Rot tagt grün
Umwelt- und energiepolitisch trauen viele der Linken wenig zu. In Kompetenz-Umfragen landet die Partei meist abgeschlagen auf dem letzten Platz, während die grüne Konkurrenz weit vorne liegt. Der Abstand ist in diesen Politikbereichen auch weit größer als etwa beim Thema soziale Gerechtigkeit, wo die Linke knapp besser als die Grünen abschneidet. Wie das in Zahlen aussieht, konnte man sich zuletzt im Juli bei Forsa anschauen. Auch in Sachen Atomausstieg ergibt sich ein zwiespältiges Bild: Die Linke fordert “die unverzügliche und unumkehrbare Stilllegung aller Atomanlagen“ – aber mehr als ein Drittel ihrer Sympathisanten sprachen sich vor einem Jahr in einer Umfrage dagegen aus, vor kurzem erklärten in einer anderen Studie 79 Prozent der Linken-Anhänger, die Atomenergie sei vorläufig unverzichtbar. Bei den Grünen waren die „Abweichler“ in der Anhängerschaft weit weniger zahlreich. Das wird Gründe haben, die womöglich auch in der mangelnden Sichtbarkeit der zweifellos vorhandenen energie- und umweltpolitischen Expertise liegen. Aber sicher nicht nur daran. „Wir müssen zunächst einmal unsere eigenen Defizite aufarbeiten“, hat jetzt der umweltpolitische Sprecher der Bremer Linksfraktion, Klaus-Rainer Rupp, in der Jungen Welt erklärt. Eine Gelegenheit dazu soll eine groß angelegte Energiekonferenz in dieser Woche in Hamburg bieten. Die zweitägige Konfgerenz in “Der Fabrik” wird von den Linksfraktionen im Bundestag und aus fünf Nordwest-Landtagen veranstaltet (warum ist eigentlich keine Ostfraktion dabei?) und soll zahlreiche Workshops zu Energiedemokratie, Green New Deal, Klimagerechtigkeit und anderen Themen bieten. Auf der Agenda stehen zudem der Ausstieg aus der Atomenergie, der Ausbau erneuerbarer Energien, die Rekommunalisierung privatisierter Strombetriebe und das Energiesparen unter den Bedingungen zunehmender Armut. Eingeladen sind auch Vertreter von Umweltschutzinitiativen und Klimaaktivisten. (tos, Grafik: Freitag)
Drucken

Ein Kommentar zu “Rot tagt grün”