Bilanzen II
“Wutbürger” ist Wort des Jahres und ausnahmsweise ist mal kein prominenter Linken-Politiker damit gemeint. Ob die Kurbjuweitsche Neuschöpfung angemessen beschreibt, was da in Stuttgart und bei Sarrazin-Lesungen anno 2010 geschehen ist, sei einmal dahingestellt. Eine Antwort darauf, „warum die Deutschen so viel protestieren“, gibt der Spiegel-Mann jedenfalls nicht. Beziehungsweise eine falsche. Besser ist es, man fragt gleich jene, die über alle Demo-Konjunkturen hinweg die mühsame Arbeit der politischen Mobilisierung betreiben. Das Neue Deutschland hat das getan: „Die besser gestellte Mittelschicht geht auf die Straße, die Marginalisierten bleiben zu Hause? Wie lief das Jahr 2010 für soziale Bewegungen? Acht Aktivisten aus verschiedenen politischen Spektren und Politikfeldern ziehen Bilanz.“ Tatsächlich sind es in der Papierausgabe zwar nur sieben und im Internet tauchte am Mittwochmorgen einer doppelt und dafür ausgerechnet die einzige Frau gar nicht auf (Nachtrag: Inzwischen haben die Kollegen aus der acht eine sieben gemacht und Katja Maurer von medico international gibts jetzt auch online.) Aber daran würde allenfalls ein „Wutbürger“ Anstoß nehmen. Die anderen können sich das Neue Deutschland ja einfach mal kaufen. (tos)
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