Keine Absicht
Der Thüringer Wahlpannenkrimi ist zur Hälfte gelöst – durch Selbstanzeige. Die Linkspartei-Abgeordnete Sabine Berninger hat sich noch am Freitagabend schriftlich zu Wort gemeldet und sich für ihren „Fehler“ entschuldigt. „Nachdem ich von meinem Wahlrecht im ersten Wahlgang Gebrauch gemacht hatte, verließ ich den Plenarsaal für ein Gespräch in der Lobby des Thüringer Landtages. In der Annahme, ein neuer Wahlgang sei aufgerufen, eilte ich wieder in den Plenarsaal und wählte erneut“, so die 38-Jährige. Was zumindest eine der beiden überzähligen Stimmen bei der Wahl der Verfassungsrichter erklären würde. Während Berninger bei einem vertraulichen Gespräch mit Ältestenrat und Landtagspräsidentin Diezel versichterte, es sei „in keinster Weise meine Absicht gewesen ist, den Wahlgang zu stören, den Verfassungsgerichtshof oder den Thüringer Landtag zu brüskieren“, glaubt die CDU im Freistaat offenbar, den Fall politisch ausschlachten zu können. Generalsekretär Mario Voigt war sogar derart „sprachlos angesichts dieser Dreistigkeit“, dass er gleich herumerzählte, dies rieche für ihn „ganz klar nach Wahlbetrug“. Und der CDU-Abgeordnete Wolfgang Fiedler, der bisher vor allem durch eine Prügelei in einem Bordell aufgefallen war, rief umgehend nach dem Staatsanwalt: „Bei aller Unschuldsvermutung: Das war Absicht.“ (tos)
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