Teure Manager

Weil gerade so viel über Gehälter geredet wird (erst Linkenchef Klaus Ernst, dann die Rundfunk-Intendanten), folgt sogleich die nächste Runde: Eine Nachrichtenagentur hat sich erkundigt, was eigentlich die Chefs der Berliner Landesunternehmen verdienen. Ergebnis eins: Sie verdienen allesamt – bei einer Staffelung von 499.000 Euro im Jahre 2009 für den Chef der Berliner Messe bis zum Zoodirektor mit rund 130.000 – nicht schlecht, meistens deutlich mehr als die Berliner Landespolitiker (der Regierende Bürgermeister hat 147.000, Senatoren etwa so viel wie der Zoochef). Viele lassen auch die Bundespolitik (Kanzlergehalt rund 250.000 Euro) locker hinter sich. Ergebnis zwei: 2009 konnten die Berliner Chefmanager ihr Einkommen um durchschnittlich 2,5 Prozent steigern. Auch hier liegen die Geschäftsführer der Messe mit einem Plus von acht bzw. sieben Prozent vorn. Davon können Arbeitnehmer nur träumen. Der rot-rote Senat bekennt sich ausdrücklich zu dem dicken Plus: Das Unternehmen habe sich außerordentlich positiv entwickelt und seine Ziele übererfüllt, schreibt Wirtschafts-Staatssekretärin Almut Nehring-Venus (Linke) zur Begründung. Allerdings räumt man beim Senat auch ein, dass die Bezahlung nicht in jedem Fall nachvollziehbar ist. Und die Steigerung wohl auch nicht. Denn nachvollziehen kann ein Normalverdiener (von Geringverdienern ganz abgesehen) sowieso nicht, inwiefern sich die Lebensqualität eines Menschen steigert, wenn er zu seiner bisherigen halben Million im Jahr noch weitere 40.000 Euro erhält.

Aus dem Senat wird dazu erklärt, dass die Unternehmer in der Privatwirtschaft bei vergleichbarer Tätigkeit noch mehr Geld aushandeln könnten. Die Kritik an den enormen Einkommen sieht ganz unterschiedlich aus. Der Bund der Steuerzahler kritisiert die Höhe, auch im Vergleich zur Bundespolitik, zumal bei etlichen Landesunternehmen eben nicht Leistung zähle, sondern das richtige Parteibuch. Die Gewerkschaften sehen vor allem die riesigen Einkommensunterschiede in Deutschland als Problem. Der Berliner Grünen-Politiker Jochen Esser findet die Berliner Manager auch im Vergleich zu anderen Bundesländern zu teuer. Im Vergleich mit anderen Großstädten fallen die Berliner Spitzengehälter noch drastischer aus. Und Klaus Lederer, Landesvorsitzender der Linkspartei, will vor allem Transparenz und Leistung fürs viele Geld. Gute Fachleute seien besser als abgehalfterte Parteifreunde, meint er. Allerdings dürfe sich „die Sache“ nicht all zu sehr hochschaukeln. Die Berliner Morgenpost nennt einen Fall, in dem sich „die Sache“ extrem hochgeschaukelt hat: Als der Berliner SPD-Politiker Frank Bielka im Jahre 2003 in den Vorstand des Wohnungsunternehmens Degewo wechselte, bekam er 190 000 Euro pro Jahr. 2009 waren es schon 264 000. Macht einen Zuwachs von 12 000 Euro – im Schnitt jedes Jahr.

Worüber in der ganzen Debatte ziemlich wenig geredet wird: Während oben üppige Gehaltsschecks verteilt werden, geht es unten sparsam zu. Jahrelang hatten die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in Berlin wegen der extrem hohen Verschuldung im Rahmen eines Solidarpaktes auf Geld verzichtet. Berlin war zu diesem Zweck aus der Tarifkommission der Länder ausgestiegen. Nach langen und zähen Verhandlungen einigten sich Senat und Gewerkschaften Anfang 2010 auf eine Tarifanhebung für Sommer 2011 um 3,1 Prozent. Zuvor hatte sich allerdings nach Gewerkschaftsangaben seit dem Austritt Berlins aus der Tarifgemeinschaft im Jahre 2003 ein Einkommensrückstand von 5,9 Prozent ergeben. Davon wird nächstes Jahr ein Teil getilgt. Der Tagesspiegel zitiert einen Beamten, der angesichts der jetzt bekannt gewordenen Spitzengehälter fragt, wieso die Manager der Landesunternehmen mehr bekommen als ihrer Kollegen in anderen Städten, die Polizisten und Verwaltungsangestellten aber deutlich weniger. Gute Frage. (wh)

Drucken Drucken

Kommentiere:

| Kommentare werden moderiert |