Verordneter Antikommunismus

Bundesweit, war aus der Jungen Union zu hören, sollten am 13. August, dem Jahrestag des Mauerbaus, Protestkundgebungen vor Büros der Linkspartei stattfinden. Die einzige derartige Aktion, die es bis in die Medien schaffte, ist aus Mainz überliefert, wo sich Mitglieder der JU und des Rings Christlich-Demokratischer Studenten mit einem Plakat vor dem Landesvorstand der Linken aufbauten. Auf dem Plakat zu sehen: die Mauer, garniert mit der Losung “Freiheit statt Sozialismus”, einem CDU- und CSU-Slogan aus den tiefsten Zeiten des Kalten Krieges. Dass gerade in Mainz, also weit im Westen, unbedingt daran erinnert werden musste, dass die DDR kein Sozialparadies war, wie eine 21-jährige JU-Funktionärin mitteilte, hat einen banalen Grund: Im Frühjahr 2011 wird der rheinland-pfälzische Landtag gewählt, und die Linke hat trotz aller internen Auseinandersetzungen die Chance, in ein weiteres Landesparlament West einzuziehen. Schafft sie es, wird es für die ohnehin nicht besonders starke Landes-CDU noch schwerer, SPD-Ministerpräsident Beck vom Thron zu stoßen. Da möchte man die Linke gern draußen halten oder sie zumindest als mögliche Partnerin der SPD madig machen.

Auch die Berliner Junge Union hat sich zum 13. August etwas einfallen lassen: die Forderung nach einem Verbot der Symbole von NVA, Stasi und SED. Dass manche jungen Leute mit solchen Symbolen auf dem T-Shirt herumlaufen und das hipp finden, geht der JU zu weit – Nostalgie müsse klare Grenzen haben. Das geht nun wieder selbst dem ganz und gar nicht DDR-freundlichen Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin zu weit – Verbote seien kaum sinnvoll und reizten Jugendliche erst recht zur Übertretung. Die Berliner Junge Union weiß zum Glück, wer wenigstens mitschuldig ist an den losen Geschichtssitten: SPD und Linke. Beide Parteien hätten nämlich die DDR-Vergangenheit nur halbherzig aufgearbeitet, bestenfalls. Was man dagegen tun kann, hat die JU auch verraten: beispielsweise “verpflichtende Exkursionen zu authentischen Gedenkstätten” für Schüler. Das nennt man Gleiches mit Gleichem vergelten: Kommt jetzt der verordnete Antikommunismus? (wh)

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Ein Kommentar zu “Verordneter Antikommunismus”

  1. RN sagt:

    nee, Strategie

    http://de.wikipedia.org/wiki/Strategie_der_Spannung_%28Italien%29

    die Geschichte wiederholt sich so nicht aber das Grundlagenwissen; in der BRD lief das anders

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