Emotional involviert
Man hat schon viel über Gleichsetzungen und Vergleiche von und zwischen Diktaturen – meistens geht es um Hiltlers Drittes Reich und die DDR – gelesen und gehört. So plump und offenbar dämlich wie in einer Wanderausstellung der Bundesamtes für Verfassungsschutz, die derzeit im Dresdner Finanzministerium zu sehen ist, sieht die Sache aber selten aus. Der sächsische Landtags-Linksfraktionschef André Hahn hat sich die Ausstellung angesehen und war entsetzt. Auf seiner Internetseite beschreibt er einige der peinlichen Unsäglichkeiten. So könne man auf einem interaktiven Display den Begriff Linksextremismus antippen und bekommen ein Foto mit “schwarz-braunen, offfenbar gewaltbereiten Gestalten mit Schutzhelmen” zu sehen. Klickt man dann den Button “Parteien” an, lande man bei der Linkspartei. Das könnte man noch unter dem üblichen Extremismus-Gaga abbuchen. Aber auf einigen laut Hahn “die Ausstellung dominierenden Tafeln” zum Thema “Extremisten an der Macht” werde einerseits das Naziregime umter anderem mit einem Hitler-Foto dargestellt, andererseits (“Linksextremisten an der Macht”) die DDR mit Porträtfotos der SED-Spitzenfunktionäre Honecker, Sindermann, Axen (allesamt Häftlinge in Nazi-KZ und -Zuchthäusern) und Stoph. Zwischen den “beiden Diktaturen” eine Josef-Goebbels-Pappfigur. Das Ganze klingt wie absurder Geschichts-Jahrmarkt. Aber es wird mit wissenschaftlichem Anspruch präsentiert. Ausdrücklich angeboten werden Führungen für Schulklassen. Und die werden dann sicherlich “emotional involviert”, wie es auf der Website der Schlapphüte heißt. (wh)
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Ja, warum eigentlich wird Geschichtsfälschung mit Emotionen belegt? Es funktioniert. Es funktionierte schon immer. Und die Punkte der Hauer und Stecher in den ideologischen Scheingefechten des bunten deutschen Politkabaretts zu zählen, ist überflüssig wie ein Kropf, oder? Wen der Heiligenschein drückt, der werfe den ersten Stein!