Wechsel in Thüringen

Der Landtagsabgeordnete Thomas Hartung ist heute von der Linken
zur SPD übergewechselt. Der 39-Jährige gab am Morgen seinen Austritt aus Fraktion und Partei bekannt, wie Thüringer Zeitungen berichten. Der Schritt folgt einer längeren Auseinandersetzung zwischen Hartung und der Landespartei, bei der es vor allem um die Weimarer Stadtratsfraktion geht: Hartung hatte im vergangenen Jahr gemeinsam mit anderen die dortige Linksfraktion verlassen und eine „Neue Linke“ gegründet. Man wolle „eine konsequent soziale und ökologische Politik für die Bürger der Stadt“ machen, hieß es damals – was als Kritik an der Politik der Weimarer Linkspartei verstanden werden musste. Ein Mitstreiter Hartungs polemisierte seinerzeit in einem Interview gegen die „angekommenen, etablierten Funktionäre und Mandatsträger im Osten“. Hartung begründete seinen nunmehrigen Schritt mit der „Blockade meiner Arbeit“ und dem „Rufmord durch den Vorsitzenden der Landtagsfraktion, Bodo Ramelow“ sowie anderen Vertretern der Thüringer Linken. Er wolle „in Zukunft damit fortfahren, für konkret linke und soziale Politik von Unten zu arbeiten und dafür mit politischen Kräften zusammenarbeiten, die mir diese Arbeit ermöglichen“. Dass dies nun ausgerechnet die Matschie-SPD sein soll, hinterlässt viele Fragen. Zumal Hartung noch im Januar – als Vertreter der Antikapitalistischen Linken – in einem Interview kritisierte, in der PDS hätten Leute wie Dietmar Bartsch versucht, “uns zur besseren SPD zu stilisieren” beziehungsweise, “die Grenzen zur Sozialdemokratie zu verwischen”. Auf Hartungs Website gab esim Laufe des Vormittags nur einen kurzen aber treffenden Hinweis: “Wegen inhaltlicher und organisatorischer Erneuerung vorübergehend geschlossen.” Erste Reaktionen aus dem Landesverband: Verärgerung und Enttäuschung. Von Anfang an, habe es eine Tendenz zur Privatisierung des Mandats und eine mangelnde Einordnung in die Fraktion gegeben, heißt es bei der Thüringer Linken. “Dass er dazu jetzt eine öffentliche Legende verbreitet, die davon ablenken soll”, so Ramelow, “ist menschlich nicht sonderlich anständig”. Hartung wird sich als parteiloser Abgeordneter in der SPD-Fraktion zunächst mit gesundheitspolitischen Themen beschäftigen. (tos)

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4 Kommentare zu “Wechsel in Thüringen”

  1. otto mueller sagt:

    Na ja, Ramelow kann manchmal auch ganz schön intolerant sein

  2. helmrodt sagt:

    von der AKL zur SPD….

  3. Sperber sagt:

    Links Blinken, Rechts Überholen.
    Die AKL-Bayern färbt auf Thüringen ab :) .

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