Kein Tribunal
Nun also wird mit Doppelspitze: Klaus Ernst hat heute im Berliner Karl-Liebknecht-Haus seinen bereits gestern durch Gregor Gysi bekannt gemachten Vorschlag den Medien erläutert, nach dem Mandatsträger, denen zusätzlich Zulagen für die Tätigkeit in Partei und Fraktion zustehen, künftig nur noch eine von beiden bekommen sollen. Außerdem soll eine Arbeitsgruppe im Parteivorstand gebildet werden, von der allerdings bisher weder bekannt ist, wer darin sitzen noch worüber genau diese beraten soll. Ernst räumte Fehler in der Kommunikation ein und verwies darauf, dass er „breite Solidarität“ im Vorstand erfahren habe. All das mit einer sowas von guten Laune, dass es manchem der zahlreich anwesenden Journalisten schon wieder peinlich war. Von denen, lächelte Ernst die Gehaltsdebatte hinweg, habe wohl der eine oder andere ein Tribunal erwartet. Doch ein solches, so der Vorsitzende, habe bei der Beratung des geschäftsführenden Vorstandes und der Landesvorsitzenden keineswegs stattgefunden. Über die Atmosphäre in der Runde verriet Gesine Lötzsch immerhin so viel („ein offenes Wort in geschlossener Runde“), dass auch Ernst seinen Redeeifer nicht mehr bremsen konnte: Es habe eigentlich kein böses Wort gegeben, auch nicht gegenüber denen, die es seiner Meinung nach verdient hätten. Wetten darauf, dass auch die sechs Themen der ebenfalls auf der Pressekonferenz vorgestellten linken Herbst-Agenda morgen in den Zeitungen auftauchen, werden nicht angenommen. Fürs Protokoll: Proteste gegen das Sparpaket, Widerstand gegen die Klassenmedizin, Stopp der Rente mit 67, Unterstützung der anstehenden Lohnkämpfe, Initiativen für mehr Steuergerechtigkeit, Opposition gegen den schwarz-gelben Atomkurs. (tos)
Drucken