13 Thesen des fds
Das Forum demokratischer Sozialismus (fds) hat nun, wie hier schon angekündigt, seine Programm-Thesen vorgestellt – und es muss an dieser Stelle bei einer kurzen Anmerkung bleiben. Denn die gern so genannten Reformer haben beträchtlichen Lesestoff in die Debatte um die politischen Ziele der Linken geworfen. Ist schon die Kurzfassung der 13 Punkte mit gut sieben recht eng bedruckten Seiten länger als alles, was von den anderen maßgeblichen Parteiströmungen zuletzt in Sachen Programmentwurf veröffentlicht wurde, umfasst die Langfassung sogar 28 Seiten. Das wird manchen Kritiker der Realos nicht von schnellen Reaktionen abhalten und den Medienbetrieb nicht von seinen Platz- und Zeitbegrenzungen befreien. Ob das den 13 Thesen gerecht wird, wird man sehen.
Vieles von dem, was das fds zum Programmentwurf kommt nicht überraschend, einiges davon hat man bereits gelesen und gehört. Deshalb zunächst nur ein paar erste Eindrücke und Bemerkungen, die vielleicht darüber hinausgehen. Die 13 Thesen sind kein vorgezogener Änderungsantrag an den Programmparteitag, sondern ein Element der Selbstverständigung über die Strömungsgrenzen hinaus, auch eines der innerparteilichen Bildungsarbeit. So will es das fds jedenfalls verstanden wissen, und man wird abwarten müssen, ob eine ausführliche und von den machtpolitisch imprägnierten, alten Konfliktlinien in der Linkspartei nicht allzu sehr beeinflusste Diskussion darüber möglich ist. Dabei würde es dann unter anderem um die vorgeschlagenen drei Transformationsprojekte gehen, um die Forderung, das subjektive Moment von Herrschaft ebenso wie von Veränderung in den Blick zu nehmen und die Warnung des fds, bei der Beschreibung (und Auflösung) von Unterdrückungsverhältnissen nicht in alte ökonomistische Verkürzungen zu verfallen. Spannend dürfte werden, wie andere Teile der Linken auf den Vorschlag des fds reagieren, bestimmte und besonders umstrittene Passagen aus dem internationalen Teil des Entwurfs aus der Programmdebatte herauszulösen und parallel dazu eine außen- und sicherheitspolitische Diskussion zu beginnen, die mit einem eigenen, mehr Raum für Differenzierungen bietenden Parteitagsbeschluss enden könnte. Während man sich im Programm „auf die zahlreichen grundsätzlichen Gemeinsamkeiten konzentrieren“ würde. Man hat bei diesem Thema die stark emotionalisierte friedenspolitische Debatte im Ohr. Auch sonst findet man Passagen, die sicher ein Echo auslösen – mag es an ihrer polemischen Zuspitzung liegen oder am politischen Inhalt.
Die 13 Thesen werden jetzt erst einmal kritisch gelesen. Der bisher vorliegende Programmentwurf sei nicht so schlecht, wie manche der ihn verteidigenden Debattenbeiträge tun, heißt es beim fds. Man wünscht sich ein entspannteres Herangehen an die Diskussion und gibt zu bedenken, dass es nicht ums Rechthaben gehe. Wovon auch das den Thesen vorangestellte Zitat des Hannoveraner Philosophen und Politikwissenschaftlers Sebastian Reinfeldt (mehr hier) handel. Ebenso wie jene Bemerkung heute bei der Vorstellung des Papiers, nach der ein für “gut” befundenes Programm ja nicht zwingend davor schützt, dass eine Partei trotzdem “schlecht” handelt. Und umgekehrt. (tos)
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‘Gute Arbeit fair teilen – kurze Vollzeit für alle’ ist eine der hervorstechenden Forderungen der 13 Thesen. Klingt erstmal gut und richtig doch dem wesentlichen Knackpunkt geht man aus dem Weg: Wie halten wir es mit dem vollen Lohnausgleich?
Kuerzer arbeiten ohne vollen Lohnausgleich zu erhalten kann man schliesslich keinem Arbeiter zumuten. Ich habe da aber so meine Befuerchtung, das genau das gemeint war, weil eben genau dieser wichtige Zusatz bei der Forderung fehlt.
Nachtigall ick hoer dir trapsen.
@ralf steht in der langfassung.
7 oder gar 28 seiten papier als beitrag zur bildungsarbeit?
bin gespannt, wie sich das in die debatte in rostock (regionale programmdiskussion) einfügt. da prallen ja eigentlich die unterschiedlichen sichtweisen aufeinander …
@ralf: ist meines erachtens richtig beantwortet – gestaffelter lohnausgleich…
Ich gehöre keiner Strömung an und möchte auch mitdiskutieren. Was mache ich da?
Danke fuer den Hinweis auf die Langfassung.
Ich finde den Punkt des Lohnausgleichs trotzdem nach wie vor unklar. Der Vorschlag ist ja wohl der, zusammen mit der 30 Std Woche eine Umschichtung der Loehne und Gehaelter vorzunehmen in dem Sinne, dass die unteren und mittleren Einkommen vollen Ausgleich bekommen, und die oberen Einkommen etwas abgeben sollen.
Wie wird das obere Management einer Firma jemals Gehaltskuerzungen zugunsten der Mittleren und unteren Lohngruppen akzeptieren? Keine Gewerkschaft der Welt kann das durchsetzen, jedenfalls nicht vor der Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Dies laesst sich nur machen, wenn die Betriebe unter der Kontrolle der Beschaeftigten gefuehrt werden. Oder?