Abschied in Schweinfurt

Abschied in Schweinfurt

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Linkenchef Klaus Ernst wird heute als Erster Bevollmächtigter der
IG Metall Schweinfurt verabschiedet. Der 55-Jährige hatte das Amt Ende Juni aufgegeben, nachdem er im Mai an die Parteispitze gewählt worden war. Ernst war seit 1995 bei der Gewerkschaft im Amt – und machte den unterfränkischen Metall-Bezirk zu einem der kritischeren in der Organisation. In der Ära Ernst wuchs die Mitgliederzahl gegen den Trend, es wurde in Schweinfurt mehr demonstriert als anderswo, die IG Metall setzte hier nicht nur betriebliche Akzente: Man erinnert sich an Demos gegen die rot-grünen Rentenpläne oder die Agenda 2010. Noch bevor Schröders Umbau begann, war Oskar Lafontaine von Ernst und Kollegen zu einer Funktionärskonferenz eingeladen worden. Die Kontakte blieben gut, Ernst gehörte zu den Mitgründern der Wahlalternative und stieg in der fusionierten Linken auf. Über Politik und Stil des Gewerkschafters in der neuen Partei ist viel gestritten worden. Und das wird wohl auch so bleiben. Die symbolische Übergabe in Schweinfurt heute an Ernsts bisherigen Stellvertreter Peter Kippes bekommt übrigens prominenten Besuch aus dem linken Gewerkschaftslager. Beim Fest im Ruder-Club Franken von 1882 e.V. haben sich Ex-IG-Metall-Chef Jürgen Peters und Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban angesagt. (tos, Foto: IGM)

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4 Kommentare zu “Abschied in Schweinfurt”

  1. Die sonst bestens recherchierten Informationen auf diesem Blog stützen sich heute – bezogen auf die IGMetall Schweinfurt – auf nicht so klare Quellen. Nur das eigene Urteil und eine Schilderung von Ralf Krämer müssen herhalten. Ich behaupte, dass die ig Metall Schweinfurt schon lange vor 1995 eine der Bastionen der ig Metall war, wegen der großen kugellagerfabriken SKF UND fichtel&sachs, schon vorher ein streikzentrum, und was wichtiger ist, Klaus ernst noch heute in der innergewerkschaftlichen Diskussion eher mittig verortet ist, siehe Debatte um tarifhoheit, wo er mit dreibus zusammen die gemeinsame initiative von DGB und Arbeitgebern unterstüzt, die von gewerkschaftlichen linken heftig kritisiert wird…

  2. tos sagt:

    Mathis, ja, über das “wie links” ist wer in den gewerkschaften kann man lange streiten. die “schilderung von ralf krämer” ist aber in wahrheit ein kapitel aus unserem buch, dem lediglich ein zitat von ralf vorangestellt ist.

  3. Wer mag, kann sich selbst aus der offiziellen Stellungnahme der igm Schweinfurt (s)einen Reim machen:Die Delegiertenversammlung der IG Metall Verwaltungsstelle hat Peter Kippes, den bisherigen 2. Bevollmächtigten, zum neuen Chef der IG Metall in Schweinfurt gewählt. Mit 99 von 106 abgegebenen Stimmen kann sich Kippes auf einen deutlichen Rückhalt bei den Funktionsträgern der IG Metall verlassen. Seinem Amtsvorgänger Klaus Ernst wurde in der gleichen Veranstaltung für sein leidenschaftliches Eintreten für Arbeitnehmerinteressen in den vergangenen 15 Jahren in und für die Gewerkschaft in der Region gedankt.

    Für Kippes steht in erster Linie die Bewahrung der Durchsetzungsfähigkeit „seiner“ IG Metall im Vordergrund seiner Anstrengungen. An zwei Beispielen machte er aber auch deutlich, wo er neue Akzente setzen will.

    Zum einen soll sich die IG Metall künftig mehr als bisher in Fragen der Strukturpolitik zu Wort melden und sich in politische Entscheidungen einmischen. Das gelte auch in Fragen unternehmerischer Entscheidungen. „Unsere Kollleginnen und Kollegen erwarten das ja von uns, dass wir unsere Vorbehalte oder unsere Skepsis gegen bestimmte Entscheidungen Ausdrücken und wenn nötig auch dagegen angehen“, so Kippes. Die IG Metall sei in diesen Fragen Anfang der 90er Jahre in der Region auch schon weiter gewesen als heute.

    Der sich verändernden Mitgliederstruktur will Kippes mit einer weiteren Stärkung der Ehrenamtlichkeit begegnen. Die Schweinfurter Metaller könnten da zwar schon jetzt auf Erfolge blicken, Kippes sieht aber neben der Jugend-, Frauen-, Senioren- und Bilungsarbeit weitere Bereiche in denen Kolleginnen und Kollegen, die nicht bei der IG Metall beschäftigt sind, Verantwortung übernehmen könnten und nach seinem Wunsch übernehmen sollten.

    Kippes hat hier vor allem die Betriebsräte und Vertrauensleute im Blick, die die Unternehmen altersbedingt verlassen „aber uns noch viele Jahre von ihrer Erfahrung profitieren lassen können“, so Kippes wörtlich.

    Mit Klaus Ernst verlässt die Verwaltungsstelle ein Bevollmächtigter der weit über die Grenzen der Region durch seine bundespolitischen Aktivitäten für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Ernst fiel der Abschied sichtlich schwer. In den 15 Jahren seiner Arbeit in Schweinfurt hat sich die Verwaltungsstelle weiter positiv entwickelt. Die Mitgliederzahlen stiegen von etwa 19.500 auf jetzt knapp 22.000. „Ich habe von meinem Vorgänger Gerhard Tollkühn ein bestelltes Feld übernommen und mit euch zusammen erfolgreich weiter entwickelt“, so Ernst in seinem persönlichen Resumee. Er will den Kontakt zur Verwaltungsstelle aufrecht halten – räumte aber gleich ein, dass dies bei der Terminsituation eines Parteivorsitzenden sehr schwierig werden könnte.

    Die Neuwahl wurde notwendig, da der bisherige 1. Bevollmächtigte, Klaus Ernst, nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Partei DIE LINKE, sein Mandat bei der IG Metall zum 30.06.2010 niedergelegt hat. Peter Kippes gehört der Verwaltungsstelle seit 1979 als Mitglied an. In verschiedenen Bereichen war er zunächst ehrenamtlich aktiv. Seit 1993 ist er hauptamtlich bei der IG Metall in Schweinfurt angestellt. 2000 übernahm er die Aufgaben eines politischen Sekretärs, 2006 wurde er 2. Bevollmächtigter. Peter Kippes stammt aus Fuchsstadt bei Hammelburg, ist 48 Jahre alt, verheiratet und er hat eine Tochter.

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