Nicht akzeptabel

Die Süddeutsche sieht die Linke „im tiefen Tal des Desinteresses“
und schreibt darüber gleich einen großen Beitrag. Das sieht auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aus, verweist aber auf ein real existierendes Problem, über das sich die SPD natürlich freut. Die Linkspartei hat schon öfter kritisiert, dass Medien über die Linken negativ oder gar nicht berichten. Der frühere Bild-Kolumnist Oskar Lafontaine hat es vor ein paar Wochen ausführlich angesprochen: „Nicht nur in der Springer-Presse oder im Spiegel, sondern auch in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten werden wir benachteiligt. So wurde etwa in einer Hauptnachrichtensendung des ZDF in den letzten Wochen über die Grünen fünfzehnmal soviel berichtet wie über die Linke. Das ist unter demokratischen Gesichtspunkten nicht akzeptabel.“ Nun wird Gesine Lötzsch mit der Idee zitiert, „Parteien entsprechend ihrer Wählerbasis in den Medien gewichtet darzustellen“. Das klingt ein wenig nach der 60-40-Quote aus DDR-Rundfunkzeiten und wirft jede Menge Fragen auf. Wer kontrolliert das? Was ist mit der Verfassung? Muss das Neue Deutschland dann seine Linken-Berichterstattung einschränken oder ist freiwillig mehr erlaubt? Sind aktuelle Umfragen ausschlaggebend oder frühere Wahlergebnisse? Was würde das für die Regionalpresse im Südwesten heißen, wo die Landesverbände der Linken den Sprung in Landtage noch nicht geschafft haben? Und so weiter. Man kann nur hoffen, dass die Idee auf Desinteresse stößt. Das wäre in diesem Fall ganz im Interesse der Linken. (tos)

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14 Kommentare zu “Nicht akzeptabel”

  1. Halina sagt:

    Am Anfang sollte zunächst eine Analyse der Medienrezeption stehen. Wieviel Menschen informieren sich über sog. alte Medien und wieviele über sog. neue Medien? Wie sind die Zukunftsanalysen in diesem Bereich? Und dann würde ich mal fragen, wie DIE LINKE in neuen Medien rüberkommt (wobei sie da auch selbst Verantwortung hat).

  2. tos sagt:

    @halina: gibts sowas noch nicht? irgendwelche studien über die rezeption wird der pv doch schon gemacht haben in den vergangenen jahren, oder?

  3. Die Linke nun wieder, tztztz!

    Eine der Stärken unserer Demokratie, so sehe ich das, ist die Pressefreiheit.

    Es gab zig Skandale, die ohne unsere freie Presse nie aufgedeckt worden wären.

    Wer liberale Zeitungen, wie die “Süddeutsche Zeitung” oder die etwas konservativere “Rheinische Post” aufmerksam liest, ist oft verblüfft, was auch diese Zeitungen so alles an das Tageslicht der Öffentlichkeit bringen.

    Natürlich passt es mal dieser oder jener Partei nicht, wie und in welchem Umfang über sie berichtet wird.

    Aber eine Forderung wie die von Gesine Lötsch halte ich für absurd und, mit Verlaub “schusselig” um es freundlich zu formulieren.

    Irgendwie erinnert mich das an Franz Josef Strauss: Der betrieb auch immer Medienschelte, in seiner polternden unsachlichen Art, wenn er meinte, seine CSU würde nicht ausreichend in der Presse gewürdigt.

    Erstaunlich, jetzt solche Gemeinsamkeiten zwischen der CSU und der Die Linke entdecken zu müsssen.

    Als Dieter Dehm, heute bei der Die Linke Niedersachsen eine führende Person, noch als Liedermacher unter dem Namen “Larryn” unterwegs war, ich habe ihn 1974 live gesehen auf einer Veranstaltung der Jusos in der SPD, hatte er ein Lied im Programm, wo er sang:

    “Das beste Scheisshauspapier hoam mir, dem Franz Josef Strauss sei Bayernkurier … holadiho und holadijo …”

    Ich halte Zeitungen wie das “Neue Deutschland” oder “Die Junge Welt” für nicht zitierfähig, sie haben viel mit dem Bayernkurier gemeinsam … “holadiho und holadijo” …

    Wenn Die Linke ihre Pressearbeit dermaßen unprofessionell betreibt, sollten Oskar Lafontaine und Gesine Lötsch nicht rumjammern, sondern mal überlegen, was zu verbessern wäre …

    Was mich an der Die Linke und der CSU stört, ist ihr einfaches “schwarz-weiss Denken”

    Viele Journalisten, auch bei bürgerlichen Medien, haben gar nichts gegen Die Linke, aber kein Journalist kann berichten, wenn nichts an Substanz rüberkommt.

    So einfach ist das.

  4. tos sagt:

    Deutschlandfunk, 14-Uhr-Nachrichten, Aufmacher: Landesparteitag der NRW-Linken

  5. Juergen Angelbeck sagt:

    Warum wird in diesen Zusammenhängen nicht danach gefragt, ob das Vorkommen der LINKEN in der medialen Verarbeitung nicht auch von dem Umfang dessen abhängen könnte, was die LINKE an “politischen Produkten” mit Neuigkeitswert auf den Markt bringt?
    Mit gebetsmühlenartiger Widerkäuerei abgestandener “Alleinstellungsmerkmale” könnten rechnerisch zwar “Quoten” in Presse, Funk und Fernsehen erfüllt werden; eine objektive Qualitätsverbesserung im Sinne der Steigerung von Attraktivität linker Politikangebote wäre so allerdings nicht erreicht. Ausschlaggebend dürfte alltäglich die Antwort auf folgende Frage sein: Was gibt es Neues von und bei der LINKEN? Genau an dieser Stelle hapert es, weil leider tatsächlich das Neue zumeist nur von innerparteilichen Grabenkämpfen und einer ziemlich unkultiviert geführten Rauferei um die besten Plätze am “Fresstrog” bezahlter Politikarbeit (Mandate, Mitarbeiterumfeld) hervorgebracht wird.

  6. tos sagt:

    @carstensen/angelbeck: “nichts an Substanz”, “nichts Neues” – und was wäre nun etwas “attraktives” neues mit substanz?

  7. Thomas sagt:

    @Halina:

    Also – aus meiner Sicht sollte vor einer Analyse der Medienrezeption erstmal eine Defizitanalyse des Medienverständnis’ von diversen Partei-ProtagonistInnen und -Institutionen stehen. (-:

    Solange etwa Ulla Jelpke nicht mit dem Spiegel reden will,

    solange etwa die NRW-Linksfraktion mit ihren News quasi auschließlich die jW bespielt, gleichzeitig mit einer erklecklichen Anzahl von bösen Mainstreampresse-Journis in NRW nicht redet und in der Folge ihren Pressesprecher verschleißt,

    solange Proporzregelungen für die Berichterstattung über Parteien bei den Öffentlich-Rechtlichen

    - ideengeschichtlich übrigens eine Ausgeburt der irrwitzigen Noelle-Neumannschen Schweigespirale

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schweigespirale -

    linksseitig gefordert werden,

    kann man ja generell auch noch der alten Eckhard Spooschen Forderung nachängen,

    nach der alle Medien zu verstaatlichen seien.(-;

    Dann kann man mal fragen, welch’ Demokratie- und Freiheitsverständnis alledem innewohnt.

    Und ist beim Kern des Problems.

    Daß daraus keinerlei linksparteiliche Netzaffinität erwächst, ist nur die andere Seite der Medallie.

    Bzw. einer der Züge, die infolge mangelhafter Chancenverwertung schon längst abgefahren sind. (-:

  8. @tos Lieber Tom Strohschneider:)

    Bin ich Medienberater der Partei Die Linke?

    Ich bin da kein Mitglied und erst recht nicht ihr Berater.

    Wenn die nicht selber drauf kommen, wie Medienarbeit funktioniert …

    Dann sieht es schlecht aus!

    M.f.G.

    DC

  9. Juergen Angelbeck sagt:

    @tos: Ein weites Feld! Für die Vorstellung zahlreicher Initiativen mit dem Ziel der Herstellung von nicht länger zu übersehender Unterscheidbarkeit einer linken Partei im politischen Kräftegefüge ist hier kein Platz. Allein die jeweils “abgewürgten” Vorstöße zur Entrümpelung der LINKEN von sozialdemokratisch eingefärbten und als untauglich erwiesenen Positionierungen füllten Bände. Brandaktuell hier ein Link auf Gedanken, an denen sich abzuarbeiten durchaus lohnen könnte: (http://www.rotfuchs.net/Zeitung/Aktuell/RF-155-12-10-Extra.pdf)
    Entlang der von OL bezeichnenderweise (meine ich nicht negativ!) in diesem Medium gezogenen Linie eröffneten sich für die LINKE auch Muster für tagespolitisch Herausforderungen und Herangehensweisen, die wegen ihrer dann garantierten Andersartigkeit durchaus den von mir angesprochenen Neuigkeitswert auslösen könnten.
    Im Übrigen: Ich stelle Dir, tos, aus gutem Grund nicht die Frage, wann die LINKE welche attraktive Neuigkeit lieferte, von der Du vielleicht meinst, dass sie medial bewußt unterschlagen wurde. Die Auflistung der Details gehört in die innerparteiliche Debatte und nicht in diesen Blog – finde ich! Womöglich irre ich. Dann würde ich aber mindestens voraussetzen, dass hier ausschliesslich mit offenem Visier und Klarnamen ohne Konspiration aus dem Dickicht von Decknamen diskutiert wird.

  10. Juergen Angelbeck sagt:

    Soeben war im ZDF (Berlin direkt) ein längerer Beitrag über die LINKE sowie ein Interview mit Sabine Lötzsch zu sehen und zu hören.

  11. Sebald sagt:

    Ich denke, dass die negative Mediendarstellung der Linken nicht in erster Linie die Schuld der Linken ist, sondern es gibt da einfach den Wunsch vieler Chefredakteure von Mainstreammedien, die Linke nach Kräften zu behindern. Diese Linie wird auch bei Redaktionskonferenzen immer wieder deutlich gemacht. Ich kenne Journalisten, die bei Mainstreammedien arbeiten, und die die Linke wählen, die dies aber niemals in ihren Redaktionen zugeben würden. Dort wird die Linke eben noch immer geächtet, und ein Redakteur, der eine Sympathie für die Linke zeigt, müsste Angst um seinen Arbeitsplatz haben.
    Ich sehe derzeit eigentlich nur die Chance, die Benachteiligung der Linken in den Medien zu thematisieren. In den neuen Bundesländern funktioniert das nach meinem Eindruck schon ganz gut, da wird der Spiegel von vielen als Lügenblatt betrachtet. Auch die mediale Schlammschlacht zu Beginn der rot-roten Regierung in Brandenburg hat der Regierung nicht wirklich geschadet. In den alten Bundesländern klappt das nach meinem Eindruck noch nicht so.
    Ansonsten fand ich den Auftritt von Gesine Lötzsch im ZDF sehr gut, vor allem, weil sie Klartext zum Thema Auslandseinsätze der Bundeswehr geredet hat. Weiter so!

  12. DIE LINKE stellt im schönen Weinheim einen von 43 Stadträten. Wenn der Vorschlag von Gesine Lötzsch Wirklichkeit würde, bräuchte ich hier keine Pressearbeit mehr machen. Wir haben in der hiesigen Presse (zwei Tageszeitungen und drei Werbeblättchen) im Jahr 2010 über 140 Mal inhaltliches (!) Presseecho gefunden, mehr als manche “große” Partei.

    Wir haben hier vor Ort aber auch nie die Presse beschimpft, sondern sie regelmäßig statt mit “Presseerklärungen” gleich mit “richtigen” Artikeln versorgt. Da auch die Zeitungsredaktionen unter Kostendruck arbeiten, empfinden die Journalisten das durchaus als hilfreich. (Die neoliberalen Propagandisten der INSM haben das schon lange erkannt und machen es genauso.) Die eingereichten Artikel sollten allerdings nicht nur daraus bestehen, die “Bösen” niederzumachen, sondern sehr sparsam mit Wertungen umgehen und stattdessen Infos enthalten, die für die Redakteure einen Neuigkeitswert enthalten, und sei die Neuigkeit auch nur der aktualistierte Stand bei einer Unterschriftensammlung – der Grund der Sammlung muss ja dennoch jedesmal wieder kurz erklärt werden.

    Bei der Fusion von PDS und WASG hieß es immer, dass unsere Partei von unten wachsen – also ein kommunales Fundament auch im Westen aufbauen – muss. Wenn die “großen” Medien zu wenig über DIE LINKE berichten, dann hilft wohl kein Lamentieren. Es muss vielmehr jeweils vor Ort am Aufbau einer eigenen Pressearbeit gearbeitet werden. Je mehr sich das dann verbreitert, umso eher kommen auch die “großen” Medien nicht um DIE LINKE herum.

  13. Juergen Angelbeck sagt:

    @Carsten; Ich möchte Dir ganz ausdrücklich zustimmen. Auch in Ravensburg gab es nie Probleme mit der von Linken gemeinhin als reaktionär eingestuften regionalen Monopolzeitung. Im Gegenteil – unsere “Presseservices” – und zwar solche ohne den Deut einer Kritik an der eigenen Partei (!) – wurden sogar wortwörtlich übernommen.
    Andererseits weißt du aber auch, dass wir insoweit mit Ausnahmen zu tun haben. Nicht wegen der Redaktionen und deren angeblich feindlicher Gesinnung, sondern wegen Fehlens einschlägiger Kompetenz und Professionalität bei den allermeisten Kreisverbänden – jedenfalls in dem von mir ziemlich gut einschätzbaren Baden-Württemberg. Dort gehört es gleichsam zum guten Ton, als “richtiger Linker” mit der “bürgerlichen Presse” auf Kriegsfuß zu stehen. Wehe dem, der mit den Medien kann – der mutiert unversehens in der landestypischen parteiinternen Kolportage mindestens zum FDS`ler, zum Bartschisten oder gar zum schlichten Reaktionär.
    Dein sehr angebrachter Hinweis auf die logischen Konsequenzen besagten Vorschlags von Gesine Lötzsch zeigt übrigens welche Kaliber an Kompetenz und Professionalität sich die Linke an ihrer Parteispitze leistet.

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