Europapolitik lesen
An dieser Stelle drei Lektürehinweise gewissermaßen als Nachlese zur Pariser EL-Konferenz: Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat einen zweiten Band mit Berichten über linke Parteien in Europa veröffentlicht – Von Revolution bis Koalition. Er vertieft und erweitert eine bereits im Frühjahr 2009 erschienene Sammlung und bietet vergleichende Analysen sowie Länderberichte an. Cornelia Hildebrandt, die bei der Stiftung Referentin für Parteien und soziale Bewegungen ist, blickt dabei auch auf die verschiedenen „europapolitischen Positionen“. Die sind nicht nur zwischen den Parteien verschieden, sondern auch innerhalb der Organisationen umstritten, wie man von der deutschen Linken zur Genüge weiß. Deren Haltung zur EU zieht sich wie ein roter Faden durch einen Schwerpunkt in der aktuellen Neue Gesellschaft – Frankfurter Hefte, der sich im Rahmen der Mitte-Links-Debatte den außenpolitischen Hürden einer rot-rot-grünen Zusammenarbeit widmet.
Die Europaabgeordneten Jo Leinen und Rebecca Harms sprechen zwar inhaltliche Übereinstimmungen an, verweisen aber wie üblich auf den „Europa-Skeptizismus“ bzw. die Gefangenheit „in einem nationalstaatlichen Denken, das eine eindeutige pro-europäische Positionierung verhindert“. Auf den Vorwurf antwortet André Brie, der zwar ebenfalls beklagt, dass in der Linkspartei eine „offensive proeuropäische Position praktisch nur noch von einigen ostdeutschen Landesverbänden getragen“ werde. Der frühere Europaparlamentarier sieht „Revisionsbedarf“ aber nicht nur bei der Linken – dies allein werde, mit Blick auf die außenpolitischen Differenzen im rot-rot-grünen Spektrum, eine „Lösung dieses Problems jedoch nicht ermöglichen“. Es müssten vielmehr „der SPD ebenfalls nicht geringe Veränderungen und resozialdemokratische Korrekturen ihrer Europapolitik abverlangt werden“, wobei es auch um eine selbstkritische Haltung zur rot-grünen Verantwortung für Lissabonprozess sowie EU-weite Flexibilisierung und Deregulierung. Andernfalls bleibe die europapolitische Positionierung der SPD selbst bloß „Populismus, reine Taktik“, so Brie.
Abschließend noch ein Hinweis auf die aktuelle Ausgabe der Kommune, in welcher der in Brüssel lebende Volkswirt Rainer Emschermann die langfristige Finanzplanung der EU auseinandernimmt: Der bisweilen grüne Anstrich bei der Entwicklung des Haushaltes, in dem Umwelt- und Wachstumsmotive eine stärkere Rolle spielen als bisher, dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, „dass Subventionen leider auch weiterhin Vorrang vor europäischem Mehrwert genießen sollen“. (tos)
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Für “Realpolitiker” finde ich das bemerkenswert an der politischen Realität vorbei. Wer es gut meint mit Europa sollte sich einer ernsthaften Debatte widmen: Die EU durchlebt die schwerste Krise seit ihrer Existenz, der Euro brennt und Rechtspopulisten haben Auftrieb in Europa. Die EU-Verträge sind im Prinzip schon nach einem halben Jahr gescheitert und dazu findet sich bei Brie & Co kein (ernsthaftes) Wort
Ich würde ja mal gerne wissen was eine pro-europäische Positionierung ist? Sicher ist: Sozialabbau gegen die Bevölkerungsmehrheit in Europa ist es nicht.
Die Schallplatte mit dem nationalstaatlichen Denken ist niveaulos. Die EU ist immer noch überwiegend ein Cocktail der großen Player Sarkozy und Merkel. Man kann aber nicht einen Schuss Sarkozy und einen Schluck Merkel bitter finden, aber den Cocktail mit Begeisterung schlürfen.
Da finde ich die Position von Tommy Nord hilfreicher
Er fordert angesichts von Euro-Krise eine grundlegende Revision der EU-Verträge.
http://www.linksfraktion.de/reden/europa-retten-nicht-banken/
DIE LINKE wurde hier in ihrer Position bestätigt. Und auch bei der SPD/Grünen setzt ein Umdenken ein (wenn auch eine klare Minderheitenposition). Siehe etwa DEnkanstösse Institut Solidarische Moderne