Kommunismus im Bundestag
Kommunismus ist in der Bundesrepublik ein rotes Tuch. Wobei viele, die darüber reden, nicht wissen, was das eigentlich sein soll. Manche meinen damit Nordkorea, manche Kuba, manche Sahra Wagenknecht und manche fast schon Oskar Lafontaine. Und die DDR sowieso, obwohl die nun wirklich nicht kommunistisch war. Ihnen allen hat Dagmar Enkelmann ein dankbares Reizthema vor die Füße geworfen: Die parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion im Bundestag hat vorgeschlagen, dem Wandbild „Lob des Kommunismus“ des Malers Ronald Paris im Parlament ein neues Zuhause zu geben. Das zwei mal elf Meter große Gemälde befindet sich noch im Gebäude des DDR-Zentralamts für Statistik, das abgerissen werden soll. Die Linksfraktion will deshalb im Parlament beantragen, dass der Bund die Kosten für die Umsiedlung und Erhaltung des Werkes übernimmt – ebenso für das Wandbild „Der Mensch, das Maß aller Dinge“ des kürzlich verstorbenen Walter Womacka, das dieser Tage vom einstigen DDR-Bauministerium entfernt und vorerst eingelagert wurde. Die Bewahrung solcher Werke liege im öffentlichen Interesse, argumentiert Enkelmann. Nun könnte der Bund an einer Stelle, die nicht übermäßig viel Geld kostet, zeigen, wie ernst es mit den Sprüchen über das Zusammenwachsen von Ost und West zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit ist. Und die Botschaft der beiden Kunstwerke dürfte auch akzeptabel sein. Schließlich findet sich auf der Website von Angela Merkel das Bekenntnis „Im Mittelpunkt unserer Politik steht der Mensch“. Und in der literarischen Vorlage für das Wandbild von Ronald Paris, Bertolt Brechts Gedicht „Lob des Kommunismus“, heißt es am Ende: „Er ist das Einfache, Das schwer zu machen ist.“ Dieses Gefühl dürfte wohl so ziemlich jeder Politiker kennen – egal, aus welcher Partei.
Was die Linke bei ihrer Idee wohl nicht beachtet hat: Das Paris-Werk hat längst eine neue Heimstatt gefunden. Schon in wenigen Tagen wird das “Lob des Kommunismus” im Berliner DDR Museum zu sehen sein. (wh)
