhältnisse verweist, was bereits mit der notwendigen Infrastruktur beginnt. Aber: es gibt auch mehr oder minder kritische Medien, die durchaus alternative Inhalte berichten können; auch hier jedoch nur, wenn sie durch private Initiative (z.B. Stiftungskapital) oder horrende Zuzahlen der Leser getragen werden können. Der Funktionslogik des Kapitalismus können auch sie sich nicht beziehen.
Bei einem Parteiorgan sehe ich dieses Dilemma aber eher weniger: hier geht es doch m.E. weniger um die plurale Berichtersattung ÜBER die Welt, sondern um parteipolitische Informationen (Direktiven, Beschlüsse, organisatorische Dinge etc.); es ist insofern Organ wie es agitatorisch auf bestehende und potenzielle Mitglieder einwirken kann. Aber das korrespondiert natürlich mit den rechtlichen Grundlagen und dem Selbstverständnis der Partei.
Einem Selbstverständnis, dass ich bei Dieter Carstensen doch arg gefährdet sehe. Die Linskpartei soll doch gerade nicht eine beliebige Formvariation kapitalistischer Organisation sein, insofern kommt der basisdemokratischen Teilhalbe möglichst vieler Genossen oberste Priorität zu. Was du jedoch schon vorurteilsvoll als “Murks” abqualifziert ist mitnichten die Kehrseite der von dir phantasierten “schlauen Partei”. Im Gegenteil muss es das Anliegen einer heterogenen linken Sammelbewegung/Partei sein, allen eine gleichberechtigte Stimme zu geben. Du hingegen scheinst einen elitären Funktionärsapparat zu favorisieren und tappst damit unweigerlich in die Falle der Unkenntnis der Parteiensoziologie. Robert Michels hat bereits 1911 in seinem Buch “Zur Soziologie des Parteiwesens” anhand der SPD und Gewerkschaftsbewegung aufgezeigt, wie ein technokratischer Dirigismus zu Entfremdung und Apathie auf der Mitgliederseite führt und damit unweigerlich zur schadlosen Integration der Bewegung in den Status quo sowie ihrer inneren Aufsplitterung.
Wenn ich die Initiative der BAG Reporter richtig deute, geht es hierbei auch weniger um das Blättchen “Disput” (in der Tat kein Theorieorgan), sondern um die Frage, wie mittelfristig eine stärker Kommunikation zwischen Basis und Parteispitze erzeugt werden kann. Dazu bedarf es einer veränderten Kommunikations-, Informations- und Netzpolitik; ein Reform der Produktion und Distribution des “DISPUT” mag hierfür nur ein Anfang sein. Es bedarf vielmehr, um jüngere Mitglieder dauerhaft für Themen zu interessieren.