Deutlicher Eindruck

Wenn die Linke bisher nicht gerade als netzpolitische Avantgarde wahrgenommen wurde, dann lag das sicher nicht an der bösen Mainstream-Presse. Und es lässt sich auch nicht auf eine kulturell und generationenmäßig mehrheitlich „vor dem Web“ sozialisierte Anhängerschaft schieben. Netzpolitik hat in der Partei einfach eine zu schwache Lobby und die Selbstorganisierung von netzpolitisch Interessierten war bisher nicht allzu erfolgreich. Was keineswegs heißt, dass da nichts passiert. Zum Beispiel Ende Mai auf einer Tagung der Rosa-Luxemburg-Stiftung unter der Überschrift „Kapitalismus Dot Com“, zu der es nun eine Dokumentation im Netz gibt.

Und sonst? Im Sozialismus-Bild des Programmentwurfs, darauf haben gerade erst vier jüngere Bundestagsabgeordnete der Linken hingewiesen, spielt „eine der größten gesellschaftlichen Veränderungen (…) überhaupt keine Rolle“: die digitale Welt. Der Komplex „moderne Kommunikationsmittel“ (es geht also nicht um Brieftauben) findet sich als Unterthema eines eher klassisch gebürsteten Punktes über die demokratische Kontrolle der Medien, das Wort Internet taucht gerade zwei Mal auf. Produktionsbedingungen, Eigentumsfragen, “das Soziale” im Digitalen, die Chancen … all das scheint ziemlich unterbelichtet. Seit geraumer Zeit stemmt sich eine Minderheit gegen diese Form des Desinteresses: unter anderem in der AG Digitale Demokratie und auf der Webplattform Digitale Linke, einem Querschnittsprojekt diverser Arbeitsgemeinschaften.

Praktisch wird die Herausforderung mit netzpolitischen Themen derzeit unter anderem in der Enquete-Kommission des Bundestags „Internet und digitale Gesellschaft“, in der Constanze Kurz vom Chaos-Computer-Club für die Linke als Sachverständige sitzt. Und warum nun ausgerechnet für die eher analogen Genossen? Es gebe zwar in allen Parteien „Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten können, auch wenn wir mit ihnen nicht in allen Punkten einig sind“, antwortete Kurz darauf unlängst in einem Interview im Freitag. Allerdings habe sie bei den Vertretern der Linken „am deutlichsten den Eindruck, dass sie die Arbeit in der Kommission kommunikativ gestalten wollen, im Austausch, an der Sache orientiert. Und dass sie auch in ihre Partei hineinwirken wollen, was die Netzpolitik angeht.“ Ob der Vorteil also ausgerechnet darin bestehe, so eine Nachfrage, dass die Linke bisher „keine Position zu diesem Thema hatten“? Kurz: „Die bildet sich gerade.“ Siehe oben. (tos)

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2 Kommentare zu “Deutlicher Eindruck”

  1. “Das Internet und Die Linke: Zwei Welten begegnen sich.”
    Mit dieser, oder einer ähnlichen Überschrift, würde ich einen Artikel beginnen, der sowohl die bei der Die Linke vertretene (Nicht-)kompetenz, als auch ihre Internetpräsenz beschreibt.
    Wenn eine Partei Millionen von Internetusern erreichen will und für diese interessant werden möchte, muß sie zunächst einmal ein dezidiertes politisches Programm zum Stand und zur Weiterentwicklung des Internets entwickeln, welches Persepktiven für die Zukunft bietet.
    Davon ist bei der Linken bisher nichts zu entdecken. Eine clevere Partei würde die Internetuser über breit gefächerte Internetaktionen und -befragungen zum Thema in die Entwicklung eines solchen Programms einbinden, sich dabei auch für Nichtmitglieder öffnen und interessant machen.
    Eine solche Vorgehensweise, wenn sie ernst gemeint ist und nicht nur als Alibi dient, könnte eine Lawine ungeahnten Ausmasses zugunsten der Linken im Inet auslösen.
    Aber wer bei der Linken hat die Kenntnis und Durchsetzngskraft für so etwas?
    Ich sehe da wenig Hoffnung. Die Internetdarstellung der Die Linke Kreisverbände, Landesverbände, Abgeordneten etc. pp. ist meist schon von der Grafik unansprechend und altbacken, meist von plakativen Selbstdarstellungen geprägt, Möglichkeiten zur Interaktion mit den Homepagebesuchern von Seiten der Die Linke, wie Umfragewidgets, offene Blogs oder Tagebücher etc. gibt es so gut wie garnicht.
    Wer klickt solche Seiten öfter an, wenn er nicht sowieso Parteimitglied ist?
    Wer sich schon auf seinen eigenen Seiten dermassen schlecht im Inet darstellt, wer traut dem Internetkompetenz zu?
    Eine rühmliche Ausnahme ist für mich da lediglich der Thüringer Die Linke Fraktionsvorsitzende Bodo Ramelow mit seiner Homepage, die ihn auch als Mensch über sein Tagebuch erlebbar werden lässt und seine wirklich interaktive Twitter und Facebook Präsenz.
    Die meisten “Granden” der Die Linke versagen aber schon in den Socialnetwoks, weil sie nicht wirklich kommunizieren, sondern nur ihre Meinung plakatieren.
    So etwas merkt sich die Internetgemeinde und zwar negativ. Die Linke ist internetmässig im Dornröschenschlaf, wäre zu hoffen, sie wird endlich wach.

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