Gauck, Dahn, Lafontaine
Eine echte Dreicksbeziehung: Spiegel online hat mit Jochim Gauck über die Linkspartei geredet, Oskar Lafontaine mit dem Stern über Joachim Gauck gesprochen. In beiden Gesprächen spielt ein Text von Daniela Dahn aus der Süddeutschen eine nicht unwichtige Rolle. Lafontaine teilt „die Auffassung des Willy-Brandt-Kreises der SPD“, dass die Gauck-Behörde „für die Aufarbeitung der DDR-Geschichte ungeeignet war“, heißt es im Stern. Darauf hatte Daniela Dahn in der vergangenen Woche in der Süddeutschen hingewiesen – die Erklärung stammt übrigens von 2005. Auf Spiegel online reagiert wiederum Gauck auf den Dahn-Text. Und zwar ziemlich angefasst. Dahn hatte auf Passagen aus einem Gauck-Beitrag zum Schwarzbuch des Kommunismus verwiesen und festgestellt, dass der Ex-Bürgerrechtler sich darin nicht von Äußerungen distanziert habe, welche die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze als „Unrecht“ ablehnten. Das war 1998. Nunmehr Präsidentenkandidat sagt Gauck dazu: “Aus einem Bericht über Lebensgefühle der Damaligen leitet Frau Dahn die Auffassung des heutigen Joachim Gauck ab. Ich empfinde das als infam. Wenn das von eingefleischten Parteikadern käme – ich könnte damit leben. Aber die als Intellektuelle geltende Dahn erwähnt Zitate von mir, die völlig aus dem Zusammenhang gerissen sind. Das ist nicht zu akzeptieren, weder menschlich noch intellektuell.“ (tos)
Drucken
Daniela Dahn monierte 1998, dass Gauck sich nicht distanziert habe.
Wenn seine heutige Darstellung zutreffend ist, dass er in seinem Schwarzbuch-Beitrag eine um 1950 herumverbreitete Gefühlslage referiert habe, dann musste er sich auch nicht distanzieren.
Nicht dass ich unbedingt Gauck als Präsidenten wollte, aber man muss die Kirche schon im Dorf lassen.
Kirche im Dorf lassen:finde ich auch. Für mich ist erschreckend wie manche LINKSPARTEI-Politiker in einer wahrlich unbequemen Situation, nämlich den Teufel Wulff mit dem Belzebub Gauck auszutreiben, oder anders gesagt die schwarze-gelbe Koaltion in echte Bedrängnis bringen mit einem Kandidaten, der die rot-rot-grüne Alternative ablehnt, wie in dieser schwierigen Situation mit der Wahrheit umgegangen wird.
Gauck kann man berechtigtigterweise genügend Konservativismus vorwerfen, als dass man fälschlicherweise behaupten muß, er verneine die Oder-Neisse-Grenze als deutsche Ostgrenze oder wie Oskar Lafontaine es schamlos betreibt, aufeinmal die vor lauter Schlägen auf PDS-Politiker schon ganz abgenutzte Stasi-Keule auf gegen den Pfarrer der “Kirche im SOzialismus” Gauck zu schwingen.
Wie kann man nur in wenigen Tagen so viel Porzellan zerschlagen. und dann noch glauben, das merkt keiner. Schlechte Berater!!!!
Gauck ist sicherlich nicht ein Vertreter der Kirche im Sozialismus gewesen. Dieses Konzept beinhaltete nicht, sich Priviligien durch einen von der Kirche abgelehnten Geheimdienst verschaffen zu lassen.
Es gehört schon reichlich Unverfrorenheit dazu das aus Bonhoeffers “Kirche für andere” abgeleitete Konzept mit diesem Priviligienhascherl gleich zu setzen.