Inhalte – aber welche?

Inhalte – aber welche?

Bild 1Über mangelnde mediale Berücksichtigung wird sich die Linke kaum beklagen können, bei der Frage, wie und was da berichtet wird, lautet ihr Urteil meist: „Kampagne gegen die Partei“. Klaus Ernst hat diese Kritik am Montag abermals formuliert, wobei die häufige Wiederholung über deren Richtigkeit noch nicht viel aussagt. Die Zeitungen breiten sich am Tag nach der linken Spitzenrunde mehr oder weniger kenntnisreich über die beiden Vorschläge in der Gehaltsdebatte aus, was der Partei nicht recht sein kann, will sie doch lieber mit Politik Schlagzeilen machen. Eine kleine Medienschau:

„Nicht Spesen, sondern Inhalte – aber welche?“, fragt sich die Frankfurter Allgemeine. Die Süddeutsche nimmt einen Satz des Linkenchefs auf, nach der auch jener links sein darf, der nicht arm ist. Bei der Welt ist man der Zeit weit voraus, „Linke beschließt Einkommens-Grenze für Parteispitze“ heißt es da, was einfach nicht stimmt. Und auch die Junge Welt hat schon den „Abschluss der Vergütungsdebatte in Sicht“, die doch mit der Arbeitsgruppe jetzt eigentlich erst richtig, das heißt losgelöst von einer Person und für alle gültige Grundsätze aufstellend, losgehen müsste. Ob und wie das der Linken gelingt, wird sich zeigen. Beim Forum demokratischer Sozialismus hieß es gestern, in der nun anstehenden Diskussion solle auch die Frage der Abführung von Aufsichtsratstantiemen in den Blick genommen werden, da inzwischen viele Linkenpolitiker auf kommunaler Ebene solche Mandate innehaben. Man könne sich hier, so das fds, an den Regelungen der Gewerkschaften wie etw der IG Metall (hier) orientieren – und, ja, das Forum sei nicht glücklich, dass auch einige „Reformer“ versucht hätten, aus der Gehalts- eine Debatte über den Linkenvorsitzenden zu machen. Ob Kampagne der Medien oder nicht, ob die Linke nur ein Kommunikationsproblem hat oder doch mehr, ob die Wogen nun geglättet sind, wie Gregor Gysi meint, oder ob neue an die Berliner Parteizentrale branden – der monothematische Klaus-Ernst-Sommer 2010 wird Spuren hinterlassen. „Ob Ernst kapiert hat, was sich in der Partei alles gegen ihn zusammengebraut hat?“, fragt sich der Tagesspiegel und meint, „vom Ärger über ihn als Typ will er nichts wissen.“ Und das Neue Deutschland sieht noch ein anderes „verheerendes Signal“: Die Führung der Linken „weicht vor allem dem Druck der Medien“. (tos)

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